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Aktueller Online-Flyer vom 21. Juli 2019  

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Kultur und Wissen
Betrachtungen zu einem strittigen Thema
Künstliche Intelligenz und die Zukunft des Menschengeschlechts
Von Irene Eckert

Gedankenkontrolle, Speicherung menschlichen Bewusstseins auf Festplatten, Transhumanisierung, Schlagworte angesichts atemberaubender Möglichkeiten der Digitalisierung, die menschliche Vernunft in die Wege geleitet hat. Neue Tiefenängste werden berührt. Ist der Mensch im Begriff sich selbst abzuschaffen? (2) Nun ging allerdings der technische Fortschritt seit jeher mit schwerwiegenden Besorgnissen einher. Die Maschinenstürmer des 18. Jahrhunderts wandten sich in ihrer Verzweiflung gegen die ihre Handarbeit entwertenden neuen Einrichtungen. Das Elend der schlesischen Weber führte zu Aufständen und bot Stoff für zeitüberdauernde Artefakte (3). Die Zeit ging darüber hinweg. Demokratisierung und Sozialisierung sorgten, wenn auch nach verheerenden Kriegen, immerhin vorübergehend für einen gewissen Wohlstand, der auf dem Fortschritt der Technik ruhte. Heutige Digitalisierungs-Ängste reichen aber tiefer und greifen weiter als jene der um den Verdienst ihrer Arbeit gebrachten Weber im 19. Jahrhundert. Werden sich selbst erneuernde Algorythmen und 'ihre' Roboter nicht nur Millionen Menschen innerhalb der nächsten Jahrzehnte arbeitslos machen, sondern werden einmal programmierte Computer tödliche Waffensysteme beherrschen und 'denkende' Maschinen am Ende das Menschengeschlecht ersetzen? Die Abschaffung des Menschen durch den Menschen steht auf dem Spiel. So jedenfalls warnte noch kurz vor seinem Tode, Steven Hawkings, der Newton der Neuzeit (4).

    „Artificial intelligence is the future, it comes with colossal opportunities, but also threats difficult to predict.” Putin (1)

    „Welch ein Meisterstück ist der Mensch! wie edel durch Vernunft! wie unbegrenzt in seinen Fähigkeiten!” Shakespeare, Hamlet, 1609

    „Erkühne dich, weise zu sein.“ Friedrich Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen, 1795

Warnungen vor der künstlichen Intelligenz nehmen insbesondere zu, seit sich abzeichnet, dass China die Weltspitze auf diesem Terrain bereits erobert hat. (5) Die Amerikaner, bis dato in der Führungsposition auf dem Gebiet der Computerintelligenz fürchten sich davor, ihre Pol-Position an die in ihren Augen bedrohlich undemokratischen Chinesen zu verlieren.

Journalisten wie Geseko von Lüpke oder der Medizinprofessor und Bioethikexperte Ral Jox fragen mahnend, ob angesichts des rasenden Fortschritts auf dem Gebiet von Technik und Naturwissenschaft die Menschheit nicht besser beraten sei, wenn sie mehr in die Weiterentwicklung des Homo Sapiens investieren würde. Es gälte dadurch noch unentdeckte Potentiale des inneren Menschen zu entdecken, Bewusstsein zu weiten anstelle von technischer und digitaler Aufrüstung. Auch der alternative Nobelpreisträger Nicanor Pertas, philippinischer Soziologe und Umweltaktivist, meint, wir sollten mehr investieren in die Entwicklung unseres persönlichen, emotionalen, unseres geistigen Lebens, aber auch in unser Zusammenleben als Gemeinschaft.
 
Mehr Investition in Naturbeherrschung oder Humanwissenschaft?


Der Streit um die Prioritätensetzung zwischen Naturerkundung und/oder Menschheitsfortschritt ist uralt. Er beginnt nicht erst mit der Geburt der modernen Naturwissenschaften in der Folge des Renaissancezeitalters, indem bereits fortschrittliche Modelle über das menschliche Zusammenleben entwickelt wurden. Solches Nachdenken begann schon in der Antike mit Platons 'Politeia'.

