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Aktueller Online-Flyer vom 23. September 2019  

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Lokales
Die NS-Lüge und die Ex-Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner
Die immer wieder verdrängte Vorgeschichte von Gerhard Richters Domfenster
Von Werner Rügemer

Der Kölner Stadt-Anzeiger veröffentlichte am 5.8.2019 den ganzseitigen Artikel „Ich kann das ja mal probieren“. Autorin: Die ehemalige Kölner Dombaumeisterin Frau Professor Barbara Schock-Werner. Sie ist eine Vorzugs-Dauer-Autorin des kulturbeflissenen Kölner Provinzblatts, das sich im Streit der Erben ohnehin im Absturz befindet und noch keinen Resteverwerter gefunden hat. Schock-Werner behauptet: Beim Geburtstagsempfang für den Kölner Weihbischof Friedhelm Hofmann am 12. Mai 2002 habe sie, „Sektglas in der Hand“, den ebenfalls anwesenden Künstler Gerhard Richter angesprochen. Könne er nicht eine Lösung für das neue Domfenster finden? Denn die bisher vom Domkapitel vorgeschlagene Darstellung von sechs katholischen Märtyrern, die gegen die Nazis Widerstand geleistet haben, sei doch ästhetisch „ein denkbar unglückliches Ansinnen“. Das frühere Domfenster, das im Krieg zerstört worden war, habe zwar - wie die anderen Domfenster - auch Figuren-Darstellungen mit Karl dem Großen und Erzbischöfen gehabt, aber solche figürliche Darstellung sei nicht mehr zeitgemäß, habe sie Gerhard Richter erklärt. Der sei darauf eingegangen und habe den Auftrag angenommen. Dabei verschweigt Schock-Werner erstens, dass sie ein Jahr vorher öffentlich den Märtyrer-Vorschlag des Domkapitels selbst gemacht hat (oder machen musste) und zweitens, dass deshalb zunächst zwei andere Künstler mit der Märtyrer-Vorgabe beauftragt worden waren und auch ein solches Probefenster installiert wurde. Schock-Werner und Stadt-Anzeiger verdrängen damit erneut die Schuld der katholischen Kirche in der Nazizeit und ebenso den Widerstand, der von Katholiken geleistet wurde – und der weltberühmte teure Künstler hilft mit. Auch durch Weglassen kann man lügen. Wir veröffentlichen deshalb den Artikel von Werner Rügemer, der dazu zuerst in der Neuen Rheinischen Zeitung am 19.7.2007 unter dem Titel "Göttliches Licht und kapitalistischer Realismus - Wie Gerhard Richter dem Kölner Domkapitel zur Entsorgung der NS-Zeit verhalf" erschienen ist. Er ist in leicht aktualisierter Form enthalten im Sammelband von Werner Rügemer „Bis diese Freiheit die Welt erleuchtet. Transatlantische Sittenbilder aus Politik und Wirtschaft, Geschichte und Kultur“ (Köln, 2. Auflage 2017, 226 Seiten, 14,90 Euro).


Tausende Kölner Bildungsbürger und holländischer und japanischer Touristen haben im Kölner Dom eine neue Attraktion. Sie sitzen und stehen im Mittelgang und blicken ehrfürchtig hinauf zum neuen Südquerhausfenster. Dort oben in 30 Meter Höhe erstrahlt ein neues Kunstwerk des „berühmtesten und teuersten Malers der Gegenwart“, Gerhard Richter. Sie staunen und flüstern und halten ihre digitalen Kameras und Fotohandys hoch, ein unruhiges Blitzlichtgeflirre durchzieht den hohen unheiligen Raum.

