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Um jeden Preis die Vorherrschaft
Israel: der Haudegen des Nahen Ostens
Von Christopher Dömges
Israel versteht sich gern als Ausnahmezustand in Permanenz. Als belagerte Demokratie, als westlicher Vorposten in feindlicher Umgebung, als Staat, der aus der Geschichte gelernt habe und deshalb keine Schwäche zeigen dürfe. Diese Erzählung ist wirkungsmächtig – nach innen wie nach außen. Sie legitimiert Härte, militärische Dominanz und politische Unnachgiebigkeit. Doch sie verdeckt zugleich, was diese Haltung kostet. Vor allem jene, die nicht Teil dieses Sicherheitsversprechens sind: die Palästinenser.
Israel ist der Haudegen des Nahen Ostens, derjenige, der schneller zuschlägt, härter reagiert, früher eskaliert – und sich dabei stets im Recht wähnt. Militärisch hochgerüstet, technologisch überlegen, diplomatisch abgeschirmt durch die Schutzmacht USA und moralisch gepanzert durch den Verweis auf die Shoah. Kritik prallt oft ab, weil sie sofort in die Nähe von Delegitimierung oder Antisemitismus gerückt wird. Das ist verständlich angesichts der Geschichte – aber politisch fatal. Denn wer Stärke absolut setzt, verliert den Blick für Verantwortung.
Seit Jahrzehnten wird die palästinensische Realität von einem System geprägt, das man mit wohlwollender Zurückhaltung „asymmetrisch“ nennt. Besatzung, Siedlungsbau, Checkpoints, Blockaden, administrative Willkür. Ein Alltag, der nicht spektakulär genug ist für Eilmeldungen, aber zermürbend in seiner Dauer. Israel nennt das Sicherheitsarchitektur. Für Palästinenser ist es ein Käfig, dessen Gitter sich ständig verschieben, aber nie öffnen.
Der israelische Staat agiert dabei wie ein Boxer, der weiß, dass der Ring ihm gehört. Jeder Schlag wird als Verteidigung verkauft, jeder Gegenschlag des Schwächeren als Beweis für dessen Unzivilisiertheit. Raketen aus Gaza sind real, tödlich und zu verurteilen – doch sie dienen zugleich als willkommene Kulisse, um eine Politik zu rechtfertigen, die längst über reine Selbstverteidigung hinausgeht. Kollektivstrafen werden zu „Abschreckung“, zivile Opfer zu „bedauerlichen Kollateralschäden“, strukturelle Entrechtung zu „temporären Maßnahmen“.
Israel hat sich daran gewöhnt, dass militärische Überlegenheit politische Fragen ersetzt. Warum verhandeln, wenn man kontrollieren kann? Warum Kompromisse eingehen, wenn Zeit auf der eigenen Seite scheint? Die Siedlungen wachsen, der palästinensische Raum schrumpft – geografisch wie politisch. Der sogenannte Friedensprozess ist längst ein Zombie, der nur noch beschworen wird, um den Status quo nicht benennen zu müssen.
Besonders zynisch ist dabei die moralische Doppelbödigkeit. Israel reklamiert für sich das Recht auf Sicherheit – verweigert aber den Palästinensern genau dieses Recht. Sicherheit ist hier kein universelles Gut, sondern ein Privileg, verteilt nach Staatsbürgerschaft. Wer keinen Staat hat, hat auch keinen Anspruch. So einfach, so brutal.
Der Westen spielt dieses Spiel mit. Europas ritualisierte „Besorgnis“ ist das politische Äquivalent zum Achselzucken. Man mahnt, ohne Konsequenzen zu ziehen, kritisiert, ohne zu handeln. Zu groß ist die Angst, historisch schuldig zu werden, zu bequem die Rolle des wohlmeinenden Beobachters. Israel weiß das und nutzt es. Der Haudegen weiß, dass ihm kaum jemand das Schwert aus der Hand schlagen wird.
Doch Stärke, die sich nur noch aus Dominanz speist, ist keine Stärke mehr – sie ist Trägheit mit Waffen. Israel riskiert, das zu verlieren, was es immer für sich beansprucht hat: moralische Legitimität. Nicht, weil es existiert oder sich verteidigt, sondern weil es sich weigert, die Konsequenzen seiner Politik anzuerkennen. Die Palästinenser werden dabei nicht nur entrechtet, sondern entpolitisiert – reduziert auf Sicherheitsrisiken, nicht als Menschen mit Rechten, Geschichte und Zukunft.
Der Haudegen des Nahen Ostens steht heute nicht mehr nur Gegnern gegenüber, sondern auch einem Spiegel. Und das Bild darin ist unbequem: ein Staat, der aus Angst vor seiner eigenen Verletzlichkeit bereit ist, andere dauerhaft verletzlich zu halten. Frieden entsteht so nicht. Nur eine immer perfektere Verwaltung des Konflikts. Und die Rechnung dafür zahlen – wie so oft – die, die am wenigsten Einfluss auf die Spielregeln haben.
Im echten Sozialismus werden territoriale Streitigkeiten marginalisiert. Schließlich ist genug Platz für alle da. Und der Glauben, aufgrund dessen heute so viel Leid entsteht, spielt auch nicht mehr DIE Rolle. Israel befindet sich seit Staatsgründung 1949 praktisch pausenlos im Krieg. Aus Paranoia und um die Armee fit zu halten. Dazu besteht im echten Sozialismus kein Grund. Leid wird dann mit Recht vergolten – zum Wohle der Menschheit … Friede in Nahost !!!
