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Aktueller Online-Flyer vom 22. Juli 2018  

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Medien
Eine lockere Folge von Leserbriefen und Kommentaren
Hajos Einwürfe
Von Hajo Kahlke

Es sind der von der Rhein-Neckar-Zeitung unterstellte Antisemitismus; die Anonymität der Opfer vom Berliner Breitscheidplatz, die in einer rbb-Meldung kein Thema ist; der antipalästinesische Exzess der Rhein-Neckar-Zeitung; die Frage, ob man in öffentlichen Räumen für Völkerrecht und Palästina werben darf; und eine "Systemische Intrige", die von der Tageszeitung junge Welt "Systemische Manipulation" genannt wird; denen "Hajos Einwürfe" diesmal gewidmet sind. Die Neue Rheinische Zeitung versteht sich im Verbund mit der Vierteljahresschrift DAS KROKODIL als ein Forum, das zum Nachdenken anregen, eingefahrene, verkrustete Denkstrukturen aufbrechen bzw. der bewusst lancierten Desorientierung des Denkapparats – besonders der Linken – entgegenwirken will. Hajos kurze Texte sollen dazu ihren Beitrag leisten. Die Neue Rheinische Zeitung bringt deshalb in loser Folge von ihm verfasste Leserbriefe und Kommentare, die bei den Angeschriebenen nur selten das Licht der Öffentlichkeit erblicken.


"Juden als Verbrecher?"

Zur Illustration ihrer schon an sich fragwürdigen Überschrift zeigt die RNZ das Foto von einer morgenländischen Kopftuch-Frau mit einem Schild, auf dem eine Moschee, offensichtlich Felsendom oder Al-Aqsa-Moschee, gezeichnet ist. Darauf Bezug nehmend steht daneben geschrieben "Liebe Verbrecher bis hier und nicht weiter". Die Botschaft des Schilds ist klar: die nun schon 50 Jahre andauernde rechtswidrige Besetzung Palästinas, diese Ursache für den gewaltsamen Tod tausender Menschen, ist ein Verbrechen, das nicht noch durch die Annexion Ost-Jerusalems auf die Spitze getrieben werden darf. Und die lieben Verbrecher, lieb in der westlichen Wahrnehmung und Wertung versteht sich, sind die Exekutoren dieser Besatzung, insbesondere Israels Regierung und Armee. Kein vernünftiger Mensch wird bei objektiver Betrachtung diese spezifische Anklage gegen Israel mit einer Beschuldigung, Juden seien als solche Verbrecher, gleichsetzen. Die RNZ jedoch versucht mit ihrem Bildtext "Juden als Verbrecher?" der abgebildeten Kopftuch-Frau mit Schild genau diese Antisemitismus-Schelle umzuhängen. Damit liegt sie im Trend der Mainstream-Medien. In deren Neusprech steht ja das Wort Antisemit nicht mehr wie früher klar für "Wer die Juden hasst", sondern immer mehr auch für "Wen Israel und die Freunde der Besetzung Palästinas hassen".

Leserbrief zum Artikel "Der Antisemitismus wird nach Deutschland exportiert", Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) vom 18.12.2017


Warum die Anonymität der Opfer vom Berliner Breitscheidplatz?

Den Opfern den nötigen Respekt zu erweisen, heißt auch, sie als einzelne Menschen mit ihrem Namen und mit der Angabe des Alters zu benennen. Und das entspricht auch einem gerechtfertigten Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit. Die Gefahr, dass dann die Angehörigen zu allem Unglück auch noch z.B. von den BILD-Zeitungsreportern der Merkel-Freundin Friede Springer belästigt und bedrängt werden, besteht, kann aber hier kein Hinderungsgrund sein. Vielmehr müsste eine verantwortungsbewusste Regierung mit der Bekanntgabe von Namen und Alter der Opfer in aller Deutlichkeit zum Ausdruck bringen, dass solches die Privatsphäre der Angehörigen missachtende Verhalten verabscheuungswürdig und nicht zu akzeptieren ist. So aber hat die Merkel-Regierung ein Jahr lang die Opfer in der Anonymität belassen und ihre Namen einfach verschwiegen. Warum?

Leserbrief zu rbb24-Meldung "Terroranschlag am Berliner Breitscheidplatz - Goldener Riss wird am Jahrestag des Anschlags enthüllt" vom 11.10.2017


