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Aktueller Online-Flyer vom 16. Juli 2018  

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Kommentar
Flugblatt zur Auschwitz-Gedenkveranstaltung am 28.1.2018 in Köln
Auschwitz – Luther – Ehrendoktor
Von Lothar Gothe

"Liebe Freunde und Mitmenschen, am Sonntag, 28.1.2018, habe ich zu der Auschwitz-Gedenkveranstaltung in der Kölner Antoniterkirche das [hier dokumentierte] Flugblatt verteilt. Die Einladung endete mit der Frage: "Alles gut in Köln mit dem Gedenken?" Dass damit eben nicht alles gut ist und dass in den selbstgefälligen Ritualen immer noch viel zu viel verdrängt und verschwiegen wird, darauf habe ich mit zwei Beispielen hingewiesen. Angesichts des anwachsenden Rassismus und Antisemitismus ist es an der Zeit, dass sich Institutionen wie die Kirchen endlich ehrlich machen. Dies soll auch ein Aufruf sein, sich an die Unis in Düsseldorf und Bonn zu wenden, damit dem schwer belasteten Nazis Udo Klausa die unerträgliche Ehrendoktorwürde und seine Ehrenbürgerschaft endlich aberkannt werden." Mit diesen Worten macht Lothar Gothe auf das Flugblatt aufmerksam, das die NRhZ hier dokumentiert



Flugblatt-Ausschnitt - verteilt von Lothar Gothe bei der Auschwitz-Gedenkveranstaltung in der Kölner Antoniterkirche



Gut, dass es inzwischen endlich vielfältige Formen des Gedenkens an die Opfer der NS-Diktatur gibt. Dennoch bleibt es meist bei der halben Wahrheit, denn es kann ja keine Opfer ohne Täter geben. Diese aber werden häufig weiterhin ver- oder beschwiegen.

Ein solcher wurde gerade ein Jahr lang mit großem Pomp gefeiert: Doktor Martin Luther. In seiner Hetzschrift „Von den Juden und ihren Lügen“ hat er rassistisch („verdorbenes Blut“) zum Massaker an ihnen aufgerufen: Die Synagogen sollen verbrannt, ihre Schulen und Häuser zerstört, sie sollen ausgeplündert und erschlagen werden. Es liest sich wie ein Aktionsplan für die „Reichspogromnacht“, die nicht zufällig in der Nacht zum 10. November 1938 begann, organisiert von SA und SS, unter Beteiligung tausender „Freiwilliger“.

Der thüringische Landesbischof Sasse: „Am 10. November, Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen (…) In dieser Stunde muss die Stimme eines Mannes gehört werden, der als der Prophet der Deutschen... der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist...“ Der evangelische Reichsbischof erklärte, Hitler vollende nun, was Luther begonnen habe.

Dieser christliche Hintergrund der Schoah wird immer noch tabuisiert, die lauen Schuldbekenntnisse der Kirchen drücken sich darum herum, dass „Nazis“ und Christen weitgehend identisch waren. Wie wollen sie eigentlich heute Neonazis entgegentreten, die einen Anschlag auf eine Synagoge verübt haben und sich auf den so hoch geehrter Luther berufen?

Ein anderer Nazi-Täter heißt Udo Klausa. Er war von 1954 bis 1975 erster Landesdirektor des Landschaftsverbands Rheinland und hatte schwere Menschenrechtsverletzungen in Heimen und Psychiatrien zu verantworten.

Als NSDAP- und SA-Angehöriger hat er 1936 die rassistische Hetzschrift „Rasse und Wehrrecht“ verfasst, in welcher er die Förderung der „guten Ströme des Bluts“ forderte und die „Aussonderung der Entarteten“. Als Nazi-Landrat von Bendzin – ca. 40 km von Auschwitz entfernt - hat er 30.000 Juden in viehische Gettos einsperren lassen, von wo aus sie ins Gas deportiert wurden. (siehe: Mary Fulbrook "Eine kleine Stadt bei Auschwitz" Klartext Verlag)

Klausa ist aber immer noch Ehrenbürger der Uni Bonn und Inhaber der Ehrendoktorwürde, Mitte der 60er verliehen im Namen der Düsseldorfer Uni vom Inhaber des Lehrstuhls für Psychiatrie, Friedrich Panse, einem „Euthanasiegutachter“, also ein Schreib-tischtäter bei den Krankenmorden.

Solch brauner Unrat unterm Teppich, aber Betroffenheit bekunden: PFUI TEUFEL!

Online-Flyer Nr. 647  vom 14.02.2018

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