NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 15. Oktober 2018  

zurück  
Druckversion

Krieg und Frieden
Dokumentation eines Projekts für Frieden, Völkerverständigung und Menschenrecht
Die Kölner Klagemauer muss leben (120)
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Walter Herrmann starb am 26. Juni 2016. Sein Leben lang hat er nicht aufgegeben. Auch 1996 nicht, als die Klagemauer auf Betreiben von Stadt und Kirche geräumt worden war. Seine Reaktion: es geht natürlich weiter! „Wenn ihr es so haben wollt, dann säht nur weiter Wind. Der Sturm kommt zu euch zurück, wenn wir weiter ohne Klagemauer sind. Der Kampf geht weiter.“ „Jahrelang war ich stolz auf kölsche Toleranz, weil die Klagemauer hier war…“ „Kompliment für die Klagemauer! Welches andere Kunstwerk hat in unseren Tagen einen solchen Erfolg gehabt, dass sein Standort nach der Räumung weitläufig abgesperrt und polizeilich beschützt werden muss?! Diese Nacht-und-Nebel-Räumung ist ein schöner Erfolg der Klagemauer!“ „Der Dom ohne Klagemauer bedeutet Kirche ohne Herz und Stadt ohne Wärme“ „Als man mich in der Schule einmal fragte, was ich später werden wolle, sagte ich: glücklich und friedvoll! Ich hätte die Frage falsch verstanden, sagte man mir. Ich aber antwortete, sie hätten das Leben falsch verstanden! Frieden!“ So steht es auf fünf der zahllosen Klagemauer-Karten. Am 26. Januar 2018 wäre Walter Herrmann, der "Hausmeister der Klagemauer", wie er sich selbst einmal bezeichnete, 79 Jahre alt geworden. Sein Einsatz für den Frieden und den Kampf um die öffentliche Meinungsäußerung im öffentlichen Raum – mit einfachsten Mitteln wie Pappkartons und Schnur – bleiben sein ungeahnt wertvolles Vermächtnis im Kultur- und Medienstreit der "digitalen" Gesellschaft. Walter Herrmann ist tot, doch seine Idee ist lebendiger denn je. Deshalb soll sein Werk fortgeführt werden durch Kunst- und Kulturschaffende und Friedens-AktivistInnen. Nähere Informationen auf Anfrage an: redaktion@nrhz.de


Die Passanten am Dom sind aufgefordert, Ihre eigene Friedensbotschaft auf einer Karte der Klagemauer zu hinterlassen. So ist ein interaktives Friedenskunstwerk von Weltrang entstanden.

Um dem Klagemauer-Projekt eine zusätzliche Wirkung zu geben, dokumentieren wir im wöchentlichen Rhythmus – beginnend einen Tag nach Walter Herrmanns 77. Geburtstag am 26. Januar 2016 – die von Passanten geschriebenen Karten-Botschaften. In den Folgen 1 bis 18 stand das Thema Palästina im Mittelpunkt. Ab Teil 19 und hier jetzt in Teil 120 sind Karten aus einem breiteren Themenspektrum zusammengestellt:


1417. Wenn ihr es so haben wollt, dann säht nur weiter Wind. Der Sturm kommt zu euch zurück, wenn wir weiter ohne Klagemauer sind. Der Kampf geht weiter.


1418. Jahrelang war ich stolz auf kölsche Toleranz, weil die Klagemauer hier war…


1419. Kompliment für die Klagemauer! Welches andere Kunstwerk hat in unseren Tagen einen solchen Erfolg gehabt, dass sein Standort nach der Räumung weitläufig abgesperrt und polizeilich beschützt werden muss?! Diese Nacht-und-Nebel-Räumung ist ein schöner Erfolg der Klagemauer!


1420. Manchmal schäme ich mich, zur katholischen Kirche zu gehören. Aber nie werde ich mich schämen, Christ zu sein. Die Klagemauer muss ihren Platz in unseren Herzen finden. Allen Menschen, die hier stehen bleiben, wünsche ich „Frieden und alles Gute“.


1421. Ihr Ankläger und Richter gegen das Klagen: Meint ihr, die Klagen wären nun aus der Welt?


1422. Klagemauer [seit] 15.01.1991 – Aktion: Walter Herrmann, allabendlich 17 bis 22 Uhr, Domplatte, Sperrgitter


1423. Friede: ein Akrobat auf dem Seil


1424. Der Dom ohne Klagemauer bedeutet Kirche ohne Herz und Stadt ohne Wärme


1425. Ein Krieg ist wie ein Streit unter Kindern: keiner will ihn begonnen haben und keiner will damit aufhören. (Rabindranath Tagore) – Unglücklicherweise ist die seelische Konstitution, für welche unumschränkte Macht über Andere ein Genuss ist, unter „zivilisierten“ Völkern viel weiter verbreitet, als man gemeinhin annimmt, (Peter Bamm) – Wer nicht weiß, dass er eine Maske trägt, der trägt sie am besten. (Fontane)


1426. Als man mich in der Schule einmal fragte, was ich später werden wolle, sagte ich: „glücklich und friedvoll!“ Ich hätte die Frage falsch verstanden, sagte man mir. Ich aber antwortete, sie hätten das Leben falsch verstanden! Frieden!


1427.


1428. Befreit Palästina!


Copyright der Karten-Reproduktionen: Förderkreis Kölner Klagemauer für Frieden e.V.

Ihr könnt uns und das Klagemauer-Projekt unterstützen, indem Ihr fremdsprachige Kartentexte ins deutsche übersetzt und uns die Übersetzungen unter Angabe der Kartennummer zukommen lasst (an arbeiterfotografie@t-online.de)



Siehe auch:

Dokumentation der vorangegangenen Woche (119):
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25027

Online-Flyer Nr. 668  vom 18.07.2018

Druckversion     



Startseite           nach oben

KOSTARIKATUREN


Von Kostas Koufogiorgos
FOTOGALERIE