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Aktueller Online-Flyer vom 13. Dezember 2018  

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Krieg und Frieden
Offener Brief eines besorgten Bürgers an die Partei-Vorsitzenden Deutschlands anlässlich der bevorstehenden Regierungsbildung
Die Waffen nieder! Lay Down Your Arms!
Von Rudolf Hänsel

„Das allseitige Suggerieren „des“ (nicht: „eines“) kommenden Weltkrieges will nicht aufhören“, schrieb die österreichische Pazifistin und Friedens-Nobelpreisträgerin Bertha von Suttner am 4. April 1914 in ihren Randnotizen „Der Kampf um die Vermeidung des Weltkrieges“. Drei Monate später brach er aus. Bereits 1889 erschien Suttners weltberühmter Roman „Die Waffen nieder!“, in dem sie die Schrecken des Krieges aus der Sicht einer Ehefrau beschreibt. Sie definierte Frieden als naturrechtlich verbürgten Normalzustand, dem der Krieg als eine Folge menschlichen „Irrwahns“ gegenüberstehe. Dadurch wird das Recht auf Frieden völkerrechtlich einforderbar. Es lohnt sich, sich noch einmal in aller Ruhe in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg einzulesen und sie mit der heutigen zu vergleichen. Man hat den Eindruck, als spräche Bertha von Suttner von heute. „Die Waffen nieder!“ Das ist auch meine Forderung an die Partei-Vorsitzenden Deutschlands anlässlich der bevorstehenden Regierungsbildung. Das heißt: Aussteigen aus den verhängnisvollen Bündnis-Verpflichtungen mit der US-NATO, Beendigung aller Kriegsbeteiligungen, US-Atomwaffen raus aus Deutschland und Umstellung der boomenden Kriegswirtschaft auf Friedenswirtschaft („Schwerter zu Pflugscharen“) als Regierungsprogramm. Die meisten Mitbürger stimmen mit mir darin überein.


Bundesweite Friedensdemonstration "Die Waffen nieder" am 8. Oktober 2016 in Berlin (alle Fotos: arbeiterfotografie.com)

Kriege sind nicht mehr verantwortbar, sie sind obsolet geworden!

Wir Bürger können nicht in Ruhe leben, arbeiten und Vorsorge für uns und unsere Kinder treffen, wenn ständig das Damoklesschwert einer bevorstehenden atomaren Vernichtung über unserem Haupt schwebt. Ich bin Experte für die Prävention von Schulgewalt, forsche und veröffentliche seit Jahrzehnten auf diesem Gebiet und weiß, dass Schüler in der Schule nicht in Ruhe lernen können, wenn dort ein Klima der Gewalt vorherrscht und gewalttätige Burschen kleinere, schwächere Mitschüler bedrohen. In gleicher Weise können wir Bürger uns nur unzureichend auf das Wesentliche konzentrieren angesichts des Gewaltklimas in der Gesellschaft und der immer wiederkehrenden – völkerrechtswidrigen und verbrecherischen – Drohung eines US-Präsidenten, das schwächere Nord-Korea atomar auszulöschen oder einen präemptiven Atomschlag gegen Russland zu führen. Die Folge wäre jeweils eine nicht mehr zu kontrollierende Kettenreaktion von Verwüstungen weltweit.

Schon der Erste Weltkrieg war kein konventioneller Krieg mehr, er war Genozid, Völkermord, Volksmord. Und seither sind die illegalen Angriffskriege – vorwiegend nukleare Kriege mit „schmutzigen“ Bomben und postatomare Kriege – noch mörderischer, hinterhältiger, flächendeckender, genozidaler geworden. Sie sind Vorbereitungen zur „Endlösung der Menschenfrage“ (Heer). All diese Kriege folgen einer geheimen geostrategischen Agenda des Hegemons zur Sicherung der Weltherrschaft. Die Entvölkerung ressourcenreicher Regionen und Länder ist das Ziel. Sogar vor der Auslöschung des gesamten menschlichen Lebens (Omnizid) schrecken die herrschenden Eliten nicht zurück. Und die Massenmedien sind „das Werkzeug des Kriegsministeriums (...) im Dienste der Verdummung der Massen, der Hetze und Hasspropaganda“ (Bertha von Suttner).

