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Aktueller Online-Flyer vom 12. Dezember 2017  

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Globales
Aus "Welt ohne Leib" – erschienen in "Bumerang" (9)
Die Antwort auf alles: Die Utopie der Moderne als globale Durch-Setzung des „Vater-Ursprungs“ – das „Patriarchat“ – Projekt der Neu-Schöpfung der Welt über die Vernichtung des Mutter-Ursprungs „Matri-archat“
Von Claudia von Werlhof

"Bumerang" ist eine "Zeitschrift für Patriarchatskritik". Im Herbst 2017 ist Ausgabe 3 erschienen. Ihr Schwerpunkt ist "Patriarchat als Technik". Claudia von Werlhof hat dafür einen ca. 150 Seiten umfassenden Leitartikel geschrieben. Sein Titel lautet vollständig: "Welt ohne Leib – Die Maschine als das 'höhere Leben' – Auf der Einbahnstraße zum 'Omnizid' – Das utopische Projekt der modernen Technik und seine die irdischen Lebensbedingungen bewusst vernichtenden Folgen". Daraus gibt die NRhZ Auszüge wieder. Hier Auszug Nr. 9:

Triffst du nur das Zauberwort – fliegt die ganze Blindheit fort!

„Schläft ein Lied in allen Dingen
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort!“ (Joseph von Eichendorff)

a. Der neue Patriarchats-Begriff

Doch Vorsicht! Es gibt nicht viel zu singen, und es ist anders, als normalerweise geglaubt wird: Der Begriff des Patriarchats ist vielfach besetzt, und das nicht zufällig, und muss auch noch ergänzt werden durch den des Matriarchats, der auf der anderen Seite praktisch ausgelöscht ist: mater arché versus pater arché, realer Mutter-Ursprung versus angeblicher „Vater-Ursprung“. Nur so ist das Ganze zu verstehen.

Mit Ursprung – arché, archä – ist der des Lebendigen gemeint, sein jeweiliger „Anfang“. So ist „die charakteristische Ausgangsfrage der antiken Naturphilosophie... die nach dem ‚archä‘, dem Uranfang alles Gewordenen und des Lebens“ (Jaeger 2015, S. 118). Und das „Schlüsselwort der antiken Kosmogonien“ ist jenes nach der „Genesis“ (a.a.O., S.119). Wir wissen, wie diese Frage seit dem Monotheismus beantwortet wird: Es gibt seitdem angeblich einen Schöpfergott. Das zu beweisen und auf diesseitige Verhältnisse zu übertragen ist das Patri-archat angetreten. Denn dieser Beweis wäre die „Legitimation“ seiner Existenz. Ja, die Patriarchen, „Väter“, „Pharaonen“ und Herren haben diesen Gott offenbar erfunden, um ihre Vaterschaft, Herrschaft und ihr angebliches Schöpfertum damit zu erklären bzw. trotz seines Gewaltcharakters als „gut, wahr und schön“ zu rechtfertigen.

Die irdische Welt ist nämlich fast gänzlich eine des mater arché, des Ursprungs und Anfang alles Lebendigen in einer Mutter. Daher war die vorpatriarchale Zivilisation matri-archal. In ihr brauchte nichts beherrscht oder behauptet zu werden, denn die Ordnung war als die der Mütter, als mütterliche, vorgegeben, und auch in der übrigen Natur war es ein mütterliches Prinzip, der mütterliche Anfang, um den herum das Leben organisiert wurde, nämlich das der Kinder und Nicht-Mütter, also aller übrigen Frauen und Männer. Von ihrer schöpferischen Qualität her wurde deshalb die gesamte Natur als „Mutter Natur“, also als ebenfalls weiblich-mütterliche verstanden, bzw. gerade auch umgekehrt von ihrer Schöpfung aus auf die analoge der Frauen und Mütter geschlossen. Diese, an der Realität orientierte Sicht der Dinge, dauerte den größten Teil der Menschheitsgeschichte an.

