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Kultur und Wissen
Sein Elend der KI, der künstlichen Intelligenz, anvertrauen?
KI-Psychotherapie-Programme: Nein Danke!
Von Heinrich Frei
Ab Juli 2026 zahlt die Grundversicherung der schweizerischen Krankenkassen für eine App der KI, der Künstlichen Intelligenz, gegen Depressionen. In der Psychotherapie dürften Onlinetools wichtiger werden – auch wegen langen Wartelisten bei Psychiatern und Psychotherapeuten, war im Tages Anzeiger von Zürich zu lesen. (1) Werden in Österreich die Psychologen Sigmund Freud und Alfred Adler bald zum alten Eisen geworfen, um der KI der künstlichen Intelligenz Platz zu machen? Menschen in Not brauchen Hilfe durch einen Menschen, der zuhört der sein Freund wird. Meiner Meinung nach kann es mit einer KI-App zur Behandlung von Depressionen nicht gut gehen.
Wenn ich zu einer Psychologin komme, wird sie mich, im Idealfall, intuitiv erfassen, einschätzen was für eine Person da kommt, wie man ihr helfen kann damit sie weiterkommt. Bei einer solchen psychologischen Beratung ist auch die Einschätzung der Weltanschauung des Hilfesuchenden wichtig, seine Erziehung, seine Familie, seine körperliche Gesundheit, seine Arbeit, das Milieu, in dem er lebt, sein Alter, sein Geschlecht. Die menschliche Beziehung zwischen der Psychologin und dem Menschen ist wichtig, die Gefühle auch der Psychologin, die Empathie. Menschen in Not brauchen Hilfe durch einen Menschen, der zuhört der sein Freund wird. Kann das alles ein KI-Psychotherapie-Programm: Nein!
Psychotherapie ist eine schwierige Sache, so dass ein Psychologe, Friederich Liebling, der aus Österreich stammte, am Ende seines Lebens seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sagte: Es gibt keine Psychotherapeuten. Er meinte dabei auch sich selbst.
Angst, Angst, Angst….

Der Schrei von Edvard Munch (1863-1944)
Produktion von KI-Psychotherapie-Programmen
Bei der Produktion von KI-Psychotherapie-Programmen werden vermutlich tausende Therapiegespräche von anerkannten Fachleuten verwendet, damit das Programm dann professionell antworten oder neue Fragen stellen kann. Wo wird ein solche KI-Therapieprogramm produziert, in den USA, in Deutschland, in Ländern mit vielleicht einem ganz anderen sozialen und kulturellen Hintergrund als in der Schweiz oder in Österreich?
Vielleicht wird das KI-Programm auch programmiert unter dem Einfluss von einer «höheren Warte». Es wird definiert was psychisch gesund oder krank ist. Obwohl auch Psychiater schon gesagt haben sollen, normal ist schon halb verrückt.
Psychiater und Psychologen waren schon oft willige Helfer der Staatsgewalt, hüben wie drüben, nicht nur bei den Folterungen der USA in Guantánamo.
Kriegsdienstverweigerer wurden zum Beispiel in der Schweiz während Jahrzehnten psychiatrisiert. Mit einem psychiatrischen Gutachten konnte man erreichen, dass man keinen Kriegsdienst leisten musste: Man hatte Angstzustände, Panik vor Waffen, Problemen mit Autoritäten, Unverträglichkeit mit dem militärischen Leben oder Disziplin, Ess- und/oder Schlafstörungen, Albträume, war Bettnässer. Man war laut dem Gutachten psychisch nicht «ganz Mann», aber man musste nicht ins Gefängnis, wie damals tausende andere. Bei einer Stellenbewerbung hatte man später vielleicht Probleme denn in dem Militärdienstbüchlein hatte man einen geheimen kodifizierten Eintrag seiner psychischen Gesundheit. (2)
Mein Bekannter Ruedi Tobler aus einer pazifistischen Familie, lehnte es im Gymnasium ab sich durch einen Psychiater als «krank» begutachten zu lassen und zog es vor mehrere Male ins Gefängnis zu gehen, wie in diesen Jahren tausende andere junge Männer in Schweiz. Erst 1996 wurde ein Zivildienst in der Schweiz für Kriegsdienstverweigerer eigerichtet. Er dauert heute 1,5-mal so lang wie der Militärdienst.
Referendum gegen das Zivildienstgesetz
Jetzt will der Bundesrat, die Regierung der Schweiz und das Parlament die Zulassung zum Zivildienst verschärfen. Bundesrat und Parlament wollen sicherstellen, dass der Zivildienst eine Ausnahme bleibt. Gegen diese Hürde zur Zulassung zum Zivildienst wurde das Referendum ergriffen. Es kam mit 57 000 Unterschriften zustande. Abgestimmt wird darüber in der Schweiz am 14. Juni 2026. (3)

Psychotherapie KI Programme: Ein Geschäft
Diese Psychotherapie KI Programme sind sicher auch ein Geschäft wie Microsoft Programme. Der Psychiater, Psychologe oder der Hilfesuchende muss das Programm kaufen. Wir in der Schweiz haben «Glück», wie oben schon erwähnt: «Ab Juli 2026 zahlt die Grundversicherung der schweizerischen Krankenkassen für eine App gegen Depressionen.» Wer programmiert diese Apps? Wo? Wie steht es mit dem Datenschutz, wenn wir unser Elend dem App der Maschine anvertrauen?
