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Globales
Rede zur Nakba am 16. Mai 2026 in Zürich
Die Nakba hat lange vor 1948 begonnen und sie dauert an bis zum heutigen Tag!
Von Markus Heizmann (Bündnis gegen Krieg, Basel)

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde, wir gedenken der Nakba, der Katastrophe, von der das palästinensische Volk seit 1948, seit der sogenannten Staatsgründung von «Israel», heimgesucht wird. Nach 78 Jahren ist die Nakba keine Erinnerung mehr – sie ist eine andauernde Gegenwart, eine offene Wunde im Bewusstsein jedes solidarischen Menschen. Die Staatsgründung «Israels» wurde von politischen und juristischen Widersprüchen überschattet. «Israel» ist eine militärische Bastion im Herzen der arabischen Region und musste von den Kolonialmächten um jeden Preis installiert werden. Theodor Herzl, einer der Begründer des Zionismus, schrieb vor über 100 Jahren in seinem Pamphlet «Der Judenstaat»: «Für Europa würden wir dort ein Stück des Walles gegen Asien bilden. Wir würden den Vorpostendienst der Kultur gegen die Barbarei besorgen.»

Herzl träumte mit diesen rassistischen kolonialen Kriegsphantasien von einem rein jüdischen Apartheidstaat. 1948, als Ben Gurion den Staat «Israel» ausrief, wurde dieser Albtraum war. «Israel» wurde auf einer Lüge gegründet. Weil jedoch Lügen keinen Bestand haben, da die Wahrheit immer ans Licht kommt, wurden immer neue Lügen notwendig. So soll die Existenz eines kolonialen Gebildes gerechtfertigt werden. Es fehlt die Zeit, um alle Lügen, welche sich um «Israel» ranken aufzuzählen. Daher hier drei willkürlich herausgegriffene Lügen, welche noch immer in den Köpfen festsitzen:

1. «Israel» wurde als Antwort auf den Holocaust als sichere Heimstätte für die Juden gegründet.

Das ist eine Lüge. Lange vor der Ermordung jüdischer Menschen durch die deutschen Nazis gab es Pläne zur kolonialen Besiedlung Palästinas. Bereits Napoleon war überzeugt, dass Palästina als Brückenkopf eine Schlüsselrolle bei der Eroberung Asiens und Afrikas spielt. Er sagte: «Wer Palästina beherrscht, beherrscht Afrika und Asien».

2. Die «israelische» Armee ist eine Verteidigungsarmee.


Das ist eine Lüge. Wohl nennt sich die staatliche Terrororganisation im besetzten Palästina vollmundig IDF, «Israel Defence Forces», also «israelisch Verteidigungskräfte». Diese sogenannten «Verteidigungskräfte» sind aus den Terrororganisationen Stern, Irgun und Haganah entstanden. Diese Organisationen terrorisierten und massakrierten das palästinensische Volk. Ganze Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht. Das Massaker von Deir Yassin im April 1948 ist dafür nur ein Beispiel. Es gibt nichts Neues unter der Sonne: Dieses Phänomen, dass sich eine Bande von Mördern und Halsabschneidern über Nacht auf wundersame Weise in eine respektierte staatliche Armee verwandelt, wiederholt in unseren Tagen. Die HTS Banden in Syrien sind unter ihrem Führer As Shara, alias Jewlani im Westen weithin respektiert. Syrien war – vor dem Putsch unter der Regierung von Präsident Assad – stets solidarisch mit Palästina und hat Israel niemals anerkannt. Das Putschisten Regime unter Jewlani betreibt heute den Ausverkauf Syriens zugunsten der Zionisten.

3. Am 7. Oktober 2023 griff die Hamas «Israel» an. Dies löste den Krieg gegen Gaza aus. 

Das ist eine Lüge. Wohl gab es am 7. Oktober 2023 Angriffe gegen die «israelische» Besatzungsmacht in Palästina. Der Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen regelt jedoch das Recht auf Selbstverteidigung eindeutig: Dieser Artikel gewährt das Recht «zur individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung, bis der Sicherheitsrat die zur Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit erforderlichen Maßnahmen getroffen hat.» Seit 1948, seit der Nakba, der wir heute gedenken, unternimmt die UNO nichts um die Gräueltaten der Zionisten zu stoppen. Das Recht des palästinensischen Volkes sich mit allen Mitteln zur Wehr zu setzen ist legitim. Den Genozid in Gaza, im Westjordanland und im Libanon zu rechtfertigen ist zionistische Propaganda.

