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Aktueller Online-Flyer vom 24. Januar 2018  

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Aktuelles
Verleihung des Kölner Karlspreises, Berlin, Babylon, 14.12.2017
Palästinenser: die letzten Opfer Hitlers
Stellungnahme von Gilad Atzmon

Die Verleihung des Kölner Karlspreises für Engagierte Literatur und Publizistik im Berliner Babylon am 14. Dezember 2017 an Ken Jebsen bzw. sein Team und seine Community war getrübt von Auseinandersetzungen. Dabei ging es insbesondere um den britischen, aus Israel stammenden Jazz-Musiker Gilad Atzmon. Wie auch weitere an der Preisverleihung Beteiligte – Daniele Ganser, Evelyn-Hecht-Galinski, DIE BANDBREITE, Muslim-Markt - und der Preisträger Ken Jebsen selbst, wird Gilad Atzmon von einer breiten (Quer-)Front von "rechts" bis tief hinein in die "Linke" angegriffen. Diese Angriffe kommen von außen (Springers WELT bis "junge Welt") aber auch von "innen" – aus dem unmittelbaren Umfeld des Preisträgers. Bereits bei der Gerichtsverhandlung um die Einstweilige Verfügung gegen die widerrechtliche Annullierung des Babylon-Mietvertrags wurden extreme Beschuldigungen gegen Gilad Atzmon vorgetragen: er sei einer von denen, die Menschen wie den von einem "amerikanischen Juden" abstammenden Babylon-Betreiber auf den Scheiterhaufen bringen wollen. Gilad Atzmon hat zu den Vorwürfen eine Stellungnahme verfasst, die er im Rahmen der Preisverleihung als auch bei der vorausgehenden Kundgebung "Demokratie und Meinungsfreiheit verteidigen" vorgetragen hat. Die NRhZ dokumentiert sie.


Gilad Atzmon im Babylon, Berlin, 14.12.2017 (alle Fotos: arbeiterfotografie.com)

In den letzten Tagen, im Vorfeld der Karls-Preisverleihung der Neuen Rheinischen Zeitung, wurden Ken Jebsen, Andere und ich selbst das Ziel einer aberwitzigen Verleumdungskampagne. Nichts davon wurde begründet. Es folgten erfundene Zitate - ich wurde als „Holocaustleugner“ und „Holocaustrelativierer“ bezeichnet. Und nicht eine einzige wahre Referenz zu meinen Schriften oder Reden wurde herangezogen. In meinen Arbeiten kritisiere ich, dass der Holocaust auf eine plumpe Religion, ein intolerantes Dogma reduziert wird. In meinen Schriften protestiere ich gegen alle Gesetze, die Geschichte betreffen (Nakba-Gesetze, Gesetze über den armenischen Genozid, Holocaust-Gesetze usw.) Geschichte ist für mich der Versuch, die Vergangenheit zu erzählen, während wir voranschreiten. Geschichte muss als dynamischer Diskurs ausgehalten werden, der konstanter Veränderung und Neubetrachtung unterliegt, auch wenn solche Veränderung leichtes Unwohlsein hervorruft. Für mich ist Geschichte eine ethische Botschaft. Nur wenn wir die Geschichte prüfen, können wir unsere Zukunft, unser Schicksal neu überdenken.

In den vergangenen Tagen haben mich manche deutsche Presseorgane als „Antisemiten“ bezeichnet. Bin ich das? Habe ich jemals irgendjemanden, Juden eingeschlossen, kritisiert - als „Volk“, als „Rasse“, als „Biologie“, als „Ethnizität“? Niemals! Meine Arbeit ist antirassistisch. Durch meine Musik, meine Texte und Aufführungen habe ich mein ganzes erwachsenes Leben dem Kampf gegen Rassismus gewidmet. Ich bin gegen alle Formen der biologisch orientierten Politik: „Weiße Politik“, „Schwarze Politik“, geschlechterspezifische Politik, jüdische Politik. Ich suche stattdessen nach dem, was Menschen zusammen führt. In meinen Schriften und Reden unterscheide ich klar zwischen den Juden (das Volk), welches ich nie kritisiere, dem Judaismus (die Religion), mit dem ich mich selten befasse, und dem „Jüdischsein“ (die Ideologie, Politik und Kultur). In meiner Arbeit konzentriere ich mich auf das Letztere – die Ideologie, die Politik und die Kultur – und gehe davon aus, dass wir uns alle einig darin sind, dass diese kritisiert werden dürfen.
 

