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Buchkritik: "Das EVA-Prinzip" von Eva Hermann
Barbie sucht Ken
Von Helke Sander
Wenn eine derartig geschulte und durch Seriosität geprägte Journalistin praktisch auf jeder der 260 Seiten über den unheilvollen Einfluss DER Frauenbewegung und DER Feministinnen auf die bundesdeutsche Gesellschaft schreiben kann, ohne dass ihr Verlag Genauigkeit verlangt hätte oder wenigstens eine Bibliographie und Anmerkungen zur Abstützung einer jeden Behauptung, dann finde ich das weitaus bemerkenswerter als ihre Thesen (auch vor dem Hintergrund, dass gleichzeitig die Zeitungen, Nachrichten, Gesprächsrunden im Fernsehen voll sind von Ermahnungen, nicht von DEN Moslems zu schreiben, die gewaltbereit seien oder DEN Türken, die ihre Töchter zwangsverheiraten). Bei DEN Feministinnen kommts offenbar nicht so darauf an.

Helke Sander
Foto: privat
Frau Hermann entdeckt als späte Mutter, dass die Gesellschaft, in der sie mit ihrem Kind nun angekommen ist, weder ihr noch dem Kind gut tut. Sie blickt sich um und sieht Mißstände. Darum ist nicht alles falsch, was in dem Buch steht, aber das Richtige ist auch nicht neu oder eine Entdeckung von Hermann.
Es ist vor allem ein lausig recherchiertes Buch, das unglaublich ärgerlich zu lesen ist für alle diejenigen, die sich seit langem mit der Nachkriegsgeschichte in beiden Deutschlands befasst haben und eine Ahnung haben von den Auseinandersetzungen über die Erreichung auch nur der kleinsten Ziele, um auch Frauen das Gefühl zu vermitteln, dass ein demokratischer Staat auch sie meint, und die außerdem wissen, welchen Schwankungen, Konflikten, Richtungsstreits alle diejenigen ausgesetzt sind, die über eine politische Bewegung die Verhältnisse ändern wollen, und welche Rolle der Vernebelung die großen Medien dabei gespielt haben.
Der Text von Hermann ist durch und durch mariniert im Widerwillen oder sogar Hass der Autorin gegen DIE Feministinnen. Sie wirft ihnen vor, Kinderlosigkeit und Männerfeindlichkeit propagiert zu haben. Zum Teil stimmt das sogar. Sie unterschlägt aber, dass diejenigen in der Frauenbewegung, die andere Richtungen verfolgten, von den offiziellen Medien, zu denen Frau Hermann gehörte, nicht zur Kenntnis genommen wurden.
Frauen aus der Frauenbewegung, die die Kinderfrage zu ihrem Thema machten, waren für die Medien, zu denen Frau Hermann bisher gehörte, nicht attraktiv. Diese Frauen boten keine einfachen Lösungen. Sie machten das Dilemma zum Thema, dass seit Jahrhunderten die Stabilität der Familie auf der Rechtlosigkeit der Frauen ruhte und dass natürlich die formelle Gleichberechtigung (die auch erstmal errungen werden musste und muss) diese Stabilität zerstört, ohne sofort bessere Alternativen anbieten zu können. Dass Frauen- und Kinderfrage zusammen gehören, war DAS Thema der beginnenden neuen Frauenbewegung und stieß auf absolutes Desinteresse aller führenden Medien. Es bot mehr Kick, wenn in den Zeitungen Mütter vorgestellt wurden, die aus der Tatsache, dass sie ihr Kind alleine haben wollten, eine Ideologie machten. Simone Beauvoir und ihr männerähnliches Leben ohne Verantwortung für Kinder vorzustellen, war attraktiver, als die Kritik daran, die ebenfalls aus der Frauenbewegung kam. Eine Kritik an der ganzen Gendertheorie, die durchaus existiert, findet nicht den Weg in die großen Medien, es war nicht attraktiv für die Medien, über die Planung einer feministischen Partei mit Männern, in deren Mittelpunkt das Kind stand, nicht nur zu berichten, sondern dies in einen kontinuierlichen Diskussionszusammenhang zu stellen. Das von Hermann erwähnte "Müttermanifest" ist ein Beispiel unter vorangegangenen vielen anderen, über das zwar viel intern gestritten wurde, aber eben nicht in den allgemeinen Medien usw, usw.
