NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 16. August 2018  

zurück  
Druckversion

Literatur
So viel Fried muss doch noch rein!
Geschreddertes Frühlingserwachen
Von Hartmut Barth-Engelbart

durch
die kleinkarierten
Düsenjet-verrauten
kerosin-& kondens-ierten
grauen Schleier
kleingestückelt
entdeck
ich jetzt
unverschleiert
im Versteck
kleine Stücke
wieder tief erblauten
Himmels
Ach,
Du lieber Himmel
sonnenstrahlend
eine Primel
mit drei Knospen
sich entfalten
eine Biene
drei vier Meisen
einen Storch
am Angelweiher
weiße Reiher
Krähen jagen einen Bussard
Endlos lange Kranichreihen
Kreuzen jetzt die FRAPORT-
Einflugschneise
Scheiße
Wenn jetzt der Eisenkra-
oder – nich
Grad noch
glücklich
eben
doch
daneben
Windkraftflügel
schreddern schribb
und schlachten schrabb
Zwei Milane
Einer schwarz und einer rot
Beide tot
Es wird stiller
Es wird lauter
Eisenkranich
Windkraftflügel
Schlag für Schlag
Tag für Tag
und ich ahne
Doch am Ende
Abendrot
Gott sei Dank
Nachtflugverbot
 
Abendglühn
Ganz wie in alten
Zeiten
Nachtigallen
an den weiten
Auen
Abendläuten
Frösche Quaken
Stare fallen
Abendsterne
ferne schauen
Schwarzdornhecken
Überraschend
Weiß erblühn
 
Ach wär es nur
die sternenklare
Nacht Frost der
der Blüten Pracht
viel zu früh
ein Ende macht
 
Neuer Morgen
Wolken und auch Sorgen-
frei
Weinbergschnecken
Zwischen
frischen
Kräutern
unter Schwarzdornhecken
Sonnenbaden und Verstecken
Amsel, Drossel, Fink und Star
Wunderbar
Alles klar?
 
Drosseln schweigen
still erdrosselt
machen Platz
für Ersatz
 
Amsel, Drohnen, Fink und Star-
Fighter nicht,
die Überschallen
Kranichschrei und Vogelsang
Drohnen machen hier nicht bang **
Drohnen starten, Dohnen landen
Tags und ohne Nacht-
Flugverbot, so viel ich weiß
Denn Drohnen
fliegen
leis
 
Alb-Tagträumer,
komm, wach auf
Morgenstund
Der Sonne Lauf
hat Gold im Mund.
Es krähte der Hahn,
die Sonne betritt ihre goldene Bahn
sonnenstrahlend
eine Primel
mit drei Knospen
sich entfalten
eine Biene
drei vier Meisen
einen Storch
am Angelweiher
weiße Reiher
Krähen jagen einen Bussard
Endlos lange Kranichreihen
Neuer Morgen
Wolken und auch Sorgenfrei
Weinbergschnecken
Zwischen frischen Kräutern
Unter Schwarzdornhecken
Sonnenbaden und verstecken
Amsel, Drossel, Fink und Star
Wunderbar
 
Frühlings Lüfte,
Frühlingsdüfte
So soll es bleiben
Soll es werden
Soll es immer wieder sein
Verrückt vor Hoffnung
fang ich an
kaum zu glauben:
Das wird uns bleiben
uns und Sonne , Mond und Sterne
Frühling, Sommer, Herbst und Winter
kriegen sie nicht klein
 
So viel Fried* muss doch noch rein!


* Erich Fried (1921-1988)
Bericht


Denen ich Mut machen wollte
klang meine Stimme unecht
Vielleicht hatte ich nur mir selbst
Mut machen wollen
Das ging nicht mehr:
Ich sah meine eigene Angst
und war verzweifelt
weil ich verzweifelt war
Mir blieb keine Wahl als zu sprechen
von dieser Verzweiflung
Ich war zu voll von ihr
um sie zu verschweigen
Einige hörten zu
die noch vor Tagen
meine Ermutigungen
nicht angehört hatten
Denen ich helfen wollte
mit meinem Mut
helfe ich vielleicht
mit meiner Verzweiflung

Online-Flyer Nr. 652  vom 28.03.2018

Druckversion     



Startseite           nach oben

KOSTARIKATUREN


Von Kostas Koufogiorgos
FOTOGALERIE