Das Patriarchat ist dagegen ein Zivilisationsprozess, der erst seit einigen Tausend Jahren existiert und auf der Behauptung beruht, das Leben insgesamt sei ein Ergebnis männlich- „väterlicher“ und nicht natürlich-mütterlicher Schöpfungskraft. Um diese Behauptung, die jeder irdischen Erfahrung und Evidenz widerspricht, auch materiell zu beweisen, wird versucht, nach und nach den „Vater-Ursprung“, pater arché, also eine Art von männlicher „Parthenogenese“, zu erfinden, als real existierend zu behaupten und schließlich auch technisch durchzusetzen, also eine männliche Allein-Schöpfung des Lebens, des Todes und der Natur, ja des Universums allgemein. Eine solche direkte Neuschöpfung der Welt wird in verschiedenen Formen seit mehreren Tausend Jahren ausprobiert. Sie wird von ihren Apologeten als die höhere, edlere und bessere Schöpfung ausgegeben, setzt aber die Zerstörung der ursprünglichen Schöpfung voraus, aus deren Materie die neue konstruiert werden soll und wird.

Derartige „Schöpfung-aus-Zerstörungs“-Prozesse haben ihren Ursprung im Krieg, der historisch als patriarchaler Eroberungskrieg beginnt und sich als solcher fortsetzt. Sie werden als Methode bzw. Verfahren auf allen Ebenen eingesetzt – im Bereich der Politik, also in Krieg und „Frieden“, im Bereich des Geschlechter- und Generationenverhältnisses, im transzendent-Spirituellen des Glaubens und des Rituals, und im Naturverhältnis, also in Ökonomie und Technik (die in den vorliegenden Ausführungen der Ausgangspunkt war). Dabei wird ideologisch, religiös und „wissenschaftlich“ nachgeholfen, um die Zerstörung des Gegebenen systematisch zu legitimieren und die daraus erfolgende Neuschöpfung, sozusagen den „Wiederaufbau“, zu glorifizieren, selbst wenn er nicht gelingt. Daher haben wir es in Patriarchaten immer mit Verkehrungen zu tun, welche die Welt auf den Kopf gestellt sehen und stellen.

Die interdisziplinäre Methode zur Realisierung der un- und anti-irdischen Utopie des Patriarchats ist die ursprünglich matriarchale, später patriarchalisierte „Alchemie“ der Antike als erste Epoche großer patriarchaler Weltreiche, hier konkret der Pharaonen bzw. Ptolemäer. Sie wurde und wird aber auch in anderen patriarchalen Zivilisationen ausgeübt, wie etwa in Mesopotamien, Indien und China. Die Alchemie wurde während der europäischen Neuzeit und Moderne zur Trägerin der patriarchalen Botschaft und ihres Ziels der Um- und Neuschöpfung der Welt mit und durch deren Zerstörung und stellte auch das Verfahren dazu, die Technik im praktischen Sinne, bereit.

Ein solches Verständnis von „Patriarchat“ existiert bisher nirgendwo, so dass auch der Zusammenhang von Patriarchat und (antiker) Alchemie bzw. allgemein Technologie und heute Maschinerie nirgends gesehen wird.

Das Ergebnis ist überall eine Welt, Kultur und Natur, die wir im Prozess ihrer mutwilligen Zerstörung erleben müssen, welche im Laufe der Neuzeit und Moderne an Umfang und Geschwindigkeit derart zugenommen hat, dass die Lebensbedingungen auf der Erde nun insgesamt schwer bedroht sind. Die Zerstörung der Welt wird begleitet von ihrer angeblich möglichen „Höher-Schöpfung“. Diese gelingt aber nicht, vor allem nicht im Bereich des unmittelbar Lebendigen. Stattdessen wird eine künstliche Welt erschaffen, die am Ende ihr Ziel der Höherschöpfung des Lebendigen selbst faktisch aufgegeben hat, weil es nicht gelingt, ja nicht gelingen kann. Das Lebendige der Natur und diese selbst sollen nun im Prinzip vollständig auf- und abgelöst und durch die „Megamaschine“ als allumfassendes System ersetzt werden. Die Maschine als neue technische Errungenschaft gilt in diesem Kontext als „Leben“ bzw. als das „bessere“ Leben und die angeblich „bessere“ Natur. Aber es wird immer mehr damit aufgehört, sich an diesen Begriffen und Erfa
hrungen noch zu orientieren. Die Maschine ist nur mehr ein selbstreferentielles, tautologisches System.

