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Sport
Fußball Weltcup 2026
Proletarischer Sport – Klassenkampf global
Von Werner Rügemer
Der Sport gehört in den USA mit seiner Kapitalisierung und mit der Inszenierung einzelner Höchstleister, gerade wenn sie aus der Unterklasse kommen, zur soft power. Je mehr die USA und befreundete Staaten ihre Mehrheitsbevölkerungen verarmen – desto mehr soll die Nation durch Sporterfolge verschönt, aufgewertet und zusammengehalten werden. Je mehr die Völkerverständigung durch Kriege verletzt wird, desto mehr wird sie über Sportevents inszeniert, ersatzweise, etwa nach dem Vorbild des US-Basketball. So wurde und wird es auch beim Tennis und den Olympischen Spielen gemacht. Aber Fußball ist nochmal etwas anderes.
Fußball: Durch die Arbeiterklasse zum Massensport
Das Spielen mit einem Fußball wurde in englischen Elite-Internaten entwickelt. Aber das war getänzeltes Dribbling von vornehmen Jugendlichen: Sie mußten sich gut benehmen und durften sich nicht gegenseitig anrempeln. Als im aufsteigenden Kapitalismus Englands des 19. Jahrhunderts dann die Zahl der Arbeiter schnell anstieg und sie sich durch Gewerkschaften und Streiks auch Freizeit erkämpften, holten sie sich den Fußball – aber machten daraus einen Kampfsport, mit Körpereinsatz in gemeinsam kämpfenden Mannschaften, gegeneinander, schneller, kämpferischer, auch mit immer mehr miteifernden, feiernden Zuschauern, ebenfalls aus der Arbeiterklasse.
Danach – wir überspringen mehrere historische Stationen - wurde auch der wirkmächtigste proletarische Sport, der Fußball, in der „westlichen Zivilisation“ schrittweise kapitalisiert und globalisiert, zunächst durch immer reichere Sponsoren, durch Sport-, Getränke- und Wettkonzerne, zuletzt immer mehr durch die reichen Scheichs der Golfstaaten – und gleichzeitig global durch den Welt-Fußballverband Fifa.
Der Massensport wurde zur Geschäftsgrundlage, auch weil er Massen auch der unteren Klassen immer noch, immer wieder und in den Entwicklungsländern ganz neu begeistern kann – obwohl er zunehmend gekauft ist. Spieler aus dem globalen Süden werden in den reichen Staaten des „klassischen“ Fußballs, also wie in England, Frankreich, Deutschland, Spanien, Belgien, Italien und nachholend zwischen auch in den USA, zu umjubelten Stars, sind Multimillionäre, auch Werbeträger - aber sie sind Söldner. Und inzwischen sind auch Millionen Akademiker und Besserverdiener, auch Studenten unter den Zuschauern in den vollbesetzten Stadien.
Da gibt es schon mal Proteste, etwa wenn der größte Rüstungskonzern in Deutschland, Rheinmetall, 2024 sich beim kritisierten Aufstieg im Krieg der Ukraine als populistische Maßnahme zum Sponsor des führenden Fußballclubs Borussia Dortmund machte. Aber solche Proteste versanden. Leitmedien und die hochverdienenden Trainer und Spitzenspieler spielen in der Profitmaschine mit. Und auch das deutsche staatliche Zwangs-Fernsehen kommt am Ende der täglichen Hauptnachrichten ohne Szenen der Bundesliga nicht aus: Der Volkswirtschaft und den Lohnabhängigen mag es noch so schlecht gehen, die Bundesregierung mag noch so unbeliebt sein – aber die „Massen“ machen beim Fußball noch mit, begeistern sich, freuen sich gemeinsam, wenigstens hier und TV-mäßig hochgejubelt.