Am 25. August 2007 wurde nach jahrelangen Vorbereitungen und ehrfürchtigen Vorberichten in bürgerlichen Feuilletons ebenso wie in Gossenmedien das neue Domfenster feierlich vorgestellt, mit Messen, Predigten, Licht- und Klanginstallationen. Das Südquerhausfenster hat eine Fläche von 113 Quadratmetern. Es besteht aus 11.263 quadratischen Glasstücken mit einer Seitenlänge von 9,7 cm. Sie sind in 72 verschiedenen Farbtönen gehalten, die denen der anderen Kirchenfenster entsprechen. Die Anordnung der Farbtöne überließ der gefeierte Künstler einem Zufallsgenerator. Richter nahm für diesen Auftrag keines seiner heute üblichen Millionenhonorare, sondern machte dem Kölner Domkapitel das Fenster zum Geschenk. Die etwa 400.000 Euro Herstellungskosten wurden von 1.200 Spendern aufgebracht, darunter Deutsche Bank, Commerzbank, Hypovereinsbank, mittelständische Elektronikhändler, Anwälte, Professoren, Karnevals- und Bistumsfunktionäre, Museumsleute - vom herrschenden Kölner Kulturklüngel eben.

Der erste Auftrag: Darstellung katholischer Märtyrer

Das Südquerfenster, das auf den weiten Roncalli-Platz weist und unter allen Domfenstern den prominentesten Ort hat, war im 2. Weltkrieg zerstört und mit einer Notlösung versehen worden. Das Domkapitel, das Leitungsgremium des Erzbistums Köln für die Gestaltung des Kölner Doms, beauftragte Richter im Jahre 2001 mit einem thematisch gebundenen Entwurf: Es sollten sechs Märtyrer des 20. Jahrhunderts dargestellt werden. Die Zahl hat damit zu tun, dass das Fenster aus sechs senkrechten Teilen besteht.

Die Dombaumeisterin, Frau Professor Barbara Schock-Werner, verkündete beim „Aschermittwoch der Künstler“, den das Kölner Erzbistum jedes Jahr nach dem Karneval ausrichtet, die sechs Namen: Bernhard Lichtenberg, Edith Stein, Rupert Mayer, Karl Leisner, Maximilian Kolbe, Nikolaus Gross. Sie hatten auf unterschiedliche Weise Widerstand gegen die Nazis geleistet. Zwei, der Priester Maximilian Kolbe, und die zum Christentum konvertierte Jüdin Edith Stein waren in Auschwitz ermordet worden; Nikolaus Groß, Funktionär der katholischen Arbeiterbewegung, wurde in Plötzensee hingerichtet; die anderen starben im Gefängnis oder danach. Einige wurden unter Papst Wojtyla nach dem Krieg heilig gesprochen.

Das Projekt war für die Verhältnisse des deutschen Katholizismus und des Kölner Erzbistums durchaus vergleichsweise mutig. Denn von der katholischen Kirchenführung und vom Vatikan, die mit Hitler kollaborierten (Reichskonkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich vom 20.7.1933, gilt bis heute), waren die Widerständler nicht unterstützt, sondern ausgegrenzt worden.

Doch Richter fand die thematische Vorgabe unpassend, Fotos von brutalen Erhängungs- und Erschießungsszenen aus dem NS seien als Vorlage ungeeignet, meinte er. Deshalb lieferte er, wie es seine Methode ist, Abstraktes. Er griff auf sein Bild „4096 Farben“ von 1974 zurück. Dort hatte er 4096 bunte Quadrate nebeneinander gelegt. Auch hier hatte er die farbliche Verteilung dem Zufallsgenerator eines Computerprogramms überlassen. Das wollte er nun im Domfenster in größerem Maßstab wiederholen. Die Mehrheit des Domkapitels zeigte sich irritiert.

Richters Vorbehalte waren zudem nicht schlüssig. Erstens hatte er in seinem weltberühmten Stammheim-Zyklus vorhandene Fotos der erhängten und erschossenen und zu Grabe getragenen RAF-Leute als Vorlage benutzt und verfremdet. Diese Methode ist ein Markenzeichen Richters. Das wäre also auch mit Fotos der sechs Märtyrer möglich gewesen. Zweitens hatte er für den Domauftrag mit Fotos von Erhängungs- und Erschießungsszenen aus dem NS experimentiert, die mit den sechs Genannten nichts zu tun hatten. Drittens war sowieso keiner von ihnen erschossen worden. Viertens sollte nach dem Auftrag nicht der Tod der sechs Genannten, sondern ihre Persönlichkeit und die Perspektive über den Tod hinaus dargestellt werden. Das Wesentliche bei Richter ist: Er kann oder will Widerstand nicht denken, nicht sehen, sondern nur Vernichtung, Verundeutlichung.

