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Aktueller Online-Flyer vom 22. April 2021  

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Kommentar
Wir hätten es wissen müssen!
Gedicht an die Freunde
Von Rudolf Hänsel

In seinem im Juni 1939 erschienenen Gedicht „An die Nachgeborenen“ legte Bertolt Brecht ehrlich, erschütternd und mahnend Rechenschaft ab über sein Leben in finsteren Zeiten: „Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten! / Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn / Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende  / Hat die furchtbare Nachricht  / Nur noch nicht empfangen. / Was sind das für Zeiten, wo / Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist / Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt! / Der dort ruhig über die Straße geht / Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde / Die in Not sind?“

Drei Generationen später leben wir wieder in finsteren Zeiten. Die Nachgeborenen sollen transhumane Wesen werden, entseelte Menschmaschinen, Diener und Energieträger für die kleine Zahl „Auserwählter“.

Wir hätten es wissen können, wissen müssen! Diese Zukunft, die nur noch ihre sein soll, haben sie seit langem offen angekündigt. Doch wir konnten die Flammenschrift an der Wand, dieses Menetekel, nicht deuten – so wie Belsazar. Konnten nicht glauben, dass die von Machtgier zerfressenen Despoten und Anhänger Satans ihre teuflischen Pläne tatsächlich umsetzen werden.

Unser Geist ist nicht frei, wir haben die Ängstlichkeit nicht abgeworfen. Von Kindheitstagen an glauben wir an Autoritäten, sind ihnen hörig, übergeben ihnen die Macht und haben nicht den Mut, uns unseres gesunden Menschenverstands zu bedienen – wir sind nur in der Lage zu gehorchen.

Diese skrupellosen Despoten schüren die Ängste der Bürger vor Hunger und Versklavung, vor dem Tod und der Hölle. Auch bedienen sie sich der Dienste korrupter Philosophen, Psychologen und Naturwissenschaftler, die ihre Seele verkaufen. Ihr Ziel ist es, das Volk zu unterwerfen, ihnen alle Rechte zu nehmen, sie in transhumane Wesen zu verwandeln, damit sie gehorchen und dienen.

Dabei seien Thron und Altar Spießgesellen…, die sich verstehen würden wie zwei Beutelschneider. Das meinte Jean Meslier, der französische Philosoph des 17. Jahrhunderts, ein Atheist im Priesterrock (1).

Im Vorwort seines berühmten „Memorandums der Gedanken und Überzeugungen“, schrieb er, dass er unlängst einem Mann begegnet sei, der „kein Studierter war, doch offenkundig genügend Menschenverstand besaß, um die widerwärtigen Missbräuche zu erkennen und zu verurteilen“, denn er habe gesagt, „man solle alle Großen der Erde mit den Gedärmen der Priester erwürgen und daran aufhängen…“

Meslier fügt hinzu: „Diese Redeweise erscheint gewiss rauh, ungehobelt und anstößig, aber man muss zugeben, dass sie offenherzig und freimütig ist, kurzgefasst und eindrucksvoll.“ (2)

Zu den Großen der Erde gehören heute unter anderem die Rockefellers und Rothschilds, die Brzezinskis, die Kissingers und Ihresgleichen, die Coudenhove-Kalergis und die anderen Weisen. Als sie die Neue-Welt-Ordnung – eine Eine-Welt-Regierung, eine Eine-Welt-Religion und für uns normale Bürger Dantes Hölle – ankündigten, waren sie sich sicher: sie werden gewinnen. Und so sieht es auch aus!

Viele große Frauen und Männer – auch in der Neuzeit – versuchten, uns aufmerksam zu machen, zu warnen: Zum Beispiel Baron d’Holbach oder Fürst Peter Kropotkin, Michael Bakunin oder Karl Marx, Graf Tolstoi oder Johannes Messner, Emma Goldmann oder Bertha von Suttner, Siegmund Freud oder Alfred Adler, Aldous Huxley oder George Orwell, Rosalie Bertell oder Maria Mies, Albert Schweitzer oder Carl Friedrich von Weizäcker, Hannah Arendt oder Michel Chossudovsky.

Doch wir hörten ihnen nicht zu, weil wir es besser wussten. Auch wollten wir es nicht wissen, weil es unsere Kreise störte. Deshalb stellt sich heute die dringende Frage: Was tun? „Was tun?“, sprach Zeus, „die Götter sind besoffen und bekotzen den Olymp.“

Ein Freund meinte es gut und gab mir den Rat: Wage es, weise zu sein und übergib keinem die Macht! Lebe dein Leben, aber sei auch Hüter deiner Brüder und Schwestern! Erhebe den Gemeinsinn zur leitenden Idee! Schütze die Jugend, fördere und fordere sie! Gib, wenn du kannst und hasse nicht, wenn möglich! Mische dich als Intellektueller ein und zeige jeweils einen konstruktiven und gewaltfreien Ausweg auf! Habe Mitgefühl mit allen Geschöpfen, denn erst das macht dich wirklich zum Menschen!


