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Aktueller Online-Flyer vom 04. Februar 2023  

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Globales
Über das alltägliche Leben in einem Dorf in Syrien
Zu 100 Prozent hinter ihrem Präsidenten Bashar al Assad
Manal H. – interviewt von Eva & Markus Heizmann (Bündnis gegen Krieg, Basel)

Die Situation in Syrien verschlechtert sich täglich. Die Angriffe gegen das syrische Volk und gegen die syrische Infrastruktur gehen unvermindert weiter. Israel bombardiert fast täglich syrische Gebiete und tritt damit einmal mehr Menschen- und Völkerrecht mit Füssen. Insbesondere die Flughäfen von Damaskus und Aleppo sind aktuell vermehrt von diesen Angriffen betroffen, dabei kommen immer wieder Menschen ums Leben. Darüber hinaus wird der Norden des Landes illegal von den Truppen der USA, der Türkei und von verschiedenen Terrorbanden besetzt gehalten. Das ist kein Zufall, ist doch dieses Gebiet eine der ressourcenreichsten Gegenden Syriens. Mit dem Öl und mit dem Getreide dieser Region konnte vor der Besatzung nicht nur ganz Syrien, sondern auch ein Teil der umliegenden Länder versorgt werden. Hinzu kommt die Blockade. Diese Blockade, verhängt von den USA und mitvollzogen von der Europäischen Union und einigen Vasallen, hat keinerlei rechtliche Grundlage, sie ist illegal. 2011 wurde die Blockade verhängt und seither immer wieder verschärft, u.a. auch mit dem Caesar Act, der im folgenden Gespräch auch erwähnt wird. Unter dieser Blockade leidet das syrische Volk, diese Blockade ist ein Verbrechen und sie muss, ebenso wie die militärischen Angriffe, beendet werden! Uns hat interessiert, wie eine syrische Bürgerin, die nicht aus Syrien geflüchtet ist, sondern schon lange vor dem Angriffskrieg gegen Syrien nach Europa ausgewandert ist, diese Dinge sieht. Interessiert hat uns auch das ganz alltägliche Leben in einem syrischen Dorf. Manal H. ist schon vor langer Zeit nach Österreich migriert, sie war mit einem österreichischen Staatsbürger verheiratet und hat mittlerweile eine Familie in Österreich. Gleichwohl hat sie selbstverständlich ihre syrischen Wurzeln nie vergessen, sie besucht Syrien, ihre dortige Familie und ihr Dorf regelmäßig. In Wien hatten wir Gelegenheit, mit Manal zu sprechen.

Manal, wann warst Du zum letzten Mal in Syrien?

Im September 2022 habe ich meine Familie besucht. Wir leben in einem kleinen Dorf, ungefähr 20 km von Latakia entfernt. Das Dorf erreicht man entweder mit dem Auto oder dem Micro-Bus, in dem bis zu 13 Leute fahren können. Durch die Blockade ist der Treibstoff sehr knapp geworden, der Bus fährt nur morgens und abends für die Leute, die zur Arbeit und zurück fahren. Privatautos fahren selten mit nur einer Person. Wenn ein Auto unterwegs ist und jemand geht am Straßenrand, wird angehalten und gefragt ob die Person mitfahren will. Das ist ganz normal. Wenn ich das Dorf besuche, treffe ich dort meine Geschwister, meine Mutter und alle meine Freundinnen und Freunde.

Wie habt Ihr früher in dem Dorf gelebt, bzw. wie lebt Ihr heute?

Früher hatten wir 3 bis 5 Kühe, die waren nicht nur für die Milch und das Fleisch da, mit denen wurde auch die Erde gepflügt. Mein Vater war Teilzeit Bauer, er hat zusätzlich zur Landwirtschaft noch in Latakia an der Universität als Bauarbeiter gearbeitet. Am späteren Nachmittag kam er jeweils mit dem Bus von Latakia nach Hause. Ich erinnere mich, dass meine Mutter eine Tretnähmaschine hatte. Damit machte sie Näharbeiten für unsere Familie, aber auch für die Nachbarn. Ich kann mich gut erinnern, dass wir als Kinder mitgeholfen haben, bei der Ernte, beim Ausmisten oder Füttern der Tiere. Als Kinder mussten wir auch die Tabakblätter sortieren und sie zum Trocknen aufhängen. Das war eine Arbeit, die ich nicht gerne gemacht habe. Der getrocknete und geschnittene Tabak wurde vom Staat gekauft. Das Wasser kam von einer Quelle in den Bergen. Als Kind, so erinnere ich mich, gab es noch keine Wasserleitung. Die Leute stiegen zur Quelle hoch, dort wurde gewaschen, geduscht und auch das Trinkwasser wurde ins Dorf getragen. Heute gibt es die Wasserleitungen in jedes Haus. Je nach Situation muss im Dorf mit dem Wasser sehr sorgfältig umgegangen werden. So brauchten wir etwa während eines heißen Sommers das gebrauchte Wasser der Waschmaschine um die Böden zu schrubben oder um die Toiletten zu spülen. Im letzten Jahr gab es eine Dürre, manche Orangenbäume vertrockneten. Letztes Jahr lief die Waschmaschine nicht, es gab kaum Wasser und keinen Strom, dafür gab es eine sehr reichhaltige Olivenernte. Alles wurde selber gemacht, wir waren Selbstversorger. Getreide, Gemüse, Mais, Sesam, Kichererbsen, Linsen, Tabak, alles wurde für die Selbstversorgung angebaut. Milch hatten wir auch, ca. 5 Liter pro Tag, das reichte zur Selbstversorgung und für ein wenig Frischkäse. Manches davon konnte auch verkauft werden.

