NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 22. August 2019  

zurück  
Druckversion

Globales
Wie das Narrativ des Westens immer mehr erodiert
Gaben Mitglieder des Parlaments der Ukraine Mordbefehl?
Von Jochen Mitschka

Bereits vor der letzten Präsidentschaftswahl hatte der Generalstaatsanwalt der Ukraine den damals noch amtierenden Präsidenten Poroschenko zu einer Aussage vorgeladen, bei der es um seine Rolle bei der Flucht der Heckenschützen des Maidan-Massakers von 2014 ging. Natürlich erschien er nicht zur Aussage, und unterschrieb auch nie Protokolle früherer Aussagen (1). Nun vermutet der Generalstaatsanwalt, dass Mitglieder des ukrainischen Parlamentes, der Rada, die Ermordung von Pavlo Sheremet in Auftrag gegeben hatten (2). Sheremet war ein prominenter aus Weißrussland emigrierter Journalist der für die Ukrainska Pravda in der Ukraine arbeitete. Er starb durch eine Autobombe. Und dieser Tod war nur einer in einer ganzen Serie von Morden an Journalisten und Regimekritikern zwischen 2014 und 2018.

Ein Gericht veranlasste die Untersuchung der Staatsanwaltschaft hinsichtlich der Beteiligung des von Neo-Nazis geführten Azow-Regimentes bei der Ermordung. Das Versagen der Ermittlungsbehörden, den Fall aufzuklären, weist darauf hin, dass die Aufklärung von höchsten Stellen unterminiert wird, was der ehemalige Generalstaatsanwalt auch offen zugibt.

Wir dürfen erwarten, dass wie in der Vergangenheit, solche Nachrichten nicht in den westlichen Medien thematisiert werden. Im Gegenteil. Hier wird das falsche Narrativ verfolgt, ähnlich wie bei den Maidan-Schüssen, dass die Mörder in Russland zu suchen wären. Dann schreibt zum Beispiel die New York Times:

"Gegen Nachmittag setzte Präsident Poroschenko eine Dringlichkeitssitzung seines Nationalen Sicherheits-Teams an und brachte deutlich seine Meinung zum Ausdruck, dass Russland hinter der dreisten Ermordung stecken würde." (4)

Die Ermordung beziehungsweise die Explosion des Autos wurde auf Video festgehalten (5). Zahlreiche Hinweise deuteten auf die Neo-Nazi-Szene. Aber durch fehlendes Aufklärungsinteresse im Westen und durch offensichtliche Behinderungen der Aufklärung durch höchste Stellen des Landes, verliefen bisher die Ermittlungen im Sande. Allerdings scheinen seit den Präsidentschaftswahlen neue Regeln zu gelten.

Der Generalstaatsanwalt der Ukraine hat noch nicht offiziell bekannt gegeben, welcher Rada-Abgeordnete verdächtigt wird, den Mord in Auftrag gegeben zu haben, ließ jedoch durchblicken, dass er immer noch hohe Positionen in der Ukraine besetzen würde. In diesem Zusammenhang erinnert man sich natürlich daran, dass der Anführer der bewaffneten Maidan-Kämpfer, der vom ukrainisch-kanadischen Wissenschaftler Ivan Katchanovski maßgeblich für die Maidan-Schüsse verantwortlich gemacht wird, später Vorsitzender der Rada wurde. Hier ein Auszug aus "Schattenkriege des Imperiums – Das Ukraine Narrativ":

    "Es war am 20. Februar und schon dunkel, als der deutsche Botschafter Besucher bekam. Es waren der US-Botschafter Pyatt und andere NATO-Diplomaten sowie Andrij Parubij, der den bewaffneten Aufstand leitete. Es war derjenige, welcher für die tödlichen Schüsse vom 18. Februar verantwortlich war. Er erschien in einem gefleckten Kampfanzug mit einer Sturmhaube. Seine Rede war deutlich:

    'Wenn die westlichen Regierungen keine entschiedenen Aktionen gegen Janukowytsch unternehmen, der ganze Prozess eine noch wesentlich bedrohlichere Dimension annehmen könne'. (6) Mehr über dieses Treffen im hinteren Teil des Textes.

    Der Bürgerkrieg war vorprogrammiert. Am 18. Februar waren 28 Menschen getötet worden, darunter Polizisten der Bereitschaftspolizei Berkut. Das war der Tag der Heckenschützen, die auf Polizisten UND Demonstranten schossen. (…)

    Aber vielleicht war die Aussage des Auswärtigen Amtes auch nur ein Versuch, von der eigenen Rolle bei dem Staatsstreich abzulenken. Ein Planungstreffen, das die finale Phase des Umsturzes einleiten sollte, fand in der deutschen Botschaft in Kiew statt, und zwar am 20. Februar. Das war noch vor den Verhandlungen von Ex-Außenminister Steinmeier mit Janukowytsch.

    Um es noch einmal deutlich zu sagen: Der Botschafter von Steinmeier leitet in seiner Botschaft ein Treffen, das die letzte Phase des gewaltsamen Umsturzes einleiten sollte, während Steinmeier sich vorbereitet, mit Janukowytsch über eine friedliche Transition durch vorgezogene Wahlen zu unterhalten.

    An dem Treffen in der deutschen Botschaft nahmen der US-Botschafter Pyatt und andere NATO-Diplomaten teil. Außerdem war Andrij Parubij, der rechtsextreme Kopf des bewaffneten Aufstandes anwesend. Er erschien im Kampfanzug und mit Sturmhaube und drohte. Der Mann, der nicht nur nach Ansicht von Katchanovski für die tödlichen Schüsse des Tages und am 18. verantwortlich war, erpresste die westlichen Regierungen. So findet man in der New York Times folgenden Bericht … (7)"

Aber wen im Westen interessieren schon Verbrechen, die 2014 begangen wurden. Deshalb können jetzt auch langsam Historiker beginnen die Ereignisse aufzuarbeiten. Aber nur mit Vorsicht, denn das westliche Narrativ über den Abschuss von Flug MH17 wird immer noch weiter gesponnen.


Fußnoten:

(1) https://www.rubikon.news/artikel/spate-aufklarung
(2) https://strana.ua/articles/interview/209668-viktor-shokin-o-zakazchike-ubijstva-sheremeta-konflikte-s-bajdenom-i-preemnike-lutsenko.html
(3) https://jomenschenfreund.blogspot.com/2015/04/mysteriose-todesserie-in-der-ukraine.html
(4) https://www.nytimes.com/2016/07/21/world/europe/pavel-sheremet-kiev-car-bomb.html
(5) https://globalnews.ca/news/2839132/shocking-surveillance-video-shows-moment-ukraine-journalist-is-killed-in-explosion/
(6) https://www.nytimes.com/2015/01/04/world/europe/ukraine-leader-was-defeated-even-before-he-was-ousted.html
(7) https://www.nibe-versand.de/Politik/Schattenkriege-des-Imperiums-Das-Ukraine-Narrativ::120.html

Online-Flyer Nr. 713  vom 17.07.2019

Druckversion     



Startseite           nach oben

KOSTARIKATUREN


Von Kostas Koufogiorgos
FILMCLIP
FOTOGALERIE