Dem Menschen gemäßes, ethisches Denken über einen förderlichen Einsatz seiner Vernunft, über eine würdigere Organisation seines Zusammenlebens wurde aber von herrschenden Eliten stets marginalisiert oder gar kriminalisiert. Schließlich profitieren diese damals wie heute von den bestehenden Unrechtsverhältnissen, die es nicht zulassen, dass Erkenntnisse über Mensch und Natur allen zugute kommen. Der ungewöhnlich gebildete Lordkanzler Thomas More, Verfasser der Utopia (6) wurde trotz seiner hohen gesellschaftlichen Position unter Heinrich VIII hingerichtet, weil er dessen uneingeschränkte Machtausübung hinterfragte, weil seine unzeitgemäßen, seine humanen Fortschrittsideen das Potential hatten, die zementierten Unrechtsverhältnisse ins Wanken zu bringen.

Investitionen in den geistigen und zivilen Fortschritt haben deren Erfinder und Entwickler aus genau diesem Grund in den meisten Fällen mit Verketzerung oder gar mit ihrem Leben bezahlt, während ihre Kollegen, die der Technisierung auf die Sprünge halfen, gehätschelt und getätschelt wurden. (7) Technische Erfindungen lassen sich schnell in bare Münze umsetzen, humaner Fortschritt braucht guten Willen und einen langen Atem. Die Humanwissenschaften werden bis heute, in der noch vom Kapitalismus dominierten Welt, aufs Äußerste vernachlässigt, da sie keinen kurzfristigen Profit versprechen. Kognitionsforschung dient unter solchem Diktat alle Male der Erkundung von Manipulationsmöglichkeiten, denn Befehlsempfänger brauchen weder Bewusstsein noch sollen sie denken. Die Folgen für die menschliche Spezies sind entsprechend fatal.

Die gute Botschaft ist allerdings auch vorhanden und in doppelter Weise bedeutsam: Keine Strafe der Welt konnte bisher den Homo Sapiens davon abhalten, sich über eine geistreichere und egalitär strukturierte Gesellschaftsordnung Gedanken zu machen. Von Platons „Politeia“ über die Botschaft Jesu Christi, die den Kommunismus begründete, den Koran des Propheten Mohammed und seine die menschliche Würde achtende Gerechtigkeitslehre, über den idealen Staat der Seligen in Thomas Morus' 'Utopia', über Campanellas 'Sonnenstaat' bis hin zum 'Kommunistischen Manifest' oder das im amerikanischen Exil verfasste 'Prinzip Hoffnung' des deutsch-jüdischen Philosophen Ernst Bloch. Alle die Genannten schufen Grundlagen für ein bewussteres Menschsein und ein besser strukturiertes Zusammenleben der Menschen untereinander.

Technischer Fortschritt unter kapitalistischen Vorzeichen immer zwiespältiger Natur

Der technische Fortschritt, in den so viel menschliche Intelligenz, in den seit eh und je unendliche Mittel fließen, kam im gesamten Anthropozoikum in den meisten Fällen nur einer kleinen Minderheit zugute. Meist trug er zur Perfektionierung der Kriegskünste bei.

Die große, bedeutungsvolle Ausnahme bildete zunächst die Sowjetunion. Dort wurde in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit Hilfe deutscher und amerikanischer Ingenieure die Naturbeherrschung in den Dienst aller Bürger gestellt. Während des ersten Fünfjahresplans der Jahre 1928–1932 erlebte die Sowjetunion dabei einen mit enormen Wachstumsraten einher- gehenden, beispiellosen Transformationsprozess von einem reinen Agrarstaat zu einem Industriestaat. Der Prozess der Industrialisierung war bereits nach der Oktoberrevolution von Lenin angedacht, der die Umgestaltung des Landes unter die vereinfachende, aber zündende Losung „Kommunismus gleich Sowjetmacht plus Elektrifizierung“ gestellt hatte. Bezeichnender und zugleich verhängnisvollerweise wird diese Geschichtsperiode in den heute die Gehirne beherrschenden Konzernzentralen als eine besonders brutale Zeit, als eine fürchterliche Einmann-Diktatur verketzert. Um dieses vermeintlich barbarische, als 'jüdischer ' Bolschewismus diffamierte Regime zu zerstören und das gesamte Sowjetvolk zu versklaven, wurde Hitler-Deutschland nicht nur von den eigenen Waffenschmieden, sondern mit großzügiger Unterstützung der Siegernation des Ersten Weltkriegs massiv aufgerüstet. Der rasch wachsende strategische 'Rivale' Sowjetrussland musste um jeden Preis am Erfolg gehindert werden. Das galt insbesondere, weil damals wie heute in den Tiefen Russlands fast alle verfügbaren Rohstoffe der Erde lagern. Diesem entstehenden Volksparadies musste der Garaus gemacht werden, noch in der Wiege. Die Logik des Profits gebot es. Die Verunglimpfung der heutigen russischen Führung folgt der gleichen 'Logik', der gleichen Unvernunft.

