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Aktueller Online-Flyer vom 15. August 2018  

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Medien
Korrespondenz mit dem SRF (Schweizer Radio und Fernsehen), 11. Februar 2018
Ausgewogene Berichterstattung? Faktentreue?
Von Markus und Eva Heizmann

Sehr geehrte Damen und Herren, Ihre Berichterstattung zu Syrien erachten wir als tendenziös nicht faktengerecht: Zwei Beispiele (mehr könnten genannt werden) mögen das verdeutlichen: Tendenziös: Eine ausgewogene Berichterstattung berücksichtigt alle Parteien und berichtet dementsprechend. Bei Ihnen finden wir fast ausschließlich die US-amerikanische, bzw. die NATO-transatlantische Version der Ereignisse.

Mangelnde Faktentreue: Die Syrisch Arabische Republik ist ein souveräner Staat. Es obliegt der legitimen Regierung dieses Staates, bewaffnete Kräfte ins Land zu holen, damit die Terroristen, welche Syrien seit 2011 heimsuchen effektiver bekämpft werden können. Dies ist geschehen mit Russland und dies entspricht internationalem Völkerrecht. Die USA, die NATO, die Türkei und alle anderen bewaffneten Gruppen, welche nicht von der Syrischen Regierung legitimiert sind, verletzten klar internationales Völkerrecht. Wir erwarten, dass Sie die hiesige Bevölkerung diesbezüglich aufklären. Diese Tatsachen, namentlich die eklatanten Verletzungen internationalen Völkerrechts durch die USA und ihre Verbündeten und das Selbstverteidigungsrecht des Syrischen Staates werden bis jetzt nicht oder nicht in der gebührenden Ausführlichkeit berichtet.

Nach mehreren Reisen nach Syrien zwischen den Jahren 2004 bis 2018 hatten wir Gelegenheit, mit syrischen Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten, mit Geistlichen aller Konfessionen und auch mit PolitikerInnen zu sprechen. Wir kommen zum Schluss, dass sehr wenig von dem, was über die Angriffe gegen Syrien berichtet wird, den Gegebenheiten vor Ort entspricht. "Redaktionelle Sendungen mit Informationsgehalt müssen Tatsachen und Ereignisse sachgerecht darstellen, so dass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann. Ansichten und Kommentare müssen als solche erkennbar sein." (Bundesgesetz über Radio und Fernsehen Art. 4 / 2)

Tatsachen und Ereignisse werden unserer Ansicht nach nicht sachgerecht dargestellt, wenn man während eines Berichts einen Eindruck bekommt, als hätten die USA und ihre Verbündeten ein "Recht", in Syrien zu bombardieren oder überhaupt sich da aufzuhalten, was klar nicht der Fall ist. USA, NATO und alle, die sich ohne Bewilligung der Syrisch Arabischen Republik in Syrien aufhalten, treten das internationale Völkerrecht mit Füssen. Es entspricht nicht den Tatsachen, wenn eine gewählte Regierung als "Diktatur" oder als "Regime" bezeichnet wird. Diese Art der Berichterstattung erachten wir für die westliche Welt im allgemeinen und für die Schweiz im speziellen als Schande. Wir erwarten, dass im SRF auch VertreterInnen des Syrischen Parlaments und der Regierung zu Wort kommen, nicht nur die Aggressoren gegen Syrien.

Wir können uns nicht erinnern, seit 7 Jahren von Ihnen ein einziges positives Wort zu Syrien gehört zu haben. Sollten wir eines verpasst haben, bitten wir Sie, uns zu informieren.

Wir bitten Sie um Kenntnisnahme und grüssen Sie höflich.
Eva und Markus Heizmann-Balmer


Antwort von SRF-Redakteur Sandro Brotz

Sehr geehrter Herr Heizmann, wenn Sie schreiben, Sie hätten nie ein einziges gutes Wort zu Syrien gehört, dann muss ich Ihnen widersprechen. Für mich ist "Syrien" nicht allein Baschar al-Assad (ja, meines Erachstens gehört er vor ein Kriegsverbrechertribunal), sondern in erster Linie die Menschen - vor allem auch jene, die fliehen mussten. Und über diese haben wir bei uns in der Rundschau ganz bestimmt nicht negativ berichtet. Oder können Sie sich weiter auch an unsere Berichterstattung über die Syrische Fußball-Nationalmannschaft erinnern? (siehe srf.ch/news [https://www.srf.ch/news/international/maerchen-mitschattenseiten-syrische-nationalelf-leben-oder-sterben]).

In einem Krieg - und so wie ich das wahrnehme, herrscht in vielen Teilen Syriens nach wie vor Krieg - werden auf beiden Seiten Gräueltaten begangen. Wir werden auch weiterhin über beide Seiten berichten. Denn die Wahrheit stirbt in einem Krieg bekanntlich leider zuerst.

Ich wünsche Ihnen alles Gute.

Mit besten Grüssen:
Sandro Brotz


Reaktion von Markus und Eva Heizmann

Sehr geehrter Herr Brotz, es ist ja schon fast rührend, wie Sie es schaffen, in Ihrer Antwort an uns einerseits nicht auf unser Anliegen einzugehen und andererseits unseren Vorwurf der tendenziösen Berichterstattung einmal mehr bestätigen. Wieder ist die Rede vom „Diktator“ Assad, der seltsamerweise mehrmals von einer Mehrheit des Syrischen Volkes gewählt wurde. (Gemäß einer Studie der BBC (!) stehen 70% der Menschen in Syrien hinter der Regierung). Die „internationale Gemeinschaft“ ist übrigens immer wieder von der Syrischen Regierung zur Wahlbeobachtung eingeladen. Westliche und NATO Staaten lehnen das regelmäßig ab, weil für sie schon von vorn herein feststeht, „dass diese Wahlen nicht fair sein können“. Es gab Beobachter aus anderen Ländern.