Hier wird noch richtig gekämpft, auf diesem Spielfeld. Wer in seiner Gewerkschaft nicht so richtig kämpfen kann oder darf oder sowieso in keiner Gewerkschaft ist, in der Arbeitslosen-Arbeiter-Ruhrgebietsstadt Dortmund – hier darf er sich an schönen Mannschaftskämpfen freuen und mitfiebern, auch wenn die hohen Einkommen nur bei ein paar Dutzend überreicher Spielerstars landen und die Tickets immer teurer werden.
Fußball-Weltcup 2026: Jetzt auch der Globale Süden dabei
Der bisherige Höhepunkt der Kapitalisierung des Fußballs ist die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, mit den Neben-Austragungsorten Mexiko und Kanada. Mit der erweiterten Zahl der nun 48 Nationalmannschaften wurden vor allem Mannschaften des Globalen Südens neu einbezogen, auch sehr kleine und arme Staaten, vor allem zehn aus Afrika: Marokko, Senegal, Ägypten, Algerien, Kap Verde, Elfenbeinküste, Südafrika, Ghana, DR Kongo und Tunesien. Sie kommen damit vielfach zum ersten Mal auf die Weltbühne.
Viele ihrer Spieler sind in Fußballclubs der reichen Staaten und neuerdings den Golfstaaten groß geworden, als medial gefeierte, einzelne Söldner – aber in den Nationalmannschaften ihrer Herkunftsstaaten, jetzt zusammen mit den einheimischen Mitspielern, in einer gemeinsam kämpfenden Mannschaft, können sie nun auch von ihren eigenen Bevölkerungen viel intensiver gefeiert werden.
Gefeiert wird auch in den Migranten-Vierteln der reichen Staaten. Und auch die meist armen Menschen in den armen Staaten sehen und fühlen sich aufgewertet; sie verbreiten ihre Freudentänze in ihren smartphones und nationalen TVs – und werden auch in den Leitmedien der reichen Staaten gezeigt (ein wenig): Sie dürfen dabei sein.
Neue Symbiose: Fifa mit US-Kapitalisten und US-Regierung
So fanden die Fifa und der extrem populistisch die Arbeiter umwerbende gegenwärtige US-Präsident, gleichzeitiger Mehrfach-Milliardär, zu einer Symbiose. Fifa-Präsident Gianni Infantino nahm seinen Wohnsitz in Miami, in der Nachbarschaft seines angebeteten US-Präsidenten Donald Trump. In dessen New Yorker Hochhaus mietete die Fifa ein Büro – es wird kaum benutzt, aber Miete wird gezahlt. Infantino gründete den Fifa-“Friedenspreis“ und verlieh ihn an Trump, als Ersatz für den von Trump gewünschten Friedens-Nobelpreis. Die Fifa will mit Fußball die Welt zu einem besseren Ort machen – Trump will die Welt zu Frieden und die Arbeiter in den USA zu neuem Wohlstand führen (und bewirkt natürlich das Gegenteil und bereichert mit Supergewinnen nicht nur seinen Milliardärs-Clan).
Fußball spielt in den USA bisher eine untergeordnete Rolle, gewinnt aber langsam an Bedeutung – aber umso mehr neben Europa schon länger eben auch in armen Staaten des Globalen Südens, in Lateinamerika und besonders in Afrika. Das hatten im letzten Jahrzehnt auch die mit den USA eng verbundenen Golfstaaten schon entdeckt: Sie holten sich den Fußball, auch um ihre Millionen armer migrantischer Arbeiter aus Asien mit dieser soft power zu überziehen, aber um zugleich auch ein neues globales Geschäftsfeld zu entwickeln, wie mit anderen Sportarten.
So wurde der Fußball Weltcup 2026 im Zusammenspiel der mehrheitlichen US-Sponsoren, der US-Regierung, der US-Leitmedien und der Fifa in erweiterter Form kapitalistisch-geopolitisch überlagert. Vor allem US-Weltkonzerne wie Coca Cola, McDonald's, VISA, Bank of America, Verizon (Funknetze) und Betano (Sportwetten) nutzen ihre schon bisherige Rolle als Sponsoren für die jetzt global erweiterte Eigenwerbung und Geschäfte, auch in Lateinamerika, vor allem in Afrika. Der Fifa-Konzern, der seinen Geschäftssitz in der Finanz- und Steueroase Schweiz hat, erwartet Gewinne bis 14 Milliarden US-Dollar.
