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Aktueller Online-Flyer vom 15. Juli 2020  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Das zionistische Regime setzt sich über alle ethischen Werte und Normen hinweg
Von Evelyn Hecht-Galinski

Am 9. Dezember 1987 begann im illegal besetzten Palästina die erste Intifada als Reaktion auf die Ermordung von vier Palästinensern vor dem Flüchtlingslager Jabalya in Gaza. Dieser Freiheitskampf dauert nun schon seit Jahrzehnten und wird erst zu Ende sein, wenn Palästina frei ist. Die Empörung der jungen Palästinenser über ihre hoffnungslose Situation hat sich infolgedessen aufgestaut – auch nachdem sie längst bemerkt hatten, dass ihre politischen Führer rein nichts für sie taten, sondern immer nur beschwichtigten und sich mit den Besatzern arrangierten, und mehr oder weniger die unter der Besatzung ihres Landes leidende Bevölkerung ihrem Schicksal überließen. So sahen die verzweifelten Palästinenser keine andere Möglichkeit mehr, als in den Flüchtlingslagern, im besetzen Westjordanland und im annektierten Ost-Jerusalem aufzustehen und sich zu wehren. Sie übernahmen die Kontrolle über die Nachbarschaft, verbarrikadierten die Straßen, um so das Eindringen der zionistischen Besatzer mit ihren Fahrzeugen und Panzern zu verhindern, die ihren Widerstand brechen wollen. Ganz ähnlich wie heute blieben ihnen zur Verteidigung nur Steine, um sich gegen die waffenstrotzende zionistische Besatzergewalt zu wehren. Und auch heute und immer wieder spricht die Hasbara von "militanten Palästinensern", wohingegen sich die zionistischen bis an die Zähne bewaffneten Besatzer immer nur „verteidigen“.

1987: mehr als 300 Palästinenser ermordet, mehr als 20.000 verletzt

Seit Jahrzehnten ändert sich nichts an dieser Rhetorik. Im Gegenteil: schon immer geht die jüdische "Verteidigungsarmee" mit scharfer Munition, Tränengas und härtesten Reaktionen gegen die verzweifelten Demonstranten vor. So wurden und werden Palästinenser immer wieder wahllos ermordet, darunter auch Frauen und Kinder. Wer diese Tage erlebt hat, wird das nie vergessen. Als die Proteste nicht zu stoppen waren, reagierten die Besatzer mit Ausgangssperren, Massenverhaftungen, Schließungen von Kindergärten, Schulen und Universitäten. Häuser und Farmen wurden ebenso zerstört wie Felder und Olivenhaine. Bäume wie Menschen wurden entwurzelt, jegliche Baugenehmigungen auf ihrem eigenen Grund und Boden verweigert, Wasserquellen enteignet, und illegale jüdische Siedlerhorden griffen fassungslose und hilflose Palästinenser an. Laut UNRWA wurden allein im Jahr 1987 mehr als 300 Palästinenser ermordet, mehr als 20.000 verletzt und mehr als 5.500 unrechtmäßig in Haft gehalten und mehr als 25.000 Kinder mussten schwerverletzt auf medizinische Hilfe warten.

Schon damals wurde mit Videos die Asymmetrie der Waffen bewiesen, d.h. die hochgerüsteten jüdischen "Verteidigungssoldaten" gegen die unbewaffneten Palästinenser. Damals wurde der Schrei nach einem eigenen palästinensischen Staat immer lauter. Während Yassir Arafat mit seiner Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) aus seinem tunesischen Exil heraus versuchte, mit den Vereinten Nationen zusammen zu arbeiten, was aber damals schon so wenig erfolgversprechend war wie heute, entstand im Gazastreifen eine neu gegründete Widerstandsorganisation, die Hamas, bis heute die einzige Alternative zur PLO/Fatah. Tatsächlich war und ist sie die einzige Alternative zur überalterten, von einem machthungrigen "Vichy-Abbas" Palästinenserpräsidenten geführten korrumpierten Westjordanland-Regierung. Die Hamas tat das einzig richtige und forderte die Palästinenser auf, sich auf die grundlegenden Ziele des Freiheitskampfes für Palästina zu konzentrieren, ohne Skrupel und mit dem Endziel der Befreiung Palästinas und dem Ende der illegalen zionistischen Besatzung. Schon seit damals stimmten die USA kontinuierlich gegen Resolutionsentwürfe des UN-Sicherheitsrates und legten ihr Veto ein, um zu verhindern, dass Israel wegen seiner Menschenrechtsverletzungen und der notorischen Nichteinhaltung der Vierten Genfer Konvention angeklagt wurde.

