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Aktueller Online-Flyer vom 26. Oktober 2020  

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Kommentar
Schach dem unqualifizierten Antikommunismus... – Respekt vor dem Leben
"Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus"
Von Irene Eckert

Schach dem unqualifizierten Antikommunismus, dem vorschnellen Faschismusvorwurf und der blinden Begrüßung ungehinderter Einwanderungswellen – Respekt vor dem Leben: Ehrfurcht vor dem Alter, Respekt gegenüber ehrlich engagierten Kriegsgegnern und Antifaschisten, Achtung vor der Würde des menschlichen Lebens, Vorurteilsfreiheit! Das ist die Grundhaltung, die große Ethiker wie etwa Albert Schweitzer und engagierte Christen, wie etwa ein evangelischer Stadtpfarrer namens Manfred Stohrer aus Sigmaringen im katholischen Hohenzollern uns vorlebten. Der Familienvater Pfarrer Stohrer predigte von der Kanzel herab 1967/68 gegen den Vietnamkrieg und musste sich dafür als Kommunist denunzieren lassen. Ein früher Herzinfarkt raffte ihn hinweg. Der Mann war einer der ersten wirklichen Grünen, lange bevor diese als Partei auftraten. Im Alleingang hatte er mit seinem eigenen Körper versucht, alte Bäume im Hohenzollern-Idyll vor der Abholzung zu bewahren, im Sinne des Umweltschutzes und der Atemluft für die Menschen.

Über das Niederträchtige niemand sich beklage, es ist das Mächtige, was man dir auch sage

Wirklich engagierte Menschen, die gesellschaftliches Verantwortungsgefühl eint, müssen sich gegenseitig schätzen und stützen, ungeachtet ihrer politischen Orientierung. Aber tun sie dies wirklich immer? Erkennen sich Gleichgesinnte überhaupt noch als solche? Erkennen sie die Größe der Gefahr?

Wohl versucht jeder in einem politischen Diskurs auf die Betrachtungsweise des Gegenübers Einfluss zu nehmen; ansonsten erübrigte sich ja jeder Dialog. Sehr oft aber wird heutzutage mit Etiketten um sich geworfen. Diese werden vergeben noch bevor der andere sein Argument entfalten konnte. Stigmatisierungen wie "Verschwörungstheoretiker", 'Ausländerfeind', (Neo-) 'Faschist', 'Neonazi' müssen schnell als stereotype Denk- und Diskurs-Blockaden herhalten. In gleicher Weise dialogverhindernd wirken verleumderisch schwerwiegende Labels wie "Stalinist", "Kommunist" oder gegengerichtet "Islamist", "Islamo-Faschist". Oft wissen die Menschen nicht mehr zu unterscheiden zwischen Muslimen, die in ihrer Gesamtheit genauso wenig terroristische Dschihadisten sind, wie überzeugte und ehrliche Kommunisten für die Fehler und Verirrungen haftbar gemacht werden können, die in ihrem Namen und mit bloßen Versatzstücken ihrer Ideologie begangen wurden. Solche "Qualitative" sind halt- und niveaulos, sind irreführend und geradezu gefährlich. Sie behindern den so nötigen gesellschaftlichen Dialog, der um echte Sorgen und Nöte erforderlich ist. Sie stammen wie etwa die besonders niederträchtige Etikettierung "Stalinist" meist aus der Mottenkiste des Kalten-Kriegs-Arsenals. Solche Prädikatierung trägt zur Feindbildprägung bei. Sie dient dem Zweck der innergesellschaftlichen Aufrüstung.

Nicht nur das Linksbild auch das Rechtsbild bedürfen einer entschiedenen Korrektur und Zurechtrückung im Sinne ihrer je ursprünglichen Bedeutungsinhalte. Der nie verschwundene Klassengegner bedient sich schon lange der Denkfiguren aus dem einst positiv besetzten, weil Befreiungspotential in globalem Maßstab bietenden Publikationsschatz des Marxismus-Leninismus und verbiegt es in seinem Sinne. Genauso wie es mit den Überlieferungen der christlichen oder der koranischen Lehre geschah. Die pervertierte, nie so gemeinte Lesart wird dann mit Hilfe medialer und pseudowissenschaftlicher Dauerberieselung zum Abschuss freigegeben.