Bitte schildere uns doch einen normalen Tagesablauf, wenn Du Deine Familie besuchst.


Morgens nach dem Aufstehen machen wir das Frühstück, möglichst so, wie wir das von früher gewohnt waren. Das Gas zum Kochen, den Kaffee und vieles andere habe ich mitgebracht. Brot wird, wenn es vorhanden ist, von der staatlichen Bäckerei gebacken. Die Bäckerei, welche unser Dorf beliefert ist für 20 Dörfer zuständig. Wenn es ums Essen geht, muss ich dir sagen, Fleisch kannst du vergessen, das ist viel zu teuer, es gibt höchstens manchmal Hühnchen. Gewisse Sorten Fisch kann man sich eventuell auch noch leisten. Gemüse und Getreide sind also die Hauptnahrung, im Winter gehören Hülsenfrüchte dazu, Linsensuppe ist sehr beliebt. Wenn heute in meinem Dorf eine Familie Besuch bekommt, dann ist das oft sehr peinlich, da es weder Kaffee noch Gas gibt. Durch diesen Mangel leiden auch die sozialen Beziehungen. Oft ist nicht mal Brot da, das man auftischen kann.

Was tut Ihr in eurer Freizeit?

Wir sitzen zusammen und reden. Wir spielen, meist Karten, Schach oder Tawla (Backgammon) wenn jemand ein Instrument spielen kann, ist das auch sehr schön. Oder wir tanzen zur Musik aus unseren Handys. Besuche untereinander sind schwierig geworden. Wenn uns jemand aus einem anderen Dorf oder aus der Stadt besucht, muss das gut geplant werden, da man ja niemals wissen kann, ob man am selben Tag wieder zurückkommt. Vielleicht fährt ein Bus, vielleicht auch nicht, vielleicht gibt es Benzin, vielleicht auch nicht.

Gab es eine Schule im Dorf, als Du noch ein Kind warst?

Ja, die gab es. Ich kann mich erinnern, dass wir in unserer Klasse 3 Kinder waren. Es gab insgesamt sechs Klassen. Die schulische Situation war sehr gut. In jedem Dorf gab es eine Schule, bei uns gingen damals 28 Kinder zur Schule. Das war die Grundschule, von der ersten bis zur sechsten Klasse.

Wie war früher die Gesundheitsversorgung?

Sehr gut! Es gab alles in den Krankenhäusern, alle wurden vollumfänglich und sofort versorgt. Niemand fragte dich nach einer Versicherung oder nach Geld. Du warst krank, du gingst ins Krankenhaus und du wurdest behandelt. Die Behandlung und die Medikamente waren umsonst. Das ist übrigens auch heute noch so. Durch die Blockade herrscht jedoch ein großer Mangel, vor allem an Geräten und an Medikamenten. Die üblichen Impfungen wurden den Kindern in der Schule verabreicht, das ist heute noch so. (1)

Wie ist die allgemeine Situation heute?


Vor allem in den letzten zwei Jahren ist alles sehr viel schlimmer geworden. Gründe dafür sind die extreme Energiekrise, verursacht durch den Raub des syrischen Öles und dem Getreide im Norden des Landes. Aber auch die Blockade, welche durch den Caesar Act nochmals verschärft wurde verschlimmert die Lage. (2) Dies hat enorme Auswirkungen für den Alltag in Syrien. Der Treibstoff zum Beispiel ist streng rationiert. Es kann also sein, dass ein Arztbesuch verunmöglicht wird, weil kein Benzin da ist, um zu fahren. Dasselbe gilt für die Rettungswagen und für den öffentlichen Verkehr.

