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Aktueller Online-Flyer vom 19. Dezember 2018  

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Globales
Willen zur Wiedervereinigung
Koreaner: „Wir sind ein Land“
Von Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Das gemeinsame Auftreten der Sportler von Nord- und Südkorea bei den Olympischen Winterspielen in Pyongchang demonstriert vor der ganzen Welt den Willen der Bewohner beider Teilstaaten, sich in Frieden wieder zu vereinen zu einem einzigen Staat Korea. Anders als es US-gesteuerte Medien hierzulande verbreiten, gab es zwischen beiden koreanischen Staaten nie eine Feindschaft, denn es handelt sich um ein und dasselbe Volk, das unter unterschiedlichen gesellschaftlichen Bedingungen lebt, aber Südkoreaner und Nordkoreaner sind keine Feinde, denn sie gehören zusammen. Es gibt in Südkorea sogar seit langem ein Ministerium für die Vereinigung mit allen Behörden, die dafür zielgerichtet arbeiten und in Nordkorea, ein schöner großer Triumphbogen, der die Wiedervereinigung symbolisiert und ein Ministerium für interkoreanische Beziehungen. Gegen die herrschenden Friedensstimmung und Annäherung beider Länder klingen die impertinenten Äußerungen eines deutschen SPD-Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier völlig daneben. Die atomare Frage ins Spiel zu bringen, ist ein US-Ablenkungsmanöver. Im Hintergrund dieses Täuschungsmanöver ist die Parole der Menschen auf den Straßen in Seoul nicht zu überhören: „Wir sind ein Land“. Aber als Sprachrohr des steinernen Gastes, die USA , die sich der Einheit beider Staaten entgegenstellen, schaltet sich der gescheiterte schwache ehemalige deutsche SPD-Außenminister und jetziger Bundespräsident ein, der sich vor Ort negativ zu dem großen Erfolg der nordkoreanischen Diplomatie vor deutschen Fernsehkameras äußert und den sichtbaren Willen beider koreanischer Seiten, die Teilung zu überwinden, leugnet.

Korea: Ohne Einmischung der USA den Weg gehen

Auch wenn führende deutsche Politik- und Medien-Kreise noch immer lieber den US-Vasall spielen wollen, ist die Einladung des Staatschefs Nordkoreas an den Präsidenten Südkoreas, um Pjöngjang zu besuchen, nur zu begrüßen. Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in hat gewiss dankbar und positiv darauf reagiert und ist keineswegs unsouverän und  erbärmlich abhängig von Washington erschienen, auch wenn uns das Medien hierzulande einreden wollen. Die Südkoreaner zeigen damit schon jetzt, dass sie ihren Weg ohne die Einmischung der USA gehen wollen. Verzweifelt und irritiert versucht Washington die sich verbessernden Beziehungen zwischen beiden Staatschefs zu torpedieren. Dazu lancieren US-Dienste Falschmeldungen in deutschen Nachrichtenredaktionen, besonders auffällig beim NDR (Tagesschau), als ob der südkoreanische Präsident Moon Jae-in die Annahme der Einladung von seinem koreanischen Kollegen an Bedingungen geknüpft hätte, unvorstellbar, weil eine solche Haltung mit der tief verwurzelten, ausgesprochen feinen, entgegenkommenden asiatisch-koreanischen Höflichkeit und dem Protokoll völlig unvereinbar wäre.