Gilad Atzmon im Babylon, Berlin, 14.12.2017 (ODS: One Democratic State)

Wenn Sie von Holocaustleugnung sprechen wollen, teile ich Ihnen auch etwas über Leugnung/Verweigerung mit. Intellektuellen, Autoren und Künstlern das Recht abzusprechen, in der Öffentlichkeit ihre Meinung zu äußern, ist der Moment in dem Faschismus beginnt. Was ich in Deutschland in den letzten Tagen beobachtete, führt bei mir zu dem Schluss, dass manche Teile Ihrer Gesellschaft wirklich nichts aus der deutschen Geschichte gelernt haben. Den Holocaust leugnen heißt, seine Bedeutung zu leugnen, die Augen abzuwenden, wenn man Böses sieht, das Herz erkalten zu lassen, wenn man sich an Bösem beteiligt oder den Hass zelebriert. Den Holocaust leugnen heißt, die eigene Unfähigkeit auszublenden, Andere und Anderssein zu tolerieren. Es ist mehr als schmerzhaft für mich, Zeuge davon zu werden, wie Deutschland nur sieben Jahrzehnte nach der Befreiung von Auschwitz blind in dieselbe Falle tappt.

Ich möchte noch einen Satz über Palästina hinzufügen: Manche Deutsche behaupten, dass sie von ihrer Vergangenheit, den Gräueltaten des 3. Reiches, gequält werden. Wenn dies wirklich der Fall ist, dann darf ich Sie an eine einfache, bedrückende Tatsache erinnern – die Palästinenser sind die letzten Opfer Hitlers. Es war das Ausmaß der Shoah, das zur Unterstützung des Zionismus und so zur Gründung des jüdischen Staates in Palästina führte. Aber es sind die unschuldigen Palästinenser, die in den letzten 7 Jahrzehnten den Preis für die durch Europäer begangenen Verbrechen bezahlen. Wenn Ihr Euch wegen Hitler schuldig fühlt, dann steht ein für Palästina und die Palästinenser!


Videoaufzeichnung – deutsche Fassung




English:


In the last few days, in advance of the NRhZ’s humanitarian award ceremony, like Ken (FM) Jebsen and others, I have been subject to an insane defamation campaign. None of it was substantiated. It was comprised of fabricated quotes: I was called a ‘holocaust denier’ and a ‘holocaust relativist.’ Yet, not a single genuine reference was made to my writings or talks. In my work I criticise reducing the holocaust into a crude religion, an intolerant dogma. In my writing I protest against all history laws (Nakba laws, Armenian Genocide laws, Holocaust laws etc.) History for me, is the attempt to narrate the past as we are moving along. As such, it must be sustained as a dynamic discourse, subject to constant change and revision, even if this change happens to be slightly uncomfortable. For me, history is an ethical message -- Only when we revise the past may we be able to, once again, rethink our future and destiny.

In recent days some of the German press referred to me as an ‘anti-semite.’ Am I? Have I ever criticized anyone including Jews as a ‘people’, as a ‘race,’ as a ‘biology’, or as an ‘ethnicity’? Never! My work is anti racist. I have dedicated my entire adult life to fighting racism through my music, my writing and my performances. I am opposed to all forms of biologically-oriented politics: White, Black, Gender as well as Jewish. I am searching instead for that which brings humans together. In my writing and talks I make a clear distinction between the Jews (the people) whom I never criticize, Judaism (the religion) which I rarely deal with and Jewishness (the ideology, politics and culture). In my work I focus on the last- - the ideology , the politics and the culture, assuming that we all agree these (ideology, politics and culture) must be open to criticism.

But if you want to talk about holocaust denial, I will tell you something about denial. To deny intellectuals, authors and artists the right to express their views in the open is where fascism starts. What I saw in Germany in the last few days suggests to me that some segments within your society really learned nothing from the history of your country. To deny the holocaust is to deny its meaning, to turn your eyes away when you see evil, to let your heart become cold when you yourself participate in evil or celebrate hatred. To deny the holocaust is to fail to address your own inability to tolerate others and otherness. It is beyond painful for me to witness Germany being led blindly into the same trap just seven decades after the liberation of Auschwitz. 

But I would like to add one more line on Palestine. Some Germans claim to be tormented by their past, by the atrocities of the 3rd Reich. If this is indeed the case, let me please remind you of a simple but embarrassing fact – the Palestinians are the last victims of Hitler. It was the extent of the Shoah that brought support to Zionism and led to the formation of the Jewish State in Palestine. But it is the innocent Palestinians who, for the last seven decades, have been paying the price for crimes committed by Europeans. If you feel guilty about Hitler, stand for Palestine and the Palestinians!


