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Inland
Nach dem dritten gescheiterten Abschiebeversuch
Promi-Kampagne für Serif
Von Peter Kleinert

Nach drei erfolglosen Abschiebeversuchen - zuletzt erstaunlicherweise mit einem Linienflug der Lufthansa - verhängte das Amtsgericht Schlüchtern am vergangenen Mittwoch drei weitere Monate Abschiebehaft für den jungen Kurden Serif Akbulut (Siehe NRhZ 52 bis 57) Er ist seitdem wieder in der JVA Wiesbaden, gibt aber nicht auf. Seine Unterstützer im "Bündnis für Bleiberecht" haben jetzt eine bundesweite Prominentenkampagne für ihn und weitere von Abschiebung bedrohte Flüchtlinge gestartet.
Die kurdische Familie Akbulut war 1998 vor politischer Verfolgung aus der Türkei geflohen. Vater, Mutter und Sohn leben seit fast acht Jahren in Deutschland. Obwohl der Vater gleich zu Beginn des Asylverfahrens detailliert über Foltererlebnisse in der Türkei gesprochen hatte und die Mutter (trotz männlichem Anhörer und in Beisein ihres Mannes!) sexualisierte Gewalt angedeutet hatte, obwohl zahlreiche Gutachten von behandelnden Ärzten und Psychologen Frau Akbulut als suizidgefährdet beschrieben, betrieben die hessischen Behörden weiter die Abschiebung der Familie, vor allem die von Serif.

Serif Akbulut (rechts) nach dem Sieg im
Serif Akbulut (rechts) nach dem Sieg im "Antirassistischen Fußballturnier"
Foto: Jutta Ditfurth

Der junge Kurde lebt seit seinem 12.Lebensjahr in Deutschland, hat hier den Schulabschluss gemacht, ist gut integriert und seit Jahren aktiver Fußballer in Bad Soden Salmünster - ein Grund mehr, dass sich auch der dortige Sportverein für ein Bleiberecht der Familie einsetzt.
Seit seiner ersten Inhaftierung und einem ersten Abschiebeversuch am 7.Juli hat sich der Gesundheitszustand seiner Mutter dramatisch verschlechtert. Serif ist die wichtigste Vertrauensperson der Eltern, er ist zuständig für Behördengänge und Arztbesuche. Ohne ihn sind die Eltern hilflos und leben in ständiger Angst. Das einzige, was Serif nicht geschafft hat: den Lebensunterhalt seiner Familie zu sichern. Denn eine Arbeitserlaubnis wurde ihm seitens der Ausländerbehörde verweigert, obwohl ihm Arbeitsplätze angeboten worden waren. Abgesehen von seiner Sorge um die Eltern hat Serif vor der Abschiebung in die Türkei auch deshalb Angst, weil er befürchtet, aufgrund der zugespitzten Lage dort, als Soldat bei Kriegshandlungen gegen Kurden oder gar im Grenzgebiet des Irak eingesetzt zu werden.

Demo für Serif vor der JVA Franfurt-Preungesheim
Demo für Serif vor der JVA Franfurt-Preungesheim
Foto: Jörg Schmidt

Drei Abschiebeversuche sind bisher am Widerstand von Serif Akbulut gescheitert, der letzte wurde mit Schlägen, Würgen und Fesseln mit Klebebändern durchgeführt, was zu Verletzungen bei Serif führte. Trotzdem gelang es ihm bisher jedes Mal, durch lautstarken Protest, die Piloten der Türkisch Airlines und der Lufthansa dazu zu bringen, dass sie seine Mitnahme verweigerten. Jetzt sitzt er wieder bis Oktober in Abschiebehaft (23 Stunden täglich in Einzelhaft) und soll dann laut Gerichtsentscheid mit einer Sammelabschiebung in die Türkei verschleppt werden.

Der in der Kampagne für Serif engagierte Lehrer und Poet Hartmut Barth-Engelbart erklärt in einem Rundschreiben im Rahmen der nun begonnenen Promi-Kampagne: "Alle unsere Aktionen haben zwar den Fall publik gemacht, Demonstrationen, Kundgebungen, Petitionen , Lesungen, Konzerte, Mail- und Fax-Aktionen können aber anscheinend die Abschieberbanden nicht aufhalten." Andererseits sei es in den letzten Jahren "in einer Reihe von Fällen gelungen die Abschiebung von Kindern und ihrer Familien u.a. auch aus dem Bereich meines GrundschulKinderChores, der Lamboy-Kids- zu verhindern oder wenigstens hinauszuzögern." Bei Serif Akbulut solle seitens der Behörden nun wohl "ein Präzedenzfall geschaffen werden". Deshalb seine Bitte: "Unterstützt die Promi-Kampagne und sendet diesen Aufruf an alle euch zugänglichen "prominenten" Menschen guten Willens."

Weitere Informationen
Bündnis für Bleiberecht
c/o Diakonische Flüchtlingshilfe
Johanneskirchplatz 1
63450 Hanau
Tel./Fax 06181-184369
Email: df.hanau@gmx.de
www.bleiberecht.info


Online-Flyer Nr. 58  vom 22.08.2006

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