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Aktueller Online-Flyer vom 19. Dezember 2018  

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Globales
Zur Absage des Treffens der Staatschefs von Nordkorea und USA, Kim und Trump
Wie von der Tarantel gestochen
Von Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in wurde genauso überrumpelt wie der Rest der Welt, als er durch die Medien die Absage von US-Präsident Donald Trump am 24.5.2018 erfuhr, sich mit seinem Kollegen aus Nordkorea am 12. Juni 2018 in Singapur zu treffen. Gegenüber dieser Absage hat die Regierung in Pjöngjang mit beispielhafter Gelassenheit reagiert: Nordkorea sei bereit, sich mit dem US-Präsidenten zu treffen, wann und wo immer er will, hieß es aus der Hauptstadt Pjöngjang. Diese beispielhafte diplomatische Antwort von der Kim-Regierung klingt in den Ohren großmäuliger Journalisten unbegreiflich fremd. Sie ist aber eine Lektion in Diplomatie und Finesse.

Pjöngjang erleichterte die Willensänderung des US-Präsidenten, der sich 24 Stunden später, am Freitag 25.5.2018, für das geplante Treffen mit Kim in Singapur am 12. Juni 2018 doch bereit erklärte. Stefan Kornelius verliert sich in seinem Kommentar (SZ, 28.5.2018) diesbezüglich in Nebensächlichkeiten und aufgeschnappten oder zugestecktem Washingtoner Gemurmel, ohne die Annäherung beider Staatschefs richtig abwägen zu können. Kornelius missachtet den Umstand, dass ein unberechenbarer Extremist und Kriegstreiber wie der gefährliche Falke John Bolton den US-Präsidenten Trump im Weißen Haus beeinflusste, um das wünschenswerte Treffen abzusagen und Nordkorea zu vernichten. Jener außenpolitische inakzeptable Hardliner hat immer wieder US-Militärinterventionen gefordert. Diese Irrationalität übersieht Stefan Kornelius. Vor diesem Hintergrund und angesichts der US-Vorgeschichte kann Nordkorea seine Atomwaffen nicht einseitig aufgeben. Im Gegenteil. Nordkorea ist gut beraten, konkrete Bedingungen an die USA zu stellen für eine konstruktive Annäherung, die tatsächlich zum erwünschten Frieden und Stabilität führen sollte.

Unerwarteter plötzlicher Willenswechsel von Donald Trump während deutsch-chinesischer Zusammenkunft in Peking

Einen weiteren Aspekt zur Bewertung der jüngsten US-Nordkorea-Ereignisse lässt Kornelius auch außer acht: Sicherlich spielte für den unerwarteten plötzlichen Willenswechsel von Donald Trump auch die chinesisch-deutsche Connection mit Merkels Besuch in Peking gerade am Freitag 25.5.2018 eine Rolle. Ausgerechnet dann wird der Willenswechsel aus dem Weißen Haus offenkundig, Trump sei bereit, sich mit Kim zu treffen. Die Nachricht ist zu begrüßen, denn sie zeigt, dass sich der US-Präsident gegen seinen diabolischen Sicherheitsberater Bolton durchsetzen  konnte. Südkoreas Präsident Moons außenpolitischer Berater Moon Chung-in sah die US-Änderung voraus und erklärte sich optimistisch darüber: „Trump wird den Dialog bald aufnehmen“ sagte er gerade am Freitag 25.5.2018. Wieso? Man kann nur spekulieren. Höchst plausibel ist, dass die chinesisch-deutsche Zusammenkunft in Peking eine entscheidende Rolle gespielt hat. Die Präsidenten von Südkorea und China förderten dezidiert das Treffen des US-Präsidenten mit seinem nordkoreanischen Kollegen. Die deutsche Kanzlerin auch. Der Präsident Chinas hat sich sicherlich vor dem Weißen Haus eingesetzt und auf eine feine Art die Andeutung fallen lassen: Sollte es für den US-Präsident ungelegen sein, das Treffen mit Kim abzuhalten, sei die Frage gestellt, ob er einverstanden wäre, dass sich Kanzlerin Angela Merkel als seine Alliierte mit Kim treffe, um nach Entspannung aus der Krise zu suchen? Vor dieser Perspektive reagierte Trump gewiss wie von der Tarantel gestochen, weil er sich nicht seine Show mit Kim abnehmen lassen wollte.

Schon weit vor der Amtsübernahme von Trump vertritt das Weiße Haus das Recht des Stärken. Der Westen bricht dadurch ständigen Verträge und sein Wort und verliert fortwährend an Glaubwürdigkeit. Schon Obama paktierte mit Terroristen, um Syrien zu destabilisieren und initiierte Attacken mit Drohnen. Auch was Obamas Vorgänger Bush und Clinton anrichteten, muss Kornelius wissen.

Einheit beider koreanischer Staaten ohne US-Militärpräsenz in Südkorea

Wichtiger als das Treffen zwischen Kim und Trump ist die Annäherung zwischen beiden koreanischen Staaten, um zur Einheit zu gelangen, selbstverständlich in Interesse beider Staaten ohne US-Militärpräsenz in Südkorea. Beide koreanische Staatschefs trafen sich vor kurzem im Waffenstillstandsdorf Panmunjom auf der nordkoreanischen Seite der Grenze.

Moon sieht in einem stabilen Frieden für Korea seine wichtigste politische Aufgabe, die ihm auch ein persönliches Anliegen ist. Mehr als 70 Prozent der südkoreanischen Bevölkerung steht hinter ihm und seiner Nordkorea-Politik. Dadurch hat sich das Bild, das die Südkoreaner von Kim haben, dramatisch verändert. Bereits die Olympischen Spiele signalisierten eine erfolgreiche, klar positive Wende. Seitdem haben sich die innerkoreanischen Beziehungen rasant gebessert.


Verfasst am 29.5.2018 unter Bezugnahme auf Süddeutsche Zeitung (SZ) vom 28.5.2018: „Kim hält an Gipfel mit Trump fest“ von Christoph Neidhart und SZ-Kommentar: „Donald Trump – Großmaulmacht“ von Stefan Kornelius

Luz María de Stéfano Zuloaga de Lenkait ist chilenische Rechtsanwältin und Diplomatin (a.D.). Sie war tätig im Außenministerium und wurde unter der Militärdiktatur aus dem Auswärtigen Dienst entlassen. In Deutschland hat sie sich öffentlich engagiert für den friedlichen Übergang der chilenischen Militärdiktatur zum freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat, u.a. mit Erstellen von Gutachten für Mitglieder des Deutschen Bundestages und Pressearbeit, die Einheit beider deutschen Staaten als ein Akt der Souveränität in Selbstbestimmung der beiden UN-Mitglieder frei von fremden Truppen und Militärbündnissen, einen respektvollen rechtmäßigen Umgang mit dem vormaligen Staatsoberhaupt der Deutschen Demokratischen Republik Erich Honecker im vereinten Deutschland, für die deutsche Friedensbewegung, für bessere Kenntnis des Völkerrechts und seine Einhaltung, vor allem bei Politikern, ihren Mitarbeitern und in Redaktionen. Publikationen von ihr sind in chilenischen Tageszeitungen erschienen (El Mercurio, La Epoca), im südamerikanischen Magazin “Perfiles Liberales”, und im Internet, u.a. bei Attac, Portal Amerika 21, Palästina-Portal. Einige ihrer Gutachten (so zum Irak-Krieg 1991) befinden sich in der Bibliothek des Deutschen Bundestages.


Online-Flyer Nr. 661  vom 30.05.2018

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