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Aktueller Online-Flyer vom 04. April 2020  

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Kommentar
Betrachtungen zu Deutschland und anderen Kriegstreibern
Was ist Größe?
Von Barbara Hug / Schweiz

Haben die USA Größe gezeigt, als sie die Atombombe auf Hiroshima und Nagasaki abwarfen? Hat Deutschland Größe gezeigt, als es in zwei Weltkriegen die russische Bevölkerung dezimierte? Auf wessen Konto gehen die Millionen von Toten aus den zwei Weltkriegen? Zeigt der Krieg der USA gegen Afghanistan die Großartigkeit seiner Militärmacht? Wer hat das kleine Land Serbien auf dem Gewissen, dessen Bevölkerung schwer unter einer Krebsrate leidet, die auf die verwendete Uranmunition zurückzuführen ist? Ist es nicht ein Zeichen von Größe, Wirtschaftskriege gegen unbotmäßige Staaten zu führen, diese auszuhungern? Es wird schwerfallen, dieses fortgesetzte Morden als echte Größe zu bezeichnen. Doch gleichwohl geschieht es, und es bleibt fast unhinterfragt.

Wahre Größe wird angestrebt und salbungsvoll propagandistisch unters Volk gebracht: Wir wollen wieder etwas zu sagen haben, wir wollen uns nicht unendlich einem Schuldkult hingeben, wir wollen aufrecht durch die Welt gehen, in unseren Kolonien herrscht mehr Ordnung als in anderen, wir wollen auf gleicher Augenhöhe mit anderen Großmächten verhandeln, die Kriegsschuld liegt nicht bei uns, sondern bei anderen, der deutsche Soldat kämpft ritterlich,….Der Versailles - Vertrag führte direkt zu Hitler, es war ein Schandvertrag, wird argumentiert. Die 12 Jahre waren nur ein Vogelschiss … gemeint ist in der großartigen Geschichte des deutschen Reiches. In der Neuauflage der Kriegspropaganda von heute, die sich in vielen Facetten an diejenige von 1913/14 anlehnt, werden seelische Saiten angezupft, die eben auf die Grösse fokussieren.

Ein weiteres Klagen hört sich so etwa an: Man habe Deutschland stets die Weltmachtstellung verweigert, bis heute müsse es sich einem fremden Diktat unterziehen, es besitzt keine Souveränität und darf z.B. keine Atombombe herstellen. Es hat keinen Sitz im UN Sicherheitsrat, wird ebenfalls geklagt. Armes Deutschland, wirklich, nur den Empfängern von Hartz IV leuchtet es nicht ein, dass gerade sie die Leidtragenden und Opfer des Strebens von Deutschland nach der Weltmacht sein sollen. Denn das Geld geht an die Rüstung statt an die deutsche Zivilbevölkerung und deren Bedürfnisse.

Dem kleinen Mann wird also Größe versprochen, dafür soll er sein letztes Hemd hergeben. Das Selbstbewusstsein soll gestärkt werden wenn man einer Weltmacht angehört. Kriegsbereitschaft wird hervorgerufen in der Psyche, auch wenn man durch die Armut gezwungen ist, die Brosamen zu essen, die vom Tisch der Reichen übrig bleiben…

Welch eine verkehrte Wertskala wir haben! Mit einem christlichen Ideal hat sie schon gar nichts zu tun! Und für die „europäischen Werte“ darf gerne Peter Handke zitiert werden. Er hat recht.

Es ist uns klar, dass Deutschland nicht auf seinen Weltmachtwahn reduziert werden kann. Die grosse Mehrheit der deutschen Bürger ist friedliebend, fleißig, ordentlich, zuverlässig, mitmenschlich orientiert und hilfsbereit. Und das war auch schon 1914 so! Und auch 1939!

Eine kleine aber mächtige Herrscherclique wollte den ersten Weltkrieg, das Volk wollte ihn nicht. Eine Mischung aus Feindbildern, Mystizismus, Rassenideen – Germanentum gegen Slawentum – Siegesversprechen, Personenkult und Huldigung des Kaisers - wurde propagandistisch so aufbereitet, dass die Angst vor Krieg und Tod in den Hintergrund trat. Der Faschismus bereitete später den zweiten Weltkrieg vor. Es empfiehlt sich die Lektüre von Kurt Pätzold „1914 – Das Ereignis und sein Nachleben“ erschienen im Verlag am Park.

Defender 2020 gibt uns Anlass, unsere Stimmen deutlicher zu erheben.

Online-Flyer Nr. 740  vom 18.03.2020

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