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Aktueller Online-Flyer vom 17. Oktober 2018  

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Wirtschaft und Umwelt
US-Handelsdefizit mit der Volksrepublik China auf historischem Höchststand
Die gelbe Gefahr kommt aus dem Handy
Von Georges Hallermayer

Nach den Cyber-Russen nimmt sich Präsident Trump den Chinesen vor die Brust. Das Handelsdefizit mit der Volksrepublik hat einen historischen Höchststand erreicht: 375,2 Mrd. US-Dollar, gegenüber dem Vorjahr um über 8 Prozent gestiegen. Und wie New York Times am 6. Februar 2018 schreibt, ganz im globalen Trend, denn die US-Wirtschaft hat auf dem Weltmarkt das seit 2008 größte Handelsdefizit in Waren und Dienstleistungen mit einem Anstieg (des Defizits!) um 12,1 Prozent eingefahren.

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Aber die gelbe Gefahr droht auch aus dem Internet, konkret aus der Telekommunikation. Computerbild meldete schon am 14. Februar 2018, dass die Geheimdienste CIA, NSA und natürlich auch das FBI dem ärgsten Konkurrenten von Apples I-Phone, dem Smartphone-Hersteller HUAWEI verdächtigen, Spionage zu betreiben und Informationen zu verfälschen. Eigentlich wollte Huawei nach Asien und Afrika, wo sie der westlichen und der chinesischen Konkurrenz (ZTE und Xiaomi) den Rang ablaufen, auch US-amerikanischen Boden betreten. Doch Druck aus Washington verhinderte eine Partnerschaft mit den US-Netzbetreibern bislang und so soll es wohl nach Präsident Trump auch bleiben. Die VR China hatte noch am 17. Dezember 2015 in Nairobi mit der US-Administration auf dem Treffen der Welthandelsorganisation WTO einen „key-deal“ geschlossen, um Steuern auf Handys zu streichen.

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Und der im November letzten Jahres abgewehrte Versuch, die an der New Yorker Börse gehandelte Mutter SINA des chinesischen Twitter-Konkurrenten Weibo (340 Mio. Nutzer) feindlich zu übernehmen, mag das Vertrauen des amerikanischen Präsidenten in die Kräfte des Marktes zusätzlich gestört haben. Und so ein Trick des früheren Motorola-Sales-Direktors Alpesh Patel, den Markteintritt eines chinesischen Konkurrenzmodells, konkret Mi 1 von Xiaomi und konkret in Nigeria 2016, durch eine Klage wegen Namensähnlichkeit mit Mi-Fone (mit Sitz auf Mauritius) zu verhindern, zieht schließlich nur einmal.

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Vorbereitet wurde die aktuelle antichinesische Medien-Kampagne nicht nur durch die aufgebaute Medienkulisse der russischen Bedrohung, sondern auch durch die unglaubliche Unterstellung, die Volksrepublik China habe mit dem 2012 eingeweihten Hauptsitz der Afrikanischen Union in Addis Abeba ein vergiftetes Geschenk gemacht – die chinesische Haus- und Kommunikations-Technik öffne chinesischer Spionage Tür und Tor. Eine neue antikommunistische Sumpfblüte neben der „chinesischen Schuldenfalle“, die die Souveränität bedrohe – so noch vor kurzem Ex-Außenminister Tillerson auf seiner verunglückten Afrikareise.

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Die Abqualifizierung, wie sie noch vor einigen Jahren üblich war, die chinesische Technik sei abgekupfert, als geistiges Eigentum gestohlen, wird auch durch Trumps Wiederholungen nicht wahr. Im Jahr 2017 meldete China in USA 225 Patente an, während die USA mit 91 Anmeldungen hinten blieb (Financial Times 16. März 2018, S. 13). Und die aktuelle Mitteilung des Europäischen Patentamts von Anfang März würde eine solche Unterstellung erst recht ad absurdum führen: Im Jahr 2017 kamen die meisten Patentanmeldungen zum ersten Mal von einem chinesischen Unternehmen: von HUAWEI 2398 Anträge, von Siemens 2220, von LG 2056 und von Samsung 2016 Anmeldungen. Und damit seien auch die globalen Marktführer genannt, die sich einen erbitterten Krieg um Marktanteile liefern. Gewonnen wird er über Forschung und Entwicklung. Huawei gab 2017 13,8 Mrd. Dollar aus und plant das Jahresbudget für R&D auf 20 Mrd. anzuheben. Wie Financial Times vom 31. März 2018 schreibt, werden chinesische Unternehmen für die nächste Technologiegeneration die internationalen Standards setzen, die Netztechnologie eingeschlossen.

Online-Flyer Nr. 655  vom 18.04.2018

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