US-Befehl: Sklavenaufstands-Symbol vom Mannschaftstrikot entfernen!
So sind zwar einige Austragungsorte auch in Mexiko und Kanada, die sowieso zum unmittelbaren Einflussgebiet der USA gehören (sollen), mit allerdings mehr Widerstand durch die aktuellen Regierungen von Claudia Sheinbaum und Mark Carney – denen musste Trump deshalb auch ein Zückerchen zuteilen.
So finden aber 78 der 104 Spiele in den USA statt. Deshalb setzt die US-Regierung auch ihre politischen Ziele durch. Unbeliebte Staaten sind ausgeschlossen, mit Einreiseverboten, so für Russland, Pakistan und die DR Kongo. Ein offizieller Fifa-Schiedsrichter aus Somalia durfte nicht einreisen (und wurde zuhause jubelnd empfangen). Damit die US-Mannschaft der USA siegen können sollte, griff Trump in die Fifa-Regeln ein: Der vom Fifa-Schiedsrichter mit Roter Karte gesperrte US-Nationalspieler Folerin Balogun, der aus Nigeria stammt und bisher der erfolgreichste US-Torschütze der Weltmeisterschaft - er durfte auf Trumps Befehl an Infantino doch wieder spielen, im nächsten wichtigen Spiel gegen die starken Belgier! USA muss gewinnen, unter Bruch aller Regeln und Rechte, auch im Fußball – und auch hier nützte es nichts: Die US-Mannschaft verlor, wie das den USA jetzt häufiger passiert, unter dem Jubel im Globalen Süden.
Auf Kommando der US-Regierung wurde nicht hereingelassen das Begleitpersonal des Iran und der Elfenbeinküste – und Haiti musste das Trikot seiner Nationalmannschaft ändern: Das Symbol für den nationalen Befreiungskampf 1803 gegen die sklavenhaltende Kolonialmacht Frankreich musste entfernt werden! Antikoloniale Bewegungen stoppen, kaputtmachen, das ist die US-Politik.
Die Armen einbeziehen – aber auf den hinteren Rängen!
So wurde der Weltcup 2026 zum weitaus teuersten Weltcup aller Zeiten. Die USA gaben alle bisherigen Regulierungen frei: TV-Rechte an die Fifa auch global; Tickets kosten nun tausende und zehntausende Dollar; hunderte oder tausende Dollar für öffentlichen Verkehr und Taxis, ähnlich für Hotels und sonstige Unterkünfte. Aber die Stadien sind ausverkauft. So feiern in den Stadien dann doch nicht die einfachen Menschen, die Proletarier, sondern die Halb-Reichen und die von Deklassierung bedrohten Mittelständler – oder man muss sich verschulden.
Wer nicht zahlen kann, kann mit video dabei sein, aber abseits des direkten Kampfes im Stadion. So werden die heutigen Proletarier des Globalen Südens wie auch die immer mehr Migrantenarbeiter in den USA selbst weiter auf Abstand gehalten. So sitzen sie dann hinten in der dritten Reihe, am Fernseher in ihrem Armenquartier oder mit ihren smartphones, außerhalb der Stadien – aber können sich doch mitfreuen und werden irgendwie im Nachspiel mit eingefangen.
Und die neu kämpferischen Spieler armer Staaten aus Afrika und Südamerika können Mannschaften aus den reichen Staaten besiegen, und das können dann auch deren weltbekannt inszenierte, oft schon überalterte und weiter gut verdienenden Topstars nicht verhindern: Paraguay und Ecuador schlagen den Ex-Weltmeister Deutschland, Marokko schlägt Kanada, Kap Verde erzwingt gegen Ex-Weltmeister Spanien ein Unentschieden, ebenso Ghana gegen Ex-Weltmeister England. Das macht Freude, wenn auch nur ersatzweise, aber desto mehr. Und diese Freude hat Perspektive, so die nicht unbegründete Hoffnung.
