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Aktueller Online-Flyer vom 18. Januar 2021  

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Inland
CORONA – Eine Betrachtung der Sterbezahlen in Deutschland
Kein Grund, das Land mit einem harten Lockdown lahm zu legen
Von Peter Biebel

Das Resümee der Betrachtung von Peter Biebel sei vorangestellt: "Hinsichtlich der Sterbezahlen sehe ich – BISHER jedenfalls – keinen Grund, ganz Deutschland in einem harten Lockdwon lahm zu legen und weiterhin die Wirtschaft gegen die Wand zu fahren." Und es heißt in seiner Analyse zu den Sterbefällen jeden Alters: "Zum Zeitpunkt des ersten Lockdowns [März 2020] waren die Sterbezahlen in den Vorjahren mit Ausnahme 2016 mindestens genauso hoch." Zum Zeitpunkt des Teil-Lockdowns ab 2. November 2020 sei die Sterberate der über 65-Jährigen höher als in den Vorjahren. Allerdings seien die Kollateralschäden zu berücksichtigen, also die Verstorbenen, "deren Behandlung wegen Freihaltung von Covid-19-Betten verschoben oder die vorschnell Intubiert wurden oder die sich wegen Covid-19 überhaupt nicht mehr in die Kliniken wagten."


Auf Basis der vom Statistischen Bundesamt (1) und den vom RKI (2) veröffentlichten Zahlen wurden die nachfolgenden Grafiken erstellt. Diese Daten beinhalten alle wöchentlichen Sterbefälle in Deutschland inklusive der an Covid-19 Verstorbenen.


Bild 1: Gesamtzahl aller wöchentlichen Sterbefälle seit 1. Januar 2016 (Quelle: Stat. Bundesamt)
(Hier klicken, um die Grafik vergrößert anzuzeigen)

Bild 1 zeigt den Verlauf aller Sterbezahlen der Bundesrepublik Deutschland seit dem 1. Januar 2016. Die beiden gelben Pfeile in 2020 zeigen die Zeitpunkte des ersten Lockdwon am 21. März. an und des zweiten “Teil-Lockdowns” am 01. November.

Auffallend in Bild 1:
  • der sehr niedrig ausgeprägte Anstieg im ersten Quartal 2016
  • hohe Sterbezahlen im ersten 1. Quartal 2017, extrem hoch im 1. Quartal 2018
  • keine “Peaks” in der Mitte der Jahre 2016 und 2017, dafür deutlich in 2018 ..2020
  • zum Zeitpunkt des ersten Lockdowns (linker Pfeil in 2020) waren die Sterbezahlen in den Vorjahren mit Ausnahme 2016 mindestens genauso hoch
  • zum Zeitpunkt des zweiten Teil-Lockdowns war die Sterberate in 2020 nur geringfügig über der Sterberate von 2019


Bild 2: Wöchentliche Sterbefälle jünger als 65 Jahre seit 1. Januar 2016 (Quelle: Stat. Bundesamt)
(hier klicken, um die Grafik vergrößert anzuzeigen)

Auffallend in Bild 2:
  • das Jahr 2020 zeigt eine bis heute stetig fallende Tendenz, wobei der typische wieder erfolgende “Herbstanstieg” im Gegensatz zu allen anderen Vorjahren bis jetzt nicht erkennbar ist, allenfalls ein Abflachen der Kurve unterhalb des Niveaus von 2016.
  • zum Zeitpunkt des ersten Lockdown in KW12 (ab 17. März) waren die Sterbezahlen dieser Altersgruppe die niedrigsten im Vergleich zu den vier Vorjahren:
    2016: 34.010
    2017: 33.913
    2018: 35.625
    2019: 33.650
    2020: 32.792
Diese Altersgruppe stellte die mit Abstand meisten Teilnehmer der seit dem ersten Lockdown stattfindenden Querdenker – Demonstrationen. Man könnte also geneigt sein zu vermuten, dass der Sommeranstieg auf 2.806 Tote in 2020 auf die Großdemos in Berlin zurück zu führen wäre. Diese beiden Demos waren am 01. und am 29. August, der “Peak” liegt genau dazwischen in der Woche vom 16. August. Wenn aber diese Demonstrationen die Ursachen dieses Peaks wären, dann hätte ein zweiter mit mindestens dem gleichen Ausschlag sehr kurz nach dem erstem Sommerpeak erfolgen müssen, ist er aber nicht. Zum zweiten war bereits in 2018 ein “Sommeranstieg” mit einer höheren Sterberate als 2020 zu verzeichnen, obwohl es in diesem Jahr keine vergleichbaren Großdemos gab. Da aber auf diesen Berlin-Demos vielfach überhaupt keine Masken getragen wurden und die Abstände – warum auch immer – vielfach nicht eingehalten wurden, entschließen sich mir die für diese Altersgruppen bis heute geltenden Lockdown-Maßnahmen.