1966 Computerprogramm ELIZA von Josef Weizenbaum
Schon 1966 entwickelte Josef Weizenbaum (4) am Massachusetts Institute of Technology (MIT), in Boston das Computerprogramm ELIZA, mit dem er die Verarbeitung natürlicher Sprache durch einen Computer demonstrieren wollte. Eliza wurde als Meilenstein der «künstlichen Intelligenz» gefeiert, seine Variante Doctor simulierte das Gespräch mit einem Psychologen. Es schien den Turing-Test zu bestehen, da viele Benutzer nicht merkten, dass sie mit einer Maschine kommunizierten. Weizenbaum war entsetzt, wie ernst viele Menschen dieses relativ einfache Programm nahmen, indem sie im Dialog intimste Details von sich preisgaben. Dabei war das Programm nie daraufhin konzipiert, einen menschlichen Therapeuten zu ersetzen. Durch dieses Schlüsselerlebnis wurde Weizenbaum zum Kritiker der gedankenlosen Computergläubigkeit. Heute gilt Eliza als Prototyp für moderne Chatbots. Weizenbaum bezeichnete sich selbst als Dissidenten und Ketzer der Informatik. 1984 veröffentlichte Weizenbaum das viel beachtete Buch «Der Kurs auf den Eisberg oder nur das Wunder wird uns retten, sagt der Computerexperte», (5) Josef Weizenbaum lebte von 1923 bis 2008.
Fußnoten
(1) «Statt der Psychologen berät jetzt eine App Patienten. Kann das gut gehen?» von Jaqueline Büchi, Tages Anzeiger 15. Mai 2026.
(2) Der Blaue Weg - Keinen Militärdienst leisten - GSoA
(3) Zivildienstgesetz Nein | Zivildienst Referendum
(4) Joseph Weizenbaum – Wikipedia
(5) Josef Weizenbaum. «Der Kurs auf den Eisberg oder nur das Wunder wird uns retten, sagt der Computerexperte», «Zürich: Pendo-Verlag, ISBN 3-85842-087-5
Online-Flyer Nr. 863 vom 27.05.2026
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Kultur und Wissen
Sein Elend der KI, der künstlichen Intelligenz, anvertrauen?
KI-Psychotherapie-Programme: Nein Danke!
Von Heinrich Frei
Ab Juli 2026 zahlt die Grundversicherung der schweizerischen Krankenkassen für eine App der KI, der Künstlichen Intelligenz, gegen Depressionen. In der Psychotherapie dürften Onlinetools wichtiger werden – auch wegen langen Wartelisten bei Psychiatern und Psychotherapeuten, war im Tages Anzeiger von Zürich zu lesen. (1) Werden in Österreich die Psychologen Sigmund Freud und Alfred Adler bald zum alten Eisen geworfen, um der KI der künstlichen Intelligenz Platz zu machen? Menschen in Not brauchen Hilfe durch einen Menschen, der zuhört der sein Freund wird. Meiner Meinung nach kann es mit einer KI-App zur Behandlung von Depressionen nicht gut gehen.Wenn ich zu einer Psychologin komme, wird sie mich, im Idealfall, intuitiv erfassen, einschätzen was für eine Person da kommt, wie man ihr helfen kann damit sie weiterkommt. Bei einer solchen psychologischen Beratung ist auch die Einschätzung der Weltanschauung des Hilfesuchenden wichtig, seine Erziehung, seine Familie, seine körperliche Gesundheit, seine Arbeit, das Milieu, in dem er lebt, sein Alter, sein Geschlecht. Die menschliche Beziehung zwischen der Psychologin und dem Menschen ist wichtig, die Gefühle auch der Psychologin, die Empathie. Menschen in Not brauchen Hilfe durch einen Menschen, der zuhört der sein Freund wird. Kann das alles ein KI-Psychotherapie-Programm: Nein!
Psychotherapie ist eine schwierige Sache, so dass ein Psychologe, Friederich Liebling, der aus Österreich stammte, am Ende seines Lebens seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sagte: Es gibt keine Psychotherapeuten. Er meinte dabei auch sich selbst.
Angst, Angst, Angst….

Der Schrei von Edvard Munch (1863-1944)
Produktion von KI-Psychotherapie-Programmen
Bei der Produktion von KI-Psychotherapie-Programmen werden vermutlich tausende Therapiegespräche von anerkannten Fachleuten verwendet, damit das Programm dann professionell antworten oder neue Fragen stellen kann. Wo wird ein solche KI-Therapieprogramm produziert, in den USA, in Deutschland, in Ländern mit vielleicht einem ganz anderen sozialen und kulturellen Hintergrund als in der Schweiz oder in Österreich?