Entsprechend sehen die Institutionen aus, die auf der gesellschaftlichen Ebene während des Prozesses der Konzipierung und Implementierung der Megamaschine entstanden sind und diesen als den der Durch-Patriarchalisierung, also der im Prinzip restlosen Überführung alles Lebendigen in die männlich/patriarchal-geschaffene Welt der Megamaschine begleiten. Das Ziel der Einen-Universal-Maschine wird schließlich als „Gott“ begriffen und imaginiert, entspricht damit also der These des Patriarchats von Anfang an, im Auftrag dieses Gottes zu handeln und den Beweis dafür zu liefern.

Damit erkennen wir den buchstäblichen roten Faden durch die ganze Patriarchatsgeschichte: Die Patriarchen, Väter und Herren verstehen sich immer schon selbst als Gottheiten, welche sie als Bilder nur vor sich hertragen, um sich und ihr Handeln nach außen zu legitimieren, um nicht direkt erkannt und auch noch verantwortlich gemacht zu werden für das, was sie hinter dieser Maske anrichten. Als „Götter“, die entsprechend nur Projektionen ihres eigenen Wollens und ihrer angestrebten und phantasierten Omnipotenz sind, ermächtigen sie sich selbst, eine neue, eigene Welt als „System“ – dasjenige der Megamaschine – zu erschaffen und dabei alles zu beseitigen, was vorher war: insbesondere die „Göttin“ als lebendiges Prinzip des Immanent-Transzendenten, die matriarchale Welt und ihre Ordnung sowie Mutter Natur. So fallen eine angebliche Omnipotenz und der laufende Omnizid in eins.

Am Ende dieses Projekts soll nun der Gottesbeweis erfolgen: Sie hätten den ultimativen Gott wirklich erschaffen, die „Singularität“ als universale Maschine!

In der Tat ist die Maschine konzipiert als Gottes- und Destruktionsinstrument in Krieg und Frieden, woher ihr immer deutlicher hervortretender Waffencharakter kommt – von der „maquina“´, dem Theater-Gerüst für Gott, das ein Erscheinen eines Gottes ermöglicht („deus ex maquina“),  und dem Gerüst zur Erstürmung der Stadtmauern, der ersten Kriegsmaschine, zur heutigen Maschine als Waffe und zur Gott-Maschine; und von Gott als Handwerker, der Adam und Eva aus Lehm formt und sie mit seinen Händen erschafft, zu jenem als Mechaniker und Uhrmacher bzw. als berechnenden Maschinisten und schließlich selbst als universale Mega-Maschine!

Wenn Gott, also das ganz und gar irdische Patriarchat, die Welt vom angeblich „Bösen“ befreien will, nämlich insbesondere dem in seiner ersten Schöpfung noch anwesenden „Teufel“ in Gestalt des Matriarchats, der Göttin, der Frauen und der Mutter Natur, oder allgemeiner: der Lebensbejahung sowie allem, welches sich der Einpassung in das System widersetzt, dann ist die Maschine dafür bisher am besten geeignet. Die ursprüngliche Schöpfung wird gewissermaßen mit der Motorsäge geschleift und mitunter zerstückelt, um an ihre Stelle die zweite Schöpfung, jene des „wahren Gottes“, des Patriarchats nämlich, zu setzen. Der Exorzismus des Nicht-Patriarchalen sei damit legitimiert, und das erklärt, warum die Kirchen nichts – außer neuerdings, angesichts der immer mehr sich offenbarenden Hybris, mittels Lippenbekenntnissen – gegen  die Zerstörung der Schöpfung sagt, denn es ist jene der Göttin als lebendiges Prinzip der leiblichen Urschöpfung, des Werdens und Vergehens, des Gebens und Empfangens, der Zyklen von Kontraktion und Expansion. Die moderne Naturwissenschaft handelt also im Namen eines Gottes als System, des Patriarchats, weshalb das Verhältnis zwischen beiden nie ernsthaft in der Krise war und viele Naturwissenschaftler ein religiöses Bekenntnis zu Gott als Weltschöpfer abgaben (Dürr 1989; Audretsch 1992) und immer noch abgeben.