Auftragsänderung: Keine Märtyrer!

Deshalb wurden zwei weitere Künstler mit Entwürfen beauftragt, Manfred Hürlimann und Egbert Verbeek. Beide sind ebenfalls keine „Kirchenkünstler“, allerdings weniger bekannt als Richter. Sie gingen auf die thematische Vorgabe ein. Verbeek stellte keine Hinrichtungen dar, sondern gestaltete nach Fotovorlagen die Gesichter der sechs und stellte sie unter das Motto „Leuchtende Wegweiser – Komm, wir gehen für unser Volk“. Auch er arbeitete wie Richter mit Echtantikglas und mit den Farben Tiefrot, Orange, Ocker, Hell- und Dunkelblau. Mit dem Bildnis von Edith Stein wurde am Dom ein Probefenster eingebaut. Hürlimanns Entwurf war ähnlich, außer dass er mit den Ganzkörpervorlagen arbeitete. Dies wurde öffentlich nur bekannt, weil Verbeek dazu einen Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung geschickt hatte, der dort auch veröffentlicht wurde.

Doch die Entscheidung war hinter den Kulissen längst gefallen. Richter, der mehrere Entwürfe machen konnte, wurde im offiziellen katholischen Milieu hastig aufgewertet. 2001 bekam er den Ehrendoktor der Katholischen Universität Löwen. Ende 2004 erhielt er den „Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken“. Kardinal Lehmann fabulierte Christliches in den Preisträger hinein: Er könne „die Sehnsucht nach dem Absoluten, Versöhnenden, Erlösenden ausdrücken“. Richter erhielt die Weihe als religiöser und katholischer Künstler, der zudem nicht alte Wunden aufreiße, sondern versöhne. Die Minderheit im Domkapitel ließ sich von Richters Weltruhm einlullen.

Sofort nach der Präsentation der drei Entwürfe am 1. Februar 2005 fiel die Entscheidung: Keine Märtyrer im Kölner Domfenster! Richter erhielt den Auftrag für seine bunten Quadrate. Über die alternativen Entwürfe und die Lösung des Konflikts schweigen die Kölner Schmierenmedien aus dem Verlag DuMont Schauberg und BILD Köln aus dem Verlag Springer verbissen: Lügen kann man auch durch Weglassen.

Alles sehen, nichts verstehen

Die Wirklichkeit kann man nicht erkennen, und man kann sie nicht darstellen: Das ist das methodische Arbeitsprinzip Richters. Die Unschärfe, die erkenntnismäßige Neutralität, die Ausschaltung der Subjektivität sind sein Lebensthema. Dafür könnte viel sprechen, vor allem gegenüber den fundamentalistischen Sicherheiten, mit denen die großen Ideologien und Mächte auftraten und auftreten. So legte und legt Richter Fotos von Wehrmachtsangehörigen, von RAF-Häftlingen, von Verwandten, von Landschaften und aus Werbeprospekten zugrunde und verwischte und verwischt sie, teilweise bis zur Unkenntlichkeit. Monochrome Flächen, zufallsgewürfelte Quadrathaufen folgen derselben Logik. Richters Werk ist die Verkörperung von Ideologielosigkeit schlechthin - scheinbar.

Freilich stellen Richters Erkenntniszweifel zunehmend eine neue Ideologie, eine neue absolute Gewissheit dar. Auch deshalb bannt er seinen Agnostizismus auf immer größere, monumentale Formate - Fünf Meter, 10 Meter, 20 Meter. Sage nichts, aber sage es im großen Format, so sein Motto. Solche Werke werden aber logischer Weise gerade von denen geschätzt und gekauft und in Auftrag gegeben, die heute die Macht und keinerlei Erkenntniszweifel haben und die Ideologielosigkeit als neues Mantra vor sich hertragen. 

