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Aktueller Online-Flyer vom 14. Dezember 2019  

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Globales
Aus dem Buch "America''''s ''''War on Terrorism''''" von Prof. Michel Chossudovsky
Die 9/11-Anschläge und der "US-Krieg gegen den Terror"
Von Michel Chossudovsky – in der Übersetzung von LUFTPOST

"Das Leben von Millionen Menschen auf der ganzen Welt ist bedroht. Ich hoffe inständig, dass meine ausführliche Untersuchung mithelfen wird, die Wahrheit ans Licht zu bringen und den Weltfrieden zu sichern. Dieses Ziel kann jedoch nur erreicht werden, wenn die falschen Begründungen der USA für ihren "Krieg gegen den Terror" durchschaut und die politisch und militärisch Hauptverantwortlichen für die darin begangenen Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden." Das schreibt Michel Chossudovsky im August 2005. Er untersucht in seinem Buch "America's 'War on Terrorism'" den Zusammenhang zwischen den 9/11-Anschlägen und dem von den USA inszenierten "Globalen Krieg gegen den Terror". Es folgt die Einleitung des 2005 von Michel Chossudovsky veröffentlichten Bestsellers "America's 'War on Terrorism'".

Die USA haben ihren "Krieg gegen den Terrorismus" am 11. September 2001 um 21:30 Uhr in Gang gesetzt

Bereits am Morgen des 11. September 2001 um 11 Uhr hat die Bush-Regierung bekannt gegeben, Al Qaida sei für die Angriffe auf das Welthandelszentrum (WTC) und das Pentagon verantwortlich. Diese Behauptung wurde also schon verbreitet, bevor irgendwelche polizeilichen Nachforschungen stattfinden konnten.

Um 21:30 Uhr des gleichen Tages trat ein "Kriegskabinett" zusammen, zu dem auch führende Geheimdienstler und Militärs gehörten. Und nach dessen erster Sitzung, die schon um 23 Uhr endete, wurde offiziell der "Krieg gegen den Terrorismus" ausgerufen.

Es wurde angekündigt, dass zur Vergeltung für die 9/11-Anschläge Krieg gegen die Taliban und Al-Qaida geführt werde. Am Morgen des 12. September meldeten die Medien, Afghanistan habe die Anschläge unterstützt und forderten im Chor eine Militäraktion gegen diesen Staat. Nur vier Wochen später, am 7. Oktober 2011, wurde Afghanistan bombardiert und von US-Truppen angegriffen. Den US-Bürgern wurde vorgegaukelt, die Entscheidung, die Anschläge und ihre tragischen Folgen mit einem Krieg zu vergelten, sei erst am Abend des 11. September getroffen worden.

Der Öffentlichkeit übersah, dass ein derartiger Großangriff nicht in wenigen Wochen vorbereitet werden kann. Die Entscheidung, einen Krieg gegen Afghanistan zu führen und Truppen dorthin zu entsenden, ist lange vor den 9/11-Anschlägen gefallen. Mit dieser "groß angelegten, viele Opfer fordernden terroristischen Anschlagserie", wie sie General Tommy Franks, der Kommandeur des CENTCOM, später nannte, wollte man sich nur die Zustimmung der US-Öffentlichkeit zu einem Krieg sichern, dessen Planung bereits lange vorher abgeschlossen war. Die tragischen 9/11-Ereignisse lieferten nur die erforderliche Rechtfertigung für einen Krieg aus "humanitären Gründen" und sicherten die Unterstützung der weltweiten öffentlichen Meinung und der "internationalen Gemeinschaft".

Mehrere prominente "progressive" Intellektuelle hielten daraufhin "Vergeltungsschläge gegen den Terrorismus" aus moralischen und ethischen Gründen für gerechtfertigt. Nach der darauf fußenden "Doktrin des gerechten Krieges", des jus ad bellum, war der Überfall auf Afghanistan eine legitime Antwort auf die 9/11-Anschläge. Dabei wurde allerdings missachtet, dass Washington nicht nur das "Islamische Terrornetzwerk" geschaffen, sondern 1996 auch das Talibanregime (in Afghanistan) installiert hatte.

