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Aktueller Online-Flyer vom 02. Juli 2022  

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Globales
Gespräch über die laufende "transnationale biopolitische Machtergreifung"
"Die meisten Linken sind in der Corona-Krise zum Opfer ihrer Staatsgläubigkeit geworden"
Michael Schneider - interviewt von Milena Rampoldi

Milena Rampoldi schreibt einleitend: "Zum Thema Corona und dem Verhältnis zwischen Medizin und Totalitarismus habe ich mit Prof. Michael Schneider (Jahrg. 1943) gesprochen. Michael Schneider ist Schriftsteller und engagierter Sozialist, u.a. bis heute bekannt aus seiner Zeit in der Studentenbewegung, als Autor von 'Neurose und Klassenkampf' und als Gründer des ersten Sozialistischen Straßentheaters in Westberlin. Er zeichnet sich durch seine scharfsinnige Kritik am Status quo aus, und so auch an der herrschenden 'Corona'-Ausartung, die viele nicht nur politische, sondern auch neurotische Elemente enthält. Aber sie ist anders. Macht ist heute anders. Und der Totalitarismus von heute ist anders."

In dieser Corona-Ära entgeht vielen der Zusammenhang zwischen Medizin, Macht und Totalitarismus, warum ist das so?

Dass in der Corona- Krise so vielen Menschen der Zusammenhang zwischen Medizin, Macht und Totalitarismus entgeht, ist vor allem dem Wesen dieses neuen und in seiner massenpsychologischen Wirkung höchst raffinierten und wirksamen Narrativs geschuldet: Dass Sars-Cov-2 ein die ganze Menschheit bedrohender Killervirus sei, gegen den man „Krieg führen müsse“, wie der französische Präsident im April 2020 verkündete.

In Kriegs- und Krisenzeiten kommt es fast immer zum Schulterschluss zwischen Regierung und Bürgern. Im Dauer- „Krieg gegen Corona“ und seine immer neuen „gefährlichen Mutanten“ geht es inzwischen ähnlich zu wie in Orwells „1984“, wo die Menschen ständig mobilisiert und in fiktive Kriege gegen neue Feinde gehetzt werden, die nie jemand zu Gesicht bekommt. Noch abgefeimter, ja, von einer geradezu sadistischen Genialität (im Sinne psychologischer Kriegsführung) ist das (von US-Geheimdiensten und Denkfabriken ausgeheckte) Narrativ von einem unsichtbaren, zersetzenden Feind, der jederzeit und überall zuschlagen kann und der in jedem von uns, in deinem Nachbarn, deinem Arbeitskollegen, sogar in deinen liebsten Angehörigen und erst recht in dir selbst lauern kann.

Besonders tückisch ist das Postulat des „symptomlosen Kranken“, der als „Superspreader“ alle anderen gefährdet, was den Argwohn aller gegen alle befeuert und zu einer kompletten Beweislastumkehr führt: Im Kampf gegen den unsichtbaren Feind sind alle Menschen nicht potenziell gesund, sondern potenziell krank. Jeder Mensch ist ein noch nicht überprüfter Verdachtsfall und potenzieller Gefährder und muss über tagesaktuelle Feststellungen (Tests) oder Impfungen seine Unschuld beweisen. Tut er dies nicht, sind Aussonderung und Restriktion zulässige Notwehrmaßnahmen der Gesellschaft.

Diese Erzählung ist neu und nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil sie vor allem gemeinschaftliche Ideale wie Solidarität, Verantwortung für die Mitmenschen etc., die gerade den Linken lieb und teuer sind, in ihren Dienst nimmt. Darum wird ihr tückisches Wesen von den meisten Linken, Sozialdemokraten und Links-Sozialisten auch nicht erkannt, zumal diese gerade jetzt, in der Corona-Krise, zum Opfer ihrer Staatsgläubigkeit geworden sind: Dass nach dreißig Jahren neoliberaler Privatisierungen und Kahlschlags-Politik (auch und gerade im Gesundheitswesen) nun auf einmal der bis dato schwache Staat die Zügel ergreift und, wie es  scheint, die Gesundheit der Bürger zur obersten Maxime seines Handelns macht, gilt ihnen als Beweis für die wiedergewonnene ethische Dimension der Politik. Warum aber sollten die ansonsten skrupellosen herrschenden Eliten beschlossen haben, die globale Profitmaschine angesichts eines Krankheitserregers anzuhalten, der fast ausschließlich die „Unproduktiven“, die über 80-Jährigen trifft?

Wie sehr unterscheidet sich die Macht in diesem Zeitalter von der Macht im traditionellen Sinne?