„Alles sehen, nichts verstehen“, so lautet etwa Richters Motto für seine grauen Glastafeln „Acht Grau“, die er im Format 6 mal 3 Meter im Auftrag der Deutschen Bank erstellte. Vorstandsmitglied Tessen von Heydebreck lobte die acht monochromen grauen Riesentafeln überschwänglich. Sowas gefällt einer Großbank: Das Geld als großes, unerkennbares Geheimnis, zugleich als unerschütterliche Gewissheit, geadelt durch die Weihe der Kunst – am besten einer christlich verbundenen, wie in der Geschichte des westlichen Kapitalismus überhaupt und bis heute.

Flucht in den kapitalistischen Realismus

Richter war 1961 aus der DDR in den Westen geflüchtet: Er wolle kein Staatskünstler werden. Seine erste Ausstellung in einem Düsseldorfer Möbelhaus stand unter dem ironisch gemeinten Motto: „Leben mit Pop – eine Demonstration für den kapitalistischen Realismus“.

Einige Jahrzehnte später ist Richter allerdings nicht nur Deutsche Bank-Künstler, sondern auch BRD-Staatskünstler. 1997 erhielt er einen Auftrag der Bundesregierung für das Reichstagsgebäude. Die Unschärfe, die Ironie besteht hier darin, dass der angebliche Ideologiekritiker die Bundesflagge leicht verfremdet hat: Sie ist in den Proportionen verzogen, monumentale 21 Meter hoch, aber zu schmal, die Farbtöne sind leicht verändert. Die Ironie ist sanft und staatstragend geworden: Kapitalistischer Realismus. Die Unternehmer-Zeitung FAZ erkennt das, lobt es: „In der distanzierten Pose der skeptischen Generation wurde er eine Art Staatskünstler der Bundesrepublik... Wie zuletzt die Ausstellung im Museum of Modern Art gezeigt hat, markiert Richters Name den Standard der von der deutschen Nachkriegskunst erreichten Modernität, ein global anerkanntes Gütesiegel gleich dem Mercedes-Stern“.

Die Annäherung an Kapital, Staat und nun auch Kirche ist gegenseitig. „Ich habe mich schon länger der katholischen Kirche angenähert, ich bin ihr Sympathisant, ohne Mitglied zu sein“, so der neue Kirchenkünstler. Die Heimkehr in den großen giftigen Schoss des christlichen Abendlandes geht weiter: „Die gesamte Kunst seit 2000 Jahren ist doch katholisch, und die Kunst ist meine Heimat“, sagte er nach dem Auftrag für den Kölner Dom, anlässlich seiner genannten grossen Ausstellung 2004 im Tempel der modernen westlichen Kapital-Kunst in New York.

Göttliche Halluzinationen und touristische Massen“kultur“

Auch die Bildungsbürger dürfen in die scheinbare Leere Richters hineinspekulieren, was ihnen aus ihrem Bildungsschatz einfällt. Ein vielbeschäftigter Saurier des etablierten Kunstbetriebs etwa, Werner Spies, Kunstkritiker des FAZ-Feuilletons, sieht im Domfenster die „Parabel der Genesis“ ebenso wie Nietzsches Philosophie aufleuchten. Der Kölner Stadt-Anzeiger halluziniert die „Emanation des göttlichen Lichts in dem wogenden Meer der Farbpixel“. Für Domprobst Feldhoff, den starken Mann des Domkapitels, der das Geld für die Richter-Version heranschaffte, öffnet das „wahnsinnige Licht“ des Fensters den „Weg ins Religiöse“. Und die Dombaumeisterin Schock-Werner in ihrem Karriereweg nach oben überdeckt und verschweigt und versöhnt den Konflikt: In Richters Fenster seien nun „alle Gedanken, alle Bilder, alle Heiligen vereint.“

Nichts ist vereint. Der Widerstand gegen den NS ist ausgeschlossen. Mithilfe Richters ist es gelungen, die Kirchenoberen von der Last ihrer thematischen Vorgabe zu befreien. Zum Dom strömen heute sowieso immer weniger Gläubige und fast ausschließlich nur noch Touristen. Die Kirche mit dem Dom, hält sich als künstlerisch aufgepeppter Standortfaktor, als touristische Attraktion, als Kunstmuseum und als Marketing-Material.