Nach den 9/11-Anschlägen war die Antikriegsbewegung völlig isoliert. Die Gewerkschaften und die zivilgesellschaftlichen Organisationen waren auf die Medienlügen und die Regierungspropaganda hereingefallen. Sie hatten den "Vergeltungskrieg" gegen Afghanistan, ein sehr armes Land mit 30 Millionen Einwohnern, widerspruchslos akzeptiert.

Bereits am Abend des 11. September habe ich bis spät in die Nacht meine Notizen über Al-Qaida durchgesehen und begonnen, einen Artikel zu schreiben. Mein erster Text, den ich schon am 12. September veröffentlicht habe, hatte die Überschrift "Wer ist Osama bin Laden?" (s. Kapitel II).

Von Anfang an habe ich die offizielle Story, neunzehn von Al-Qaida bezahlte Luftpiraten hätten diese komplizierte und hervorragend organisierte Operation durchgeführt, in Frage gestellt. Es ging mir in erster Linie darum, den der Fantasie entsprungenen "Feind" zu entlarven, der angeblich "die USA bedrohe".

Der Mythos von der "Bedrohung durch ausländische islamische Terroristen" war der Eckstein der Militärdoktrin, mit der die Regierung Bush nicht nur ihre Überfälle auf Afghanistan und den Irak, sondern auch die Einschränkung der Bürgerrechte und die Verstöße gegen die US-Verfassung begründete.

Ohne einen "äußeren Feind" wäre ein "Krieg gegen den Terrorismus" unmöglich gewesen. Die Lüge von der bedrohten Sicherheit der USA wäre wie ein Kartenhaus zusammengebrochen, und die Kriegsverbrecher hätten sich nicht in ihren hohen Ämtern halten können.

Um die Antikriegs- und Bürgerrechtsbewegung zum Widerstand anzuspornen, mussten sie schnellstmöglich über die Entstehung der Al-Qaida und ihre guten Beziehung zu mehreren US-Regierungen aufgeklärt werden.

Dazu lagen zwar viele Dokumente vor, die Mainstream-Medien klärten aber nicht darüber auf, dass Al-Qaida von der CIA gegründet worden war, um die sowjetische Armee aus Afghanistan zu vertreiben. Diese bekannte Tatsache ist durch zahlreiche Quellen und sogar durch offizielle Dokumente des US-Kongresses belegt. Auch die US-Geheimdienste haben wiederholt bestätigt, dass sie Osama bin Laden jahrelang unterstützt haben, bis der sich nach dem Kalten Krieg "gegen die USA erhoben" habe.

Die desinformierende Medien-Kampagne nach den 9/11-Anschlägen diente nicht nur dazu, die Wahrheit zu unterdrücken, sie musste auch die Geschichte verfälschen, damit die Öffentlichkeit nicht mitbekam, wie der "äußere Feind" erfunden und in den "Feind Nummer Eins" verwandelt wurde.

Die Balkan-Connection

Meine Recherchen zu den Ereignissen auf dem Balkan, die ich seit Mitte der 1990er Jahre betrieben habe, machten es mir möglich, zahlreiche Verbindungen zwischen Al-Qaida und der US-Regierung nachzuweisen. Die CIA, das US-Militär und die NATO haben Al-Qaida auf dem Balkan unterstützt. Washington ging es dabei darum, ethnische Konflikte zu schüren und die jugoslawische Föderation erst in Bosnien und dann im Kosovo zu destabilisieren.

1997 hat das Republican Policy Committee (RPC) des US-Senates eine ausführliche Stellungnahme veröffentlicht, in der US-Präsident Clinton vorgeworfen wurde, Hand in Hand mit dem "Islamic Militant Network" in Bosnien zu arbeiten, einer mit Osama bin Laden verbundenen Organisation (s. Kapitel III). Die Republikaner haben diesen Vorwurf aber nicht weiter verfolgt, sondern es vorgezogen, Clinton wegen seiner Affäre mit Monica Lewinsky zu diskreditieren.