Bild 3: Wöchentlichen Sterbefälle 65 Jahre und älter seit 1. Januar 2016 (Quelle: Stat. Bundesamt)
(hier klicken, um die Grafik vergrößert anzuzeigen)

Auffallend in Bild 3:
  • der sehr niedrig ausgeprägte Anstieg im ersten Quartal 2016
  • hohe Sterbezahlen 1. Quartal 2017, extrem hoch im 1. Quartal 2018
  • keine “Peaks” in der Mitte der Jahre 2016 und 2017, dafür deutlich in 2018 ..2020
  • zum Zeitpunkt des ersten Lockdowns (linker Pfeil in 2020) waren die Sterbezahlen in den Vorjahren mit Ausnahme 2016 mindestens genauso hoch
  • zum Zeitpunkt des zweiten “Teil”-Lockdowns ist die Sterberate in 2020 höher als die der Vorjahre
Eine anderer Darstellung der in Bild 3 gezeigten Grafik in Bild 4 verdeutlicht besser, dass seit KW 43 tatsächlich der Anteil der Sterbefälle der Gruppe 65 Jahre und älter höher liegt als in den Jahren zuvor, entsprechend liegt der Anteil restlichen Sterbefälle niedriger (Bild 5).


Bild 4: Wöchentlichen Sterbefälle 65 Jahre und älter seit 1. Januar 2016 (Quelle: Stat. Bundesamt)
(hier klicken, um die Grafik vergrößert anzuzeigen)


Bild 5: Wöchentlichen Sterbefälle jünger als 65 Jahre seit 1. Januar 2016 (Quelle: Stat. Bundesamt)
(hier klicken, um die Grafik vergrößert anzuzeigen)

Erkenntnisse bis hierher:

a) Demographie

Der Verlauf der Sterbezahlen wird vor allem von den Altergruppen 65 Jahre und älter geprägt. Das ist zwar so weit nichts Neues, was aber auffällt, ist, dass die Sterbezahlen in den Sommermonaten einen sukzessiven, kontinuierlichen Anstieg von 2016 bis 2020 verzeichnen. Addiert man z.B. die Sterbefälle dieser Altergruppe vom Zeitraum KW18 bis KW 38 erhält man folgende Werte:

2016: 258.737
2017: 260.574
2018: 271.337
2019: 272.428
2020: 275.878

Die Frage stellt sich: Warum? Laut der Internetseite der Bundeszentrale für Politische Bildung wird die Alterstruktur wie folgt angegeben (3):


Tab. 1: Altersstruktur in Deutschland (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)

Zwar ist in Tabelle 1 die Altersgruppe 67 und älter angegeben (anstatt wie in den Bildern 3 und 4 die Gruppe 65 Jahre und älter), aber der Trend ist eindeutig: Ein Anstieg dieser Altersgruppe am Anteil der Gesamtbevölkerung um ca. 0,8 % im Beobachtungszeitraum. Zwangsläufig muss der Anteil der Altersgruppe jünger als 65 Jahre entsprechend rückläufig sein. Diese Beziehungen ist in Bild 5 zu erkennen wenn man sich den Verlauf der blauen Linie (= 2016) und der roten Linie (= 2020) anschaut. Über viele Wochen liegt die rote unter der blauen Linie.

Zumindest Deutschland betreffend kann man den Anstieg der Sterbefälle also aus zwei anderen, nicht erwähnten Ursachen ableiten: Der wachsende demografische Anteil der “Alten” und die im Zusammenhang mit Covid-19 entstehenden Kollateralschäden. Mit letzterem Begriff sind alle Verstorbenen gemeint, deren Behandlung wegen Freihaltung von Covid-19 Betten verschoben oder die vorschnell Intubiert wurden oder die sich wegen Covid-19 überhaupt nicht mehr in die Kliniken wagten. Zahlen hierzu habe ich keine gefunden, jedoch sind diese Schäden für mich ein Teil der Erklärung des höheren Anstiegs der Todesfälle der über 65-jährigen im Jahr 2020.

Hinsichtlich der Sterbezahlen sehe ich - BISHER jedenfalls - keinen Grund, ganz Deutschland in einem harten Lockdwon lahm zu legen und weiterhin die Wirtschaft gegen die Wand zu fahren.


Fußnoten:

1 https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/SterbefaelleLebenserwartung/Tabellen/sonderauswertung-sterbefaelle.html
2 https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html
3 https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61541/altersstruktur


Weitere Hinweise:


"Jahrhundert-Pandemie"?
Kliniken melden weniger Lungenentzündungen und Beatmungsfälle als im Vorjahr
https://de.rt.com/inland/110313-trotz-corona-kliniken-melden-weniger/

Kreisklinik Groß-Gerau reduziert Corona-Betten – Kreisklinik Groß-Gerau
https://www.kreisklinik-gg.de/kreisklinik-gross-gerau-reduziert-corona-betten/


Anhang - zwei Darstellungen aus dem Artikel "Kliniken melden weniger Lungenentzündungen und Beatmungsfälle als im Vorjahr"


Vergleich der Krankenhausfälle Januar bis Oktober im Jahr 2020 mit denen von 2019 – Anzahl der schweren Atemwegserkrankungen (SARI) in 2020 um 15,6 Prozent gesunken – Anzahl der intensivmedizinisch versorgten Patienten in 2020 um 6 Prozent gesunken - Anzahl der invasiv Beatmeten 2020 um 8,2 Prozent gesunken
(hier klicken, um die Grafik vergrößert anzuzeigen)


Vergleich des wöchentlichen Verlaufs der Intensivfälle (INT) und der Beatmungsfälle Januar bis Oktober im Jahr 2020 mit denen von 2019 - beide Verläufe liegen in 2020 unter denen von 2019
(hier klicken, um die Grafik vergrößert anzuzeigen)

Online-Flyer Nr. 759  vom 18.12.2020

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