Im Unterschied zu traditionellen Diktaturen und totalitären Systemen, die zumeist nationalstaatlich organisiert sind oder waren (was Bündnisse zwischen ihnen keineswegs ausschloss – man denke nur an die faschistischen Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan) und die ihre politischen Gegner ausgeschaltet oder in Lagern konzentriert haben, haben wir es diesmal mit einer transnationalen biopolitischen Machtergreifung zu tun, die „auf der Ebene der Global Governance beginnt und tief in die Souveränität des Individuums eingreift“, wie van der Pijl, Professor für Internationale Politik an der Universität Sussex, in seiner fulminanten Studie „Die belagerte Welt“ aufgezeigt hat: „Die Verhängung des Ausnahmezustands in praktisch der ganzen Welt war in erster Linie ein politischer Schritt, der nachweislich von langer Hand vorbereitet und in einer Reihe von transnationalen Denkfabriken und supranationalen Organisationen wie der WHO und der Weltbank koordiniert wurde. Auf deren Rat und ausdrückliche Anweisung haben die Regierungen ihre Bevölkerungen in den Würgegriff genommen. Schließlich geht es um das Überleben der bestehenden Gesellschaftsordnung, die sozial, wirtschaftlich und ökologisch auf Grund gelaufen ist.“

Das Programm, das im Windschatten der „Pandemie“ umgesetzt wird, der sog. „Great Reset“ (wie die gleichnamige programmatische Schrift von Klaus Schwab und Thierry Malleret lautet.) hat jedoch nichts mit Gesundheit zu tun. Vielmehr geht es um den Machterhalt der Oligarchie, der transnational herrschenden Klasse, die sich um einen neuen Machtblock aus Geheimdiensten, IT-Giganten und Medienkonglomeraten konzentriert.

Nach der Weltfinanzkrise von 2008 sah sich diese transnationale Oligarchie von einer ruhelosen und in vielen Ländern aufbegehrenden Bevölkerung bedroht, die eine strenge Re-Regulierung des instabilen Weltfinanzsystems und eine Korrektur der absurden Ungleichheiten forderte, die das kapitalistische System erzeugt haben, zumal dieses immer weniger in der Lage ist, die wachsende Massenarbeitslosigkeit in den südeuropäischen und arabischen Ländern einzudämmen. Erinnert sei in diesem Zusammenhang u.a. an den Arabischen Frühling, an die Occupy-Bewegung in den USA und Europa, an die zunächst sehr erfolgreiche Wahlkampagne des demokratisch-sozialistischen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders, der große Teile der US-amerikanischen Jugend mobilisieren konnte; an die Black Lives Matter-Bewegung und die Gelbwesten-Bewegung in Frankreich, die zu einer Staatskrise führte; aber auch an die schweren Unruhen in Indien und an die von gewaltigen Demonstrationen getragenen Kämpfe der Chilenen um eine neue demokratische Verfassung. Für viele, durch die Unruhen und Aufstände in Bedrängnis geratene Regierungen kam die „Pandemie“ gerade recht, um mittels Lockdowns die politischen Protestbewegungen und das gesellschaftliche Leben zum Erliegen zu bringen.

Welche sind die Hauptthemen Ihres Beitrags „Die Büchse der PanCorona und ihr verschwiegenes Geheimnis“
(*)?

Die hier skizzierten politisch-ökonomischen Entwicklungen, die zum globalen Staatsstreich der transnationalen Oligarchie führten - bilden einen Eckpfeiler meines Essays. Doch zunächst analysiere ich die politische und mediale „Schockstrategie“ (Naomi Klein), mit der die Bevölkerungen in Dauerangst vor dem angeblichen „Killervirus“ Sars-Cov-2 versetzt wurden, und die infamen propagandistischen Methoden, mit der dieser Dauermodus von Angst und Panik immer wieder befeuert wird: durch Testrauschen, manipulierte Statistiken, Infektions- und Sterbefallzahlen ohne Referenzgrößen und durch die systematische  Indienstnahme willfähriger medizinischer „Experten“- während sich kritische Mediziner, Virologen, Immunologen etc., die die Durchimpfung der Bevölkerung mit den neuartigen, kaum  getesteten  mRNA-Impfstoffen öffentlich anprangern, sich einer politisch-medialen Hetze ohnegleichen ausgesetzt sehen und nicht selten auch juristisch  belangt und an ihrer Berufsausübung gehindert wurden und werden.

Mein weiteres Thema: Die immer irrationaler und absurder werdende Impfkampagne. Zwar muss die Bundesregierung inzwischen zugeben, dass auch immer mehr Geimpfte die Krankenhäuser und Intensivstationen bevölkern – was ja heißt, dass die bisherige Impfstrategie offensichtlich gescheitert ist –, dennoch fällt ihr nichts anderes ein als ihr täglich wiederholtes „Weiter so!“ Und so propagiert sie auf allen Kanälen die Notwendigkeit der massenhaften „Auffrischungs- bzw. - Booster-Impfung“ und der demnächst einzuführenden gesetzlichen Impfpflicht- was, zur klammheimlichen Freude der Pharma- und Impfindustrie, auf ein Impf-Dauerabonnement für die Bevölkerung hinauslaufen dürfte. Diese scheint es denn auch nicht zu behelligen, dass die Massenimpfung und der obligatorische Impfpass für jeden Bürger das Einfallstor für einen totalitären Überwachungskapitalismus (Shoshana Zuboff) ist, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat.

Wie wichtig ist ein interdisziplinärer Ansatz zwecks besseren Verständnisses unserer historischen Coronakrise?

