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Aktueller Online-Flyer vom 24. Januar 2018  

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Kommentar
Zum Entwurf des neuen Traditionserlasses der Bundeswehr
Die Schuldfrage und das Vermächtnis
Von Harry Popow

„Die Ausschmückung von Diensträumen mit Exponaten und Darstellungen der Wehrmacht und der NVA oder ihrer Angehörigen ist außerhalb von Ausstellungen in Militärgeschichtlichen Sammlungen nicht gestattet...“ So heißt es im Entwurf des neuen Traditionserlasses der Bundeswehr (1). Wer das richtig zu lesen imstande ist, traut seinen Augen nicht: Da wird zwischen Wehrmacht und NVA ein Gleichheitszeichen gesetzt. Man fragt geflissentlich und bei Strafe des eigenen Untergangs nicht nach gesellschaftlichen Ursachen. Weder nach den im Interesse des Finanzkapitals verbrecherischen Kriegshandlungen der Wehrmacht noch nach der politischen Dringlichkeit nach der Befreiung vom Faschismus, dem deutschen Kapital Paroli zu bieten. Eben auch durch den ersten deutschen Arbeiter-und-Bauern-Staat samt seiner Streitkräfte. Kein Wort davon! Das dient der Machterhaltung des heutigen deutschen Imperialismus. Der Antikommunismus lässt grüßen.

Als einstiger Militärjournalist in der NVA stehe ich zu meinem Dienst. Ich bin stolz darauf, einen tiefen Sinn darin gesehen zu haben. Und mit mir unzählige Mitstreiter. Und heute, im Jahre 2017? Was kann man denn von einer manipulierten imperialistischen Armee anderes erwarten als Diffamierungen auch gegen die Friedensarmee NVA. Der imperialistische Staat heuchelt auch in diesem Entwurf, nach Frieden zu streben. Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache. Er war und ist Vollstrecker des Willens der Wirtschaftseliten, die Stabilität des marktgetriebenen Systems zu gewährleisten. Daran ändert sich nichts, nichts an einem klareren politischen Profil der Parteien, nichts an weiteren Ängsten des Volkes um die Zukunft. Gut zu erkennen am Kasperletheater der Bundestagswahlen. Der Schrei nach grundlegenden Veränderungen, von einigen Großmäulern hinausposaunt, um das Volk zu beruhigen und zu täuschen, verhallt ungehört vor allem bei jenen, die tief im Sattel der Konsumzufriedenheit sitzen.

Weshalb dieser pessimistische Ton? Hat vielleicht jemand im Zerrspiegel des Wahlkampfes vernommen, ob auch die Probleme Krieg/Frieden angesprochen wurden? Die Entlarvung der aggressiven Behauptung, Deutschland müsse mehr Verantwortung in der Welt übernehmen und schon wieder drauf und dran ist, die Rüstung weiter hoch zu peitschen und sich für einen neuen Krieg zu rüsten? Abrüsten statt aufrüsten! Spielte dies eine Rolle im Wahlkampf? Um zu verändern braucht es in der Friedensbewegung einen größeren geistigen Tiefgang und Entschlossenheit, dieser gefährlichen Wackelpudding-Gesellschaft in den Arm zu fallen. Die Schuld an Kriegsverbrechen sucht die Herrschaftselite nicht bei sich selbst, sondern beim Volk, bei den Deutschen damals, bei den Wehrmachtssoldaten. Welch eine Ablenkung von den eigentlichen Verursachern, den damaligen und den heutigen, die sich hinter der Maske von Freiheit und angeblicher Demokratie verbergen.

Dass die NVA-Angehörigen dem Schranken setzten und den deutschen Friedensstaat im Ernstfall im Bündnis des Warschauer Vertrages zu verteidigen bereit waren, das ist ein unglaublich großartiges Vermächtnis. Die Schuldfrage aber nach einem neuerlichen Aufbegehren des deutschen Kapitals, besonders mit Hilfe der Rüstung und der Bundeswehr, liegt auf der Hand.


Fussnote:

1 Entwurf des neuen Traditionserlasses der Bundeswehr
http://augengeradeaus.net/2017/11/dokumentation-entwurf-des-neuen-traditionserlasses-der-bundeswehr/

Online-Flyer Nr. 639  vom 29.11.2017

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