Während seit Jahrzehnten einerseits alle ethischen Tabus niedergewalzt werden, werden andere dort errichtet, wo sie dank geschickter Weichspülung der Gehirne nicht mehr bemerkt werden können. Das mit hohem Aufwand seit den frühen fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts besonders gepflegte Anti-Stalin Bild, das uns eine Fratze anstelle des einst realhistorisch existierenden Arbeiter- und Sowjetführers, eines großen Staatsmannes und Generals bietet, ist ein Schlüsselfaktor in diesem Geschehen.

75 Jahre nach Kriegsende endlich das Stalin-Bild korrigieren

Josef Stalins Beitrag zur Weltgeschichte und zur Humanisierung menschlicher Gesellschaftsordnung war ein außerordentlicher. Menschen, Wissenschaftler, Geopolitiker, Dichter, die sich mit der Epoche eingehend und gegen den Strich bürstend beschäftigt haben, dürfen nicht länger mit dem verleumderischen Etikett "Stalinist" oder "stalinistisch" bezeichnet werden. Das "Prädikat" ist von der Sache her eine Niedertracht der besonderen Art, wie auch immer es gemeint sein mag. Die Stalin-Biografie des gebürtigen Ukrainers Oleg Chlewnjuk, 2015 in amerikanischer Übersetzung erschienen (Original Russisch) und von der Yale-'Elite'-Universität hochgelobt, ein Buch auf das sich belesene Stalin-Gegner gerne berufen, ist verleumderisch gegenüber dem einstigen obersten Staats-Führer der sowjetischen Nation, obwohl der Historiker leitender Mitarbeiter am Staatsarchiv der Russischen Föderation ist. Dagegen ist die 1949 zuerst auf Englisch erschienene Stalin-Biografie des Trotzkisten Isaak Deutscher fast noch ehrlicher. Damals erinnerten sich die Völker noch der großen historischen Leistung, die das Sowjetvolk bei der Niederringung des Hitlerfaschismus unter der Leitung Stalins vollbracht hatte.

Im Interesse des Weltfriedens: Gefälschtes Geschichtsbild korrigieren

Der US-Historiker und Sprachwissenschaftler Grover Furr, ein kleiner Gelehrter an einer kleinen, unbedeutenden Universität (Montclair in den USA) ist ein akkurater Wissenschaftler, ein Licht in seiner Zunft. Seine Publikationen sind schwer zu erhalten in und über die USA, warum wohl? Er ist nach Kurt Gossweilers Tod weltweit so ziemlich der einzige, der die verfälschte Historie gegen den Strich kämmt und zwar ganz ohne Lorbeeren dafür zu ernten. Im Gegenteil: er wird aufs Bösartigste verleumdet. Es ist die alte Weise, die übliche Niedertracht, die man schon an einem Sokrates praktiziert hat. Natürlich wird dem eigenwillig Forschenden "Geschichts-Revisionismus" vorgeworfen. Genau das und noch viel mehr wirft man im Westen auch dem russischen Präsidenten Putin vor, seit er sich mit Hilfe seiner Historiker und der Untersuchung und Neubewertung der vorliegenden Originaldokumente daran gemacht hat, einige Quellen-Fälschungen aus der Jelzin Ära gerade zu rücken und notwendige Korrekturen bezüglich etwa der historischen Haltung der Polen vorzunehmen. Das müsste eigentlich immerhin jedem 'Putin-Versteher' zu denken geben. Man sollte sich tatsächlich hin und wieder die Schuhe des Gegenübers, auch des vermeintlichen Feindes anziehen, zumindest versuchsweise für einen Moment ganz hineinschlüpfen und prüfen, wie es sich darin geht, um zu erfassen, woher der andere kommt. Die suggestive Unterstellung unlauterer Motive ist natürlich der bequemere Weg, aber er führt ins Abseits. Die Folgen der Ignoranz sind unabsehbar und der Schlaf der Vernunft gebiert nicht erst seit Goyas meisterhaft bedrückender Grafik Ungeheuer.