Nicht der technische Fortschritt ist das Problem, sondern die Mächte, die über ihn gebieten

Was auch immer man uns über die Zeit zwischen den zwei großen Kriegen zu denken vorschreibt, in Wirklichkeit war es ganz anders. Künftige Forscher werden einmal auch die letzten schwarzen Mythen über die Stalin-Ära lüften (8). Kein Zweifel aber kann darüber herrschen, dass in jener Epoche die Völker der Sowjetunion um eine Kulturstufe vorwärts gehoben, viele erstmals alphabetisiert wurden. Die Lesefreudigkeit und das exponentielle Anwachsen der Buchproduktion sprechen davon Bände. Die 'Ingenieure der Seele', wie man damals nach einem geflügelten Stalinwort die Literaturproduzenten respektvoll zu nennen begann, wurden in diesen frühen Sowjetjahren genauso hoch geachtet wie die technischen Ingenieure. Ziel der gesellschaftlichen Planung war nämlich bis 1953 (9) nicht nur die Anhebung des materiellen Niveaus eines ganzen Volkes, das noch unter der Knute des Zaren aufgewachsen war, sondern auch die Schulung des Geistes, die Schulung der Seelenkräfte mit Hilfe wissenschaftlich und sozial geschulten Denkens. Die dadurch möglich werdende Freisetzung gewaltiger, schöpferischer Kräfte halfen dem Sowjetvolk den Sieg über die damals größte Armee der Welt zu erringen. Obwohl die UdSSR durch Sabotage, Verrat und mittels jahrzehntelanger ausländischer Intervention durch die rivalisierenden westlich-kapitalistischen Nationen (10) am Ende doch niedergerungen und zerstört wurde, die gemachten Erfahrungen sind in die Seele der russischen Nation eingeschrieben. Was die Menschheit einmal gelernt hat, vergisst sie nicht völlig. Das Wissen und die akkumulierten Erfahrungen werden weiter gereicht.

Wenn heute in US-Amerika Zweifel aufkommen, wenn gar das Silicon Valley bangt um die verhängnisvollen Einsatzmöglichkeiten künstlicher Intelligenz (11), so ist das im Prinzip gut und nicht schlecht, aber das treibende Motiv bleibt dort ungebrochen kommerzieller Natur. „Die Technologie wird universaler eingesetzt als je zuvor. 2019 fließen laut BCG 40 Prozent aller digitalen Investitionen in KI. Wo sie können, stellen entwickelnde Konzerne ihre noblen Ziele heraus.“ (12)

Wenn China heute die Spitzenposition in der KI innehält so ist das gut und nicht schlecht

Lange genug war die kapitalistische Supermacht US-Amerika auf allen Gebieten tonangebend. Für einen kurzen historischen Moment bestimmte sie, seit dem absichtsvoll und zielgerichtet herbeigeführten Ende des Sozialismus die Geschicke der Welt. Sie führte der Menschheit eindrucksvoll vor Augen, wozu sie, immer im Bunde mit den ihr hörigen Vasallen, fähig war und noch ist: Morden, Brandschatzen, Zerstören ganzer Staaten und ihrer Jahrhunderte alten Kulturen, Förderung terroristischer Banden und so genannter Contras. Von Hiroshima nach Nordkorea, über den Iran 1953-1979, Vietnam 1964-1975 (13), Jugoslawien 1999, über Afghanistan ab 2001, Irak 2003, Libyen 20011, Syrien 2012, und wenn es nach ihrem Willen ginge auch Venezuela, in seinem vermeintlichen Hinterhof Lateinamerika. Mit an die 1000 Militärbasen weltweit (14) sichert US-Amerika noch seinen Einfluss ab, aber in Syrien und in Venezuela wurden ihm erstmals Grenzen gesteckt. Dies geschieht von seiten Russlands im Bunde mit der aufstrebenden Weltmacht China und dem Iran.