Durch dieses das Recht verhöhnende Verhalten wird seit Jahrzehnten verhindert, dass Israel wegen seiner andauernden Völker- und Menschenrechtsverbrechen verurteilt wird. Umso schändlicher ist es, dass der deutsche Außenminister, der angeblich „wegen Auschwitz in die Politik“ ging, daraus jedoch nicht die richtigen Lehren zieht und diese Verbrechen an den Palästinensern nicht verhindert. Stattdessen hatte er nichts Eiligeres zu tun, als sich im UNO-Sicherheitsrat als "Stimme Israels" für deren Interessen zu prostituieren. Aktuell hat er gegen eine "Pro-Palästina-Resolution" gestimmt und die palästinensische Seite aufgefordert die Zahl der Resolutionen im jährlichen "Nahostpaket" bei der UNO zu reduzieren. Was bleibt den Palästinensern unter jahrzehntelanger Besatzung denn sonst, um die Öffentlichkeit auf ihre bedrohte Lage aufmerksam zu machen?!

Verlogene deutsche Politik: Weißwaschung des "Jüdischen Besatzungsstaats

Noch vehementer agiert der Zentralrat der Juden (der sich laut Bild „sonst nicht außenpolitisch einmischt“, aber hier ständig als "Zweitvertretung" der israelischen Regierung auftritt, was dieses Blatt natürlich verschweigt!). Auch FDP, "Bild- Hetzkampagnen-Kritik" und besonders bemerkenswert die "Juso-Kritik" auf dem Bundeskongress, die Maas aufforderte, „endlich mehr für faire Abstimmungen einzutreten und die "häufige Verurteilung Israels", die so „erschreckend hoch sei“, zu unterbinden. Alles trug dazu bei, den "Jüdischen Besatzungsstaat" zu schützen und weiß zu waschen.

Gerade Kevin Kühnert ist für mich das Beispiel von verlogener deutscher Politik. Dieser junge SPD- „Hoffnungsträger“ und Shootingstar, gerade in den Parteivorstand gewählt, machte schon seit 2012 auf sich aufmerksam mit besonderer "Israel-Nähe“, die immer hilfreich ist in der Politik. 2014 forderten er und die Jusos "Solidarität mit Israel“ (die Lebensumstände der unter Besatzung und großem Unrecht lebenden Palästinenser interessieren die offensichtlich einen Dreck), und im April 2018 erschien in der "Jüdischen Allgemeinen", dem "Kampfblatt des Zentralrats der Juden", ein Artikel, mit dem Kühnert den damaligen Außenminister Gabriel angriff, der "ihn zur Weißglut gebracht hatte" und dessen Ablösung er begrüßte.

Jetzt unterstützt und freut er sich über dessen Nachfolger AA Maas. Der sei von "der Haltung her ganz ähnlich dem", was der neue Bundesaußenminister Heiko Maas schon vor seinem Antrittsbesuch in Israel gesagt hatte: "Ich bin wegen Auschwitz in die Politik gegangen". Diesen Satz von Maas könne er unterschreiben, so Kühnert. Auch für ihn sei das der wichtigste Antrieb gewesen, Politik zu machen. Was für ein schäbiges Politikverständnis, das sich nicht für die Einhaltung der Menschenrechte für das palästinensische Volk und gegen die Besatzung, sondern einseitig nur für Israel einsetzt. (1)(2)