Wenn Ihnen „in erster Linie die Menschen - vor allem auch jene, die fliehen mussten“ ein Anliegen sind, warum berichten Sie nicht über die innersyrische Fluchtbewegung? Die Menschen in Syrien flüchten ausschließlich in die Gebiete, in welchen die Regierung und die Armee die Oberhand haben, dort ist Sicherheit. Das jedoch will nicht so recht in das Bild „einer bösen Diktatur“ passen welches Sie uns seit 2011 zu vermitteln versuchen.

Ist eine Aussage, wie die in ihrem Bericht über die Syrische Fußball Nationalmannschaft gemachte (Sein kaum überprüfbarer Vorwurf: «In Syrien wurden mehr als 50 Fußballer verhaftet oder von der Regierung umgebracht. Wie können die Spieler für ein Regime spielen, das ihr eigenes Volk tötet?») etwa nicht tendenziös?

Alles was wir von Ihnen und allen anderen Medienschaffenden verlangen ist Objektivität. Die vermissen wir nach wie vor. Respektable Persönlichkeiten, wie zum Beispiel den Bischof von Aleppo, Jean Jeanbart, mit dem wir im Herbst 2016 Gelegenheit hatten in Aleppo zu sprechen, oder der oppositionelle Minister Ali Haidar, der heute das Versöhnungsministerium in Damaskus leitet, suchen wir in all diesen Beiträgen vergebens. Stattdessen bringen Sie irgendwelche Fußballspieler mit „kaum überprüfbaren Vorwürfen“.

Nach Ihrem Erachten gehört also der Präsident der Syrisch Arabischen Republik vor ein Kriegsverbrechertribunal. Ähnliches erachten Sie offenbar gegenüber wirklichen Kriegsverbrechern wie zum Beispiel Tony Blair, George Bush, oder Madeleine Albright, welche konservativ geschätzt 1.5 Millionen Tote im Irak zu verantworten haben, nicht. Der Friedensnobelpreisträger Barack Obama verantwortet mehr Morde durch Drohnenangriffe als alle seine Vorgänger im Amt. Kein Fall fürs Kriegsverbrechertribunal? Die US Administration unter Donald Trump und diverse NATO Staaten sind mit ihren Armeen, ebenso wie das NATO Mitglied Türkei und diversen Söldnerarmeen, illegal in Syrien. Sie verletzten dort täglich das Völkerrecht gegenüber dem souveränen Staat Syrien. Über diese eklatante Verletzung des Völkerrechts durch die USA, die NATO und Israel wird die hiesige Öffentlichkeit durch die Medien in Unwissenheit gehalten, ebenso über das ungerechte Embargo gegen Syrien. Warum berichten Sie nicht über die Aufrufe der religiösen Würdenträger Syriens gegen das Embargo? (deutsche-wirtschafts-nachrichten.de [https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/05/28/appell-derchristen-in-syrien-eu-sanktionen-treiben-menschen-zur-flucht/])

Auf mehreren Reisen zwischen 2016 und 2018 konnten wir uns ein Bild davon machen, wie das Syrische Volk unter diesem Embargo leidet. Warum recherchieren Sie nicht, weshalb sich die neutrale (!) Schweiz an diesem Embargo beteiligt? Das EDA, damals noch unter Bundesrat D. Burkhalter, konnte uns unsere diesbezüglichen Fragen nicht schlüssig beantworten. Genau wie aus den Medien bekamen wir lediglich stereotype Anschuldigungen gegen die Syrische Regierung zu hören. Unsere Frage nach den Beweisen für diese Anschuldigungen bleibt bis heute unbeantwortet. Da hätten integre JournalistInnen Gelegenheit, ihrem Berufsbild gerecht zu werden: Recherchen, den Fakten verpflichtet und ohne die transatlantische Bündnisbrille vor den Augen. Aber nein, offenbar ist es einfacher und wohl auch einträglicher und sicherer mit den Wölfen in das Geheul vom „bösen Diktator“ einzustimmen.

Sie schreiben: „Die Wahrheit stirbt zuerst“. Gut, aber wer genau tötet denn die Wahrheit? Ein anderes Sprichwort sagt: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“. Sehr geehrter Herr Brotz, wir schreiben Ihnen diese Zeilen auch in der Hoffnung, dass Sie endlich anfangen fair und objektiv zu berichten. Wir schreiben Ihnen aber auch, damit Sie wissen: Nicht alle Menschen in diesem Land glauben Ihren „schwer überprüfbaren Vorwürfen“ gegen eine gewählte und somit legitime Regierung. (Ob diese Regierung nun den Machthabern im Westen passt oder nicht).

„Regime Change“ ist, ebenso wie der Wunsch nach einem Kriegsverbrechertribunal gegen Präsident Assad, eine europäische und transatlantische Phantasie und hat mit der Realität in Syrien nicht das Geringste zu tun. Wollen Sie, dass Syrien so endet wie der Irak, wie Libyen? Es scheint so. Wir, gemeinsam mit dem Syrischen Volk, wollen das nicht! Deshalb unsere Forderung nach einer objektiven Berichterstattung, deshalb unsere Forderung nach einer Beendigung des Embargos und deshalb unsere Forderung: Hände weg von Syrien!

Gerne sind wir bereit, Ihnen unsere Inhalte, die wir uns unabhängig und unvoreingenommen vor Ort erarbeitet haben, zu erläutern.

Auch wir wünschen Ihnen alles Gute und grüssen Sie
Markus & Eva Heizmann

Online-Flyer Nr. 648  vom 21.02.2018

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