So hat sich schließlich die Moderne selbst ermächtigt, im Namen Gottes, des Patriarchats, zu handeln und zur Vernichtung der Welt und der Erde im Sinne ihrer Ent-Leibung befugt zu sein. Denn immerhin ging und geht es ja gegen die „Antimacht“ in der Welt...Und da scheint alles erlaubt, eben wie im Krieg. In diesem Bewusstsein agieren alle ihre Protagonisten - als wären sie zur Omnipotenz und zum Omnizid Legitimierte! Wer das anzweifelte, war stets gottlos, ein Ketzer und des Teufels und kam gar auf den Scheiterhaufen – im materiellen, das heißt förmlich leiblichen, oder im ideellen Sinne. Heute gibt es andere Strafen für den Abfall vom Glauben an jenen Gott, das Patriarchat, dessen „Jenseits“ sich nun nur als eine Metapher für das entpuppt, was jenseits der Vernichtung des Diesseits dann als „bessere Welt“ angeblich entstehen können soll. Institutionen für die Bestrafung der Patriarchats- „Ungläubigen“ gibt es ja genug, welche sich unterschiedlichster Methoden bedienen.

Inzwischen wird jedoch immer klarer, dass die patriarchale Zivilisation am „Lebendigen“ in Form der uralten Lebensbedingungen auf der Erde notwendig scheitert. Es wird auch keine Singularität geben, wie sie Techno-Fetischisten und Techno-Faschisten anstreben. Der mögliche Selbstmord dieser Zivilisation, der als Vollendung des Omnizids für die ganze Erde inszeniert würde, ist technisch (atomar wie postatomar) im Prinzip schon vorbereitet.

Der Omnizid ist das bisher Unaussprechliche des Patriarchats, das von vornherein eingeplante „Verbrechen der Verbrechen“, das anstelle eines Neuanfangs jenseits des Patriarchats durchgeführt werden könnte. Entsprechende Todessehnsüchte, Nekrophilien, Hass-Äußerungen und Debatten über das Nichts begleiten das Heraufdämmern dieser letzten, ultimativen Möglichkeit.

Da das Patriarchat bisher nicht als umfassend zerstörerisches System erkannt wird, und zwar nirgendwo, kann nicht festgestellt werden, was seine Erkenntnis bewirken würde, und ob es daraufhin möglich wäre, seinem notwendigen Zusammenbruch bzw. jenem des Lebens auf der Erde zuvorkommen, den laufenden Omnizid zu stoppen, den gänzlichen zu verhindern und an den Abbau der Megamaschine sowie dem Neuerwachsen einer nicht mehr patriarchalen Zivilisation, welche sich an der matriarchalen generellen Lebensfreundlichkeit orientiert, zu gehen.

Das Patriarchat ist demnach die Antwort auf alle Fragen, auch auf solche, welche bisher noch gar nicht gestellt wurden und werden oder gar werden konnten. Sie stellen sich aber schon die ganze Zeit, und es ist bisher nicht erkennbar, warum niemand sie gestellt, das heißt ausgesprochen und durchdacht hat. Vielleicht ist das verkehrte Leben im Patriarchat so morphogenetisch stabil im Sinne seiner formbildenden Verursachung von Entwicklungen und Strukturen (Sheldrake 2009). Und selbstverständlich ist die Präsenz des Patriarchats eine Art von „kollektiv Unbewusstem“ (Erdheim 1982) geworden, das – gemeinsam mit seinen so schmerzhaften Folgen – als derart „natürlich“ erscheint, dass seine Identifikation und Hinterfragung offenbar nicht möglich war und ist.

