NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 14. Dezember 2019  

zurück  
Druckversion

Globales
Der Königsfamilie neue Luxuskarossen - die Beamten streiken
Afrikanischer Feudalismus in eSwatini
Von Georges Hallermayer

Fünfzehn Rolls-Royce wurden Ende Oktober für seine Majestät Mswati III. und seine dreizehn Frauen geliefert, kostete die Kleinigkeit von knapp 14 Mio. Euro. Für die Gewerkschaft Tucoswa war das eine Provokation, wie Le Monde Afrique am 1. November berichtete: Der königliche Beschwichtigungsversuch, die Ausgaben seien nicht aus dem Budget getätigt, schien wenig glaubhaft. Tags zuvor hatten 700 Beamte auf den Straßen der Hauptstadt Mbabane ihren Zorn hinausgeschrieen, nachdem die Demonstration am 2. Oktober in Manzini niedergeknüppelt worden war. Die letzten drei Jahre weigerte sich die Regierung, die Gehälter anzupassen. „Essen, Strom, Wasser brauchen wir,“ so die Gewerkschaft Tucoswa.

eSwatini (bisher Swaziland) ist das kleinste Land Afrikas, kaum größer als Oberbayern mit einer Bevölkerung wie München .Es grenzt an Südafrika und Mozambique. eSwatini widersteht den Lockungen chinesischer Kredite und hält als letztes Land Afrikas Taiwan die Treue. eSwatini hat Afrikas letzten diktatorischen Monarchen. Mswati III.  treibt es nicht so mörderisch wie  Kaiser Bokassa I. von Zentralafrika 1976 bis 1979. Aber wie König Goodwill Zwelithini in der südafrikanischen Provinz  KwaZuluNatal, dessen „Reich“ von der Landreform ausgenommen ist, beutet Mswati III. seit 1986 sein Land wie sein Privateigentum aus - mittels eines juristisch verschachtelten Konglomerats mit internationaler Beteiligung, versteht sich.

eSwatini wird aufgehübscht

eSwatini hat die schönsten Briefmarken aus Fauna und Flora. Wie Fürst Potemkin die verelendeten russischen Dörfer bemalte, übertüncht die Swazi-Post mit ihren folkloristischen Briefmarken-Motiven  den Stammes-Despotismus des autokratischen Herrschers  König Mswati III. und die Armut, in der zwei Drittel der Bevölkerung leben muss.

Und jetzt übernimmt zusätzlich der auch auf Deutsch erscheinende Reiseführer „Lonely Planet“ die Aufgabe, der stagnierenden Touristikbranche des Feudalstaates aufzuhelfen.  Der Verlag Lonely Planet Publications gilt als der größte Verlag weltweit für unabhängige Reisen. Von BBC worldwide 2007 von den australischen Eigentümern übernommen, wurde er 2013 von der US-Gruppe „NC2 Media“ aufgekauft. In Deutschland bringt der DuMont Verlag Reiseführer die LP-Reiseführer in Kooperation heraus. eSwatini ist nun in „Best in travel 2020“, dem jährlich erscheinenden „Michelin der Individualreisen“ aufgenommen (was das gekostet hat?)  als „pleasant“ (angenehm) charakterisiert  und mit Zebras bunt illustriert. CPS, die Kommunistische Partei Swasiland verurteilt die Schönfärberei, dass „Lonely Planet“ inmitten unerbittlicher Arbeitskämpfe das Land als angenehm vermarktet. … Der Gestank des Todes in öffentlichen Krankenhäusern aufgrund der Nichtverfügbarkeit selbst der einfachsten Medikamente ist für alle sichtbar,“ schreibt die CPS in ihrer Erklärung am 1. November. Das absolutistische  und rückständige eSwatini – Parteien verboten,  Pseudo-Stammeswahlen - wird offen bewundert. So versucht Lonely Planet, Südafrika und Mosambik Touristen abzuwerben: „ Im Gegensatz zu Südafrika hat es eSwatini geschafft, an diesem langsamen Gefühl festzuhalten – diesem Gefühl von Afrika – und deshalb gewinnt es an Popularität.“ Dieses „Gefühl“, um nur ein Beispiel zu nennen, bietet der despotische Herrscher Ende August Scharen von ausländischen Touristen in einem voyeuristisches Folklore-Spektakel: den Schilftanz „Umhlanga“ mit Tausenden von ledigen und kinderlosen Frauen. Mswati III. sucht sich gewöhnlich die schönste der Jungfrauen aus und genießt dabei das feudale Privileg der „ersten Nacht“. 
Boykottiert eSwatini

Die Kommunistische Partei Swasiland hingegen fordert die internationale Isolation Swasilands, bis das Land demokratisch wird. Nach Nelson Mandelas „Boykottiert Pretoria“, heiße es aktuell „boykottiert eSwatini“. Dreimal dürfen wir raten, warum die US-Administration bislang keine demokratischen Wahlen gefordert und Sanktionen verhängt hat.

Online-Flyer Nr. 725  vom 13.11.2019

Druckversion     



Startseite           nach oben

KOSTARIKATUREN


Von Kostas Koufogiorgos
FILMCLIP


Klaus Hartmann: "Der Tiefe Staat"
Von Arbeiterfotografie
FOTOGALERIE


#Neustartklima – Für Klima oder Kapital?
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann