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Aktueller Online-Flyer vom 17. Oktober 2017  

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Kultur und Wissen
Der Fern-Seher - Folge 3
Schröder im "Buch der Geschichte"
Von Ekkes Frank

Gerhard Schröder wird ja jetzt nicht nur hochbezahlter Berater eines Schweizer Konzerns, nein: er wird auch Maler. Habe ich gelesen! Er lässt wirklich nichts unversucht, um doch noch irgendwie im Geschichtsbuch zu landen (Helmut Kohl würde sagen: im "Puch der Geshishte").

Nachdem es nun nix geworden ist mit dem bleibenden Ruhm als Grökaz (für die Nachgeborenen: Größter Kanzler aller Zeiten, eine Anspielung auf den seinerzeitigen Gröfaz), und weil auch kein Mensch die Reihe Fritz Walter, Pele, Beckenbauer, Zidane, Platini fortsetzen würde mit "Acker" (das war Schröders kick-name).

Ringiers neuer Mann: Gerhard Schröder
Ringiers neuer Mann: Gerhard Schröder
Foto: Blick-online


Es ist schon ein Elend mit diesen 68ern. Alle zusammen - so arg viele waren es ja nicht, die meisten von dieser Generation waren Figuren wie Friedrich Merz oder Guido Westerwelle - alle zusammen haben es erstaunlicherweise erreicht, dass überraschend viele Deutsche heutzutage bei Rot über die Straße gehen (wenn grade kein Auto kommt) oder schwarz U-Bahn fahren. Erstaunlich: angesichts der Vorbilder, die wir hatten, ich sage nur Ritterkreuz-Mende, Starfighter-Wörner und Herbert "die Pfeife" Wehner. Es gibt heute nicht nur eine Mehrheit links von der Mitte, es gibt eben auch ein antiautoritäres Grundgefühl, zumindest bei einer Mehrheit der Wessis.

Nur: Männer (oder auch Frauen), die es ins Geschichtsbuch aufzunehmen lohnte, sehe ich keine bei den 68ern. Benno Ohnesorg? Versehentlich und zu früh erschossen, um ein Großer zu werden. Rudi Dutschke - im Grunde das gleiche Elend. Otto Schily? Hahaha, hohoho! Joschka Fischer? Ich bitte Sie! Wenn einer als Steineschmeißer und turnschuhtragender Ex-Taxifahrer es zum beliebtesten Politiker in den Umfragen bringen kann, jahrelang, dann muss er irgendwas richtig gemacht haben; wahrscheinlich waren es seine fünf Ehen. Das Private ist politisch - einer der Slogans der 68er. Na wunderbar: wie politisch ist denn eine Hochzeit in Rom oder eine Doris im Reihenhaus! Und: das Politische ist privat - wen geht es etwas an, welche Überzeugungen der G-Punkt Schröder und der Joschka haben (wenn sie dann welche haben bzw. je hatten)?

Jetzt hat dieses Land, dieses deutsche, zum ersten Mal eine Kanzlerin. Keine 68erin. Eine Ossi. Ein "Mädchen von Kohl". Die alten 68er machen sich geräuschvoll und geruchlos vom Acker. Aus der Ferne betrachtet: ziemlich langweilig, das alles. Fischer wird vögeln. Schröder wird malen. Merkel wird regieren (glaubt sie). Zu gerne würde ich in the year 2525 ein Geschichtsbuch aufschlagen, um nachzulesen, was da steht über das Deutschland zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Dabei ahne ich es schon: nichts wird da stehen, gar nichts. Nicht einmal der Kunstmaler Schröder wird erwähnt werden. Zu Recht natürlich.


Online-Flyer Nr. 20  vom 30.11.2005

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