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Aktueller Online-Flyer vom 21. April 2021  

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Literatur
Rezension von Wolfgang Effenbergers Buch: „Schwarzbuch EU & NATO - Warum die Welt keinen Frieden findet.“
Rückfall zur längst überholten Imperiums-Idee?
Von Angelika Eberl

Ein ausgezeichnetes Buch, das wenig bekannte Fakten über die ersten Schritte zur europäischen Einigung nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Entstehung der EU aufzeigt. Der Autor erläutert, welche Schlüsselrollen US-Außenminister Dean Acheson, der britische Premierminister Winston Churchill, der umstrittene Walter Hallstein und der ehemalige Cognac-Verkäufer Jean Monnet gespielt haben. Obwohl uns das EU-Projekt immer als Musterbeispiel für Demokratie dargestellt wird, waren diese Leute - von ihrer inneren Einstellung her - alles andere als Demokraten!

Und so ist es nicht verwunderlich, dass es laut Effenberger trotz der „vielbeschworenen Vision eines demokratischen, föderalistischen Europas“ immer mehr Menschen auffällt, „dass die EU zwar ein bürokratisches Monstrum, aber keine demokratische Einrichtung ist. Vielmehr folgt sie zunehmend transatlantischen Vorgaben und den Interessen globaler Lobbyisten, die den Entscheidungsspielraum der einzelnen Länder und ihrer Bürger immer mehr einschränken.“ Bezeichnend für diese Geisteshaltung ist ein Zitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel vom 3. März 2010: „Wir können im Rückblick auf die Geschichte der Bundesrepublik sagen, dass all die großen Entscheidungen keine demoskopische Mehrheit hatten, als sie gefällt wurden. Die Einführung der Sozialen Marktwirtschaft, die Wiederbewaffnung, die Ostverträge, der Nato-Doppelbeschluss, das Festhalten an der Einheit, die Einführung des Euro und auch die zunehmende Übernahme von Verantwortung durch die Bundeswehr in der Welt – fast alle diese Entscheidungen sind gegen die Mehrheit der Deutschen erfolgt…“

Von Anfang an war auch die Einbindung dieses geeinigten Europas in den Westen und in die NATO geplant - unter Ausschluss von Russland. Der Autor weist profunde Kenntnisse über die NATO auf. Es ist erschütternd, zu lesen, wie eiskalt die nukleare Vernichtung Mitteleuropas in den Strategie-Plänen der NATO in Kauf genommen worden ist: „Amerikanische Schätzungen, die in Kongress-Hearings abgegeben wurden, gehen von etwa 100 Millionen Europäern aus, die in einem Kernwaffenkrieg in Europa sterben könnten.“ Effenberger erläutert diese irrsinnigen Strategie-Pläne der NATO während der Zeit des Kalten Krieges, die den Einsatz von Atomwaffen durchaus vorsahen und stellt fest, dass eigentlich nur Zufälle den Atomkrieg verhindert haben. Ein Zitat von John F. Dulles macht deutlich, welch verantwortungslose Hasardeure das Geschick der Welt in ihren Händen hielten: „Die Fähigkeit, an den Rand eines Kriegs zu gelangen, ohne in den Krieg zu geraten, ist die notwendige Kunst … Wenn man Angst hat, an den Rand zu gehen, ist man verloren.“

Effenberger beleuchtet, welche Kräfte zum Fall der Mauer und zur Auflösung des Ostblocks führten. Dies schien zunächst ein Hoffnungsschimmer auf Frieden zu sein, der jedoch in den darauffolgenden zwei Jahrzehnten durch die Politik des Westens unterlaufen wurde: Zweiter Golfkrieg, Jugoslawien-Krieg, Dritter Golfkrieg, Einmarsch in Afghanistan etc…

Im Kapitel über die Corona-Krise werden die auf äußerst schwachen Begründungen stehenden, massiven Grundrechtseinschränkungen thematisiert. Als Leserin gewinne ich den Eindruck, dass Freiheits- und Bürgerrechte dauerhaft eingeschränkt und die Totalüberwachung und der Impfzwang der Menschen eingeleitet werden sollen.

Man fragt sich nach Lektüre dieses Buches, ob die für die EU angestrebte Entwicklung letztendlich doch nur einen Rückfall zur längst überholten Imperiums-Idee darstellt. Wird die EU doch nur ein neues „Heiliges Römisches Reich Europäischer Nation“ werden – eine Wiederauflage des Alten in moderner Maske? Man vergesse nicht, dass Imperien stets nur von wenigen Herren regiert werden, die über eine Masse von Heloten und Sklaven herrschen. Es gibt schon zu denken, dass die sogenannte "Geburtsurkunde" der Europäischen Union“ – die „Römischen Verträge“ – am 25. März 1957 von Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und den Niederlanden „im Zentrum alter römischer Macht unterzeichnet“ wurden, nämlich „im Saal der Horatier und Curiatier im Konservatorenpalast des Kapitols – und zwar unter dem mächtigen Standbild von Papst Innozenz X.

Alles in allem empfehle ich sehr, das Buch zu lesen, weil es neue Erkenntnisse über EU und NATO bietet.


Wolfgang Effenberger: Schwarzbuch EU & NATO



Verlag Zeitgeist, 2020, 640 Seiten, 116 Abbildungen, 27,90 Euro

Online-Flyer Nr. 763  vom 10.03.2021

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