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Aktueller Online-Flyer vom 10. Juni 2026  

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Inland
Gedanken eines Bürgers beim NRW-Bürgerfest in Düsseldorf
"Auffallend war..."
Von Manfred Demmer

!!teaser_start!Anläßlich des 60. Jahrestages der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen lud die Landesregierung zu  einer "Geburtstagsfeier" ein. Wie vor zehn Jahren  sollten sich die Bürger bei einem Bürgerfest  einbringen und mitfeiern. Manfred Demmer von der Kulturvereinigung Leverkusen e. V., der vor zehn Jahren mit einem Beitrag "Reflexionen über NRW" vertreten war und diesmal wegen  "Problemen bei der Anmeldung" nicht wieder mit einem Beitrag dabei sein konnte - machte sich auf dem Fest seine Gedanken. Die Redaktion.!

Die Bürger NRWs, die das Bürgerfest besuchten, werden sicher zwei interessante Tage in Düsseldorf erlebt haben. Präsentation und Programm boten vielfältige Einblicke in das kulturelle, wirtschaftliche und politische Leben unseres Landes. Dazu sind allerdings einige Anmerkungen nötig:

Auffallend war, dass das Land Nordrhein-Westfalen vieles anzubieten hatte, von Reibekuchen über die verschiedensten Würste bis zu allen Biersorten. Auffallend war, dass keine Parteipolitik gemacht werden sollte - bei näherem Hinsehen allerdings kam diese dann durch die Hintertür, wie z.B. bei der Präsentation Konrad Adenauer und NRW.

Auffallend war auch, dass Themen, die den arbeitenden und arbeitslosen Menschen in NRW auf den Nägeln brennen, so gut wie nicht sichtbar waren. Trotz Suche war kein Hinweis auf die Rolle der Gewerkschaften in diesem Lande zu finden, auch sah ich keinen Stand einer Gewerkschaft. Hatten die keine Lust oder durften sie nicht?

Auffallend war auch, dass viele Vereinigungen sich in den Regionen des Landes mit dessen Geschichte befassen, dass jedoch noch immer die jüngere deutsche Geschichte ab 1933 unterrepräsentiert ist - wenn auch bemerkenswert war, dass sich viele um die Geschichte der jüdischen Menschen in ihrer Region bemühten. Es gereicht der VVN - Bund der Antifaschisten zur Ehre, dass sie in ihrer Präsentation dieses Thema anging und aktuelle Bezüge darstellte. Neben der VVN wandten sich erfreulicherweise manche Initiativen aus unterschiedlichen Orten den Problemen der ausländischen Bürger in unserem Lande zu.

Diese Feststellungen sollen keineswegs die Mühen der Menschen, die in den Vereinen mit viel Enthusiasmus bemüht waren, herabwürdigen, obwohl mir bei der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus mit deren "Aktivitäten im östlichen Europa", beim "Verband der Reservisten der deutschen Bundeswehr" oder beim Bund der Vertriebenen manche Fragen durch den Kopf gingen.

Das aktuelle Bürgerfest machte auf mich den Eindruck, dass noch mehr auf "Events" geachtet wurde als vor zehn Jahren. Mein damaliger halbstündiger Auftritt - in welchem ich die Themen musikalisch und durch lustige Texte unterlegt behandelte, die in der offiziellen NRW-Geburtstagsdarstellung fehlten (Landesverfassung "Recht auf Arbeit" oder "Im Mittelpunkt des Wirtschaftslebens steht der Mensch", Neofaschismus, Soziale Probleme usw.) - war damals ja gut angekommen, als eine von mehreren kritischen Würdigungen zum 50. Geburtstag. Diesmal fehlte so was - wie dem Programm zu entnehmen war - ganz.

Nun wird versucht, ganz im Stil des "Weltmeisterschaftsnationalismus" auf kleiner Flamme ein "Wir-Gefühl" für die Nordrhein-Westfalen zu schaffen, durch das Probleme, die den Menschen auf den Nägeln brennen, mit einer Eventkultur zugedeckelt werden sollen. Dies zu betonen, heißt in keinem Falle, die vorzüglichen Leistungen vieler Mitwirkender runter zu machen. Wenn dieses Bürgerfest eine Aufgabe hatte, dann sicher die, den vielen qualifizierten  Amateuren aus Musik-, Gesang- oder Sportgruppen eine einmalige Bühne vor einem interessierten großen Publikum zu bieten.

Und dies ist und war allemal besser als die bekannten Auftritte von Ministerpräsident Rüttgers und von Düsseldorfs OB Joachim Erwin. Für die Nordrhein-Westfalen, die dem Land wieder eine menschliche Note geben wollen - und die sich gegen das Primat der Ökonomie und der sich als "Partner" sonnenden Arbeitsplatzvernichter Bayer, Thyssen-Krupp, Telekom u.a. wenden -, sollte das Motto des Festes in abgewandelter Form Richtschnur bleiben: "Wir in Nordrhein-Westfalen streiten gemeinsam - für ein lebenswertes Land, in dem der Mensch wieder mehr gilt als der Geldsack der Aktionäre und Arbeitsplatzkiller".


Online-Flyer Nr. 59  vom 29.08.2006

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