Nur China verbietet die betrugsanfälligen Sportwetten
Explodiert sind auch die von der Fifa, den Sponsoren und der US-Regierung geförderten online-Sportwetten, auf allen Kontinenten, auch mit unregulierten, betrügerischen Anbietern, auch mit Kryptowährungen und ungesicherten Auszahlungen. Aber auch arme Menschen machen mit, auf ihrem Handy, in der Hoffnung auf schnelle Gewinne und einfache Wege aus der Armut.
Nur die Volksrepublik China, Fifa-Mitglied, hat alle diese Sportwetten verboten. Deshalb: Erst die weitere Regulierung und Ent-Kapitalisierung und die Demokratisierung des Fußballs würde, wie bei anderen Sportarten, die Rolle der Völkerverständigung des Sports erst wirklich zur Entfaltung bringen. Diese Frage ist wichtiger geworden, aber keineswegs entschieden.
Deutscher Nachsatz: Bundeskanzler Friedrich Merz im Höhepunkt seines Tiefpunkts
Nach der Niederlage des deutschen Teams gegen das kleine Paraguay aus Südamerika – nicht einmal ein Zehntel Einwohner im Vergleich zum großen und auch noch viel reicheren Deutschland - versuchte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz zu trösten: „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel! Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt Ihr uns begeistert. Wir sind stolz auf euch.“
Merz log, wie sonst auch: In der Nacht des Spiels in Deutschland wurde erstmal befreit kurz gejubelt, als die Deutschen das erste Tor schossen. Danach war Totenstille in den Kneipenvierteln, wo Millionen das Spiel mitverfolgten, immer enttäuschter, in ganz Deutschland. Die vorbereiteten Sieges-Gelage und Autokorsos wurden abgesagt. Keine Begeisterung, sondern Enttäuschung und Totenstille, Herr Bundeskanzler!
Friedrich Merz und Manuel Neuer: Gemeinsamer Untergang der Multi-Millionäre am Tegernsee, mit Alpenblick
Dabei hätte das vom Wirtschafts-Kenner Merz geführte Wirtschafts-Absturz-Deutschland wenigstens das doch gebraucht: Wenn schon der vom BlackRock-Kanzler Merz seit Jahren versprochene Aufschwungs-Erfolg nicht kommt, auch die ganze nächste Zeit nicht, dann doch wenigstens ein Sieg im Fußball! Für das arme Deutschland!
Aber auf die deutsche Mannschaft war niemand stolz. Und genauso: niemand ist stolz auf Merz – noch 13 % Wählerzustimmung, und unter diesen 13 % Absturzwählern wird kaum jemand stolz sein auf den Merz. Das ist nur noch das verbissene, blinde, ungläubige Festhalten an einem Verlierer, an einem längst gescheiterten System.
Übrigens: Merz hat sich seit 2005 als Berater von US-Heuschrecken-Investoren, die den deutschen Mittelstand ausverkauften, zum Multimillionär gemacht, schon vor seiner hochbezahlten Stellung als BlackRock-Funktionär 2016-2020. Dazu gehörte dann für den inszenierten biederen Sauerländer auch eine verschwiegene Villa am Ufer des Reichen-Standorts am schönen Tegernsee in Bayern, mit See- und Alpenblick.
Und daneben steht die Villa eines anderen Multimillionärs – die Villa des gescheiterten und ebenfalls überbezahlten und überalterten deutschen National-Torhüters: Manuel Neuer, der die Schüsse der Fußball-Mannschaft aus dem kleinen Paraguay nicht halten konnte. Er trat zurück – und Merz? Er treibt die Niederlage Deutschlands noch weiter. Nicht nur ihr Fußball-Fans: Aufwachen!