Videoaufzeichnung – englische Fassung




Anhang:


Erwiderung von Gilad Atzmon auf einen Artikel von Ludwig Watzal
(in deutscher Übersetzung)


In den letzten Tagen hat die Gesamtheit der zionistischen Medien in Deutschland gemeinsam mit einigen Agenten aus unseren eigenen Reihen eine üble Diffamierungskampagne gegen mich geführt, in dem verzweifelten Versuch, mich als „Antisemit“ und „Holocaust-Leugner“ darzustellen. Die deutschen Nachrichtenagenturen versuchten nicht einmal, sich dabei direkt auf meine eigenen Werke zu beziehen. Die „Welt“ und ähnliche Zeitungen haben nicht einmal den Versuch unternommen, ihre Behauptungen zu belegen. Vor wenigen Tagen habe ich in Berlin bei der Verleihung des Kölner Karlspreis für Engagierte Literatur und Publizistik der „Neuen Rheinischen Zeitung“ eine öffentliche Erklärung abgegeben, die sich mit diesen wahnwitzigen Anschuldigungen befasst. Meine Erklärung wurde auf Video aufgezeichnet und wird in Kürze veröffentlicht. Ich beabsichtige, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um gegen diesen Blitzkrieg der „Fake-News“ vorzugehen.

Indes behauptet Ludwig Watzal, angeblich ein „Palästina-Unterstützer“, den „Beleg“ meines „Antisemitismus“ gefunden zu haben. Nehmen wir uns fünf Minuten und widmen uns Watzals falschem Spiel.

Das Folgende ist angeblich ein „Zitat“ aus meinem 2011 erschienenen Buch „The Wandering Who?“ (dt. „Der wandernde - Wer?“, 2012): „Wenn der Iran und Israel einen Atomkrieg führen würden“, sagen sie, „wird dies einigen ausreichen, um zu argumentieren, dass 'Hitler letztlich doch Recht hatte’“ (179).

Diese Worte wurden gezielt so zusammengesetzt, um mich als Hitler-Anhänger darzustellen. Tatsächlich vermitteln meine ursprünglichen Worte in meinem Buch genau die entgegen gesetzte Botschaft:

„Wir können uns zum Beispiel eine entsetzliche Situation vorstellen, in der ein so genannter atomarer Erstschlag durch Israel auf den Iran zu einem katastrophalen Atomkrieg eskaliert, dem Dutzende Millionen Menschen zum Opfer fallen. Ich vermute, dass unter den Überlebenden eines solchen Alptraumszenarios manche dreist argumentieren würden, dass 'Hitler vielleicht doch recht gehabt hätte'.

Das Obige ist offensichtlich ein fiktives Szenario und keineswegs ein wünschenswertes…“ (179)

Hier stellt sich die Frage, warum Watzal das Bedürfnis hat, mir die Worte im Munde umzudrehen? Für wen arbeitet er?

Hier ist ein weiteres falsches „Zitat“, das Watzal anführt:

„Goyims Blut war tatsächlich leer oder unbegründet“ (185).

Glücklicherweise gibt es in „The Wandering Who?“ nichts, was dem obigen ähnelt. Hier sind meine eigenen Worte.

„Ich erinnere mich noch an den Besuch meiner Oberschulklasse in Yad Vashem, dem israelischen Holocaust-Museum in Jerusalem, in der Nähe von Deir Yassin, einem palästinensischen Dorf, das 1948 von seinen Einwohnern ‚gesäubert‘ worden war. Ich war damals 14 Jahre alt. Ich fragte die emotionale Fremdenführerin, ob sie die Tatsache erklären könnte, warum so viele Europäer an so vielen Orten gleichzeitig die Juden so sehr verabscheuten. Ich wurde für eine Woche aus der Schule geworfen. Anscheinend hatte ich die notwendige Lektion nicht gelernt, denn, als wir die mittelalterlichen Ritualmordvorwürfe studierten, stellte ich laut die verwunderte Frage, wie der Lehrer denn wissen könnte, dass diese Anschuldigungen, wonach Juden Matze aus dem Blut junger Goyim herstellten, tatsächlich leer oder unbegründet waren. Wieder einmal wurde ich für eine Woche nach Hause geschickt.“

Wieder zeichnen meine ursprünglichen Worte ein völlig anderes Bild. In „The Wandering Who?“ wende ich mich gegen die Abkehr von historischem Denkens, was nicht nur meiner Meinung nach symptomatisch für die jüdische Kultur und Ideologie ist.

Und dieselbe Frage kommt wieder auf: Wenn meine Wenigkeit wirklich so böse wäre, warum hält Watzal dann solche Täuschungsmanöver für nötig?