Bereits vor vier Jahren stellte ich in einem Offenen Brief an die Parteivorsitzenden von CDU, CSU und SPD acht Forderungen an die künftige Bundesregierung (NRhZ  v. 6.11.213). Die erste und wichtigste lautete schon damals: „Kriege sind nicht mehr verantwortbar – Internationale Konflikte nur mit friedlichen Mitteln lösen!“ Von deutschem Boden solle nie wieder Krieg ausgehen (Grundgesetz-Forderung) und die deutsche Regierung solle in allen internationalen Gremien ihre gewichtige Stimme zum Segen der Menschheit einbringen, indem sie darauf hinwirkt, dass völkerrechtswidrige Angriffskriege gegen souveräne Staaten unterbleiben und internationale Konflikte nur mit friedlichen Mitteln (Dialog und Begegnung) gelöst werden. Bundeskanzlerin Merkel ließ mir daraufhin in einem Dankesschreiben vom 11.11.2013 ausrichten, dass meine „Ausführungen und Bewertungen aufmerksam aufgenommen wurden“. Doch was wurde von meiner Forderung umgesetzt? Es ist alles noch schlimmer geworden! Was schert Politiker die Meinung des Volkes.


Bundesweite Friedensdemonstration "Die Waffen nieder" am 8. Oktober 2016 in Berlin

Experten-Warnungen vor „großem Krieg“ häufen sich

Deutschland beteiligt sich heute an unzähligen Kriegen weltweit, u.a. auch in Syrien an der Seite der USA. Diese Kriegseinsätze und die Hochrüstung des Militärs kosten den deutschen Steuerzahler viele Milliarden pro Jahr, die für das Volk, z. B. für Bildungs- und Infrastrukturmaßnahmen und Rentner fehlen. Doch nicht nur das:  Ganz offen und unverhohlen wird seit geraumer Zeit – wie vor über 100 Jahren – von verschiedener Seite vor dem großen kommenden Krieg gewarnt. Auf Empfehlung der Regierung sollten wir Bürger deshalb Vorsorge treffen, uns Vorräte zulegen.

Am 4.7.2015 zitiert der FOCUS unter der Schlagzeile „Experten warnen: Die US-Präventivstrategie führt zu einem dritten Weltkrieg“ den unabhängigen kanadischen Professor Michel Chossudovsky („Global Resarch“). Dieser sei sich sicher, dass die USA die größte Bedrohung für den Westen sei. Er würde behaupten, „dass die Amerikaner einen atomaren Erstschlag gegen Russland in Erwägung ziehen – was zwangsläufig zum dritten Weltkrieg führen müsse. Eine krasse These, für die der Kandadier jedoch Unterstützung von anderen Experten bekommt.“

Ein Jahr später kündigt der ehemalige NATO-General Richard Shirreff in seinem Buch „2017 War With Russia“ den totalen Krieg zwischen Ost und West – inklusive des Einsatzes von Atomwaffen – für Mai 2017 an. Und es geht weiter: Am 24.9.2017 berichtet RT Deutsch unter der Überschrift „Schlafwandelnd in den Atomkrieg: Wie sich die USA auf den Erstschlag vorbereiten“, dass nach einer seit März 2017 vorliegenden Studie drei US-amerikanische Wissenschaftler vom MIT eindringlich auf die enormen Gefahren hinweisen, die sich mit der immens teuren Modernisierung der US-amerikanischen Nuklearwaffen ab 2020 verbinden. Die drei Sicherheitsforscher schreiben: „In Wirklichkeit geht es aber darum, durch die Einführung revolutionärer neuer Technologien die Zielerfassung und Treffsicherheit der ballistischen Raketen der USA gewaltig zu verbessern. Durch diese erstaunlichen Verbesserungen wird das Vernichtungspotential der vorhandenen US-Atomwaffen fast verdreifacht: Solche Vorbereitungen trifft ein Atomwaffenstaat nur, wenn er vorhat, einen Atomschlag zu führen und zu gewinnen, indem er seine Feinde durch einen überraschenden atomaren Erstschlag entwaffnet.“