Online-Flyer Nr. 866 vom 29.07.2026
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Fußball Weltcup 2026
Proletarischer Sport – Klassenkampf global
Von Werner Rügemer
Der Sport gehört in den USA mit seiner Kapitalisierung und mit der Inszenierung einzelner Höchstleister, gerade wenn sie aus der Unterklasse kommen, zur soft power. Je mehr die USA und befreundete Staaten ihre Mehrheitsbevölkerungen verarmen – desto mehr soll die Nation durch Sporterfolge verschönt, aufgewertet und zusammengehalten werden. Je mehr die Völkerverständigung durch Kriege verletzt wird, desto mehr wird sie über Sportevents inszeniert, ersatzweise, etwa nach dem Vorbild des US-Basketball. So wurde und wird es auch beim Tennis und den Olympischen Spielen gemacht. Aber Fußball ist nochmal etwas anderes.Fußball: Durch die Arbeiterklasse zum Massensport
Das Spielen mit einem Fußball wurde in englischen Elite-Internaten entwickelt. Aber das war getänzeltes Dribbling von vornehmen Jugendlichen: Sie mußten sich gut benehmen und durften sich nicht gegenseitig anrempeln. Als im aufsteigenden Kapitalismus Englands des 19. Jahrhunderts dann die Zahl der Arbeiter schnell anstieg und sie sich durch Gewerkschaften und Streiks auch Freizeit erkämpften, holten sie sich den Fußball – aber machten daraus einen Kampfsport, mit Körpereinsatz in gemeinsam kämpfenden Mannschaften, gegeneinander, schneller, kämpferischer, auch mit immer mehr miteifernden, feiernden Zuschauern, ebenfalls aus der Arbeiterklasse.
Danach – wir überspringen mehrere historische Stationen - wurde auch der wirkmächtigste proletarische Sport, der Fußball, in der „westlichen Zivilisation“ schrittweise kapitalisiert und globalisiert, zunächst durch immer reichere Sponsoren, durch Sport-, Getränke- und Wettkonzerne, zuletzt immer mehr durch die reichen Scheichs der Golfstaaten – und gleichzeitig global durch den Welt-Fußballverband Fifa.
Der Massensport wurde zur Geschäftsgrundlage, auch weil er Massen auch der unteren Klassen immer noch, immer wieder und in den Entwicklungsländern ganz neu begeistern kann – obwohl er zunehmend gekauft ist. Spieler aus dem globalen Süden werden in den reichen Staaten des „klassischen“ Fußballs, also wie in England, Frankreich, Deutschland, Spanien, Belgien, Italien und nachholend zwischen auch in den USA, zu umjubelten Stars, sind Multimillionäre, auch Werbeträger - aber sie sind Söldner. Und inzwischen sind auch Millionen Akademiker und Besserverdiener, auch Studenten unter den Zuschauern in den vollbesetzten Stadien.
Da gibt es schon mal Proteste, etwa wenn der größte Rüstungskonzern in Deutschland, Rheinmetall, 2024 sich beim kritisierten Aufstieg im Krieg der Ukraine als populistische Maßnahme zum Sponsor des führenden Fußballclubs Borussia Dortmund machte. Aber solche Proteste versanden. Leitmedien und die hochverdienenden Trainer und Spitzenspieler spielen in der Profitmaschine mit. Und auch das deutsche staatliche Zwangs-Fernsehen kommt am Ende der täglichen Hauptnachrichten ohne Szenen der Bundesliga nicht aus: Der Volkswirtschaft und den Lohnabhängigen mag es noch so schlecht gehen, die Bundesregierung mag noch so unbeliebt sein – aber die „Massen“ machen beim Fußball noch mit, begeistern sich, freuen sich gemeinsam, wenigstens hier und TV-mäßig hochgejubelt.
