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Literatur
Hermann Ploppa: Der Neue Feudalismus - Privatisierung, Blackrock, Plattformkapitalismus
Weltsicht, die der Mainstream nicht bietet
Rezension von Josef Opladen

Feudalismus - diese Zeit schien längst vorüber. Aber, wie im Mittelalter, regiert jetzt die globale Elite der Superreichen nach genau dieser Art. Hermann Ploppa sieht diesen neuen Feudalismus als große Gefahr für unsere Zivilisation und unseren Wohlstand an. In seinem äußerst lesenswerten Buch definiert er kurzweilig den Feudalismus und erklärt, wie es gelang, ihn zu überwinden. Nach seiner Annahme brach das liebe Geld dem Feudalismus das Genick. Was wohl den wenigsten Lesern bekannt sein dürfte, war der Adel ständig knapp bei Kasse, weil er, um seinen Einfluss zu erhalten oder zu vergrößern, ständig seinen Reichtum für Pomp und Glanz verprasste und auch seine Untertanen bei Laune halten musste. In diesem und in vielen anderen Kapiteln erfährt man Einzelheiten, die man bisher nicht im Zusammenhang gesehen hat.

Weiter geht es mit dem Wiederaufbau und Missbrauch durch die Nazis, die goldenen Jahre des Neoliberalismus und des Sozialstaats und der ersten Rolle rückwärts, dem Konsumismus statt Kommunismus. Beim Lesen sollte man nicht verwundert sein, dass manche Dinge anders verlaufen sein könnten, als es die Geschichtsschreibung im Mainstream darstellt.

Im Kapitel acht geht es um den Neoliberalismus und den Marktradikalismus. Wenn Friedrich von Hayek schon 1981 in einem Interview von sich gibt, dass „die einzig gültigen moralischen Maßstäbe für die Kalkulation des Lebens daher nur: das Privateigentum und der Vertrag“ sein können, dann kann man sich die Brutalität vorstellen, die Marktradikale für die Gesellschaft vorsehen wollen. Nach Ploppas Meinung werden heute die Bezeichnungen Neoliberalismus und oligarchische Machtstrukturen unzutreffend angewendet. Er verwendet den Begriff Markradikalismus, der soviel bedeutet wie, dass dessen Vertreter alle Bereiche des öffentlichen Lebens dem Mechanismus des Marktes unterliegen. Der Staat ist von Übel und nur kluge Geschäftsleute wissen, was gut ist für die Menschheit. Regierung, Polizei, Strafvollzug, Bildung und Forschung, Gesundheit und alle diese Einrichtungen müssen marktwirtschaftlich geführt werden, nach dem Grundsatz der Gewinnerzielung. Dass es Wirtschaftskrisen, Kriege und Arbeitslosigkeit gibt, liegt nur daran, dass sich die vom dummen Volk gewählten Politiker in das weise und automatisch immer richtig agierende Wirtschaftsleben einmischen. So wurden sukzessive alle dem Gemeinwohl dienende Institutionen angegriffen und abgebaut. Ploppa leitet den Marktradikalismus aus dem trotzigen Aufbegehren entmachteter Adeliger her. Seitdem die Guillotinen der französischen Revolution den Adelsstand mit scharfer Klinge entmachteten, sannen die Adeligen auf Rache. Weil sich die Geschichte nicht mehr zurückdrehen ließ, griffen frustrierte Adelige, wie zum Beispiel Gustave Le Bon zur Feder und beschrieben das neue Phänomen der gehäuft auftretenden protestierenden Menschenmassen als unberechenbare Bestie – ein direkter Angriff auf die Demokratie.

Im neunten Kapitel erfahren wir über einige Verfechter des Marktradikalismus, die einem stark aufgestellten Staat eine liberale Alternative entgegenzustellen und wie sich aus der Staatsfeindlichkeit ein Anarchokapitalismus herausdestilliert. Es geht um die Umwandlung aller vom Staat erbrachten Tätigkeiten und Dienstleistungen in Aktivitäten, die freiwillig von der Privatwirtschaft ausgeführt werden. Also, die Privatisierung aller Lebensbereiche ist die Antwort auf den räuberischen Staat. Ploppa macht auch nicht halt vor derzeit agierenden Wortführern wie Hans-Hermann Hoppe oder Markus Krall. Interessant, was man über deren Lebensweg erfährt.

Im letzten Kapitel heißt es: „die Geschichte ist eine Geschichte des Kampfes zwischen dem arbeitenden Volk und jenen Individuen, die sich deutlich mehr aus dem Kuchen schneiden als ihnen zusteht. Der Autor möchte gerne das Handwerkszeug beisteuern, damit wir, das gewöhnliche Volk nicht wieder zu machtlosen Leibeigenen absinken, sondern endlich in jenen Zustand gelangen nachdem sich die ganze Menschheit sehnt: ein Leben in Würde!

Unsere Vorfahren haben unter unsäglichen Opfern die subsidiäre Struktur geschaffen, in der immer noch Genossenschaften und öffentlich-rechtliche Einrichtungen ein qualitativ hochwertiges Leben zu günstigen Preisen ermöglichen. Aber wesentliche Bastionen dieser empfindlichen Sozialstruktur sind bereits geschleift. Nachdem das Bürgertum in den letzten Jahrhunderten das Bild bestimmt hat, reißen jetzt globale Eliten die Macht brutal an sich. Aber es ist noch nicht alles in trockenen Tüchern, denn nur in der westlichen Wertegemeinschaft können sich die neuen Feudalherren so ungeniert austoben wie sie es jetzt gerade tun. Daneben gibt es aber noch den um China zentrierten Block der BRICS mit verschiedenen Herrschaftsformen. Für Russland und China gilt das Primat der Politik über der Wirtschaft. Obwohl sich auch in beiden Ländern milliardenschwere Oligarchen austoben können, liegt die Gestaltung der Gesellschaft, die Ordnung der Wirtschaft und die Außenpolitik einzig und allein bei den politischen Instanzen.

Trotz des bedrohlichen Inhaltes macht es Spaß, dieses Buch zu lesen, weil es die Weltsicht aus einer Perspektive beschreibt, die wir in den Mainstream-Medien weder sehen noch lesen.


Hermann Ploppa: Der Neue Feudalismus - Privatisierung, Blackrock, Plattformkapitalismus



Liepsen Verlag, Marburg 2025, 172 Seiten, 20 Euro

Online-Flyer Nr. 860  vom 08.04.2026

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