Die Regierung Clinton hat insgeheim auch die Befreiungsarmee des Kosovo (UÇK) unterstützt, eine paramilitärische, Al-Qaida nahestehende Gruppierung, die zahlreiche Terroranschläge beging. Der Pentagon-Geheimdienst (DIA) und der britische Auslandsgeheimdienst MI6 haben gemeinsam mit ehemaligen Mitgliedern des britischen 22nd Special Air Services Regiment (SAS) Kämpfer der UÇK trainiert, obwohl diese Beziehungen zum organisierten Verbrechen und zum Rauschgifthandel unterhielt. Es ist bekannt und inzwischen auch dokumentiert, dass mehrere führende Al-Qaida-Leute in die UÇK integriert waren (s. Kapitel III).

Nur wenige Monate vor den 9/11-Anschlägen habe ich auch Nachforschungen über Terroranschläge der selbsternannten National Liberation Army (NLA) betrieben – eine paramilitärische Organisation in Mazedonien, die von UÇK-Kommandeuren geführt wurde. Auch in die NLA waren Mudschaheddin der Al-Qaida integriert. Außerdem wurden die Terroristen von ehemaligen US-Offizieren beraten, die einer vom Pentagon engagierten privaten Söldner-Firma angehörten.

In den Monaten vor den 9/11-Anschlägen haben in der paramilitärischen NLA also US-Militärberater mit Al-Qaida-Kämpfern zusammengearbeitet. Ende Juni 2001 wurden unter sich zurückziehenden NLA-Kämpfern siebzehn "US-Instrukteure" enttarnt. Um diplomatische Verwicklungen und peinliche Medienberichte darüber zu vermeiden, dass die mazedonischen Streitkräfte unter den "islamischen Terroristen" auch ehemalige US-Offiziere vorgefunden hatten, setzten die USA und die NATO die mazedonische Regierung unter Druck, damit sie die Evakuierung der NLA-Terroristen und ihrer US-Militärberater zuließ.

Die vorliegenden Beweise, darunter auch eine Erklärung des mazedonischen Ministerpräsidenten und Pressemeldungen aus Mazedonien, belegen eindeutig, dass die "Islamischen Brigaden" im ehemaligen Jugoslawien von den USA verdeckt unterstützt wurden – nicht schon im Kalten Krieg, sondern erst danach, und zwar bis wenige Monat vor den 9/11-Anschlägen. Diese Entwicklungen, mit denen ich mich damals täglich beschäftigt habe, ließen mich sofort an der offiziellen 9/11-Story zweifeln, nach der Al-Qaida hinter den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon stecken sollte (s. Kapitel IV).

Der mysteriöse pakistanische General

Am 12. September wurde ein mysteriöser Generalleutnant, der Chef des pakistanischen Militärgeheimdienstes ISI, der sich nach Meldungen in der US-Presse während der Anschläge "zufällig" in Washington aufhielt, ins Büro des US-Vizeaußenministers Richard Armitage einbestellt.

Der "Krieg gegen den Terrorismus" war am späten Abend des 11. September offiziell angekündigt worden, und nur einen Tag danach bat Dick Armitage den pakistanischen Geheimdienstoffizier Mahmoud Ahmad um Unterstützung bei der "Verfolgung der Terroristen". Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf rief schon am Morgen des 13. September US-Außenminister Colin Powell an und sicherte ihm umfassende Hilfe zu. 

Die Presse meldete sofort, dass Pakistan die Bush-Regierung im "Krieg gegen den Terror" unterstützen werde, verschwieg aber wohlweislich, dass der pakistanische Militärgeheimdienst ISI unter Ahmads Führung schon lange gute Beziehungen zum Islamischen Terrornetzwerk unterhielt. Zahlreiche Quellen haben bestätigt, dass der ISI mehrere islamische Organisationen, darunter auch Al-Qaida und die Taliban, unterstützt hat (s. Kapitel IV).