Hier wird noch richtig gekämpft, auf diesem Spielfeld. Wer in seiner Gewerkschaft nicht so richtig kämpfen kann oder darf oder sowieso in keiner Gewerkschaft ist, in der Arbeitslosen-Arbeiter-Ruhrgebietsstadt Dortmund – hier darf er sich an schönen Mannschaftskämpfen freuen und mitfiebern, auch wenn die hohen Einkommen nur bei ein paar Dutzend überreicher Spielerstars landen und die Tickets immer teurer werden.
Fußball-Weltcup 2026: Jetzt auch der Globale Süden dabei
Der bisherige Höhepunkt der Kapitalisierung des Fußballs ist die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, mit den Neben-Austragungsorten Mexiko und Kanada. Mit der erweiterten Zahl der nun 48 Nationalmannschaften wurden vor allem Mannschaften des Globalen Südens neu einbezogen, auch sehr kleine und arme Staaten, vor allem zehn aus Afrika: Marokko, Senegal, Ägypten, Algerien, Kap Verde, Elfenbeinküste, Südafrika, Ghana, DR Kongo und Tunesien. Sie kommen damit vielfach zum ersten Mal auf die Weltbühne.
Viele ihrer Spieler sind in Fußballclubs der reichen Staaten und neuerdings den Golfstaaten groß geworden, als medial gefeierte, einzelne Söldner – aber in den Nationalmannschaften ihrer Herkunftsstaaten, jetzt zusammen mit den einheimischen Mitspielern, in einer gemeinsam kämpfenden Mannschaft, können sie nun auch von ihren eigenen Bevölkerungen viel intensiver gefeiert werden.
Gefeiert wird auch in den Migranten-Vierteln der reichen Staaten. Und auch die meist armen Menschen in den armen Staaten sehen und fühlen sich aufgewertet; sie verbreiten ihre Freudentänze in ihren smartphones und nationalen TVs – und werden auch in den Leitmedien der reichen Staaten gezeigt (ein wenig): Sie dürfen dabei sein.
Neue Symbiose: Fifa mit US-Kapitalisten und US-Regierung
So fanden die Fifa und der extrem populistisch die Arbeiter umwerbende gegenwärtige US-Präsident, gleichzeitiger Mehrfach-Milliardär, zu einer Symbiose. Fifa-Präsident Gianni Infantino nahm seinen Wohnsitz in Miami, in der Nachbarschaft seines angebeteten US-Präsidenten Donald Trump. In dessen New Yorker Hochhaus mietete die Fifa ein Büro – es wird kaum benutzt, aber Miete wird gezahlt. Infantino gründete den Fifa-“Friedenspreis“ und verlieh ihn an Trump, als Ersatz für den von Trump gewünschten Friedens-Nobelpreis. Die Fifa will mit Fußball die Welt zu einem besseren Ort machen – Trump will die Welt zu Frieden und die Arbeiter in den USA zu neuem Wohlstand führen (und bewirkt natürlich das Gegenteil und bereichert mit Supergewinnen nicht nur seinen Milliardärs-Clan).
Fußball spielt in den USA bisher eine untergeordnete Rolle, gewinnt aber langsam an Bedeutung – aber umso mehr neben Europa schon länger eben auch in armen Staaten des Globalen Südens, in Lateinamerika und besonders in Afrika. Das hatten im letzten Jahrzehnt auch die mit den USA eng verbundenen Golfstaaten schon entdeckt: Sie holten sich den Fußball, auch um ihre Millionen armer migrantischer Arbeiter aus Asien mit dieser soft power zu überziehen, aber um zugleich auch ein neues globales Geschäftsfeld zu entwickeln, wie mit anderen Sportarten.
So wurde der Fußball Weltcup 2026 im Zusammenspiel der mehrheitlichen US-Sponsoren, der US-Regierung, der US-Leitmedien und der Fifa in erweiterter Form kapitalistisch-geopolitisch überlagert. Vor allem US-Weltkonzerne wie Coca Cola, McDonald's, VISA, Bank of America, Verizon (Funknetze) und Betano (Sportwetten) nutzen ihre schon bisherige Rolle als Sponsoren für die jetzt global erweiterte Eigenwerbung und Geschäfte, auch in Lateinamerika, vor allem in Afrika. Der Fifa-Konzern, der seinen Geschäftssitz in der Finanz- und Steueroase Schweiz hat, erwartet Gewinne bis 14 Milliarden US-Dollar.