Diese zionistische Propaganda begegnet uns überall. Bekannt ist diese Propaganda unter dem Namen Hasbara. Hasbara ist nicht einfach «Öffentlichkeitsarbeit», wie es oft beschönigend heisst. Hasbara ist übelste Täuschung, Vernebelung der Gehirne und Manipulation im Dienst des Zionismus. Hasbara ist eine durchstrukturierte «israelische» Organisation. Sie ist an «israelische» Ministerien gekoppelt. Hasbara hat den Zweck «Israel» medial in ein gutes Licht zu rücken.  Sämtliche Medien innerhalb des transatlantischen Blocks sind voll von Hasbara. Beispiele dafür kennen wir alle. Wenn jegliche Kritik an den zionistischen Gräueltaten als «Antisemitismus» diffamiert wird, wenn jede Diskussion zur Sache mit dem Satz «Ich bestreite das Existenzrecht Israels nicht,» begonnen werden muss, dann haben wir es mit Hasbara zu tun. Hasbara beschönigt die zionistischen Verbrechen, Hasbara leugnet die Nakba, Hasbara begegnet uns in den westlichen Medien auf Schritt und Tritt.

Dies ist für die Entwicklung welche der Zionistenstaat nach seiner Gründung im Jahr 1948 genommen hat typisch: Ohne die Hilfe, ohne die massive Rückendeckung der imperialistischen Mächte wäre «Israel» gezwungen, sich an die Regeln des internationalen Rechts zu halten. Ein Freund und Genosse von uns, der in Gaza lebt, noch immer lebt, berichtet uns von dort, wann immer er kann. Er schreibt uns zu diesem Thema:

Der Kern des Problems ist: Die Beziehung zwischen dem Westen und «Israel» ist keine Allianz im klassischen Sinne. Eine Allianz setzt Distanz voraus; die Beziehung zwischen «Israel» und dem Westen hingegen hebt Distanz auf. In diesem Bewusstsein erscheint «Israel» nicht als ein Anderer, der kritisierbar wäre, sondern als eine Verlängerung des eigenen (westlichen) Seins.

Während die Apartheid Staaten Südafrika und Rhodesien, dem heutigen Simbabwe, nach langwierigen Kämpfen und auf internationalen Druck die Rassendiskriminierung aufheben und demokratische Standards einführen mussten, kann «Israel» nach wie vor die palästinensische Mehrheit des Landes diskriminieren, vertreiben, ermorden - bis zum Genozid - und deren Land rauben.

Ohne die aktive Förderung der imperialistischen und kolonialen Mächte  wäre der Staat «Israel» im Jahr 1948 nicht gegründet worden. Ein kurzer Blick in die Geschichte weist auf ein anderes Stichwort zur Kolonialisierung und Teilung der arabischen Welt hin . Gemeint ist das Sykes-Picot Abkommen aus dem Jahr 1916. Dieses Abkommen schlossen die Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich untereinander ab. Eigentlich sollte es geheim bleiben, die bolschewistische Revolution in Russland brachte es jedoch 1918 an die Öffentlichkeit.

Schließlich initiierte Großbritannien die Balfour-Deklaration, in welcher der zionistischen Bewegung in Palästina eine «nationale Heimstätte für das  jüdische Volk» versprochen wurde. Wohlverstanden: Diese Erklärung gab Großbritannien 1917 ab, also lange vor dem Holocaust! Großbritannien verschenkte Land, welches ihm gar nicht gehörte, an die Zionisten.

Napoleon, Sykes-Picot, die imperialistischen Machtansprüche in unseren Tagen, all dies beweist, dass der Staat «Israel» von Beginn an ein imperialistisches kolonialistisches Siedlerprojekt ist.

Die Zionisten verüben unzählige und schlimmste Verbrechen am palästinensischen Volk. Wer immer es wagt, dagegen zu protestieren, ist nicht mit Argumenten, sondern mit Anfeindungen konfrontiert. Das Totschlagargument an sich ist der Vorwurf des Antisemitismus, wahrhaftig ein intellektueller und politischer Ruin!

Die Nakba hat lange vor 1948 begonnen und sie dauert an bis zum heutigen Tag!

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde, lasst mich zum Abschluss meines Beitrages nochmals unseren Freund und Genossen aus Gaza zitieren. Er schreibt: "Der schärfste Widerspruch tritt hier zutage: Wie kann ein Gebilde, das sich als Symbol von Modernität und Demokratie präsentiert, auf einer dauerhaften militärischen Struktur beruhen?"

Besatzung muss enden! Das Rückkehrrecht für alle palästinensischen Menschen muss endlich verwirklicht werden! Die Diffamierung von allen, die gegen dieses Unrecht protestieren, muss aufhören! Freiheit für Palästina! Hoch die internationale Solidarität!

Online-Flyer Nr. 863  vom 29.05.2026

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