Als ich die Schlagzeilen vom 13. September las, fragte ich mich sofort, ob die Bush-Regierung tatsächlich Jagd auf die Terroristen machen wollte, und warum sie dann ausgerechnet Hilfe vom ISI erwartete, von dem allgemein bekannt war, dass er die genannten Terrororganisationen auch finanziell unterstützte?

Zwei Wochen später wurde in den Abc News über eine FBI-Einschätzung berichtet, in der behauptet wurde, auch die angeblichen 9/11-Terroristen hätten Geld aus Pakistan erhalten. In der ABC-Meldung wurden "pakistanische "Geldgeber und Hintermänner" hinter den 9/11-Luftpiraten vermutet.

Später wurde sogar berichtet, General Mahmoud Ahmad, der am 13. September 2001 auch Collin Powell getroffen hatte, habe Mohammed Atta, dem angeblichen Rädelsführer der 9/11-Attentäter, 100.000 Dollar zukommen lassen. Der Chef des pakistanischen Militärgeheimdienstes soll also enge Kontakte sowohl zur US-Regierung als auch zu den angeblichen Luftpiraten gehabt haben.

Meine Artikel über die Balkan-Connection und die Einbeziehung Pakistans, die ich Anfang Oktober 2001 veröffentlicht habe, flossen später in die Erstausgabe meines Buches "Americas 'War on Terrorism' " ein. In meine nachfolgenden Recherchen habe ich auch die wirtschaftlichen und strategischen US-Aktivitäten in Zentralasien und im Mittleren Osten einbezogen.

Es besteht ein komplizierter Zusammenhang zwischen den US-Kriegen und der Globalisierung. Der "Krieg gegen den Terror" ist eigentlich nur ein Vorwand zur Erringung wirtschaftlicher Vorteile für die US-Konzerne und der endgültigen Kontrolle über die großen Ölvorkommen des Iraks.

Die Desinformationskampagne

In den Monaten vor dem Überfall auf den Irak im März 2003 wurde die Desinformationskampagne auf volle Touren gebracht.

Inzwischen allgemein bekannt und gut dokumentiert sind die zur Rechtfertigung der Irak-Invasion von Geheimdiensten Großbritanniens und der USA verbreiteten Fake News. Dem Regime in Bagdad wurden (nicht bestehende) Verbindungen zu Al-Qaida unterstellt. Gefakte Geschichten über angebliche Kontakte zu "Osama bin Laden" und "irakische Massenvernichtungswaffen" kursierten in vielen Medien (s. Kapitel XI).

Inzwischen war mit Abu Musab Al-Zarqawi auch ein neuer "Topterrorist" erfunden worden. Colin Powell hat bei seinem berüchtigtem Auftritt vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auch eine ausführliche "Dokumentation über die unheilvolle Beziehung zwischen Saddam Hussein und Abu Musab Al-Zarqawi" vorgelegt, und dabei dessen angebliche Fähigkeit zur Herstellung todbringender chemischer, biologischer und radiologischer Waffen hervorgehoben, die mit voller Unterstützung des säkularen Baath-Regimes im Irak entwickelt würden.

Innerhalb von zwei Tagen nach Powells Rede vor dem UN-Sicherheitsrat wurde (in den USA) Terroralarm der Stufe Orange ausgerufen, obwohl UN-Waffeninspektor Dr. Hans Blix Powells Behauptungen zurückgewiesen hatte.

Die Realität wurde auf den Kopf gestellt. Es wurde so getan, als würden nicht die USA einen Krieg gegen den Irak vorbereiten, sondern der Iralk wolle mit Hilfe "islamischer Terroristen" die USA angreifen, und Al-Zarqawi wurde als Drahtzieher dargestellt. In offiziellen Verlautbarungen wurde behauptet, er plane einen Anschlag mit einer schmutzigen radioaktiven Bombe auf die USA.