Kommt keine Hilfe von außen, zum Beispiel Öllieferungen aus dem Iran?

Natürlich wird das versucht. Aber alle Schiffe, die syrische Häfen anlaufen wollen, haben ein Problem, da die USA die Lieferungen nach Syrien verbieten. Es ist mehrmals vorgekommen, dass Schiffe angegriffen wurden. (3) An einen Vorfall kann ich mich besonders gut erinnern. Es war Sommer. Meine Nichten und Neffen waren am Meer, am Strand. Als sie zurückkamen, waren sie schwarz von dem ausgelaufenen Öl, wir hatten Mühe, sie zu waschen. Ich kann nicht sagen, ob der Tanker versenkt oder beschädigt wurde, jedenfalls ist eine grosse Menge Öl ins Mittelmeer ausgelaufen. Wer das war, wissen wir nicht, es kann die NATO sein, es können die USA sein oder auch Israel. Über diese versenkten Schiffe wird hier, in Europa, kaum oder gar nicht berichtet.

Wie sieht es mit der Versorgung auf dem Landweg aus?

Da kommt ein bisschen was herein, aber nur sporadisch, man kann sich nicht darauf verlassen. Mal hier eine Lieferung aus dem Irak, mal da ein wenig was aus dem Libanon. In Syrien selbst gibt es einige Raffinerien. Die stehen allerdings, wie die übrige syrische Industrie, größtenteils still. Das Rohöl Syriens wird – wie du weißt – von den USA und den Banden im Norden des Landes gestohlen. Solange der Norden Syriens besetzt ist, wird sich daran auch nichts ändern. Alles steht still. Es gibt Leute, die warten 5 – 6 Stunden an den Tankstellen, weil sie Benzin so dringend brauchen, nur um dann zu erfahren, dass der Treibstoff schon ausgegangen ist. Ähnlich sieht es mit dem Gas zum Kochen aus. Eine Familie bekommt offiziell alle 2 Monate eine Flasche Gas zum kochen. Der Treibstoff – Benzin oder Diesel – ist auf 200 Liter pro Monat rationiert. Das reicht natürlich nirgendwo hin. Auf dem Land werden Bäume gefällt, um mit dem Holz zu kochen oder zu heizen. So wird das Land allmählich verwüstet. Zwar gibt es strenge Gesetze dagegen, aber leider geschieht es trotzdem.

Iran, Kuba und andere Länder stehen ebenfalls unter einer US / NATO Blockade. Weißt Du, ob es eine verstärkte Zusammenarbeit unter diesen blockierten Ländern gibt?

Wie bereits erwähnt, versucht Iran immer wieder Schiffe zu schicken. Das wird behindert. Israel hat auch schon syrische Häfen bombardiert. An Weihnachten und Neujahr 2021 / 22 kam es zu so einem Angriff auf den Hafen von Latakia. Mehrere Menschen kamen dabei ums Leben und es gab Sachschaden, auch darüber wird nicht informiert. Zufällig war ich da gerade vor Ort. Das von den Angriffen verursachte Feuer brannte mehrere Tage.

Wir haben nun viel über die mangelnde Energieversorgung gesprochen. Aber wir sieht es mit den Nahrungsmitteln aus? Gibt es genug zu essen?

Es gibt nicht immer Brot, da es an Mehl mangelt. Manchmal gibt es genug Mehl und trotzdem kein Brot, weil die Bäckereien nicht arbeiten können, da es keinen Strom gibt. Solches war früher kein Thema, es gab Getreide und Mehl im Überfluss. Die syrische Regierung füllte die Getreidespeicher für jeweils 5 Jahre. Nie gab es Mangel. Seit jedoch der Norden besetzt ist, wird nicht nur das dortige Öl gestohlen, sondern auch das Getreide. Was von den Besatzern nicht abgeerntet, abtransportiert und verkauft werden kann, wird – sobald die Ähren trocken auf den Feldern stehen - abgebrannt. Wenn ein Bauer seine Ernte nicht an die Besatzer verkauft, wird sie verbrannt. Das tun sie übrigens auch mit den Baumwollfeldern. Sobald die Baumwolle erntereif ist, werden die Bauern gezwungen, entweder an die Besatzer zu verkaufen oder ihre Ernte wird verbrannt. Es gibt private und staatliche Bäckereien. Die privaten Bäckereien haben Kontingente. Sie müssen für die Energie und für das Mehl bezahlen, oft müssen sie Schwarzmarktpreise bezahlen daher wird auch das Brot teurer. In meinem Dorf arbeitet die kleine Bäckerei mit einem Ofen, der mit Diesel betrieben wird. Es geht auf dem Land allgemein besser als in den Städten. Wenn zum Beispiel in der Bäckerei der Diesel fehlt, kann man auf andere Lebensmittel, Kartoffeln, Gemüse usw. ausweichen. In der Stadt ist das schwieriger.