Nicht länger ist die kapitalistische Weltmacht unangefochten in der Lage, anderen Nationen ihre Bedingungen zu oktroyieren. Zuhause verkommt die Infrastruktur, die Stellung des Dollars wankt, und die Werkbank der Welt ist inzwischen das kommunistisch geführte China. (15) Wenn China nun auch auf dem Gebiet der Digitalisierung und der KI führt, dann ist das in der Tat gut und nicht schlecht und zwar aus verschiedenen Gründen. Die Konkurrenz führt zur Infragestellung und lässt erstmals den Zweifel am Machbarkeitswahn zu. Die Multipolarisierung zwingt langsam aber sicher zur Diplomatie und Kompromissfindung und beendet damit perspektivisch die endlosen Interventions- und Regime-Change-Kriege. Was aber noch viel wichtiger scheint: Chinas Aufstieg gründet auf uraltem Weisheitswissen in Verbindung mit marxistischem und damit der Humanisierung des Menschen entgegen kommendem Gedankengut. Während Laotse und Konfutse die Herrschaft bändigen und in vernünftige Bahnen lenken wollten, zielt der in China staatstragende Marxismus-Leninismus darauf, die Herrschaft des Menschen über den Menschen gänzlich zu überwinden. Noch ist die Volksrepublik China allerdings ein überwiegend vom Kapitalismus vorangetriebenes Land, allerdings unter entschiedener, kommunistischer Führung. Diese beweist seit nunmehr 30 Jahren, dass es gelingen kann, dem Kapitalismus Fesseln aufzuerlegen und ihn zu somit zum Wohle des Volkes und schließlich auch zugunsten der Welt vor sich her zu treiben. „Chinas Erfolg beweist, dass es Alternativen zu dem vom Westen angebotenen Modell gibt“ zitiert Theo Sommer die Frau Fu Ying, Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Nationalen Volkskongress (16).

In seinem neusten Buch „China First“ konzidiert Sommer, dass es dem wachsenden Wohlstand der Chinesen zuzuschreiben ist, dass die Zufriedenheit mit dem „Regime“ im 1,4 Milliarden Volk wächst. Die Beseitigung der Armut auf dem Lande gehört zu den Hauptaufgaben, denen Xi Jinping sich laut Sommer verschrieben hat. Die Sparquote der Chinesen beträgt außerordentliche 48 % wie die kanadische Beraterfirma Alpine Macro bescheinigt. Die Chinesen legen insgesamt jährlich 6000 Milliarden Dollar zurück. „Friedlich solle sich der Aufstieg Chinas vollziehen, nicht durch Invasion, Kolonisierung, Expansion oder gar Angriffskriege im großen Stil.“ erläutert Zhen Bijan, Direktor der Zentralen Parteihochschule 2005 in 'Foreign Affairs' (17). „Die Chinesen haben einen Sinn für das Vernünftige und das Praktische, und sie haben viel Menschliches an sich“ zitiert Sommer bereits vor 40 Jahren einen Diplomatenfreund in Peking. (18) Obwohl das flächenmäßig drittgrößte Land der Welt mit der längsten Landgrenze der Erde nur über eine Militärbase in Dschibuti, am Horn von Afrika, verfügt, ist es andererseits zum wichtigsten Entwicklungshelfer Afrikas geworden. Es bietet der ganzen Welt im Rahmen des Seidenstraßenprojekts und anderer Formate Kooperation auf der Basis von Win-Win-Geschäften an. Sogar Kanzlerin Merkel bediente sich in ihrer jüngsten Rede auf der Münchner SIKO dieser Formel. China hat Rückenwind und führt die Reform des „Global Governance Systems“ unter dem Aspekt der Fairness und der Gerechtigkeit an (19)“.