Aufblähen von Opferzahlen auf Seiten selbsterkorener Gegner

Die Lüge, Stalin sei für den Tod von ca. 30 Millionen Menschen verantwortlich, ist genauso eine bösartige Geschichtsfälschung wie jene Übertreibung der Anzahl der Opfer der chinesischen Kulturrevolution mit 70 Millionen Toten. Die echten Toten gehen im übrigen letztlich alle auf das Konto des gegnerischen Lagers, jenes Lagers des Kolonialismus und Imperialismus, das all die Kriege vom Zaun gebrochen hat und das schon wieder kräftig zündelt. Es ist das NATO-Lager, dieser unter falscher Flagge segelnde Kriegerverein, der für den Faschismus historisch verantwortlich zeichnet. Es ist genau das Lager, das ein Manöver nach dem anderen dicht entlang der russischen Westgrenze abhält, unter dem lächerlichen Vorwand, die Russen würden demnächst die Balten oder die Polen überfallen wollen und das genau 75 Jahre nachdem opferreichen Ende des Sieges über den Hitlerfaschismus.

Die Opfer-Zahlen der jeweils zum Gegner erkorenen Seite werden von genau jenen kolportiert, die über die von ihnen selbst zu verantwortender Millionen Opfer in aller Welt vollkommene Grabesstille an den Tag legen. Das gilt nicht nur gegenüber den Russen, sondern auch bezüglich der Chinesen, die ähnlich hohe Opfer im 2. Weltkrieg zu verzeichnen hatten, es gilt auch für die "heimlichen" Dauerbombardements von Kambodscha während des Vietnamkrieges. Stattdessen wird auf die Untaten des Pol Pot Regimes der Fokus gelegt. Der historische Kontext wird immer ausgeblendet. Einseitige Schuldzuweisung geht einfacher als eigene Recherche und die Aufklärung über eigene historische Mitverantwortung.

Scheinheilige Argumentationsfiguren

Eine beliebte Argumentationsfigur besteht darin, einerseits sein eigenes "akademisches Licht" unter den Scheffel zu stellen, die eigene Urteilsfähigkeit herunter zu spielen, obwohl man recht belesen ist. Andererseits weigert man sich, aufklärendes, alternatives Material eingehend zur Kenntnis zu nehmen. Solches Quellenmaterial passiert ohnehin nur ausnahmsweise und jeweils mit diffamierendem Label versehen die Zensur. Der Mediävist und Sprachwissenschaftler Grover Furr ist eine solche einsame, aber gewichtige Gegenstimme im tabuisierten Stalin-Verteufler-Wald. Der Mann ist kein Ideologe, sondern ein ernsthafter Wissenschaftler, der genaueste Quellenanalysen betreibt, einer der, wie wenige US-Wissenschaftler nur, über erhebliche Sprachkenntnisse verfügt. Unter anderem des Russischen mächtig arbeitet er eng mit russischen Wissenschaftlern zusammen. Er weist etwa dem hochgejubelten US-Hofhistoriker Timothy Snyder in dessen "Bloodlands" Punkt für Punkt seine blutigen Lügen nach. Wer aber setzt sich mit Grover Furrs „Bloodlies“ ernsthaft auseinander, wer kennt sie überhaupt?

Was haben Stalin und der Kommunismus mit Merkels Politik zu tun?

Kommen wir zur Aktualität: Frau Merkel ist keine Linkspolitikerin, obwohl sie von Rechten, befremdlicher Weise, dazu gemacht wird. Wir können aber der Kanzlerin Werk beurteilen, ohne ihre Handlungsweisen mittels der Attribute "rechts", "links" gar "kommunistisch" oder absurder Weise gar "stalinistisch" zu verkleistern. Die asoziale, menschen- und bürgerfeindliche Politik dieser Dame muss angeprangert und verurteilt werden, weil sie nachweislich Schaden über das Deutsche Volk gebracht hat. Sie hat das Grundgesetz, auf das sie ihren Amtseid geleistet hat, missachtet, und sie scheint das Wohl und Wehe deutscher angestammter Bürger völlig zu ignorieren. Ihr scheinbarer 'Linksdrall', der von Rechts unterstellt wird, hat etwas mit dem Globalismus, dem Neoliberalismus, dem sie frönt, zu tun, und dieser kommt von US-Amerikas Tiefem Staat.