Die Desinformationskampagne wurde nach dem von den USA angeführten Überfall auf den Irak im März 2003 nochmals verstärkt. Ihr Land verteidigende irakische Soldaten wurden als "Terroristen" diffamiert, die sie bekämpfenden US-Soldaten als "Boten der Demokratie und des Friedens" dargestellt. Dieses Zerrbild wurde über die Medien tagelang auf der ganzen Welt verbreitet.

Den Terroralarm Stufe Orange nutzte die Bush-Regierung, um in den USA eine Atmosphäre der Angst und der Verunsicherung zu erzeugen (s. Kapitel XX). Der Terroralarm diente auch dazu, die öffentliche Meinung von den unzähligen Gräueltaten abzulenken, die von US-Soldaten auf den Schlachtfeldern im Irak und in Afghanistan begangen wurden – und von der routinemäßigen Folterung "feindlicher Kämpfer"

Seit dem Überfall auf Afghanistan waren das Foltern von Kriegsgefangenen und die Einrichtung von Konzentrationslagern integrale Bestandteile der "Vergeltungsstrategie" der Bush-Regierung für die 9/11-Anschläge.

Auch das US-Rechtssystem wurde komplett auf den Kopf gestellt. Das US-Justizministerium sah die Folter unter bestimmten Voraussetzungen als erlaubt an. Das Foltern von "Terroristen" wurde als gerechtfertigtes Mittel zur Bewahrung der Menschenrechte und der Demokratie ausgegeben (s. Kapitel XIV und XV). Nach dieser verdrehten Logik konnte der US-Oberbefehlshaber das Foltern von "Terroristen" sogar anordnen, weil diese auch US- Gefangene foltern würden.

Die nach der Invasion im Jahr 2003 erfolgte Anordnung von Folterungen im Konzentrationslager Guantanamo und im Irak ging von höchsten Stellen in der US-Regierung aus. Die Gefangenenwärter und die Verhörspezialisten des US-Militärs und der CIA konnten sich auf detaillierte Richtlinien beziehen.

Es wurde ein System errichtet, das an die Inquisition erinnerte. Die USA und Großbritannien behaupteten, ihr "Krieg gegen den Terroror" sei im öffentlichen Interesse. Wer die darin angewandten Praktiken – willkürliche Festnahme und Inhaftierung, das Foltern von Männern, Frauen und Kindern, politische Morde und Konzentrationslager – kritisierte, musste nach den geltenden Antiterrorgesetzen damit rechnen, selbst verhaftet zu werden.

Die Bombenanschläge am 7. Juli 2005 in London

Mit den Bombenanschlägen auf die Londoner U-Bahn im Juli 2005, durch die 56 Menschen starben und mehrere hundert verwundet wurden, erreichte der "Krieg gegen den Terrorismus" eine neue Stufe.

Auf beiden Seiten des Atlantiks wurden die Anschläge am 7. Juli ausgenutzt, um tiefgreifende polizeistaatliche Maßnahmen durchzusetzen. Das US-Repräsentantenhaus verlängerte die Geltungsdauer des USA PATRIOT Act, "damit die Regierung auch weiterhin verdächtigte Terroristen verfolgen" konnte. Die Republikaner hatten diese Verlängerung mit den Londoner Anschlägen begründet.

Bereits eine Woche vor den Anschlägen in London hatte Washington die Bildung eines "innerstaatlichen Spionagedienstes" unter Aufsicht des FBI verkündet. Die neue "Geheime Staatspolizei" hatte – wie "Big Brother" in Georg Orwells Roman 1984 – den offiziellen Auftrag, "Terroristen aufzuspüren, bevor sie Verbrechen begehen konnten", sollte in Wirklichkeit aber alle US-Bürger ausspionieren. Bezeichnend ist, dass diese neue FBI-Abteilung nicht dem US-Justizministerium sondern, John Negroponte, dem Direktor der US-Geheimdienste, unterstellt war, der gleichzeitig ermächtigt wurde, die "Inhaftierung von Terrorverdächtigen" anzuordnen.