Die chinesische Regierung respektiert die Souveränität der Empfängerländer von Entwicklungshilfe und stellt niemals irgendwelche Bedingungen, verlangt keine Privilegien. Das gilt bis heute, meint Theo Sommer (20). Im Gegenzug verlangt die große Nation den gegenseitigen Respekt, die Achtung gegenüber der Souveränität, Würde und territorialen Integrität der Partnerländer. Dafür setzt China seine enormen Kapitalreserven, sein Ingenieurs-Knowhow, seine Produktions- und Baukapazität ein. Um der Globalisierung ein chinesisches, ein humanes Gesicht zu geben, vereinfacht China den Handel. Mit Hilfe der Belt and Road Initiative (BRI) verbindet es Länder durch Straßen, Eisenbahnen und Häfen miteinander und sichert so die Konnektivität. Ziel der Chinesischen Politik ist aber erklärtermaßen die weitere Anhebung des Lebensstandards des chinesischen Volkes. Der KP Kongress von 2017 hielt fest: Das materielle Wachstum muss in ein mehrdimensionales System des besseren Lebens eingebettet werden, einschließlich des Glücks der Menschen. (21)

Ein Volk, dessen gesetzlich verankerte Politik sich solche Ziele setzt, ein Volk das Umweltschutz zur höchsten Priorität macht, dem ist am Ende auch zuzutrauen, dass es die Digitalisierung zum Nutzen der Menschen zu entwickeln und einzusetzen versteht, und zwar in Zusammenarbeit mit seinen Partnern. Darauf jedenfalls müssen wir hoffen. Dass es der chinesischen Nation gelungen ist, sich nach einem Jahrhundert der Versklavung wieder aufzurichten, Millionen Menschen von der Geisel des Hungers zu befreien ist ein solider Grund zum Optimismus. Die Tatsache, dass das große Kulturland bereit ist, den nach wie vor darbenden Völkern der südlichen Hemisphäre seine Erfahrungen anzubieten, und zwar auf der Basis gegenseitigen Vorteils, gibt weiteren Anlass zur Hoffnung.

Darüber hinaus müssen wir darauf vertrauen, dass der menschliche Verstand das, was er geschaffen hat, auch zu beherrschen in der Lage ist. Erkühnen wir uns im Schillerschen Sinne weise zu sein. Haben wir als kluge Menschen den Mut, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen, wissend dass das wo ein (kollektiver) Wille ist, auch immer ein Weg sich eröffnet. Schauen wir hinaus über unseren eigenen Tellerrand, überschreiten wir den von unseren Oberen vorgegeben Horizont. Befreien wir uns von den uns lähmenden Ängsten und vertrauen wir dabei auch auf das vorbildhafte Wirken und die Zusammenarbeit jener Nationen, die der Kriegsfront entschieden Einhalt zu gebieten bereit sind.

Verteidigen wir den Wert und die Sinnhaftigkeit des nach schweren Kräften errungenen Völkerrechts, wie es vor allem in der UN-Charta und den nachfolgenden, auf ihr fußenden Konventionen fest gemeißelt ist.

Überwinden wir die kleinlichen Egoismen und verteidigen wir die großen Errungenschaften des Menschseins und der enormen geistigen Leistungen, die das Menschengeschlecht hervorgebracht hat, vertrauend darauf, dass es Lösungen für alle ihm gestellten Aufgaben finden kann.

Lernen wir von den Chinesen, uns unsere eigenen Klassiker wieder wertschätzend anzueignen und von ihnen für die Gegenwart zu lernen. Vom Menschen geschaffene künstliche Intelligenz wird dann dazu führen, unser aller Los zu verbessern.


Fußnoten:

1 Der KI gehört die Zukunft, sie birgt kolossale Möglichkeiten … aber auch Gefahren in sich, die sich nur schwer prognostizieren lassen. Wer immer auf diesem Gebiet die Führungsposition einnimmt, der wird die Führungsrolle in der Welt innehaben. 1.9.2017, Übersetzung I.E.