US-Befehl: Sklavenaufstands-Symbol vom Mannschaftstrikot entfernen!
So sind zwar einige Austragungsorte auch in Mexiko und Kanada, die sowieso zum unmittelbaren Einflussgebiet der USA gehören (sollen), mit allerdings mehr Widerstand durch die aktuellen Regierungen von Claudia Sheinbaum und Mark Carney – denen musste Trump deshalb auch ein Zückerchen zuteilen.
So finden aber 78 der 104 Spiele in den USA statt. Deshalb setzt die US-Regierung auch ihre politischen Ziele durch. Unbeliebte Staaten sind ausgeschlossen, mit Einreiseverboten, so für Russland, Pakistan und die DR Kongo. Ein offizieller Fifa-Schiedsrichter aus Somalia durfte nicht einreisen (und wurde zuhause jubelnd empfangen). Damit die US-Mannschaft der USA siegen können sollte, griff Trump in die Fifa-Regeln ein: Der vom Fifa-Schiedsrichter mit Roter Karte gesperrte US-Nationalspieler Folerin Balogun, der aus Nigeria stammt und bisher der erfolgreichste US-Torschütze der Weltmeisterschaft - er durfte auf Trumps Befehl an Infantino doch wieder spielen, im nächsten wichtigen Spiel gegen die starken Belgier! USA muss gewinnen, unter Bruch aller Regeln und Rechte, auch im Fußball – und auch hier nützte es nichts: Die US-Mannschaft verlor, wie das den USA jetzt häufiger passiert, unter dem Jubel im Globalen Süden.
Auf Kommando der US-Regierung wurde nicht hereingelassen das Begleitpersonal des Iran und der Elfenbeinküste – und Haiti musste das Trikot seiner Nationalmannschaft ändern: Das Symbol für den nationalen Befreiungskampf 1803 gegen die sklavenhaltende Kolonialmacht Frankreich musste entfernt werden! Antikoloniale Bewegungen stoppen, kaputtmachen, das ist die US-Politik.
Die Armen einbeziehen – aber auf den hinteren Rängen!
So wurde der Weltcup 2026 zum weitaus teuersten Weltcup aller Zeiten. Die USA gaben alle bisherigen Regulierungen frei: TV-Rechte an die Fifa auch global; Tickets kosten nun tausende und zehntausende Dollar; hunderte oder tausende Dollar für öffentlichen Verkehr und Taxis, ähnlich für Hotels und sonstige Unterkünfte. Aber die Stadien sind ausverkauft. So feiern in den Stadien dann doch nicht die einfachen Menschen, die Proletarier, sondern die Halb-Reichen und die von Deklassierung bedrohten Mittelständler – oder man muss sich verschulden.
Wer nicht zahlen kann, kann mit video dabei sein, aber abseits des direkten Kampfes im Stadion. So werden die heutigen Proletarier des Globalen Südens wie auch die immer mehr Migrantenarbeiter in den USA selbst weiter auf Abstand gehalten. So sitzen sie dann hinten in der dritten Reihe, am Fernseher in ihrem Armenquartier oder mit ihren smartphones, außerhalb der Stadien – aber können sich doch mitfreuen und werden irgendwie im Nachspiel mit eingefangen.
Und die neu kämpferischen Spieler armer Staaten aus Afrika und Südamerika können Mannschaften aus den reichen Staaten besiegen, und das können dann auch deren weltbekannt inszenierte, oft schon überalterte und weiter gut verdienenden Topstars nicht verhindern: Paraguay und Ecuador schlagen den Ex-Weltmeister Deutschland, Marokko schlägt Kanada, Kap Verde erzwingt gegen Ex-Weltmeister Spanien ein Unentschieden, ebenso Ghana gegen Ex-Weltmeister England. Das macht Freude, wenn auch nur ersatzweise, aber desto mehr. Und diese Freude hat Perspektive, so die nicht unbegründete Hoffnung.