Nach den Londoner Anschlägen führte das britische Innenministerium als "Reaktion auf den Terrorismus" neue Ausweise ein, die das Sammeln persönlicher Daten aller Einwohner Großbritanniens in einer riesigen nationalen Datenbank ermöglichten. Außer Fingerabdrücken wurden auch biometrische Daten, zum Beispiel Merkmale der Iris des Auges, erfasst, die eine digitale Gesichtserkennung ermöglichen. Ähnliche Maßnahmen wurden in der gesamten Europäischen Union ergriffen.

Kriegsverbrecher in höchsten Ämtern

Die Antiterrorgesetze und die Errichtung von Polizeistaaten schützen vor allem die Kriegsverbrecher, die ansonsten nach den nationalen Gesetzen und dem Völkerrecht angeklagt werden müssten.

Auch nach den im Gefolge der Londoner Anschläge getroffenen Maßnahmen sitzen Kriegsverbrecher immer noch in hohen Ämtern, die es ihnen ermöglichen, die Strafverfolgung und die Gerichte zu beeinflussen. Kriegsverbrecher können also selbst darüber entscheiden, wer als "Verbrecher" zu betrachten ist (s. Kapitel XVI).

Neben den "Terroranschlägen" in New York und Washington am 11. September 2001 wurden auch die Anschläge in Madrid im März 2004 und in London im Juli 2005 als Vorwände für die Aufhebung des Habeas-Corpus-Prinzips und anderer Rechtsvorschriften genutzt. Nach den Antiterrorgesetzen können Menschen willkürlich festgenommen und auf unbestimmte Zeit inhaftiert werden. In der ganzen westlichen Welt werden seither immer mehr Bürger ausgespäht und überwacht: Ihre E-Mails, Telefongespräche und Faxnachrichten werden kontrolliert und gespeichert. In den Innenstädten halten tausende von Überwachungskameras jede Bewegung fest. In gigantischen, von "Big Brother" inspirierten Datenbanken werden detaillierte persönliche Daten gesammelt. Wenn diese Katalogisierung abschlossen ist, wird es nur noch "gläserne Menschen" geben.

Die Hexenjagd richtet sich nicht nur gegen "vermutete Terroristen", sondern auch gegen Aktivisten in Menschenrechts- und Friedensinitiativen, die dadurch diskriminiert werden.

Die Doktrin der Nationalen Sicherheit

2005 hat das Pentagon ein wichtiges Dokument mit dem Titel "The National Defense Strategy of the United States of America" (Die Nationale Verteidigungsstrategie der USA, abgekürzt NDS) veröffentlicht, in der die Planung Washingtons für die Erringung der globalen militärischen Überlegenheit skizziert wird. In der NDS wird die "Doktrin des präemptiven Krieges" aufgegriffen (die einem nur vermuteten Angriff zuvorkommen will). Sie geht die auf das Project for the New American Century, abgekürzt PNAC, zurück, dessen Vorschläge weiterentwickelt wurden. (Die Strategie aus dem Jahr 2005 wurde inzwischen durch die National Defense Strategy of the United States of America aus dem Jahr 2018 ersetzt)

Während in der Doktrin des präemptiven Krieges Militäroperationen als "Mittel zur Selbstverteidigung der USA gegen feindliche Staaten" konzipiert wurde, geht die NDS 2005 noch einen Schritt weiter. Sie sieht auch Militärinterventionen gegen instabile oder "gescheiterte" Staaten vor, von denen eigentlich keine Bedrohung für die Sicherheit der USA ausgehen kann.

Inzwischen hat das Pentagon eine Propagandakampagne gestartet, in der sogar der "Einsatz von Atomwaffen zur Verteidigung des Staatsgebietes der USA gegen Terroristen und Schurkenstaaten" angekündigt wird. Dass das Pentagon dabei behauptet, gegen Terroristen eingesetzte Atombomben seien "ungefährlich für Zivilisten", ist an Absurdität nicht zu überbieten.