Zukunft in Wohlstand für vereinigtes Korea

In seinem Artikel „Liebesgrüße aus Pjöngjang“ (SZ, 12.2.2018) berichtet Christoph Neidhart: <Kim Yo-jong, die jüngere Schwester von Diktator Kim Jong-un schloss ihren historischen Besuch in Südkorea am Sonntagabend (11.2.2018) mit einer vierten Begegnung mit Präsident Moon Jae-in ab. … Kims Besuch hat die innerkoreanischen Beziehungen verändert, ... Ihre gewandten, selbstbewussten und bescheidenen Auftritte faszinierten die Südkoreaner. ... , die die Nordkorea-Charme-Offensive wärmer als erwartet nahmen... Zumal sie Präsident Moon eine persönliche Einladung zu einem Gipfeltreffen in Pjöngjang mit ihrem Bruder übergab...war das die entscheidende Botschaft. Ins Gästebuch des Blauen Hauses schrieb Kim: „Ich erwarte, Pjöngjang und Seoul kommen sich in den Herzen unseres Volkes näher, das wird eine Zukunft des Wohlstands und der Vereinigung voranbringen“. ... Die Nordkoreanerinnnen, die sich an den Winterspielen beteiligen, wollten nicht für Aussehen gelobt werden, sondern als Botschafterinnen der Wiedervereinigung.>

Besser unabhängig von US-Quellen orientieren

Deutsche Redaktionen sollten sich besser unabhängig von US-Quellen orientieren, bevor sie Gespräche von Nordkorea mit den USA ins Spiel bringen: Es hat keinen Sinn mit einem gefährlichen Erzfeind Koreas zu sprechen, um Theater vor der Öffentlichkeit zu spielen. Der Präsident Nordkoreas hat Recht, diese Gespräche als US-Täuschung für die Medien abzulehnen. Kann man realistisch von einer zuverlässigen Denuklearisierung der USA/NATO reden? Würdevoll will die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK) die Olympischen Winterspiele in Südkorea nicht für Täuschungsmanöver nutzen. Aus dem Außenministeriums in Pjöngjang wurde bekannt gegeben: „Wir erklären eindeutig, dass wir nicht bereit sind, während unseres Besuchs in Südkorea mit der US-Seite zusammentreffen. Wir haben niemals um einen Dialog mit den USA gebettelt.“ (dpa/jW am 9.2.2018).

Militärmanöver Südkoreas mit den USA einstellen, da Provokation -  gemeinsame süd-nordkoreanische Militärmanöver angebracht

Anders wäre es, wenn Washington seine Feindseligkeit aufgäbe und die unmenschlichen Sanktionen gegen Nordkorea aufhebte. Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in sollte die Militärmanöver mit den USA einstellen. Sie sind eine Provokation, die den Frieden gefährden und zur Zuspitzung der Lage führen. Wenn gemeinsame Militärmanöver einen realistischen Sinn haben könnten, wären gemeinsame süd-nordkoreanische Militärmanöver angebracht und zu begrüßen als richtiges Signal an den angemeldeten Aggressor.

Kleines, armes Nordkorea Thema deutscher Medien, aber nicht Aggressor USA

Besorgniserregend genug ist die Tatsache, dass die europäischen Regierungen durch die NATO-Mitgliedschaft einer starken fremden Führung eines ungeheuren Aggressors unterworfen sind, ein triftiger Grund, aus diesem unberechenbaren Block auszusteigen. 

