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Aktueller Online-Flyer vom 11. April 2026  

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Globales
Die Wiege der Menschheit
Afrika – der Traum meiner Kindheit
Von Georges Hallermayer

Vor einigen Wochen bekam ich ein Buch von meiner Tochter geschenkt, die von meiner unerfüllbaren Sehnsucht weiß, Afrika kennenzulernen: „Motherland. Von Mansa Musa bis Black Panther“ von Luke Pepera, der in Ghana aufgewachsen, in Oxford studierte, „eine persönliche Reise durch 500.000 afrikanische Geschichten“ schrieb, auf 332 Seiten, erschienen im Aufbau-Verlag Berlin, für 28 Euro zu haben.

Luke Pepera erzählt auf über 300 Seiten Geschichten, eine afrikanische Tradition aufgreifend aus seinem reichhaltigen wissenschaftlichen Fundus, belegt mit Anmerkungen, die weiteres Nachfragen erlauben. Er bringt den Kontinent näher, erklärt die Andersartigkeit verständlich aus dem geschichtlichen Werden: Afrika, die Wiege der Menschheit zeigt er mit Eva, älteste Zeugin, deren Skelett im äthiopischen Nationalmuseum in Addis Abeba ruht: „Wir sind mehr als eine Hautfarbe“ und zeichnet die Entstehung des schwarzen Rassismus historisch aus dem Sklavenhandel in Virginia nach. Luke Pepera verfolgt die Spuren des fruchtbaren kultur-ökonomischen Austausches im (europäisch-dunklen) Mittelalter zwischen Asien und Afrika. Er erzählt von Mansa Musa, dem mächtigen König (mans) des riesigen Mali-Reiches im 14. Jahrhundert, der aufgrund seines ungeheuren Reichtums zeitweilig den Kurswert des Goldes kollabieren ließ. Er gibt breiten Raum dem Einfluss von Frauen bis heute und in der Historie, erzählt von Königinmütter und Kriegerköniginnen, die sich erfolgreich gegen die Kolonisatoren gestellt hatten. Luke Pepera macht verständlich, dass der Respekt vor dem Tod nichts Endgültiges ist, „die Weisheit der Ahnen“ das Familienleben begleitet. Ein Kapitel widmet er den Rap-Songs, in denen er die Tradition der mündlichen Überlieferung aufgehoben sieht, Geschichten von Sängern, die gegen ihre Diskriminierung ansangen.

Nur schade, dass er nicht von Manderen erzählte, dem in Mali von 1212 bis 1222 bestehenden Königreich, wo die Menschenrechte lange vor der 1689 dem britischen König abgepressten «Bill of Rights» und 1793 infolge der Französischen Revolution «Deklaration der Menschenrechte» in einer Charta, im «Eid der Jäger» niedergelegt waren: dass, «ein Leben einem anderen Leben nicht überlegen ist", dass "jeder über das Land seiner Väter wacht, das muss man auch und vor allem Männer hören“, dass „Hunger keine gute Sache ist, die Sklaverei auch nicht; es gibt kein schlimmeres Unheil als diese beiden. Hier auf Erden wird, solange wir Köcher und Bogen besitzen, der Hunger niemanden in Manden töten, wenn unerwarteterweise eine Hungersnot wüten sollte. Der Krieg wird niemals mehr Dörfer in Manden zerstören, um Sklaven auszuheben. das heißt, niemand wird jetzt die Kandare in den Mund von Seinesgleichen stecken, um ihn zu verkaufen, niemand wird mehr geschlagen, vor allem weil er der Sohn eines Sklaven ist.“

Schade auch, dass er die 1776 im Senegal verfassten Prinzipien des Thierno Suleymane Baal zur „Good Governance“, der guten Regierungsführung nicht erwähnt hatte: „Der Sieg beginnt in der Ausdauer. Ich empfehle Ihnen jedoch: 1. Für die Aufgaben eines Almani suchen Sie einen desinteressierten Mann, der die Güter dieser Welt weder für sich noch für seine Verwandten erstrebt. Wenn Sie sehen, dass er sich bereichert, entlassen Sie ihn aus dem Amt und beschlagnahmen Sie das Eigentum, das er erworben hat. 3. Wenn er den Rücktritt ablehnt, wird er mit Gewalt seines Amtes enthoben und verbannt. 4. Ersetzen Sie ihn durch einen kompetenten Mann, unabhängig von seiner Abstammung. 5. Stellen Sie sicher, dass das Almaniyat niemals erblich ist. 6. Stellen Sie nur eine verdiente Person ein, egal aus welchem Stamm.“

Ich wünsche vor allem den Jungen die Lektüre dieses Buches, auf dass sie nicht Afrika durch die Brille des Kolonialismus kennenlernen müssen, wie ich. Denn: Neben der Familien-Bibel hat mich Arbeiterkind ein Bilderbuch zum Lesen gebracht „Afrika. Jürgen Hansen erlebt den schwarzen Erdteil“, von der Margarine-Union Hamburg 1952 herausgebracht. Für eine Packung Margarine „Sanella“ gab es bunte Bilder, die ich in das  Album einklebte. Und ich las die Geschichten, Kolonialismus schön gemalt - wie gut es den Menschen dort ging, urwüchsig und naturnah – wie es heutzutage Touristen in Mswatini noch vorgegaukelt wird. Ein Bild hat es mir besonders angetan: ein pausbäckiges schwarzes Baby auf dem Rücken der Mutter, satt und glücklich. Ich  bekam Sehnsucht nach Afrika, las andere koloniale Geschichte aus der Nazizeit, von Großwildjägern, von Albert Schweizer – bis mich die Realität des Alltags aus meinen Träumen riss.

Online-Flyer Nr. 860  vom 08.04.2026

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