Natürlich war die Losung "Proletarier aller Länder vereinigt euch" aus dem Kommunistischen Manifest einmal die marxistische Parole schlechthin. Allerdings steht im Kommunistischen Manifest auch, dass der Kampf für das Menschenrecht, das es zu erobern gelte, von nationaler Basis aus zu geschehen habe. Das Motto "No Border - No Nation", dem 'Moderne Linke' so zugetan sind, ist dagegen keine originär linke, keine fortschrittliche, keine marxistische oder kommunistische Maxime, sie dient vielmehr dem grenzüberschreitenden, heimatlosen Kapital. An dieser Stelle ist den 'Neuen Rechten', den Populisten und ihrem Gefolge anzulasten, dass sie nur undifferenziert Oberfläche wahrzunehmen vermögen, weil sie das Kapitalverhältnis nicht antasten wollen. So wird man schnell zum Demagogen und handelt sich das ebenfalls unqualifizierte Pauschalurteil einer Gleichsetzung mit Faschisten ein. So wird der Dialog verunmöglicht und eine Problemlösung verstellt.

Versagen von Links, von Rechts und von der Mitte

Die moderne Linke hat ihrerseits vergessen, was links sein einmal bedeutet hat. Sie vertritt nicht mehr die Interessen des Proletariats, all jener, die vom Verkauf ihrer einzigen Ware Arbeitskraft leben müssen. Sie buhlt stattdessen mit den Mächtigen und schielt nach der Macht. Deswegen ihr peinlicher, immer deutlicher werdender Schulterschluss mit der alten Rechten. In trauter Gemeinsamkeit mit der traditionellen Rechten unterstellt sie nun den 'Populisten', der offensichtlichen 'Vox Populi' , sie sei protofaschistisch. Damit lenken sie nicht nur von ihrem eigenen Versagen als Volksvertreter ab. Ihr vorgeschobener, gewalthaltiger Antifaschismus ist politisch brandgefährlicher Unsinn, genauso dumm wie unqualifizierter Antikommunismus. Mit beiden Strömungen wird von der eigentlichen, zum Kriege treibenden Faschismusgefahr abgelenkt.

Auf das Abkoppeln von der Hegemonialmacht kommt es an

Die aktuelle Debatte um Thüringen ist Ausdruck einer tiefen politischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Krise im Land. Kein Führungspersonal ist da weit und breit erkennbar, das den Namen verdiente. Die Linke führt einen Schattenkampf gegen vermeintliche Faschisten, die Neue Rechte macht nicht deutlich genug, dass sie eine andere, nicht kriegerische, auf Verständigung zielende Russlandpolitik anstrebt und duldete fragwürdige Existenzen in ihren Reihen. Die Mitte zersetzt sich unterdessen selbst. Das ist tragisch und bitter. Dahin haben uns US-abhängige Politiker wie Angela Merkel gebracht. Sie bedienten damit auch deutsche Kapital-Interessen. Es ist höchste Zeit, einen öffentlichen Diskurs über Inhalte, über die Sorgen und Nöte der Menschen im Lande, der Bürger, der arbeitenden Menschen und jener, die außer Lohn und Brot gesetzt wurden, zu beginnen.

Kooperation statt Konfrontation ist das Gebot der Stunde

Vor allem aber gilt es, endlich eine Anti-Kriegsfront aufzubauen und echte Friedenspolitik neu zu entwerfen. Kooperation statt Konfrontation auf allen Ebenen bleibt das Gebot der Stunde. Das gewichtige Schweigen all jener, die sich 'Linke' oder 'oppositionelle Rechte' nennen, zu den Kriegsvorbereitungen etwa in Form des bevorstehenden NATO-Manövers Defender 2020 im Lande, mit anderen Worten gegenüber dem Aufmarsch gen Osten 75 Jahre nach Kriegsende, ist ungeheuerlich und der eigentliche Skandal.

An dieser Stelle muss der öffentliche Diskurs ansetzen, und natürlich muss er auch zur Kenntnis nehmen, welch weitreichendes, folgenreiches Drama sich derzeit in der Volksrepublik China abspielt, muss Solidarität entwickeln aus eigenem Überlebensinteresse.



Online-Flyer Nr. 736  vom 19.02.2020

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