Vielleicht wird das KI-Programm auch programmiert unter dem Einfluss von einer «höheren Warte». Es wird definiert was psychisch gesund oder krank ist. Obwohl auch Psychiater schon gesagt haben sollen, normal ist schon halb verrückt.
Psychiater und Psychologen waren schon oft willige Helfer der Staatsgewalt, hüben wie drüben, nicht nur bei den Folterungen der USA in Guantánamo.
Kriegsdienstverweigerer wurden zum Beispiel in der Schweiz während Jahrzehnten psychiatrisiert. Mit einem psychiatrischen Gutachten konnte man erreichen, dass man keinen Kriegsdienst leisten musste: Man hatte Angstzustände, Panik vor Waffen, Problemen mit Autoritäten, Unverträglichkeit mit dem militärischen Leben oder Disziplin, Ess- und/oder Schlafstörungen, Albträume, war Bettnässer. Man war laut dem Gutachten psychisch nicht «ganz Mann», aber man musste nicht ins Gefängnis, wie damals tausende andere. Bei einer Stellenbewerbung hatte man später vielleicht Probleme denn in dem Militärdienstbüchlein hatte man einen geheimen kodifizierten Eintrag seiner psychischen Gesundheit. (2)
Mein Bekannter Ruedi Tobler aus einer pazifistischen Familie, lehnte es im Gymnasium ab sich durch einen Psychiater als «krank» begutachten zu lassen und zog es vor mehrere Male ins Gefängnis zu gehen, wie in diesen Jahren tausende andere junge Männer in Schweiz. Erst 1996 wurde ein Zivildienst in der Schweiz für Kriegsdienstverweigerer eigerichtet. Er dauert heute 1,5-mal so lang wie der Militärdienst.
Referendum gegen das Zivildienstgesetz
Jetzt will der Bundesrat, die Regierung der Schweiz und das Parlament die Zulassung zum Zivildienst verschärfen. Bundesrat und Parlament wollen sicherstellen, dass der Zivildienst eine Ausnahme bleibt. Gegen diese Hürde zur Zulassung zum Zivildienst wurde das Referendum ergriffen. Es kam mit 57 000 Unterschriften zustande. Abgestimmt wird darüber in der Schweiz am 14. Juni 2026. (3)

Psychotherapie KI Programme: Ein Geschäft
Diese Psychotherapie KI Programme sind sicher auch ein Geschäft wie Microsoft Programme. Der Psychiater, Psychologe oder der Hilfesuchende muss das Programm kaufen. Wir in der Schweiz haben «Glück», wie oben schon erwähnt: «Ab Juli 2026 zahlt die Grundversicherung der schweizerischen Krankenkassen für eine App gegen Depressionen.» Wer programmiert diese Apps? Wo? Wie steht es mit dem Datenschutz, wenn wir unser Elend dem App der Maschine anvertrauen?
1966 Computerprogramm ELIZA von Josef Weizenbaum
Schon 1966 entwickelte Josef Weizenbaum (4) am Massachusetts Institute of Technology (MIT), in Boston das Computerprogramm ELIZA, mit dem er die Verarbeitung natürlicher Sprache durch einen Computer demonstrieren wollte. Eliza wurde als Meilenstein der «künstlichen Intelligenz» gefeiert, seine Variante Doctor simulierte das Gespräch mit einem Psychologen. Es schien den Turing-Test zu bestehen, da viele Benutzer nicht merkten, dass sie mit einer Maschine kommunizierten. Weizenbaum war entsetzt, wie ernst viele Menschen dieses relativ einfache Programm nahmen, indem sie im Dialog intimste Details von sich preisgaben. Dabei war das Programm nie daraufhin konzipiert, einen menschlichen Therapeuten zu ersetzen. Durch dieses Schlüsselerlebnis wurde Weizenbaum zum Kritiker der gedankenlosen Computergläubigkeit. Heute gilt Eliza als Prototyp für moderne Chatbots. Weizenbaum bezeichnete sich selbst als Dissidenten und Ketzer der Informatik. 1984 veröffentlichte Weizenbaum das viel beachtete Buch «Der Kurs auf den Eisberg oder nur das Wunder wird uns retten, sagt der Computerexperte», (5) Josef Weizenbaum lebte von 1923 bis 2008.
Fußnoten
(1) «Statt der Psychologen berät jetzt eine App Patienten. Kann das gut gehen?» von Jaqueline Büchi, Tages Anzeiger 15. Mai 2026.
(2) Der Blaue Weg - Keinen Militärdienst leisten - GSoA
(3) Zivildienstgesetz Nein | Zivildienst Referendum
(4) Joseph Weizenbaum – Wikipedia
(5) Josef Weizenbaum. «Der Kurs auf den Eisberg oder nur das Wunder wird uns retten, sagt der Computerexperte», «Zürich: Pendo-Verlag, ISBN 3-85842-087-5
Online-Flyer Nr. 863 vom 27.05.2026
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