Geschichtsklitterung: Sprachlos und gemütlich

Das Fenster wiederspiegele die „gegenwärtige gesellschaftliche Sprachlosigkeit“ der Kirche, heisst es dazu kritisch in katholischen Laienkreisen. Doch diese „Sprachlosigkeit“ ist nur vordergründig: Wie bei Richter erweist sich auch bei der Kirche die scheinbare Neutralität und Sprachlosigkeit als Kollaboration mit den Mächtigen, ob es sich um Geschichtsklitterung oder die Zustimmung zu den Hartz-Gesetzen oder die Segnung der Panzer im Kosovo und in Afghanistan handelt.

Die scheinbare Sprachlosigkeit der Kirche vor der unbarmherzigen, asozialen Selbstbereicherung der gegenwärtigen kapitalistischen Eliten geht einher mit Zustimmung, Förderung, Mittun.

Und die Mehrheit der BürgerInnen und Eventtouristen, die zum belanglosen, interpretationsoffenen Kunsthandwerk des weltberühmten Meisters hinaufstaunen, ist dankbar. Sie wolle in der Kirche nicht immer „das Leiden Christi am Kreuz“ sehen, begründete eine Leserbriefschreiberin im Kölner Stadt-Anzeiger ihre enthusiastische Zustimmung zum Richter-Fenster. Sie will ein gemütliches, widerspruchsloses, kuscheliges Christentum.

Möglicherweise hat sie wie so mancher andere kulturvolle Bildungsbürger zuhause den bunten Wohnzimmerteppich, den Richter ebenso mit Rückgriff auf sein Werk „4096 Farben“ einige Jahre zuvor für die Wuppertaler Staubsaugerfirma Vorwerk gestaltet hatte: Preis pro Quadratmeter 68 Euro.


Nachtrag 2016:

Frieder Burda, Ex-Miteigentümer des Burda-Verlags (Focus, Playboy, Bunte, Elitepartner, Xing…) kaufte 2014 die vier „Birkenau“-Gemälde Gerhard Richters. Der Kunstsammler Burda zeigt sie seit 2016 in seinem Frieder Burda-Privatmuseum in Baden-Baden. Die Bilder sind übermalte Zeichnungen nach Fotos aus dem größten faschistischen Vernichtungslager, lassen davon aber nichts erkennen, sondern lassen Diffuses wie schimmelige Steine und blutig-schmutzige Tücher assoziieren. Burda erklärte seine Vorliebe für diese Bilder, sie hätten ihn “emotional angesprochen“ und „weil das Thema Holocaust haben mich immer fassungslos macht“.

Die teure und öffentlich ausgestellte Erkenntnislosigkeit und Fassungslosigkeit mag verständlich sein: Burda, der bisher etwa 1.000 Werke internationaler Topkünstler (Impressionisten, Picasso, US-Pop Art) kaufte, ist Arisierungsgewinnler, Erbe eines im deutschen Faschismus heftig vermehrten Vermögens. Das von seinem Vater, NSDAP-Mitglied, arisierte Druckzentrum der Brüder Reiss in Mannheim – eines der größten und modernsten in NS-Deutschland - wurde nie zurückgegeben. Auf der website des Museums wird auf die Reichtumsgründe des nur in einer bestimmten Hinsicht fassungslosen Kunstliebhabers nicht hingewiesen.

Richters hochbezahlte Abstraktion hilft – für den Arisierungsgewinnler Burda wie für die katholischen Nazi-Kollaborateure - beim Unkenntlichmachen der herrschenden Unmenschlichkeiten.


Siehe auch:

Werner Rügemer: Bis diese Freiheit die Welt erleuchtet
Windflüchter
Buchtipp von Harry Popow
NRhZ 580 vom 21.09.2016
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23139

Online-Flyer Nr. 717  vom 04.09.2019

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