In einer Art Wortdurchfall schildert die Autorin, dass der Feminismus den Frauen die Sehnsucht nach Kindern ausgetrieben habe. Anstatt ihre Kinder zu genießen, würden sie die zu schnell in Krippen und Kindergärten geben und so wesentlich zur Zerstörung der Familien beitragen und selber schuld am kommenden einsamen Alter sein - und alles nur deswegen, weil sie sich selbst verwirklichen wollten. Sie ignoriert z.B. vollkommen die Anstrengungen, Kindergartenplätze für Migrantenkinder zu schaffen, damit sie frühzeitig deutsch lernen und reale Chancen in der Schule und im späteren Beruf bekommen.
Vielleicht bewirkt der Ärger über dieses Buch, das ja eine ungeheure Auflage und Medienpräsenz hat - und vielleicht genau deswegen mit dem Holzhammer arbeitet, weil das Auflage bringt - , dass kompetentere und weniger vereinfachende Leute sich berufen fühlen, die angesprochenen Konflikte mit mehr Intelligenz und Recherche zu vertiefen.
Anm. in eigener Sache: Von Richtungsstreits in der Frauenbewegung über die Kinderfrage handelt mein eigener (selbstproduzierter Film, weil sich keine Sendeanstalt für das Thema interessierte) "Mitten im Malestream" zu beziehen als DVD über www.neuevisionen.de
Anm.2: Eins der informativsten und aufregendsten Bücher zur Frauen- und Familienpolitik seit der Nachkriegszeit ist das Buch von Robert G.Moeller"Geschützte Mütter" dtv München 1997
Das EVA-Prinzip ist 2006 im Pendo Verlag München erschienen
Online-Flyer Nr. 64 vom 03.10.2006
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Buchkritik: "Das EVA-Prinzip" von Eva Hermann
Barbie sucht Ken
Von Helke Sander
Wenn eine derartig geschulte und durch Seriosität geprägte Journalistin praktisch auf jeder der 260 Seiten über den unheilvollen Einfluss DER Frauenbewegung und DER Feministinnen auf die bundesdeutsche Gesellschaft schreiben kann, ohne dass ihr Verlag Genauigkeit verlangt hätte oder wenigstens eine Bibliographie und Anmerkungen zur Abstützung einer jeden Behauptung, dann finde ich das weitaus bemerkenswerter als ihre Thesen (auch vor dem Hintergrund, dass gleichzeitig die Zeitungen, Nachrichten, Gesprächsrunden im Fernsehen voll sind von Ermahnungen, nicht von DEN Moslems zu schreiben, die gewaltbereit seien oder DEN Türken, die ihre Töchter zwangsverheiraten). Bei DEN Feministinnen kommts offenbar nicht so darauf an.

Helke Sander
Foto: privat
Frau Hermann entdeckt als späte Mutter, dass die Gesellschaft, in der sie mit ihrem Kind nun angekommen ist, weder ihr noch dem Kind gut tut. Sie blickt sich um und sieht Mißstände. Darum ist nicht alles falsch, was in dem Buch steht, aber das Richtige ist auch nicht neu oder eine Entdeckung von Hermann.
Es ist vor allem ein lausig recherchiertes Buch, das unglaublich ärgerlich zu lesen ist für alle diejenigen, die sich seit langem mit der Nachkriegsgeschichte in beiden Deutschlands befasst haben und eine Ahnung haben von den Auseinandersetzungen über die Erreichung auch nur der kleinsten Ziele, um auch Frauen das Gefühl zu vermitteln, dass ein demokratischer Staat auch sie meint, und die außerdem wissen, welchen Schwankungen, Konflikten, Richtungsstreits alle diejenigen ausgesetzt sind, die über eine politische Bewegung die Verhältnisse ändern wollen, und welche Rolle der Vernebelung die großen Medien dabei gespielt haben.