Es kann also nur so sein, dass das Patriarchat nun an seine Grenzen gelangt und daher ein quasi „archäologischer“ Blick über diese Grenzen – nach vorn ins Nichts und nach hinten ins Matriarchat als Ausdruck lebensfreundlicher Existenz – möglich geworden ist. Die Relativierung, die das Patriarchat dadurch erfährt, macht seine Thematisierung daher nun denkbar. Genau das hat die Kritische Patriarchatstheorie unternommen und ist damit ein Ausdruck der patriarchalen Götter- bzw. Gottesdämmerung, von der wir uns wünschen, dass sie sich möglichst schnell ausbreiten möge. Der Trick, sich hinter der Maske „Gott“ verstecken zu können, um jede Hybris, Schuld- und Verantwortungslosigkeit für sich beanspruchen und entsprechend denken und vor allem handeln zu können, muss endlich durchschaut werden. Den Hasardeuren muss das Handwerk gelegt bzw. „der Stecker herausgezogen“ werden (Wörer 2017, S. 154)!

b. Antworten auf Fragen

Vom hier behandelten Thema der Technik ausgehend, stellen sich vor allem folgende Fragen, die nun alle beantwortet werden können:
  • Warum geht heute alles kaputt? Nicht weil es ein Versehen ist, sondern gewollt.

  • Warum wird heute das Lebendige gehasst? Weil es matri-archal ist. Patriarchale Technik geht immer mit Ablehnung an das Existierende heran, weil es vernichtet und ersetzt werden soll. Daher stoßen wir in der Technikdebatte dauernd auf Gefühle, aber auch ihre Verdrängung.

  • Welcher Geist ist es, der das Lewbendige verneint, verachtet, verhöhnt und verlacht? Nach Goethe: Mephisto. Es ist der patriarchale Geist, der entsprechend als Hass oder Gleichgültigkeit auftritt, als heiße oder kalte Ablehnung des Lebendigen – wie sie in der Moderne auch im „rechten“ bzw. „linken“ Spektrum jeweils wiederkehren. Insofern lüftet der Faschismus nur hie und da das Geheimnis des Patriarchats und lässt erkennen, worum es wirklich geht: um die Verhöhnung des Lebendigen und seine Vernichtung. Der „Gesamt-Faschismus“ ist das Patriarchat selbst.

  • Was ist das Irrationale an der heutigen Technik? Dass sie das Lebendige per se vernichtet, indem sie behauptet, es sei wertlos.

  • Warum wird es nicht gesehen? Weil inzwischen fast alle in diese umgekehrt als „rational“ definierte Vernichtung hineingezogen sind und behauptet wird, Vernichtung sei die Grundlage für etwas Besseres.

  • Warum soll die Natur beherrscht, überwunden, zerstört und transformiert werden? Damit sie patri-archal wird.

  • Warum ist die heutige Technik so gewalttätig? Weil sie die Utopie des Patri-archats konkret umsetzt.

  • Was ist das eigentliche Ziel, Projekt und die Utopie der heutigen Technik? Und was hat dieses mit ihrem Fortschritt zu tun? Sie will die von Natur aus matri-archale Welt in eine rein patri-archale verwandeln, und dieser Vorgang gilt als Fort-Schritt.

  • Wo hat sie das her? Wer hat das erfunden? Warum? Wie ist das entstanden? Die Methode der „Schöpfung durch Zerstörung“ ist aus dem Krieg der Eroberung matri-archaler Völker entstanden, der mit der Plünderung und Bereicherung, dem Raub (Privateigentum=geraubtes Eigentum) begann und in der patriarchalisierten Alchemie auch allgemein als Methode systematisiert wird.

  • Warum wird nicht ausgesprochen, worum es wirklich geht? Weil ein so großes Verbrechen von seinen Planern nicht „bekannt“ werden kann. Es würde jede Legitimation von Herrschaft zunichtemachen und muss daher ein Geheimnis bleiben.

  • Worum geht es denn wirklich? Das Projekt des Patri-archats darf nicht scheitern, und falls das doch passiert, darf ihm aus der Sicht seiner Herren nichts nachfolgen.