2 Die Digitalisierung hat in nur wenigen Jahrzehnten unsere Lebenswirklichkeit bis fast in den letzten Winkel durchdrungen. Und viele ihrer Errungenschaften sind uns heute unentbehrlich. Doch wir stehen auch an einer Schwelle. Schon bald konnten Algorithmen und kunstliche Intelligenz bestimmen, was es bedeutet, Mensch zu sein. Denn diese rasanten technologischen Entwicklungen werfen viele politische, soziale und weltwirtschaftliche Fragen auf, die kaum diskutiert werden. Es ist also Zeit, dass wir uns neu bewusst zu werden, wer wir sind und warum wir den Computern und Cyborgs nicht unsere Zukunft überlassen wollen. (Geseko von Lüpke: Mensch & Maschine)
https://www.evolve-magazin.de/blog/menschundmaschine/

3 Etwa: Heinrich Heine
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_schlesischen_Weber
oder das Bild von Carl Wilhelm Hübener 1844

4 Ob künstliche Intelligenz uns vernichten oder ignorieren wird, könnten wir jetzt noch beeinflussen. ... Video: Stephen Hawking warnte vor seinem Tod vor "Supermensch" …Mittwoch, 13.05.2015, 21:22, Stephen Hawking warnt vor künstlicher Intelligenz. Im Laufe der kommenden hundert Jahre werden Computer intelligenter sein als Menschen, sagt er. Dann stellt sich die Frage, ob die erschaffene Intelligenz noch kontrollierbar sei.
https://www.focus.de/wissen/technik/wird-man-sie-kontrollieren-koennen-stephen-hawking-warnt-in-100-jahren-sind-computerintelligenter-
als-menschen_id_4681638.html


5 Brave New World of Chinese AI, as described by a new article in MIT Technology Review. It’s a scenario that raises chills, and not just for lovers of civil liberties. The U.S. has been the center of AI research, going back to the 1950’s. The danger is that we may be losing that leadership to a country which has no compunctions (Gewissensbiss) about the dark side of “machine learning” ...
https://www.forbes.com/sites/arthurherman/2018/08/30/chinas-brave-newworld-of-ai/#17e85d3c28e9
Andererseits schreibt George Gilder in seinem neuen Buch Life After Google, AI is nothing more than a way to sift data faster via embedded neural networks. It creates nothing new and invents nothing new. Artificial intelligence can’t function without human beings to program and operate it, let alone replace them.
Man höre auch das interessante Interview mit Jürgen Richter, Direktor der Stiftung Horasis/Global Vision Community im Gespräch mit Oksana Boyko, demgemäß die Chinesen bereits führend in der KI-Technologie sind
https://www.rt.com/shows/worlds-apart-oksana-boyko/452902-economics-justice-globalization-trump/

6 http://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/utopia-thomas-more-entwarf-eine-ideale-gemeinschaft-a-936340.html

7 Zu wenig Beachtung finden etwa die großartigen Gedanken dazu in Brechts 'Galileo Galilei' oder auch in die 'Physiker' von Dürrenmatt oder 'In der Sache Reiner J. Oppenheimer' von Heinar Kipphardt. Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch über den Transfer von NS-Wissenschaftlern in die USA nach der NAZI-Niederlage 1945. US-Immigrationsgesetze wurden dabei großzügig umgangen.

8 Damit begonnen hat bereits u.a. der italienische Philosoph Dominico Losurdo 2008 mit seiner Schrift „Stalin - Geschichte und Kritik einer schwarzen Legende“ (dt. Köln 2012)