Nur China verbietet die betrugsanfälligen Sportwetten
Explodiert sind auch die von der Fifa, den Sponsoren und der US-Regierung geförderten online-Sportwetten, auf allen Kontinenten, auch mit unregulierten, betrügerischen Anbietern, auch mit Kryptowährungen und ungesicherten Auszahlungen. Aber auch arme Menschen machen mit, auf ihrem Handy, in der Hoffnung auf schnelle Gewinne und einfache Wege aus der Armut.
Nur die Volksrepublik China, Fifa-Mitglied, hat alle diese Sportwetten verboten. Deshalb: Erst die weitere Regulierung und Ent-Kapitalisierung und die Demokratisierung des Fußballs würde, wie bei anderen Sportarten, die Rolle der Völkerverständigung des Sports erst wirklich zur Entfaltung bringen. Diese Frage ist wichtiger geworden, aber keineswegs entschieden.
Deutscher Nachsatz: Bundeskanzler Friedrich Merz im Höhepunkt seines Tiefpunkts
Nach der Niederlage des deutschen Teams gegen das kleine Paraguay aus Südamerika – nicht einmal ein Zehntel Einwohner im Vergleich zum großen und auch noch viel reicheren Deutschland - versuchte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz zu trösten: „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel! Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt Ihr uns begeistert. Wir sind stolz auf euch.“
Merz log, wie sonst auch: In der Nacht des Spiels in Deutschland wurde erstmal befreit kurz gejubelt, als die Deutschen das erste Tor schossen. Danach war Totenstille in den Kneipenvierteln, wo Millionen das Spiel mitverfolgten, immer enttäuschter, in ganz Deutschland. Die vorbereiteten Sieges-Gelage und Autokorsos wurden abgesagt. Keine Begeisterung, sondern Enttäuschung und Totenstille, Herr Bundeskanzler!
Friedrich Merz und Manuel Neuer: Gemeinsamer Untergang der Multi-Millionäre am Tegernsee, mit Alpenblick
Dabei hätte das vom Wirtschafts-Kenner Merz geführte Wirtschafts-Absturz-Deutschland wenigstens das doch gebraucht: Wenn schon der vom BlackRock-Kanzler Merz seit Jahren versprochene Aufschwungs-Erfolg nicht kommt, auch die ganze nächste Zeit nicht, dann doch wenigstens ein Sieg im Fußball! Für das arme Deutschland!
Aber auf die deutsche Mannschaft war niemand stolz. Und genauso: niemand ist stolz auf Merz – noch 13 % Wählerzustimmung, und unter diesen 13 % Absturzwählern wird kaum jemand stolz sein auf den Merz. Das ist nur noch das verbissene, blinde, ungläubige Festhalten an einem Verlierer, an einem längst gescheiterten System.
Übrigens: Merz hat sich seit 2005 als Berater von US-Heuschrecken-Investoren, die den deutschen Mittelstand ausverkauften, zum Multimillionär gemacht, schon vor seiner hochbezahlten Stellung als BlackRock-Funktionär 2016-2020. Dazu gehörte dann für den inszenierten biederen Sauerländer auch eine verschwiegene Villa am Ufer des Reichen-Standorts am schönen Tegernsee in Bayern, mit See- und Alpenblick.
Und daneben steht die Villa eines anderen Multimillionärs – die Villa des gescheiterten und ebenfalls überbezahlten und überalterten deutschen National-Torhüters: Manuel Neuer, der die Schüsse der Fußball-Mannschaft aus dem kleinen Paraguay nicht halten konnte. Er trat zurück – und Merz? Er treibt die Niederlage Deutschlands noch weiter. Nicht nur ihr Fußball-Fans: Aufwachen!
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