Was tut die Regierung, um die Versorgungslage zu verbessern?

Sie bemüht sich, eine möglichst gerechte Verteilung zu organisieren. Das Volk weiss natürlich von der Blockade ebenso wie alle wissen, weshalb es nicht genug Getreide und Treibstoff gibt. Allen ist klar, dass es an der illegalen Besatzung des Nordens und an der Blockade liegt, wenn nun überall Mangel herrscht. Das Ziel ist es zu verhindern, dass in Syrien überhaupt noch was geerntet werden kann. Ich kann mich zum Beispiel daran erinnern, dass vor zwei Jahren von den Terroristen an über 65 Stellen in Syrien Olivenbäume abgeholzt wurden. Im Gebiet von Idlib wird die Olivenernte von den Banden an die Türkei verkauft. Wir haben auch gesehen, dass Olivenbäume mit den Wurzeln ausgegraben und auf Lastwagen in die Türkei gebracht wurden. Dies geschah vor allem in Afrin, dort – so sagt man – wachsen die besten Olivenbäume der Welt. Die syrische Regierung protestiert natürlich immer wieder gegen die Machenschaften, auch vor den internationalen Institutionen, aber ohne Erfolg. Die Besatzung im Norden verkompliziert die Lage noch zusätzlich. Die Besatzer, in diesem Fall türkische und kurdische Bewaffnete, bieten den Bauern an, die Ernte zu kaufen. Wenn sie sich weigern, weil sie das Getreide an den syrischen Staat verkaufen wollen, zünden sie ihnen die Ernte an. Das ist schon mehrmals vorgekommen. Der Norden Syriens ist das Hauptanbaugebiet des Landes. Da der Norden nun besetzt ist, entsteht dieser Mangel. Es wird versucht in den andern Landesteilen anzubauen, das ist natürlich nicht einfach. Früher gab es auf den Bauernhöfen viele Getreidesorten, auch dunkles Getreide, wie zum Beispiel Roggen oder auch Gerste. Nach der Ernte wurde ein Teil zurück behalten als Saatgut für das kommende Jahr.
 
Wird das noch immer so gemacht?

Das wurde früher so gemacht. Das Saatgut durfte jedoch nur privat wieder ausgebracht und nicht verkauft werden. Erlaubt war nur der Verkauf an den Staat, die Bezahlung war gut. So wurde das immer gehandhabt, so hatten alle immer genug, da die Verteilung gewährleistet war. Schon seit einiger Zeit jedoch kommt das Saatgut von auswärts. Es gab immer weniger Bauern und die wollten sich nicht mehr die Mühe machen, ihr Saatgut zu pflegen.
Vor dem Krieg schien es den Bauern einfacher Saatgut zu kaufen, anstatt es selbst zu produzieren. Das rächt sich heute, denn das Saatgut aus dem Ausland ist nicht reproduzierbar, die Pflege des alten Saatguts muss zum Teil neu erlernt werden. 

Den Menschen mangelt es an allem, sie sind arbeitslos, sie können die Felder nicht bestellen. Wovon leben sie? 

Man organisiert sich irgendwie. Die Kirche hilft einigen, und schickt an die Familien zum Beispiel einmal pro Monat ein Paket mit Lebensmitteln. Verwandte und Freunde helfen einander. Aus dem Ausland zu helfen ist schwierig. Wegen der Blockade kann ich ja kein Geld überweisen.

Wollen viele das Land verlassen?

Eigentlich schon, ja. Aber vom meinem Dorf sind nicht viele gegangen. Es gilt als eine Schande ins Ausland zu gehen. Bei mir war das damals anders. Erstens war die Situation in Syrien damals noch in Ordnung und zweitens bin ich nicht geflüchtet, ich habe mich ins Ausland verheiratet. Ein Problem, weshalb viele gehen wollen, sind die Medien. Das Leben im Ausland, vor allem in Europa wird in den hellsten Farben gemalt und wir alle wissen, dass das nicht so ist.

Stehen die Leute noch immer hinter der Regierung?

Es wird Kritik an der Regierung und an den Behörden geäußert. Aber ich denke das ist normal. Aus meiner Perspektive würde ich sagen, die Menschen stehen heute teilweise hinter der Regierung, aber sie stehen zu 100 Prozent hinter der Person des Präsidenten Bashar al Assad. 