Netanjahus lange Arm in allen Parteien längst ausgestreckt dabei

Wenn „Auschwitz“ tatsächlich sein Antrieb wäre, dann müsste er alle Resolutionen unterstützen, die Völkerrechts- und Menschenrechtsverbrechen des "Jüdischen Staates" verurteilen, die von der Mehrheit der Staaten unterstützt werden. Ja, Kevin Kühnert, mit Ihrer Haltung sind sie rückwärtsgewandt und allein zu Haus. Die SPD, die immer unglaubwürdiger wird in ihrem Lavieren zwischen rechts und links und sich weiter an der Gro/Ko-Macht festklammert, ist wie Sie scheinheilig und verlogen und wird, wenn sie so weiter macht, demnächst im einstelligen Bereich landen. Aber wie es scheint, ist der lange Arm von Netanjahu in allen Parteien und am Kabinettstisch längst ausgestreckt dabei und macht munter zionistische Politik. (2)(3)(4)

Keine Kritik hört man von dieser Gro/Ko über die willkürlichen Verhaftungen, veröffentlicht von israelischen Menschenrechtsgruppen, allein im letzten Monat von 374 Palästinensern aus dem gesamten besetzten Westjordanland und dem Gazastreifen, darunter 66 Kinder und Frauen. Während deutsche Medien täglich über türkische Verhaftungen, Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverbrechen lamentieren und Russland an den täglichen Pranger stellen, fallen die fortdauernden Besatzungsverbrechen unter den Tisch. Warum schämt man sich nicht einmal angesichts der jahrzehntelangen Kriegsverbrechen im besetzten Palästina, als Folge des Holocaust?

Der noch amtierende israelische Ministerpräsident Netanjahu ließ am letzten Sonntag auf einer rechten Konferenz verlauten, dass jetzt endlich nach dem Gespräch mit US-Außenminister Pompeo der richtige Zeitpunkt gekommen sei, die israelische Souveränität über das Jordantal anzuwenden und er davon ausgeht, dass die USA diese anerkennt. Und damit würden alle illegalen Siedlungen "Judäas und Samarias" im besetzten Westjordanland legalisiert, sowohl diejenigen, die sich in Siedlungsblöcken und denjenigen, die sich davor befinden. Sie würden zum "Teil des "Jüdischen Staates" Israel gemacht. Das Jordantal macht etwa 28% des besetzten Westjordanlandes aus und ist die Heimat von etwa 65.000 Palästinensern.

Israel: ein fanatischer Terrorstaat

Am Montag wurde bekannt, dass es am 2. März 2020 wahrscheinlich zu Neuwahlen kommen wird. Dann erleben wir genau das, was alle befürchteten: da stehen sich ein unter Korruptionsklage stehender Regierungschef und ein ehemaliger General gegenüber, beide mit Blut an den Händen. Die Wahlprognosen sagen eine ähnliche Pattsituation voraus. Palästina muss wieder draußen bleiben und ist nicht von Interesse. (5)

Vor kurzem hat Netanjahu die Geschichte des "Jüdischen Staates" in einem Satz zusammengefasst: „Diese europäischen Länder sollten sich schämen. Haben sie nichts aus der Geschichte gelernt? Sie ermöglichen es einem fanatischen Terrorstaat, Atomwaffen und ballistische Raketen zu entwickeln, was zu einer Katastrophe für alle führt.“ Allerdings meinte Netanjahu damit Iran und nicht den „Jüdischen Staat“. So ließ er seiner rhetorischen Wut als gekonntes Ablenkungsmanöver gegen die bevorstehende Korruptionsklage freien Lauf. Er wetterte gegen Iran und kritisierte die sechs europäischen Länder, denen Großbritannien, Frankreich und Deutschland am letzten Wochenende beigetreten sind, um den neuen so genannten Instex-Finanzaustauschmechanismus zu unterstützen, der dem Iran helfen soll, die ungerechtfertigten US-Sanktionen zu umgehen und die Handelsbeziehungen wenigstens teilweise aufrecht zu erhalten.