  • Was hat die Maschinentechnik mit all dem zu tun? Inwiefern ist sie gar nicht so neu? Die Idee der Maschine als „Alternative“ zur Natur und zum Lebendigen ist so alt wie das Patriarchat. Sie musste aber erst einmal konkret erfunden werden.

  • Was hat die Maschinisierung von allem mit extremen, insbesondere faschistischen Bewegungen und Ideologien zu tun? Inwiefern überschreitet sie diese noch? Das Patriarchat als Projekt der Vernichtung des Lebendigen und seiner Ersetzung durch die Maschine ist der „Gesamt-Faschismus“ selbst und von den typisch faschistischen Verhöhnungen des Feindes, hier der Natur und des Lebendigen, begleitet. Umgekehrt gesehen: der Faschismus kommt aus dem Patriarchat und offenbart daher dessen Züge der Gewalt, des Hasses auf das Lebendige und des Hohnes ihm gegenüber. Da das Patriarchat heute die Moderne der Welt und ihre Zivilisation ist, ist der Faschismus global geworden.

  • Was hat die kapitalistische Ökonomie damit zu tun, also das Kapital? Die moderne Ökonomie hat die Ziele des Patriarchats übernommen und verwertet sich natur- und lebenszerstörend über die Alchemie als Verfahren. Das Kapital ist dabei eine Form des „Steins der Weisen“, der alles unmittelbar zerstört und in den Prozess einer Neu-Schöpfung einspeist.

  • Inwiefern ist die moderne Ökonomie so patriarchal wie ihre Technik, und was bedeutet das für den „Kapitalismus“? Die Frage ist, ob das Kapital auch anders „arbeiten“ könnte, wenn man sich dessen bewusst würde, dass seine „Tiefenstruktur“ patriarchal und seine Praxis alchemistisch-faschistisch ist. Denn als kapitalistisches Patriarchat beraubt es sich grundsätzlich seiner materiellen Grundlagen.

  • Warum ist Technik „Männersache“ und tatsächlich „nichts“ für Frauen? Weil diese Technik, insofern sie patriarchal ist, die Frauen und alles Lebendige, das mit und aus ihnen kommt, nicht anerkennt, sondern regelrecht hasst und mit Gewalt „um-schöpfen“ bzw. ersetzen will

  • Warum wird heute alles, was von und aus der Natur kommt, diffamiert, zerstört, geschleift? Weil es dem Moderne-Projekt entspricht, es als „rückständig“ zu unterwerfen und einen „Sieg“ über es zu erlangen.

  • Wie ist es möglich, dass es dabei den Müttern, aber auch allen Menschen per „Posthumanismus“ an den Kragen geht, das aber nicht bemerkt wird? Das Patriarchat ist eine extrem zerstörerische „technologische Gesellschaftsformation“. Seine Führer tun alles dafür, dass das nicht erkannt, sondern auch noch religiös „abgesichert“ wird. Die Erkenntnis des Patriachats ist so tabuisiert, dass sie als Möglichkeit verdrängt wird.

  • Was ändert dieses alles am Blick auf die Moderne? Was ist eigentlich ihr wirklicher „Sinn“? Ihr Sinn ist die Verwirklichung des Patri-archats als globale Zivilisation sowie Gottesbeweis.

  • Die Moderne als Zivilisation einer „Schöpfung aus Zerstörung“ oder „Zerstörung durch Schöpfung“ – wo geht sie hin, was bedeutet das, wie kann sie aufgehalten werden? Sie zerstört die Erde ganz bewusst, und das muss erst einmal erkannt und als Projekt, dem angeblich etwas Besseres nachfolgt, abgelehnt werden. Denn es sind nicht legitimierte „Wissenschaftler“ im positiven Sinne, sondern völlig verantwortungslose Hasardeure am Werk.

  • Inwiefern ist die Megamaschine der erste, pharaonische, und der letzte technisch-politische ebenso wie ideologisch-religiöse Ausdruck des Patriarchats? Weil sie das bisher umfassendste Resultat des patriarchalen Projekts als einer U-topie, einer Jenseitswelt im Diesseits und „Gottes“ auf Erden ist.

