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Aktueller Online-Flyer vom 20. März 2019  

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Glossen
Ein fiktives Geheimdienstlergespräch
Weihnachtsmarkt als Schützenfest oder Gladio 2.0 in Aktion
Von Ullrich Mies

Wenn Gelbwesten unseren Weißwesten zu viele Schwierigkeiten bereiten, dann muss eine Lösung her. Gelbwesten müssen nicht nur von der Straße, sondern vor allem raus aus den Medien. Für diese Drecksarbeit haben Weißwesten extra ausgebildete Schmutzwesten unter Vertrag, damit sie ihnen die Kartoffeln aus dem Feuer holen. Hier der etwas fragmentarische und aus dem französischen übersetzte Mitschnitt eines Geheimgesprächs, das einige Tage vor dem Straßburger Anschlag geführt und der Redaktion aus gut unterrichteten Kreisen zugespielt wurde. Offensichtlich handelte es sich um letzte Abstimmungen zwischen Agenten verschiedener Abteilungen. Kurz danach verwandelte Chérif Chekatt – so die offizielle Legende – den Straßburger Weihnachtsmarkt in ein widerwärtiges Schützenfest der besonderen Art.

    „Also Jungs, die Nummer mit den Lieferwagen und LKWs haben wir jetzt schon oft genug gebracht, die Zentrale will, das wir das jetzt anders machen.“

    „Absolut, noch so eine Nummer wie in Nizza oder Berlin wär wirklich nicht gut. Zu viele Mitwisser, zu viele Unwägbarkeiten. Wir müssen auf den durchgeknallten islamistischen Einzeltäter setzen.“

    „Einzeltäter, genau.“

    „Das geht in die richtige Richtung, Einzeltäter. Wir arbeiten das jetzt aus.“

    „Also wir liefern den Chérif Chekatt ans Messer. Kleine Mistratte mit Riesenlatte…“

    — schallendes Gelächter —

    „… an die 30 Straftaten oder so, die ganze Klaviatur rauf und runter.“

    „Arabischer Name, braune Hautfarbe, hochkriminelles Milieu, hier geboren. Ideale Kombination. Im Knast radikalisierter Gewalttäter. Die machen eh nur Scheiße hier.“

    „Superkombi. Wie viele Jahre hat der zu erwarten? Und wie viel haben die dem als Strafnachlass angeboten?“

    „Der Kontakt-Mann hat ihm Straffreiheit zugesichert, wenn er das macht, plus 50.000 Dollar on top, neuer Pass und Ticket nach Marokko.“

    „Wo jetzt? Straßburg oder Colmar?“

    „Straßburg ist festgelegt, Top-Weihnachtsmarkt.“

    „Hat Chérif Vorgabe, wie viele er mitnehmen soll?“

    „Ja, so 3 oder 4 und 10 Verletzte oder so, dann mission accomplished!“

    „Der muss aber ‚Allahu Akbar‘ rufen, und das mehrfach“

    „‚Allahu Akbar‘ ist Befehl von oben und damit Teil der Abmachung.“

    „Ohne ‚Allahu Akbar‘ läuft gar nichts.“

    — alle lachen —

    „Wenn der mit seiner Arbeit fertig ist, sofort seinen Namen an die Presse.“

    „Ist organisiert, was er dann machen soll?“

    „Der soll zur Rue d’Epinal 10 laufen, sich im Garten verstecken. Dann Suche auf Hochtouren. Polizei hat Anweisung nur die Häuser 3, 5 und 7 zu durchsuchen.“

    „Geht doch.“

    — Gelächter —

    „Dort soll Cherif 3 Stunden warten bis die Luft rein ist, dann hol ich ihn mit dem Taxi ab. Ihr müsst freies Geleit zur Rue de Lazaret 74 sichern. Da sind ihm die 50.000 Dollar, Pass und Ticket versprochen.“

    „In der Rue de Lazaret 74 kriegt er von Team X den Finalschuss. Wenn der aber Scheiße bauen sollte und abhaut, erschießen wir einen anderen von der gleichen Sorte. In jedem Fall ist Order, den Fall am 13.12. abzuschließen, damit der Weihnachtsmarkt weiter laufen kann.“

Soweit der Mitschnitt des fiktiven Geheimdienstlergesprächs.

Der politische Hintergrund ist der, dass sich die französischen Weißwesten bei der Umsetzung ihrer neoliberalen Agenda, bei Sozialabbau, bei Privatisierungswahn und Volksverarmung nicht von Gelbwesten in die Suppe spucken lassen wollen. Schließlich soll alles seinen geordneten neofeudal-marktradikalen Weg nehmen. Die Angstproduktion und die „Strategie der Spannungen“ waren für die Katz: denn die Gelbwesten machen weiter.


Erstveröffentlichung bei Rubikon

Online-Flyer Nr. 688  vom 26.12.2018

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Von Kostas Koufogiorgos
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