Ich halte einen interdisziplinären Ansatz zwecks besseren Verständnisses der historischen Corona-Krise für dringend erforderlich. Denn diese betrifft ja nicht nur alle Aspekte unseres Lebens, in ihrem Windschatten vollzieht sich auch, von der Mehrheit der Wissenschaftler und öffentlichen Intellektuellen unbemerkt oder aus Opportunismus verleugnet, ein radikaler Umbau der Gesellschaft und ihrer gesamten bisherigen Produktionsweise. Die Industrialisierung 4.0 unter Führung der großen IT-Giganten, wird nicht nur zum Ruin des Einzelhandels und des kleinen mittelständischen Gewerbes führen, deren bisherige Marktanteile schon heute sichtbar auf Amazon u.a. online-Handelsketten übergehen; die fortschreitende Automatisierung via Digitalisierung und KI (Künstliche Intelligenz) wird überhaupt zu einer Massenarbeitslosigkeit von nie gekannten Ausmaßen führen. Dies voraussehend, hält Schwabs „Great Reset“ die Einführung eines (keineswegs bedingungslosen) Grundeinkommens im Zusammenhang mit der Abschaffung des Bargeldes und der weltweiten Einführung des digitalen Geldes für unabdingbar – was letzten Endes bedeuten würde, dass der Bezieher des digitalen Gelds vollständig in der Hand der Zentralbanken sein wird.

Es ist wahrlich grotesk: Während der aufgeregte öffentliche Disput sich seit Monaten ums Für und Wider des Impfens und um die „Pandemie der Ungeimpften“ dreht, denen man die Schuld an der neuen Virus- Mutante „Omikron“ gibt, werden hinter den Kulissen die Weichen gestellt für einen totalitären Kontroll- und Überwachungsstaat, mit dem verglichen der Orwell'sche sich wie ein technisch rückständiger Vorläufer ausnimmt.

Wie sagt doch ein französisches Sprichwort: „Ein Volk von Schafen wird eine Regierung von Wölfen bekommen.“

Was ist heute noch von „Neurose und Klassenkampf“ aktuell und warum?

Mein Buch „Neurose und Klassenkampf“ erschien auf dem Höhepunkt der Studentenbewegung von 1968. Dass er zu einem internationalen Bestseller wurde, verdankt sich meinem Versuch, Marxismus und Psychoanalyse zusammenzudenken, statt sie – wie es bei dem damals vorherrschenden politischen Lagerdenken üblich war - als methodisch und ideologisch unvereinbare Gegensätze und Antipoden zu betrachten. Mir ging es damals vor allem um die Zusammenschau der politischen, ökonomischen und massenpsychologischen Wirkkräfte der kapitalistischen Gesellschaft und um die „Psychopathologie ihres Alltags- und Arbeitslebens“ sowie ihres krankhaften Konsumerismus - woran sich bis heute nicht allzu viel geändert hat. Eine ähnlich synkretistische und interdisziplinäre Betrachtungsweise mit dem Weitwinkelobjektiv auf den epochalen Umbruch, der im Namen und im Schatten der Corona-Krise vor sich geht, die als „Gesundheitskrise“ (miss)verstanden wird und daher auch nur zu monokausalen medizinischen und pseudomedizinische Lösungen führt, wäre heute dringend erforderlich.

Warum sind Psychologie und Geschichte heute wie noch nie unverzichtbar, um eine neue wahre Demokratie von unten zu schaffen und aus dem „Wintermärchen“ rauszukommen, in dem wir (fast) alle stecken?

Leider steht die vorherrschende universitäre Psychologie heute ganz im Banne eines positivistisch verengten Wissenschaftsbegriffs, empirische Forschung reduziert sich vor allem auf statistische Erhebungen. Psychologie und Geschichte wird hier schon lange nicht mehr zusammengedacht, eine auf den Historischen Materialismus sich stützende Massen- und Klassenpsychologie und Soziopathologie (wie ich sie in „Neurose und Klassenkampf“ umrissen habe) ist längst aus den Lehrangeboten verbannt. Dabei zeigt doch gerade die Corona-Krise, wie sehr die aktuelle Politik von hochbezahlten Soziopathen wie dem jetzigen Gesundheitsminister Karl Lauterbach bestimmt wird, (den Oskar Lafontaine treffsicher als „Covid-Heul-Boje“ ätzte). Solange solche Leute das Vertrauen der deutschen Mehrheits-Bevölkerung haben, ist mit einer demokratischen Rundum-Erneuerung, gar mit einer echten Demokratie von unten, nicht zu rechnen.

Und doch gilt auch in lausigen Zeiten wie diesen Brechts Devise: „So wie es ist, bleibt es nicht!“


Fußnote:

* Dieser Beitrag wird demnächst bei Sodenkamp & Lenz (Berlin) im folgenden Sammelband erscheinen: Almuth Bruder-Bezzel, Klaus-Jürgen Bruder & Jürgen Günther (Hrsgb.) : „Corona. Die Inszenierung einer Krise“.


Mit Dank übernommen von tlaxcala-int.blogspot.com - dort erschienen am 02.01.2022

Online-Flyer Nr. 784  vom 12.01.2022

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