Der Text von Hermann ist durch und durch mariniert im Widerwillen oder sogar Hass der Autorin gegen DIE Feministinnen. Sie wirft ihnen vor, Kinderlosigkeit und Männerfeindlichkeit propagiert zu haben. Zum Teil stimmt das sogar. Sie unterschlägt aber, dass diejenigen in der Frauenbewegung, die andere Richtungen verfolgten, von den offiziellen Medien, zu denen Frau Hermann gehörte, nicht zur Kenntnis genommen wurden.
Frauen aus der Frauenbewegung, die die Kinderfrage zu ihrem Thema machten, waren für die Medien, zu denen Frau Hermann bisher gehörte, nicht attraktiv. Diese Frauen boten keine einfachen Lösungen. Sie machten das Dilemma zum Thema, dass seit Jahrhunderten die Stabilität der Familie auf der Rechtlosigkeit der Frauen ruhte und dass natürlich die formelle Gleichberechtigung (die auch erstmal errungen werden musste und muss) diese Stabilität zerstört, ohne sofort bessere Alternativen anbieten zu können. Dass Frauen- und Kinderfrage zusammen gehören, war DAS Thema der beginnenden neuen Frauenbewegung und stieß auf absolutes Desinteresse aller führenden Medien. Es bot mehr Kick, wenn in den Zeitungen Mütter vorgestellt wurden, die aus der Tatsache, dass sie ihr Kind alleine haben wollten, eine Ideologie machten. Simone Beauvoir und ihr männerähnliches Leben ohne Verantwortung für Kinder vorzustellen, war attraktiver, als die Kritik daran, die ebenfalls aus der Frauenbewegung kam. Eine Kritik an der ganzen Gendertheorie, die durchaus existiert, findet nicht den Weg in die großen Medien, es war nicht attraktiv für die Medien, über die Planung einer feministischen Partei mit Männern, in deren Mittelpunkt das Kind stand, nicht nur zu berichten, sondern dies in einen kontinuierlichen Diskussionszusammenhang zu stellen. Das von Hermann erwähnte "Müttermanifest" ist ein Beispiel unter vorangegangenen vielen anderen, über das zwar viel intern gestritten wurde, aber eben nicht in den allgemeinen Medien usw, usw.
In einer Art Wortdurchfall schildert die Autorin, dass der Feminismus den Frauen die Sehnsucht nach Kindern ausgetrieben habe. Anstatt ihre Kinder zu genießen, würden sie die zu schnell in Krippen und Kindergärten geben und so wesentlich zur Zerstörung der Familien beitragen und selber schuld am kommenden einsamen Alter sein - und alles nur deswegen, weil sie sich selbst verwirklichen wollten. Sie ignoriert z.B. vollkommen die Anstrengungen, Kindergartenplätze für Migrantenkinder zu schaffen, damit sie frühzeitig deutsch lernen und reale Chancen in der Schule und im späteren Beruf bekommen.
Vielleicht bewirkt der Ärger über dieses Buch, das ja eine ungeheure Auflage und Medienpräsenz hat - und vielleicht genau deswegen mit dem Holzhammer arbeitet, weil das Auflage bringt - , dass kompetentere und weniger vereinfachende Leute sich berufen fühlen, die angesprochenen Konflikte mit mehr Intelligenz und Recherche zu vertiefen.
Anm. in eigener Sache: Von Richtungsstreits in der Frauenbewegung über die Kinderfrage handelt mein eigener (selbstproduzierter Film, weil sich keine Sendeanstalt für das Thema interessierte) "Mitten im Malestream" zu beziehen als DVD über www.neuevisionen.de
Anm.2: Eins der informativsten und aufregendsten Bücher zur Frauen- und Familienpolitik seit der Nachkriegszeit ist das Buch von Robert G.Moeller"Geschützte Mütter" dtv München 1997
Das EVA-Prinzip ist 2006 im Pendo Verlag München erschienen
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