Am 24. Dezember titelt Spiegel Online: „US-General stimmt Soldaten auf ‚großen Kampf’ ein“: „Nach Worten des US-amerikanischen Generals Robert Neller sollen sich die Streitkräfte des Marinekorps der Vereinigten Staaten auf einen ‚verdammt großen Kampf („big-ass fight“) vorbereiten: ‚Ich hoffe, dass ich falsch liege. Aber es wird Krieg geben. Vergesst nicht, warum ihr hier seid’, sagte der oberste General der Marinestreitkräfte in Norwegen vor 300 Solddaten bei einem Truppenbesuch.“ Schließlich eine weitere Warnung, worüber Konzernmedien nicht berichteten: die Kassandra-Rufe des neunzigjährigen Stanford-Mathematikers und ehemaligen Verteidigungsministers unter Clinton, William J. Perry: „Heute,“ sagte er in einer spektakulären Rede in der National Cathedral in Washington, „erschaffen wir aufs Neue die geopolitische Feindschaft des kalten Krieges. Wir tun das ohne eine öffentliche Diskussion, ohne irgendein Verständnis unseres Handelns – wir bewegen uns schlafwandelnd in einen neuen kalten Krieg und es besteht die sehr reale Gefahr, dass wir in einen Nuklearkrieg hineinstolpern.“ Auch wandte er sich ausdrücklich gegen die Russland-Sanktionen und betonte, dass der Westen sich damit selbst bestrafe und es einer Katastrophe gleichkomme, die Russen gegen den Westen aufzubringen.


Bundesweite Friedensdemonstration "Die Waffen nieder" am 8. Oktober 2016 in Berlin

Bereits Drohung mit Atomwaffen ist Verbrechen

Zu Beginn des Jahres 2016, genau vor zwei Jahren, schrieb ich in einem Artikel „Kenntnisreiche amerikanische wie internationale Beobachter einig: Gefahr eines (versehentlichen) nuklearen Armageddon“ (NRhZ v. 13.1.2016), dass bereits die Drohung mit Nuklearwaffen – wie wir sie ständig vom US-Präsidenten vernehmen – nach dem amerikanischen Völkerrechtler Francis Boyle „Nuklearterrorismus“ und seit dem Nürnberger Kriegsverbrecher-Tribunal 1945 ein Verbrechen gegen den Frieden und die Menschheit ist. In einem Vortrag warf Professor Boyle der US-Regierung vor, „nach den Atombomben von Hiroshima und Nagasaki und der Verbrennung von 250.000 unschuldigen Menschen weiter an der Entwicklung dieser die gesamte Menschheit bedrohenden Waffen festzuhalten und damit nachweisbar Verbrechen wie die Nazis zu begehen. (...) Heute steht die Welt vor dem Abgrund eines weiteren Weltkrieges“.

Boyle fügte hinzu: „Daher sind die Regierungsbeamten in allen Nuklearwaffen-Staaten, nicht nur die der Vereinigten Staaten – sie sind natürlich die schlimmsten –, (...) Verbrecher. Sie sind Verbrecher! Für ihre Androhung, die ganze Menschheit zu vernichten! Für ihre Androhung, die Nürnberg-Verbrechen gegen den Frieden, die Verbrechen gegen die Menschheit, die Kriegsverbrechen und den Genozid zu wiederholen! (...) Die Menschheit muss die Nuklearwaffen abschaffen, bevor die Nuklearwaffen die Menschheit abschafft! Jeder auf der ganzen Welt hat das grundlegende Menschenrecht, frei von der verbrecherischen Praxis nuklearer Bedrohung / nuklearen Terrorismus’ und seinem Gespenst der nuklearen Ausrottung zu sein. Alle menschlichen Wesen (...) besitzen das Grundrecht unter dem humanitären Völkerrecht, zivilen Widerstand zu leisten, um diese angedrohten Taten internationaler Verbrechen entweder zu verhüten, zu behindern oder zu beenden.“ (NRhZ v. 25.1.2012)


Bundesweite Friedensdemonstration "Die Waffen nieder" am 8. Oktober 2016 in Berlin

Die Waffen nieder! 