2005 hat das U.S. Strategic Command STRATCOM für den Fall weiterer Anschläge nach dem 9/11-Muster einen "Notfallplan" entwickelt. Der sieht unter anderem Luftangriffe auf den Iran vor, bei denen neben konventionellen Bomben auch taktische Atomwaffen Verwendung finden sollen.

Mein Buch "America's 'War on Terrorism' "

Die ersten zehn Kapitel – ohne die inzwischen vorgenommen Veränderungen und Ergänzungen – entsprechen der 2002 unter dem Titel "War and Globalization: The Truth behind September 11" (Krieg und Globalisierung: Die Wahrheit hinter dem 11. September) veröffentlichten Erstausgabe meines Buches. Die 2005 erschienene Neuausgabe enthält zwölf neue Kapitel, die das Ergebnis von vor und nach dem Überfall auf den Irak vorgenommenen Recherchen sind (s. Teile III und IV.) In den Teilen III und und IV zeige ich die spätere Entwicklung der Militär- und Sicherheitspolitik der USA nach den 9/11-Anschlägen auf. Mein Hauptziel war es , den offiziellen Bericht über die Anschläge zu widerlegen und mit detaillierten Beweisen die wahre Natur des "Krieges der USA gegen den Terrorismus" zu dokumentieren.

Die vier Kapitel von Teil I befassen sich mit dem 11. September 2001, der Vorgeschichte von Al-Qaida und deren Beziehungen zum Geheimdienstapparat der USA. Darin wird dargestellt, welche Unterstützung die Terrororganisation von verschiedenen US-Regierungen für die Destabilisierung verschiedener Staaten und die Verursachung politischen Aufruhrs erhalten hat.

In Teil II werden unter der Überschrift "War and Globalization" die strategischen und wirtschaftlichen Interessen untersucht, die mit dem "Krieg gegen den Terrorismus" verfolgt werden.

Teil III enthält eine ausführliche Analyse des Problems "War Propaganda and the Desinformation Campaign" vor und nach dem Überfall auf den Irak.

In Teil IV überprüfe ich unter der Überschrift "The New World Order" die präemptive Kriegsdoktrin der Bush-Regierung (Kapitel XIX), analysiere den Rauschgifthandel der US-Geheimdienste nach dem Sturz des Taliban-Regimes und befasse mich mit dem offiziellen Untersuchungsbericht der 9/11 Kommission, der sich vor allem auf die Frage konzentriert, "Was ist am Morgen des 11. September mit den Flugzeugen passiert?"

Kapitel XX konzentriert sich auf die Stufen der Terroralarms und ihre Auswirkungen. In Kapitel XXI habe ich die Notfallplanung überprüft, mit der das Kriegsrecht verhängt und die Verfassung außer Kraft gesetzt werden kann. Der US-Kongress hat bereits Vorkehrungen getroffen, die es dem Militär erlauben, direkt in polizeiliche Maßnahmen und Strafverfolgungsverfahren einzugreifen. Bei einem nationalen Notstand, der zum Beispiel als Reaktion auf einen angeblichen Terrorangriff verhängt werden könnte, wäre sogar die Bildung einer Militärregierung für die USA möglich.

Das Kapitel XXII beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Londoner Anschläge am 7. Juli 2005, die zu zahlreichen polizeistaatlichen Maßnahmen in Großbritannien, in der Europäischen Union und in Nordamerika führten.

Das Schreiben dieses Buches ist mir nicht leicht gefallen, weil es dabei um sehr heikle Dinge ging. Die Ergebnisse meiner Analyse, die unter die glatte Oberfläche der US-Außenpolitik vorgedrungen ist, sind sehr beunruhigend und verstörend. Meine Schlussfolgerungen sind schwer zu akzeptieren, weil sie zeigen, dass sogar höchste Staatsämter von Kriminellen ausgeübt werden. Ich habe auch die Komplizenschaft der konzerneigenen Medien bei der Propagierung der Kriegspläne der US-Regierung und bei der Tarnung von US-Kriegsverbrechen aufgedeckt.