Gibt es noch etwas was Du uns zum Schluss sagen willst?

Bezogen auf ganz Syrien: Mittlerweile gibt es ein Hungerproblem. Es gibt Bettler in den Strassen, auch Kinder die betteln. Man sieht Menschen, die den Abfall nach verwertbaren Lebensmitteln durchsuchen. All das hat es früher nicht gegeben. Diese Verelendung gibt es auf dem Land noch nicht oder nicht in diesem Ausmass. Bettler oder bettelnde Familienmitglieder gelten auf dem Land als Schande für die ganze Familie.

Liebe Manal, wir bedanken uns bei Dir im Namen unserer LeserInnen für dieses Gespräch. Wir wünschen Dir, Deiner Familie und dem gesamten syrischen Volk, dass Krieg, Besatzung und Blockade enden!



Kurzer Nachtrag zum obigen Gespräch mit Manal H.:

Syrische Flüchtlinge in Europa gelten als «wohlerzogen» und meist als gut gebildet. Ein Crash Kurs in der jeweiligen Landessprache genügt, und Deutschland, Frankreich, die Schweiz Österreich oder ein anderes europäisches Land verfügt über bestens ausgebildete Fachkräfte: ÄrztInnen, ArchitektInnen, IngenieurInnen etc. Auf Kosten des syrischen Staates ausgebildet, beheben sie den Fachkräftemangel Europas und sie fehlen in ihrem eigenen Land. Im Neusprech wird solches «Brain Drain» genannt.

Die zweite Welle der Flüchtlinge aus Syrien ist indes für die so genannten Gastländer weitaus weniger erfreulich: Wir reden von meist jungen Menschen, die in ihrem Leben noch nie etwas anderes erlebt haben als den Alltag des Krieges: Gewalt, Drogen, Terror durch den IS, Terror durch die NATO. Sie kommen mit ihrem Leben nicht zurecht.

So gelangen nun Diejenigen, deren Leben durch die verbrecherische Politik der NATO Staaten zerstört wurde, an die Quelle des Übels. Dies aber soll verhindert werden. Während die Fachkräfte aus Syrien (und anderen Ländern) nicht nur willkommen sind, sondern regelrecht angeworben werden, sollen die Opfer der imperialistischen Kriege gar nicht erst nach Europa kommen: Die EU bezahlt der Türkei 6 Milliarden Euro, damit sie die Flüchtlinge nicht nach Europa weiter reisen lässt. Dementsprechend benutzt die türkische Regierung die Flüchtlinge als menschliche Manipuliermasse. Auf völkerrechtswidrig besetztem Gebiet in Nordsyrien (syrischem Staatsgebiet!) hat die türkische Regierung an die 100‘000 Wohneinheiten aus dem Boden gestampft um syrische Flüchtlinge abschieben zu können.

All dies ist – ebenso wie der illegale Angriffskrieg gegen Syrien und damit verbunden die Blockade gegen das syrische Volk – ein gigantisches Verbrechen. Dessen Urheber sind die USA sie, aber auch die NATO Staaten und Israel greifen täglich und stündlich das syrische Volk an.

Die Besatzung und die Ausplünderung Nordsyriens muss ein Ende haben! Sämtliche Bewaffneten, die von der syrischen Regierung nicht ausdrücklich eingeladen wurden, verletzen internationales Recht. Sie müssen das Land bedingungslos verlassen, egal ob sie nun unter türkischer, kurdischer, der IS oder unter der US Flagge brandschatzen und morden.

Was alle militärischen Angriffe gegen Syrien nicht erreicht haben, nämlich den von den imperialistischen Mächten gewollten regime change, versuchen nun die USA und die EU mit der illegalen Blockade durchzusetzen: Syrien soll zu Fall gebracht werden. Pikanterweise werden als Grund für die Blockade gegen die souveräne Syrisch Arabische Republik unbewiesene «Menschenrechtsverletzungen» vorgeschoben. Der mehrfach gewählte, hier als «Diktator» diskreditierte Präsident Bashar al Assad soll gestürzt werden.

Wir finden in ganz Syrien niemanden, der die Blockade begrüßt. Die Blockade gegen das syrische Volk ist undemokratisch und sie hat keinerlei Rechtsgrundlage. Sie ist ein Verbrechen, nicht nur am syrischen Volk, sondern an der gesamten Menschheit. Sie muss beendet werden!



Olivenernte


Gepresstes Olivenöl

Online-Flyer Nr. 805  vom 23.01.2023

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