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Aktueller Online-Flyer vom 21. September 2019  

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Krieg und Frieden
Bombardierung von Ex-Jugoslawien durch die NATO
20 Jahre danach
Von Heinrich Frei

Am 12. Juni 2019 wurden in Pristina, im Kosovo, Ex-US-Präsident Bill Clinton und Ex-US-Außenministerin Madeleine Albright bejubelt. Mit einem Staatsakt wurde der 20. Jahrestag der NATO-Militärintervention in der damaligen jugoslawischen Provinz Kosovo gefeiert. Bill Clinton und Madeleine Albright waren 1999 maßgeblich verantwortlich für den völkerrechtswidrigen Krieg auf dem Balkan der NATO-Staaten, der Streitkräfte von Belgien, Kanada, Tschechien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Portugal, Spanien, der Türkei, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Kriegsmaterialexporte der Schweiz an diese kriegführenden NATO-Staaten auf dem Balkan wurden damals fortgesetzt, obwohl nach dem Kriegsmaterialgesetz schon lange keine Ausfuhrbewilligungen mehr für Rüstungsgüter mehr hätten erteilt werden dürfen in «Gebiete, in denen ein bewaffneter Konflikt herrscht, ein solcher auszubrechen droht oder sonst wie gefährliche Spannungen bestehen.»

1999 Bombardierung Ex-Jugoslawiens durch die NATO


1999, der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder: «Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger. Heute Abend hat die NATO mit Luftschlägen gegen militärische Ziele in Jugoslawien begonnen…» (1)


Screenshot aus dem Film «1999 Bombardierung Ex-Jugoslawiens durch die NATO» (1)

Schreckliches neben der Party in Pristina mit Clinton und Albright - Nicht explodierte Landminen und Streubomben


Zu erinnern ist auch an Schreckliches im Kosovo neben der Party in Pristina mit Clinton und Albright zum 20. Jahrestag der Nato-Militärintervention: Der Kosovo-Krieg hat rund 4.500 Landminen und 90.000 explosive Überreste hinterlassen. 120 Zivilisten sind seit 1999 durch Detonationen gestorben. Die Minenräumer im Kosovo sind bis heute damit beschäftigt, die gefährlichen Überreste zu entschärfen. (2)

Die NATO hatte mehr als tausend Streubomben im Kosovo eingesetzt, die in hunderttausende kleine Sprengkörper zersplitterten. Diese Sprengkörper sollten beim Aufschlag sofort explodieren, doch die Fehlerquote liegt zwischen fünf und dreißig Prozent. Die nichtexplodierte NATO-Munition wirkt wie Antipersonenminen und kann durch Berührung ausgelöst werden. (3)

Steigende Krebsraten nach Einsatz von DU-Munition

Zu den Konsequenzen der Bombardierung von Jugoslawien mit abgereichertem Uran im Jahr 1999 hat vom 17. bis 19. Juni 2019 in der Universität Niš, Niš/Südserbien das «2. Internationale Symposium – URAN 238» stattgefunden mit mehr als 300 Teilnehmern, mit Gästen und Vortragenden aus Griechenland, Norwegen, Italien, Deutschland, der Schweiz, Russland, Bulgarien, Nord Mazedonien, Bosnien mit der Republik Srpska, und Malta.

Eine Teilnehmerin dieses Symposium in Niš berichtete: «Die Folge der Bombardierungen der NATO im Kosovo-Krieg mit Bomben und Granaten, auch mit abgereichertem Uran (DU), hatte zur Folge, dass die Krebsraten in Serbien, im Kosovo und in umliegenden Regionen bis heute horrende Ausmaße angenommen haben. Das Thema Uranmunition blieb lange tabu, die Bevölkerung Serbiens und des Kosovo schwieg lange, musste jedoch die massiv und schnell auftretenden Fälle von bösartigen Tumoren und Leukämien in den Familien realisieren.» «Später durfte auch der Irak und Afghanistan den «Segen» radioaktiver und chemisch-toxischer Uranmunition erfahren.»

DU ist ein Alpha-Strahler, ein gen-toxischer Stoff

«DU ist ein Alpha-Strahler, ein gen-toxischer Stoff. Wenn sich dieser innerhalb des Körpers befindet, zum Beispiel durch inhalierten Staub, ist er krebserzeugend. DU ist klassifiziert als Gruppe 1 der krebserzeugenden Substanzen durch die Internationale Agency for research on cancer der WHO, der Weltgesundheitsorganisation. Der in Serbien und Kosovo auftretende Krebs ist äußerst aggressiv, und der Mensch erkrankt schon nach etwa fünf Jahren nach der Exposition. Wollte man diesen Krebs behandeln, bräuchte es exakte chemisch-radiologische und medizinische Analysen, um die angepasste Behandlung festzulegen. Die arme Bevölkerung auf dem Balkan kann das Geld für solche Behandlungen und Abklärungen nicht aufbringen.»