Die Welt ist an einem wichtigen historischen Scheideweg angelangt. Die USA haben sich auf ein gefährliches militärisches Abenteuer eingelassen, das die Zukunft der Menschheit bedroht. Während dieses Buch in Druck gegangen ist, hat die Bush-Regierung keine Zweifel daran gelassen, dass der Iran das nächste Ziel im "Krieg gegen den Terrorismus" ist.

An einer US-Militäraktion gegen den Iran würde sich natürlich auch Israel beteiligen, und das würde wahrscheinlich einen größeren Krieg im gesamten Nahen und Mittleren Osten auslösen – und einen allgemeinen Aufstand in den besetzten Palästinenser-Gebieten.

Ich habe mein Bestes gegeben, um einen äußerst komplizierten politischen Prozesse aufzuklären und zu dokumentieren.

Das Leben von Millionen Menschen auf der ganzen Welt steht auf dem Spiel. Ich habe die aufrichtige Hoffnung, dass die mit meinen Recherchen ans Licht gebrachte Wahrheit siegen und der Erhaltung des Weltfriedens dienen wird. Dieses Ziel kann jedoch nur erreicht werden, wenn die mit dem "Krieg gegen den Terrorismus" verfolgten Absichten der USA erkannt und die für die darin begangenen Kriegsverbrechen verantwortlichen Politiker und Militärs zur Rechenschaft gezogen werden.

Ich möchte allen Menschen, die mich bei meiner Arbeit unterstützt und mir viele wertvolle Einsichten vermittelt haben, meinen Dank aussprechen. Die Leser der Website Global Research waren mir dabei eine ständig sprudelnde Quelle der Inspiration und der Aufmunterung.


Michel Chossudovsky ist ein preisgekrönter Autor und emeritierter Professor für Wirtschaftswissenschaft der Universität Ottawa. Er ist Gründer und Direktor des Centers for Research and Globalization, abgekürzt CRG, in Montreal und Herausgeber der Website Global Research (https://www.globalresearch.ca). Er hat elf Bücher veröffentlicht, darunter "The Globalization of Poverty and The New World Order", 2003, "America's "War on Terrorism' ", 2005, "The Global Economic Crisis, The Great Depression of the Twenty-first Century" , 2009 als Herausgeber, "Towards a World War III Scenario: The Dangers of Nuclear War", 2011 und "The Globalization of War, America’s Long War against Humanity", 2015. Er hat auch Beiträge für die Encyclopaedia Britannica verfasst. Seine Werke wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt. 2014 wurde ihm für seine Artikel über den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien die goldene Verdienstmedaille der Republik Serbien verliehen.


Michel Chossudovsky: America’s "War on Terrorism"



ISBN Number: 9780973714715
Pages: 365 with complete index
List Price: $24.95
Special Price: $18.00


Erstveröffentlichung der deutschen Übersetzung am 09.10.2019 bei LUFTPOST – Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein (dort mit zusätzlichen Hinweisen)
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_19/LP11519_091019.pdf

Englischsprachiger Originalartikel:
Michel Chossudovsky: "Examining 9/11 and America’s 'War on Terrorism'", Global Research, 06.09.2019
https://www.globalresearch.ca/9-11-and-america-s-war-on-terrorism/24975



Siehe auch:

Die Geschichte der Terroranschläge vom 11. September 2001 muss neu geschrieben werden, denn nun ist belegt: WTC7 wurde gesprengt
Die Sprengung
Von Daniele Ganser
NRhZ 718 vom 11.09.2019
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26188

Zum 10. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001
False Flag Terror
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
NRhZ 318 vom 07.09.2011
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16904

Online-Flyer Nr. 722  vom 16.10.2019

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