Aber dann unterbietet Watzal selbst sein sowieso schon niedriges Niveau. Das Folgende ist nicht einmal ein Zitat, es existiert schlicht nicht in meinem Buch. Watzal hat einen Satz einfach frei erfunden und mit einer willkürlichen Seitenangabe versehen, in der Hoffnung, dass niemand dies eigenständig überprüfen wird: „Die Geschichte der jüdischen Verfolgung ist ein Mythos, und wenn es irgendeine Verfolgung gab, brachten es die Juden selbst auf (175, 182).“

Selten trifft Watzal die Wahrheit, nur weil er zu unterbelichtet ist um zu begreifen, dass er in seinem Versuch, mich zu diffamieren, meine Aussagen in Wirklichkeit bestätigt. Laut Watzal sage ich, dass der in 5. Mose 6, 10-12 beschriebene „jüdische Gott“ „eine böse Gottheit ist, die sein Volk zu Plünderei, Raub und Diebstahl führt“.

Das entspricht jedoch ganz offensichtlich der Wahrheit. Ich schlage vor, Watzal gibt ein paar Euros aus und besorgt sich eine Ausgabe des Alten Testaments. Folgendes wird er dann im 5. Buch Mose 6,10-12 finden:

„Wenn der Herr, dein Gott, dich in das Land bringt, dann hat er deinen Vätern, Abraham, Isaak und Jakob geschworen, dir ein Land mit großen, blühenden Städten zu geben, die du selber nicht erbaut hast, Häuser voller guter Dinge, die du nicht angeschafft hast, Brunnen, die du nicht gegraben hast, und Weinberge und Olivenhaine, die du nicht gepflanzt hast - dann, wenn du isst und zufrieden bist, sei vorsichtig, dass du nicht den Herrn vergisst, der dich aus Ägypten herausgeführt hat, dem Land des Sklavendaseins.“

„Atzmon“, schreibt Watzal, „erklärt, dass 'Israel und der Zionismus ... die Zusagen in die Tat umgesetzt hat, die der hebräische Gott in den jüdischen heiligen Schriften versprochen hat“ (121).

Ich schlage Watzal vor, einen Blick in das 5. Mose 6,10-12 zu werfen und die Bedeutung der zionistischen Plünderung Palästinas im Kontext des biblischen Erbes neu zu überdenken.

Watzal ist verärgert über meine Lesart des Buchs Esther. Das sind Watzals Worte: „Die Moral des Buches Esther ist, dass Juden besser daran tun, die Machtkorridore zu unterwandern, wenn sie überleben wollen (158).“

Genau so interpretiere ich das Buch Esther tatsächlich. Damals war ich damit offenbar originell. Inzwischen sind meine Ansichten über Esther und ihr Buch jedoch weitgehend akzeptiert. Der moderate Zionist Peter Beinart hat sie fast Wort für Wort genau so wiederholt. In seinem kürzlich erschienenen Artikel „AIPAC Reflects Heroism Of Jewish Power — And Its Perils“ (dt. „AIPAC spiegelt das Heldentum der jüdischen Macht wieder - sowie seine Gefahren“), schrieb er: „An Purim lesen Juden das Buch Esther, das die Geschichte einer Jüdin erzählt, die unerwartet Einfluss bei einem mächtigen König gewinnt… Das ist auch die Geschichte des ‚American Israel Public Affairs Committee‘. Amerikanische Juden sind Esther. Sie haben nun Einfluss auf die mächtigste Regierung der Welt. Sie könnten selbst in Deckung bleiben und sich nur darauf konzentrieren, ihre eigene Sicherheit und ihre Privilegien zu bewahren…“

Ich weiß natürlich ganz genau, warum Ludwig Watzal das Bedürfnis hat, Lügen über mich zu verbreiten. Ich weiß auch sehr genau, warum die „Welt“ das Gleiche tut. Meine Lesart der jüdischen Kultur und Politik legt nahe, dass unsere Haltung gegenüber dem israelisch-palästinensischen Konflikt und der Lobby kategorisch falsch gewesen ist. Diese Haltung hat uns nirgendwohin gebracht, weil sie uns nur in die Irre führen sollte. In meinem Universum befreit uns die Wahrheit. Ich vermute, dass Watzal und ich bezogen auf intellektuelle Integrität wenig gemein haben. Ich werde von Athen angetrieben, Watzal gehört offensichtlich nach Jerusalem.

Quelle der Erwiderung von Gilad Atzmon
http://www.gilad.co.uk/writings/2017/12/17/ludwig-watzal-disinformation-agent

Quelle des Artikel von Ludwig Watzal:
http://between-the-lines-ludwig-watzal.blogspot.de/2017/12/ken-jepsen-dupiert-die-neue-rheinische.html
http://der-semit.de/ken-jebsen-laesst-preisverleihung-platzen/


Online-Flyer Nr. 641  vom 20.12.2017

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