Aber deutsche Medien sorgen sich um Nordkorea! Sie sorgen sich um ein kleines armes Land, das sich mit aller Kraft und Scharfblick von der unberechenbaren, vernichtenden Bedrohung eines skrupellosen Erzfeindes schützen will, angesichts der Tatsache, dass er schon im Korea-Krieg unermesslichen Schaden verursacht hatte. Allein diese schreckliche historische, nicht weit zurückliegende Erfahrung des grausamen Korea-Krieges hat die Regierung Nordkoreas eine Atombombe entwickeln lassen, um eine neue konventionelle oder sogar nukleare Aggression des bekannten grausamen Erzfeindes zu verhindern. Inzwischen wissen wir und die ganze Welt, Washingtoner Verrücktheit ernst zu nehmen. Es handelt sich um einen Schurken-Staat, der alles wahr macht, was er sagt. Paradoxerweise existieren solche „Schurken“ an der Spitze dieser alten Demokratie: US-Präsident Harry Truman war verantwortlich für den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima und Nagasaki (6.und 9.8.1946). General Mac Arthur befürwortete während des Korea-Kriegs, eine Atom-Bombe einzusetzen. Amerikas Vizepräsident Dan Quayle äußerte seine Absicht, eine Atombombe auf den Irak abzuwerfen: „USA halten Atomwaffen-Einsatz für denkbar.“ (SZ 2./3.2.1991,  „Should a nuclear Bomb be used against Irak?“. Time International Nr.5, 4.2.1991)  US-Präsident Donald Trump und sein Verteidigungsminister James Mattis äußerten sich ebenso in derselben irrationalen Weise. Jeder Außenpolitiker und jeder außenpolitische Journalist sollte in der Lage sein, diese extrem bedrohliche Wirklichkeit zu erkennen und sich mit der unberechenbaren Gefahr aus dem Pentagon scharfsinnig nüchtern zu beschäftigen anstatt mit dem armen kleinen Nordkorea, das niemals ein Land attackiert oder bedroht hat.

Sanktionen und Isolierung kein Weg zur Lösung eines Konflikts

Sanktionen und die Isolierung von Nordkorea gestalten keine Entspannungspolitik, keine Außenpolitik überhaupt, keinen Weg zur Lösung eines Konflikts. Im Gegenteil. Aus dem Weißen Haus und aus dem Pentagon bekommt man keine Initiative für die wünschenswerte Entspannung im Fernen Osten, eher eine Verdrehung der Wirklichkeit und Zuspitzung der Lage. Keine militärische, sondern eine politische Weltordnung ist zu schaffen und zu respektieren gemäß der Normen der Vereinten Nationen.

Höchst konstruktive Rolle Chinas

Es ist zu hoffen, dass sich die Wiedervereinigung Koreas verwirklicht, aber sicherlich nicht à la deutsche Einheit unter US-Vormundschaft, sondern fern von US-Einmischung und -Druck. Das wird Befriedung bringen im Fernen Osten. Die Rolle Chinas ist höchst konstruktiv im weitesten Sinn, auch für Europa nach dem erfreulichen Verständnis für Zusammenarbeit von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping während seines dreitägigen Besuch in Peking (8.1.2018).

Rückkehr der Außenpolitik Frankreichs und der EU auf rechtstaatliche Basis


Bei ihrer seit langem gewollten Konfrontation mit Nordkorea spielt die US-Regierung ein Doppelspiel. Ihre langjährigen Sanktionen gegen das arme koreanische Land sind völlig ungerechtfertigt, willkürlich wie alle US-Sanktionen, die die aggressive menschenfeindliche US-Außenpolitik kennzeichnen. Dass die EU und die europäischen Staats- und Regierungschefs in blinder Gefolgschaft der USA dieselbe unerwünschte Außenpolitik betreiben, zeigt in erbärmlicher Weise, wie untauglich sie sind, eigenständig außenpolitisch zu handeln. Eine neue deutsche Regierungskoalition hat sich entschlossen dazu zu positionieren, um nicht länger auf dem Schoß der USA zu bleiben. Nachdem der neue Präsident Frankreichs, Emmanuel Macron, die traditionelle Souveränität seines Landes endlich einmal gegenüber Washington demonstriert (Auftritt des französischen UN-Botschafters, François Delattre, im UN-Sicherheitsrat gegen Washington am 18.12.17 und am 6.1.2018), ist zu erwarten, dass die Außenpolitik Frankreichs und die der EU auf die internationale rechtstaatliche Basis zurückkehrt und die unmenschlichen willkürlichen Sanktionen gegen alle betroffenen Völker eingestellt werden.