  • Warum wurde das nie erkannt? Weil die meisten an das Patriarchat glauben, auch, wenn sie es nicht wissen, weil das Patriarchat Teil des kollektiv Unbewussten geworden ist: man hält es für natürlich und selbstverständlich sowie als Ausdruck der „menschlichen Natur“.

  • Warum wird es auch jetzt nicht erkannt werden? Weil dieser Erkenntnis zu viele Interessen entgegenstehen, und es letztlich bedeuten würde, das Patriarchat aufgeben zu müssen.

  • Woran kann, wird, muss die Megamaschine des Patriarchats scheitern? Was, wenn nicht, was, wenn doch? Was, wenn es keine Alternative mehr gibt, es aufgrund der Zerstörungen für die Vielen oder überhaupt schon zu spät ist? Die Megamaschine scheitert an der Zerstörung des Lebendigen, auf dem sie selbst beruht. Entweder sie hört damit auf oder beschränkt sich auf eine Mini-Megamaschine. Zu spät ist es, wenn die Natur „kippt“ oder irreversibel beschädigt ist. Es reicht dafür, dass das Süßwasser zu knapp wird, von der Atemluft durch Vergiftung ganz zu schweigen.

  • Warum gibt es die patriarchale Todessehnsucht und welche Rolle spielt sie? Sie ist die Ahnung davon, dass alles vergeblich war und das Projekt der Patriarchalisierung der Welt scheitern muss. Sie bereitet – wie früher die Melancholie – darauf vor.

  • Was nun? Auf-Klärung so viel es geht. Bald wird danach gerufen werden, dann nämlich, wenn es fast zu spät oder zu spät ist.

  • Gibt es Fragen, die nicht mit dem Patriarchat beantwortet werden können? Wir werden es sehen...

Wir sind jetzt an dem Punkt, an dem die Natur als „Mutter Natur“, ja inzwischen sogar „Mutter Erde“ und die Frauen als Mütter als solche verschwinden sollen. Alles läuft darauf hinaus. Aber niemand versteht es, fühlt es, ist imstande, es zu denken oder tut etwas dagegen, obwohl alle mehr oder weniger, bewusst oder unbewusst, daran beteiligt sind. Wir laufen sehenden Auges gegen die Wand.


Der vollständige Artikel und die komplette Nummer 3 von "Bumerang – Zeitschrift für Patriarchatskritik" sind auf der website des Innsbrucker Forschungsinstituts für Patriarchatskritik und alternative Zivilisationen fipaz.at abrufbar


Siehe auch:

Auszug 1 (Nachwort)
NRhZ 632, 11.10.2017
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24216

Auszug 2 (Technischer "Fort"-Schritt und die Verhöhnung des Lebendigen)
NRhZ 633, 18.10.2017
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24234

Auszug 3 (Die moderne Technik als "blinder Fleck", "Kyndiagnosia" und die "prometheische Scham")
NRhZ 634, 25.10.2017
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24259

Auszug 4 (Die Megamaschine: Die Utopie der "Singularität". "Maschinenmensch" und "Gott-Maschine")
NRhZ 635, 01.11.2017
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24278

Auszug 5 (Die Alchemie als Verfahren zur „Höher-Schöpfung“ von Mensch und Materie seit der Antike)
NRhZ 636, 08.11.2017
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24300

Auszug 6 (Gefühl und Verstand im maschinell-alchemistischen Verfahren (und) der Megamaschine)
NRhZ 637, 15.11.2017
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24322

Auszug 7 (Die Ideologie von der Maschine als einzigem Maßstab - Triumph über die besiegte Natur!)
NRhZ 638, 22.11.2017
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24349

Auszug 8 (Extrapolation der Megamaschine – Mutterlose Welt: die laufende Abschaffung der Mutter, der letzte "Muttermord")
NRhZ 639, 29.11.2017
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24349

Online-Flyer Nr. 640  vom 06.12.2017

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