Fußnoten:


(1) Hagen, Friedrich (1977). Ein Atheist im Priesterrock. Jean Meslier und die französischen Freidenker des 17. und 18. Jahrhunderts. Eine Streitschrift von Friedrich Hagen. Leverkusen und Köln, S. 42
(2) A.a.O. Klappentext auf der Rückseite des Buches



English version:
We should have Known!
Poem to the Friends

By Dr. Rudolf Hänsel

In his poem "An die Nachgeborenen" (To those born later), published in June 1939, Bertolt Brecht gave an honest, harrowing and admonishing account of his life in dark times: "Really, I live in dark times! / The guileless word is foolish. A smooth forehead / Indicates insensitivity. The laughing man / Has not yet received / Only not yet received. / What are these times when / A conversation about trees is almost a crime / Because it includes a silence about so many misdeeds! / He who walks quietly across the street / Is probably no longer accessible to his friends / Who are in need?"

Three generations later, we are again living in dark times. Those born after us are to become transhuman beings, disembodied human machines, servants and energy carriers for the small number of "chosen ones".

We could have known, should have known! This future, which is to be only theirs, they've been announcing openly for a long time. But we could not interpret the flaming writing on the wall, this portent, like Belshazzar. Could not believe that the despots and Satan's followers, consumed with power. would actually carry out their diabolical plans.

Our minds are not free, we have not thrown off fearfulness. From childhood we believe in authorities, are in bondage to them, handing over power and not having the courage to use our common sense – we are only capable of obeying.

These unscrupulous despots fuel the fears of citizens of hunger and enslavement, of death and hell. They also employ the services of corrupt philosophers, psychologists and natural scientists who sell their souls. Their aim is to subjugate the people, to take away all their rights, to transform them into transhuman beings so that they will obey... and serve.

In this, the throne and the altar would be henchmen... who would understand each other like two cutthroats. This was the opinion of Jean Meslier, the 17th century French philosopher, an atheist in a priest's skirt (1).

In the preface to his famous "Memorandum of Thoughts and Beliefs", he wrote that he had recently encountered a man man who "was not a student, but who evidently possessed sufficient common enough common sense to recognise and condemn the abominable abuses and condemn the abominable abuses," for he had said that "all the great men of the earth should be killed should be strangled with the intestines of priests and hanged by the neck..."

Meslier adds: "This way of speaking certainly seems harsh, rude and offensive, but it must be admitted that it is frank and open. frank, succinct and impressive." (2)

Among the greats of the earth today are the Rockefellers and Rothschilds, the Brzezinskis, the Kissingers and their ilk, the Coudenhove-Kalergis and the other wise men. When they created the New World Order – a One World Government, a One World Religion, and for us ordinary citizens, Dante's hell. they were sure they were going to win. And that is how it looks!

Many great women and men – also in modern times – tried, to draw our attention, to warn us: Baron d'Holbach, for example. or Prince Peter Kropotkin, Michael Bakunin or Karl Marx, Count Tolstoy or Johannes Messner, Emma Goldmann or Bertha von Suttner, Siegmund Freud or Alfred Adler, Aldous Huxley or George Orwell, Rosalie Bertell or Maria Mies, Albert Schweitzer or Carl Friedrich von Weizäcker, Hannah Arendt or Michel Chossudovsky.

But we did not listen to them because we knew better. Nor did we want to know because it disturbed our circles. That is why today the urgent question is: What to do? "What to do?", said Zeus, "the gods are drunk and making a mockery of Olympus."

A friend meant well and gave me the advice: Dare to be wise and surrender power to no one! Live your life, but also be the guardian of your brothers and sisters! Make public spirit the guiding idea! Protect the youth, encourage and challenge them! Give if you can and do not hate if you can! Intervene as an intellectual and show a constructive and non-violent way out! and non-violent way out! Have compassion for all creatures, for only this makes you a real human being! really a human being!


Footnotes:

(1) Hagen, Friedrich (1977). An atheist in a priest's skirt. Jean Meslier and the French freethinkers of the 17th and 18th centuries. A polemic by Friedrich Hagen. Leverkusen and Cologne, p. 42
(2) Op. cit. Blurb on the back of the book


Dr. Rudolf Hänsel ist Diplom-Psychologe und Erziehungswissenschaftler.
Dr. Rudolf Hänsel is a graduate psychologist and educationalist.




Online-Flyer Nr. 763  vom 10.03.2021

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