Vernichtung des Staats Palästina

Seit fünfzig Jahren fungiert Israel ganz wesentlich als Besatzerstaat und betreibt so 'präventiv', im Vorfeld bereits, die Vernichtung des Staats Palästina. Solange dies andauert, ist das Om-mani-padme-hum-mäßige Bekenntnis zum "Existenzrecht Israels" - ohne den umgehenden, einschränkenden Zusatz "in den Grenzen von 1967" - ein völkerrechtsnihilistisches Bekenntnis zum Besatzungsunrecht und zugleich die Verneinung des Existenzrechts Palästinas. Und solange dies andauert, ist dann auch die israelische Fahne ganz wesentlich Symbol für Besatzungsunrecht. Wenn sie nun demonstrativ verbrannt wird (im übrigen eine immer wieder und mit allen möglichen Nationalfahnen stattfindende Protestzeremonie), ist das nichts anderes als ein wütend-hilfloser Schrei nach Gerechtigkeit. Hieraus Antisemitismus konstruieren zu wollen, und dabei sehr geschickt die Assoziation "Fahnen verbrennen - Bücher verbrennen - Menschen verbrennen" nahezulegen, ist zynisch. Wobei dieser Antisemitismus-Vorwurf genau genommen auch noch behauptet, dass die spezifische Unrechtszufügung Israels gegenüber den Palästinensern typisch für die Gesamtheit der Juden, ja wesentlich für das Judentum schlechthin, sei. Die völlige Missachtung der Palästinenser, die der Mainstream von Politik und Medien anlässlich von etwas angezündeten Stoff nun wieder an den Tag legt, irritiert. Offenbar gibt es nach wie vor eine tiefsitzende Geringschätzung der Araber, der Orientalen, dieser Nicht-Europäer, welche in Form der allseits propagierten Multikulti-Gesellschaft eben nur scheinbar bzw. nur partiell in das andere Extrem umgeschlagen ist. Offenbar erwachen die Ignoranz und Arroganz der europäischen Herrenvölker gegen den Rest der Welt immer wieder zu neuem Leben. Dieses Übel muss man - auch wenn das Wort durch einen inflationären Gebrauch zunehmend seines eigentlichen Sinns beraubt wird - bei seinem hier zutreffenden hässlichen Namen nennen: RASSISMUS.

Gedanken zum antipalästinesischen Exzess der Rhein-Neckar-Zeitung vom 12.12.2017 ("Empörung über brennende Israelflaggen", "Und wieder brennen israelische Flaggen, Empörung über Ausschreitungen in Berlin", "Hart eingreifen, Klaus Welzel zu den antijüdischen Protesten in Berlin", "RNZ-Lexikon: Antisemitismus", "'Solche Demonstrationen sofort auflösen', Der Zentralratsvorsitzende Josef Schuster über das Verbrennen israelischer Flggen in Berlin - Die AfD nimmt er in Mitverantwortung" - alles Rhein-Neckar-Zeitung vom 12.12.2017, Seite 1 und 2)


Darf man in öffentlichen Räumen für Völkerrecht und Palästina werben?

Diese Fragestellung in der RNZ-Überschrift bedient leider - wie dann auch der RNZ-Artikel selbst - die von extremen Israel-Fans vorgebrachten Verbotsforderungen gegen Palästina-freundliche Meinungen und Aktivitäten. Richtig müsste die Fragestellung angesichts 50 Jahre rechtswidriger Okkupation, gegen die sich die BDS-Kampagne ja richtet, hingegen so lauten: "Darf man in öffentlichen Räumen für Völkerrecht und Palästina werben?" Die Antwort ist natürlich: Man darf es nicht nur, man MUSS es sogar tun!

Leserbrief zur Überschrift "Darf man in öffentlichen Räumen für einen Totalboykott Israels werben?" in der Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) vom 8.12.2017, Seite 3


Das westliche Rodtschenkow-Narrativ bedienend

Ein Russland ohne Staat und Fahne, auf dass seine Menschen nicht mehr als untereinander verbundene Staatsbürger, sondern nur noch als atomisierte Einzelwesen agieren. Das IOC (dessen einziges "Mitglied ehrenhalber" im übrigen Henry Kissinger ist) macht diesen Traum der westlichen Herrenmenschen und modernen Ostlandreiter nun schon einmal exemplarisch wahr. Hat der Westen doch im beschließenden Executive Board des IOC mit seinen sechs Mitgliedern aus NATO-Staaten (Bach, Erdener, Samaranch, Defrantz, Ruggiero, "Aruba"-Hoevertsz) und drei weiteren Mitgliedern aus der Schweiz und aus Schweden für alles und jedes eine komfortable Mehrheit. Dennoch, und auch wenn Olympia stets politisch funktionalisiert wurde, ist der jetzt gefasste antirussische Beschluss in seiner Skrupellosigkeit und Aggressivität äußerst bemerkenswert. Da gehört zu einer vollständigen Information dann wenigstens die Angabe, ob er denn einstimmig gefasst wurde, bzw. wiewiel Enthaltungen und Gegenstimmen es gab, und ggf. von wem. Es spricht übrigens nicht für die junge Welt, dass sie über ein so herausragendes Ereignis erst einen Tag später berichtet als jede andere Tageszeitung. Und das dann leider nicht mit einer klar für Russland Position beziehenden Überschrift wie etwa "Systemische Intrige", sondern vielmehr - das westliche Rodtschenkow-Narrativ von den systematisch-institutionell vertauschten Urinproben bedienend - mit der Überschrift "Systemische Manipulation".

Leserbrief zum Artikel "Systemische Manipulation", von Jens Walter, junge Welt vom 7.12.2017

Online-Flyer Nr. 642  vom 27.12.2017

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Von Kostas Koufogiorgos
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