Geld für den US Militärstützpunkt Bondsteel im Kosovo fehlt nicht

An Geld für den Aufbau und den Unterhalt des riesigen US Militärstützpunktes Camp Bondsteel im Kosovo fehlte es nicht, aber es fehlen Mittel für die Behandlungen von Menschen, die durch den Einsatz der NATO von DU-Munition erkrankt sind. Camp Bondsteel wurde kurz nach 1999 gebaut. Die Erstellung des Camps hat 350 Millionen US Dollar verschlungen. Die Anlage umfasst 386 Hektar und ist von einer Mauer umgeben. - Camp Bondsteel ist also fast neunmal so groß wie der Vatikan-Staat in Rom. Die Basis beherbergt 7000 Soldaten der US-Armee und verbündeter Truppen. Von Camp Bondsteel aus wurden auch die Kriege im Nahen Osten und in Nordafrika unterstützt.


US-Militärstützpunkt Camp Bondsteel im Kosovo, 386 Hektar groß (Foto: gemeinfrei)

Rückblick: Ablauf des Kosovokrieges

Die Kosovo-Albaner kämpften lange Jahre gewaltfrei für mehr Rechte und schließlich für die Selbständigkeit. Unter der Führung der kosovarischen UCK, der Befreiungsarmee des Kosovo, begann dann ein Kleinkrieg gegen die serbische Vorherrschaft. Die UCK wurde mit Geld, Waffen und eingeschleusten ausländischen islamistischen Kämpfern durch die USA unterstützt, was heute kein Geheimnis mehr ist. Die UCK finanzierte sich auch durch Drogenhandel. Obwohl damals sehr viele internationale Beobachter der KSZE (Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) im Kosovo waren, die sich für eine friedliche Beilegung des Konfliktes zwischen den Albanern und den Serben einsetzten, griff die NATO nach einem Ultimatum Jugoslawien an, ohne ein Mandat des UNO-Sicherheitsrates. Die Angreifer waren damals also nicht die Serben, sondern die USA mit ihren willigen NATO-Verbündeten. Sie versuchten Jugoslawien in die Steinzeit zurück zu bombardieren, so wie sie später Afghanistan und den Irak mit Bomben und Granaten belegten. Nach 78-tägigen Bombardierungen zwang die NATO den damaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic dazu, seine Truppen aus dem Kosovo abzuziehen und dem Einrücken der NATO-geführten KFOR-Truppe (Kosovo Force der Nato) in die damals serbische Provinz zuzustimmen. Am 12. Juni 1999 zogen die NATO-Soldaten in das überwiegend albanisch bevölkerte Kosovo ein. Die Kosovo-Albaner empfanden dies als Befreiung von einer serbischen Besatzungsherrschaft, viele Kosovo-Serben flohen vor Racheakten der Albaner. Die Verwaltung des Kosovos übernahm die UN-Administration Unmik. (United Nations Interim Administration Mission in Kosovo) 2008 erklärte sich das Kosovo für unabhängig, was von Serbien bis heute nicht anerkannt wird.

UCK war für mehr Tote im Kosovo verantwortlich als die Serben

Die Führer der NATO waren sich vollkommen darüber im Klaren, dass, wie der damalige britische Verteidigungsminister George Robertson am Tag des Beginns der Bombardierung zugab, bis Anfang 1999 war «die UCK für mehr Tote im Kosovo verantwortlich, als die jugoslawischen Behörden es waren». Wie auch die NATO wusste, bestand die UCK-Strategie darin, den Konflikt zu eskalieren, gerade um westliche Aktionen zu provozieren. Ein kosovo-albanischer Führer sagte der BBC hinterher: «Je mehr Zivilisten getötet wurden, desto größer wurden die Chancen für eine internationale Intervention, und die UCK hat das natürlich erkannt.». (4)(5)


Fußnoten

(1) 1999 Bombardierung Ex-Jugoslawiens durch die Nato
https://www.youtube.com/watch?v=ohpBFgncZ-o

(2) https://www.arte.tv/de/videos/086089-040-A/minen-entschaerfen-leben-retten/

(3) https://www.landmine.de/archiv/oeffentlichkeitsarbeit/news/news-detailseite/article/-57c8965fe5.html
(4) The War on Yugoslavia Twenty Years Later: NATO’s First ‘Humanitarian’ War https://www.globalresearch.ca/twenty-years-ago-the-tragedy-of-kosovo/5672492t

(5) Bill Clinton in Kosovo: Reminiscing KLA Terrorism and US-NATO Humanitarian Warfare
https://www.globalresearch.ca/bill-clinton-in-kosovo-reminiscing-kla-terrorism-and-us-nato-humanitarian-warfare/5681382

Online-Flyer Nr. 712  vom 03.07.2019

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