Heute, zu Beginn des Jahres 2018, habe ich angesichts nicht enden wollender Warnungen vor dem nächsten Weltkrieg nur noch die eine Forderung: Die Waffen nieder! Da noch nicht abzusehen ist, wer an der zukünftigen Regierung beteiligt sein wird, richtet sich diese Forderung an die Vorsitzenden aller Parteien Deutschlands. Das heißt: Aussteigen aus den verhängnisvollen Bündnis-Verpflichtungen mit der US-NATO, Beendigung aller Kriegsbeteiligungen, US-Atomwaffen raus aus Deutschland und Umstellung der boomenden Kriegswirtschaft auf Friedens-Wirtschaft („Schwerter zu Pflugscharen“) als Regierungsprogramm. Wenn Deutschland als Schwergewicht innerhalb der EU diese weitreichenden Maßnahmen umsetzt, hat das eine enorme Signalwirkung für alle anderen Länder in der NATO und weltweit. Die endlosen Ruinenlandschaften, die wir fast täglich im TV sehen und die Millionen zerstörter Kinderseelen und traumatisierter heimatloser Erwachsener wie auch die verheerenden Epidemien als Folge jahrelanger Stellvertreterkriege im Mittleren und Nahen Osten und Nord-Afrika vermitteln uns einen Vorgeschmack darauf, was auch unsere Länder im Falle eines atomaren Infernos erwartet.


Bundesweite Friedensdemonstration "Die Waffen nieder" am 8. Oktober 2016 in Berlin

Für uns Bürger gibt es dann nur eins: Sag NEIN!

Und wenn wir kein Gehör finden bei Politikern, sie uns mit konventionellen Lügen abspeisen, dann müssen wir uns zusammentun und als souveräne Bürger selbst vor die Türe treten – wie Gottfried Keller sagte – und nach dem Rechten schauen. Jeder Mensch besitzt einen mehr oder weniger großen Einflussbereich, den er nutzen kann. Es hängt von uns Menschen ab, von unserem Willen und Verstand, ob wir die Tod bringenden politischen Machtspiele mitspielen oder ob wir beherzt „NEIN! sagen, wenn sie uns morgen befehlen...“ – so das Vermächtnis von Wolfgang Borchert nach traumatischen Weltkriegs-Erlebnissen an uns Nachgeborene. Auch diesen Prosatext „Dann gibt es nur eins!“ sollte man sich – auch als Politiker – noch einmal in Ruhe zu Gemüte führen. Er endet mit der Beschreibung eines apokalyptischen Nachkriegszustands einer Welt ohne Menschen, durch die ein letzter, tödlich verletzter Mensch irrt, dessen Frage nach dem Warum von niemandem mehr gehört und beantwortet wird. Der Text endet mit den Worten: „all dieses wird eintreffen, morgen, morgen vielleicht, vielleicht heute Nacht schon, vielleicht heute Nacht, wenn--, wenn -- wenn ihr nicht NEIN sagt.“


Literatur:

- Von Suttner, B. (1977). Die Waffen nieder! Hildesheim.
- Von Suttner, B. (1914 u. 2012) Lay Down Your Arms. The Autobiography of Martha von Tilling. New York, London, Bombay, Calcutta and Madras.
- Dr. Fried, A. H. (Hrsg.) (1917) Von Suttner, B. Der Kampf um die Vermeidung des Weltkriegs. Randglossen aus zwei Jahrzehnten zu den Zeitereignissen vor der Katastrophe. (1892-1900 und 1907-1914). II. Band: Von der zweiten Haager Konferenz bis zum Ausbruch des Weltkrieges. Zürich.




Dr. Rudolf Hänsel ist Diplom-Psychologe und Erziehungswissenschaftler. Sie erreichen ihn unter www.psychologische-menschenkenntnis.de

Online-Flyer Nr. 642  vom 04.01.2018

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