9 Todesjahr Stalins

10 Siehe dazu Sayers/Kahn, Die große Verschwörung gegen Russland, erstveröffentlicht New York, 1946, Kurt Gossweilers „Taubenfußchronik oder die Chruschtschowiade, München 2002. Die In ihrem ersten Band vorliegende Arbeit Kurt Gossweilers ist ein politisches Tagebuch, das von 1953 an die verhängnisvollen Vorgänge in der Sowjetunion und in der übrigen sozialistischen Welt registriert und kommentiert. Ergänzt wird es durch Ausarbeitungen verschiedenster Art zum modernen Revisionismus und durch Briefe an Freunde, in denen der Autor zu diesen Entwicklungen Stellung nimmt. Das politische Tagebuch besteht seinerseits aus zwei Hauptteilen. In Teil I - niedergeschrieben in den Monaten Dezember 1956 bis Januar 1957 - ließ ich an Hand von Zeitungsnotizen noch einmal die Ereignisse vom März 1953 - vom Tode Stalins also - bis Ende 1956 Revue passieren, um einen durch die Ereignisse in Ungarn verstärkten bestimmten Verdacht, die Rolle Chruschtschows betreffend, zu widerlegen oder zu verifizieren. Diese Überprüfung führte zu dem Ergebnis, daß der Verdacht begründet war daß mit diesem 'Reformer' in Wahrheit ein Antikommunist an die Spitze der Partei Lenins gelangt war - so unwahrscheinlich das auch mir erschien und allzuvielen auch heute noch erscheint, trotz vorliegender Beweise." Siehe auch andere Schriften des Faschismusforschers und die Arbeiten Grover Furrs u.a. „Chruschtschows Lügen“ dt. 2015 „In seinem 2011 in den USA erschienenen und seither in acht Sprachen übersetzten Buch »Chruschtschows Lügen« kommt Grover Furr mit der äußersten Vorsicht des strikt quellengestützt arbeitenden Historikers zum Ergebnis: Die »Geheimrede« von 1956 hält in keiner ihrer Aussagen der Konfrontation mit Archivquellen und Zeugenaussagen stand.“ Auf der sogenannten Geheimrede aber, die zuerst in der New York Times veröffentlicht wurde, ruhen die Grundlagen der Verleumdung Stalins, seiner endlichen Verkehrung in eine Ungeheuer.

11 „Vor dem Hintergrund eines drohenden Imageverlusts sucht die Branche nach einem ethischen Kompass für KI.“„Für mehr als ein Jahrzehnt konnten wir uns damit davonstehlen, dass wir sagten, wir ,disrupten‘ alles“, so Goldman. Doch plötzlich würden Wahlen gehackt, es gebe die Angst, dass Technologien die Intelligenzentwicklung von Kindern negativ beeinflusse...“ „Die meisten Investoren sehen ethische Probleme bei Technologien immer noch als ein PRRisiko. Dabei ist es ein unternehmerisches Risiko”, kritisiert Goldman. Betroffene Firmen verlören Talente, müssten regulatorische Eingriffe befürchten.
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/gefaehrlicher-kontrollverlust-das-silicon-valley-denkt-nach-demfacebook-
skandal-bei-kuenstlicher-intelligenz-um/23681642.html?ticket=ST-1496048-3UHmaZHOAcZDGeDy3Gx2-ap5


12 Siehe Handelsblatt, Fußnote 12 bedenklich stimmt folgende Aussage: „Einem KI-System beizubringen, sich ethisch zu verhalten, ist unmöglich”, erklärt Design-Professorin Vallor, die an der Universität Santa Clara lehrt. „Aber wir können Maschinen beibringen, sich so zu verhalten, dass wir es ethisch akzeptabel finden.” ebd.

13 Die Amerikaner warfen acht Millionen Tonnen Bomben auf Vietnam ab - dies entsprach rund 15 Millionen Tonnen Sprengstoff, mehr als doppelt so viel wie im Zweiten Weltkrieg. Der Krieg in Vietnam forderte drei Millionen Todesopfer, zwei Millionen waren Zivilisten. Schuld daran waren vorwiegend die Flächenbombardements der US-Luftwaffe...
https://www.mdr.de/zeitreise/weitere-epochen/zwanzigstes-jahrhundert/chronik-vietnamkrieg102.html

14 https://www.nachdenkseiten.de/?p=37010

15 Nur zwei Literaturhinweise mögen dies untermauern: Werner Rügemeer, „Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts“, Köln 2018 und Theo Sommer „China First“ , Hamburg 2019 (C. H. Beck)

16 S. 180 ebenda

17 Ebda. S. 178

18 Ebd. S. 55

19 Ebd. S. 180

20 Ebd. S.220

21 Werner Rügemer Kapitalisten des 21. Jahrhunderts , a.a.O. S.286

Online-Flyer Nr. 695  vom 06.03.2019

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