US-Militärindustriekomplex: Größte Gefahr für die Existenz der Erde


Die USA betreiben jahrzehntelang nukleare Aufrüstung und verstoßen damit gegen alle  Abrüstungsempfehlungen und Abkommen der Vereinten Nationen. US-Regierungen, die gemäß den Interessen des Militärindustriekomplex handeln, sind deshalb eine ernste Bedrohung und die größte Gefahr für die Existenz der Erde. Ein nuklearer Erstschlag ist von der nordkoreanischen Regierung nicht zu befürchten. Im Gegensatz zu den USA hat Nordkorea niemals ein Land angegriffen und kein Land bedroht. Ganz anders die USA. 450.000 Tonnen an Bomben wurden im Korea-Krieg vor allem von der US-Air Force auf Nord-Korea abgeworfen, dabei kamen mehr als 30.000 Tonnen Napalm zum Einsatz. Dies war vernichtender und grausamer als im Vietnamkrieg, weil in Nordkorea mehr Ballungszentren mit größerer Bevölkerungsdichte und mehr Industrie existierten als später in Vietnam.

Das Weiße Haus hat sich nie bemüht, einen zuverlässigen Modus Vivendi, ja einen vertrauensvollen Umgang mit dem Rest der Welt, und zwar mit der Weltstaatengemeinschaft zu finden, der über die Gruppe der zwanzig wirtschaftlich stärksten G20-Staaten weit hinaus gehen müsste.

Position beziehen: Vollständige nukleare Abrüstung von Nordkorea fordern und als USA selber weiter nuklear aufrüsten?


Bei bilateralen Gesprächen am Vorabend des G20-Treffens in Hamburg im Juli 2017 zeigte sich der Dissenz in Bezug auf Syrien und Nordkorea, umstrittene Themen, die das G20-Treffen auch betrafen. Der Dissenz darüber dürfe nicht übertüncht werden, sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zutreffend (ZDF-Heute 6.7.2017 um 19 Uhr). Welche Berechtigung hat Washington „eine vollständige nukleare Abrüstung“ von Nordkorea zu fordern, während es selbst immer wieder auf weiterer nuklearer Aufrüstung beharrt und seine aggressive Militärpolitik nicht aufgibt? Mit dieser Frage sollten sich deutsche Redaktionen und Außenpolitiker ernsthaft und vorurteilsfrei befassen. Es ist höchste Zeit, sich über die Realität im klaren zu sein.


Verfasst am 13.2.2018 unter Bezugnahme auf Süddeutsche Zeitung (SZ) vom 12.2.2018: „Liebesgrüße aus Pjöngjang“ von Christoph Neidhart


Luz María de Stéfano Zuloaga de Lenkait ist chilenische Rechtsanwältin und Diplomatin (a.D.). Sie war tätig im Außenministerium und wurde unter der Militärdiktatur aus dem Auswärtigen Dienst entlassen. In Deutschland hat sie sich öffentlich engagiert für den friedlichen Übergang der chilenischen Militärdiktatur zum freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat, u.a. mit Erstellen von Gutachten für Mitglieder des Deutschen Bundestages und Pressearbeit, die Einheit beider deutschen Staaten als ein Akt der Souveränität in Selbstbestimmung der beiden UN-Mitglieder frei von fremden Truppen und Militärbündnissen, einen respektvollen rechtmäßigen Umgang mit dem vormaligen Staatsoberhaupt der Deutschen Demokratischen Republik Erich Honecker im vereinten Deutschland, für die deutsche Friedensbewegung, für bessere Kenntnis des Völkerrechts und seine Einhaltung, vor allem bei Politikern, ihren Mitarbeitern und in Redaktionen. Publikationen von ihr sind in chilenischen Tageszeitungen erschienen (El Mercurio, La Epoca), im südamerikanischen Magazin “Perfiles Liberales”, und im Internet, u.a. bei Attac, Portal Amerika 21, Palästina-Portal. Einige ihrer Gutachten (so zum Irak-Krieg 1991) befinden sich in der Bibliothek des Deutschen Bundestages.


Online-Flyer Nr. 648  vom 21.02.2018

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