Online-Flyer Nr. 858 vom 14.02.2026
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Um jeden Preis die Vorherrschaft
Israel: der Haudegen des Nahen Ostens
Von Christopher Dömges
Israel versteht sich gern als Ausnahmezustand in Permanenz. Als belagerte Demokratie, als westlicher Vorposten in feindlicher Umgebung, als Staat, der aus der Geschichte gelernt habe und deshalb keine Schwäche zeigen dürfe. Diese Erzählung ist wirkungsmächtig – nach innen wie nach außen. Sie legitimiert Härte, militärische Dominanz und politische Unnachgiebigkeit. Doch sie verdeckt zugleich, was diese Haltung kostet. Vor allem jene, die nicht Teil dieses Sicherheitsversprechens sind: die Palästinenser.Israel ist der Haudegen des Nahen Ostens, derjenige, der schneller zuschlägt, härter reagiert, früher eskaliert – und sich dabei stets im Recht wähnt. Militärisch hochgerüstet, technologisch überlegen, diplomatisch abgeschirmt durch die Schutzmacht USA und moralisch gepanzert durch den Verweis auf die Shoah. Kritik prallt oft ab, weil sie sofort in die Nähe von Delegitimierung oder Antisemitismus gerückt wird. Das ist verständlich angesichts der Geschichte – aber politisch fatal. Denn wer Stärke absolut setzt, verliert den Blick für Verantwortung.
Seit Jahrzehnten wird die palästinensische Realität von einem System geprägt, das man mit wohlwollender Zurückhaltung „asymmetrisch“ nennt. Besatzung, Siedlungsbau, Checkpoints, Blockaden, administrative Willkür. Ein Alltag, der nicht spektakulär genug ist für Eilmeldungen, aber zermürbend in seiner Dauer. Israel nennt das Sicherheitsarchitektur. Für Palästinenser ist es ein Käfig, dessen Gitter sich ständig verschieben, aber nie öffnen.
Der israelische Staat agiert dabei wie ein Boxer, der weiß, dass der Ring ihm gehört. Jeder Schlag wird als Verteidigung verkauft, jeder Gegenschlag des Schwächeren als Beweis für dessen Unzivilisiertheit. Raketen aus Gaza sind real, tödlich und zu verurteilen – doch sie dienen zugleich als willkommene Kulisse, um eine Politik zu rechtfertigen, die längst über reine Selbstverteidigung hinausgeht. Kollektivstrafen werden zu „Abschreckung“, zivile Opfer zu „bedauerlichen Kollateralschäden“, strukturelle Entrechtung zu „temporären Maßnahmen“.
Israel hat sich daran gewöhnt, dass militärische Überlegenheit politische Fragen ersetzt. Warum verhandeln, wenn man kontrollieren kann? Warum Kompromisse eingehen, wenn Zeit auf der eigenen Seite scheint? Die Siedlungen wachsen, der palästinensische Raum schrumpft – geografisch wie politisch. Der sogenannte Friedensprozess ist längst ein Zombie, der nur noch beschworen wird, um den Status quo nicht benennen zu müssen.
Besonders zynisch ist dabei die moralische Doppelbödigkeit. Israel reklamiert für sich das Recht auf Sicherheit – verweigert aber den Palästinensern genau dieses Recht. Sicherheit ist hier kein universelles Gut, sondern ein Privileg, verteilt nach Staatsbürgerschaft. Wer keinen Staat hat, hat auch keinen Anspruch. So einfach, so brutal.
Der Westen spielt dieses Spiel mit. Europas ritualisierte „Besorgnis“ ist das politische Äquivalent zum Achselzucken. Man mahnt, ohne Konsequenzen zu ziehen, kritisiert, ohne zu handeln. Zu groß ist die Angst, historisch schuldig zu werden, zu bequem die Rolle des wohlmeinenden Beobachters. Israel weiß das und nutzt es. Der Haudegen weiß, dass ihm kaum jemand das Schwert aus der Hand schlagen wird.
Doch Stärke, die sich nur noch aus Dominanz speist, ist keine Stärke mehr – sie ist Trägheit mit Waffen. Israel riskiert, das zu verlieren, was es immer für sich beansprucht hat: moralische Legitimität. Nicht, weil es existiert oder sich verteidigt, sondern weil es sich weigert, die Konsequenzen seiner Politik anzuerkennen. Die Palästinenser werden dabei nicht nur entrechtet, sondern entpolitisiert – reduziert auf Sicherheitsrisiken, nicht als Menschen mit Rechten, Geschichte und Zukunft.
Der Haudegen des Nahen Ostens steht heute nicht mehr nur Gegnern gegenüber, sondern auch einem Spiegel. Und das Bild darin ist unbequem: ein Staat, der aus Angst vor seiner eigenen Verletzlichkeit bereit ist, andere dauerhaft verletzlich zu halten. Frieden entsteht so nicht. Nur eine immer perfektere Verwaltung des Konflikts. Und die Rechnung dafür zahlen – wie so oft – die, die am wenigsten Einfluss auf die Spielregeln haben.
Im echten Sozialismus werden territoriale Streitigkeiten marginalisiert. Schließlich ist genug Platz für alle da. Und der Glauben, aufgrund dessen heute so viel Leid entsteht, spielt auch nicht mehr DIE Rolle. Israel befindet sich seit Staatsgründung 1949 praktisch pausenlos im Krieg. Aus Paranoia und um die Armee fit zu halten. Dazu besteht im echten Sozialismus kein Grund. Leid wird dann mit Recht vergolten – zum Wohle der Menschheit … Friede in Nahost !!!
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