Ist es nicht in Wirklichkeit so, dass nicht Iran eine Bedrohung darstellt, ein Staat, der im Gegensatz zu Israel noch keine Kriege begonnen hat, sondern dass der "Jüdische Staat" ein fanatisch "zionistisch-judaistischer Terrorstaat" ist, dem es mit Hilfe der scheinheiligen Staatengemeinschaft erlaubt ist, Atomwaffen und schmutzige Waffen aller Art zu entwickeln und diese auch in Kriegen anzuwenden – für Angriffe auf seine Nachbarländer? Dieser auf ethnischer Säuberung aufgebaute Apartheidstaat, der dem Iran mit Bombardierung droht und einen Völkermord in Gaza anrichtete und aus dem Gazastreifen ein Konzentrationslager machte, ist tatsächlich eine Bedrohung für uns alle. (6)

Israel: ein Bomben- und Schurken-Staat

Warum versteht es der "Jüdische Staat" immer wieder, auf Mythen aufzubauen, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben? "Einzige" Demokratie im Nahen Osten, Bollwerk gegen Terror. Ja, in der Tat mit Terror kennt sich dieser Bomben-Staat aus. Schon früh mordeten jüdisch-zionistische Terroristen, bei Bombenanschlägen und mit gezielten Anschlägen, um den "Jüdischen Staat" zu schaffen. Alles vergessen, schließlich wurden diese Terroristen später zu Ministerpräsidenten oder Ministern mit Blut an den Händen. Wenn der Mossad mit gezielten Tötungen Terror verübt, dann schweigt die Welt. Den "Auserwählten" ist nach dem Holocaust jedes Mittel erlaubt, und sie beanspruchen jedes Recht auf mörderische Angriffe, die sie der Welt als „Selbstverteidigung“ verkaufen, während Palästinenser und Muslime als Terroristen verunglimpft werden und keine Rechte haben.

Warum werden Russland oder Iran mit Sanktionen belegt, Nordkorea oder China verteufelt, die Türkei und Erdogan dämonisiert, während Netanjahu unbeirrt ein jahrzehntelanges Terror-Regime führen kann und Israel inzwischen unbestreitbar zum Schurkenstaat wurde. All das, was bei anderen Staaten kritisiert wird und zu Boykott führt, wird beim "Jüdischen Staat" nicht angewendet.

Scharfschützen der jüdischen "Verteidigungsarmee" nehmen sich das Recht heraus, unbewaffnete Demonstranten wie die Hasen abzuknallen, zu ermorden. Wenn Palästinenser sich ihr Recht nehmen, gegen ihre völkerrechtswidrige Besetzung zu demonstrieren, gegen die Reisebeschränkungen, Demütigungen, Häuserzerstörungen, Enteignungen und Vertreibungen zu protestieren, nennt man sie Terroristen, obwohl sie nur ihr legales Widerstandsrecht wahrnehmen, das man nur in Diktaturen verweigert. Was also ist der "Jüdische Staat"? Ein Staat, der unter den Augen der so genannten „westlichen Wertegemeinschaft“ und unter völliger Straflosigkeit ein Volk besetzt und seiner Lebensgrundlage beraubt. Dass ausgerechnet deutsche Politiker in diesem Zusammenhang Auschwitz bemühen und ein "Nie wieder" fordern, aber den landräuberischen "Jüdischen Apartheid-Besatzerstaat" wider besseres Wissen als lebendige Demokratie darstellen, ist charakterlos. Die immer wieder gerne bemühten deutschen Werte sind zu einer traurigen Parodie verkommen. Dass sich das zionistische Regime mit Unterstützung der westlichen Staatengemeinschaft über alle ethischen Werte und Normen hinwegsetzen darf, bringt auch unsere Demokratie in Gefahr!


Fußnoten:

(1) https://www.juedische-allgemeine.de/politik/sigmar-gabriel-hat-mich-zur-weissglut-gebracht/
(2) https://www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/uno-maas-setzt-erstes-zeichen-gegen-anti-israel-irrsinn-66456028.bild.html
(3) https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/internationale-organisationen/uno/nahost-resolutionen-vereinten-nationen/2277244
(4) https://deutsch.rt.com/inland/65241-kevin-kuhnert-israel-iran-und/
(5) https://www.n-tv.de/politik/Israel-erwaegt-Bombardierung-des-Iran-article21443988.html
(6) https://www.n-tv.de/politik/Israel-erwaegt-Bombardierung-des-Iran-article21443988.html


Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzenden der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.

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