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Aktueller Online-Flyer vom 12. Dezember 2017  

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Fotogalerien
Gründung der Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands VdAFD vor 90 Jahren
Wacht auf, Verdammte dieser Erde
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

„Arbeiterfotografie ist eine Waffe der Zeit. Sie entnimmt ihre Motive der sozialen Gegenwart, berichtet über den politischen Kampf und sucht ihn durch die anklagende Aufzeigung der furchtbaren Wirkungen der kapitalistischen Wirtschaftsanarchie zu steigern. ...“ schrieb der Bild- und Umbruchredakteur (1928-33) der Arbeiter-Illustrierten-Zeitung, AIZ, und spätere (ab 1929) Präsident der Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands, Hermann Leupold, im November 1931 im Vereinsorgan 'Der Arbeiterfotograf' in einem Artikel mit der Überschrift "Das Bild – Eine Waffe im Klassenkampf". Die Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands wurde vor 90 Jahren, im Jahr 1927 auf Initiative von Willi Münzenberg in Erfurt gegründet und hatte bis 1933 weniger als sechs Jahre Zeit, sich zu entwickeln. Sie ist der Vorläufer des heutigen Bundesverbands Arbeiterfotografie. Die NRhZ bringt eine Bildfolge, die das Schaffen der historischen Arbeiterfotografen anschaulich macht.


Eugen Heilig, Kollege, 1913


Eugen Heilig, Mobilmachung, Bad Cannstatt, August 1914


Eugen Heilig, Tod in Ypern, Belgien 1914


Eugen Heilig, Hunger im Frankenwald, AIZ-Reportage, 1930


Eugen Heilig, Hunger im Frankenwald, AIZ-Reportage, 1930


Eugen Heilig, Akkord im Dreck, AIZ-Reportage, 1930


Theo Gaudig, Selbstportrait, während der Nachtschicht bei Krupp heimlich aufgenommen, Essen, 1927, verwendet auch als AIZ-Titelbild


Theo Gaudig, Jugendtag des Kommunistischen Jugendverbands Deutschlands, Essen, 1928 – Theo Gaudig: „In den Zwanziger Jahren galt es als Landesverrat, über Kriegsvorbereitungen zu sprechen, daher die 'Staubsauger'. Gemeint waren natürlich Kanonen.“


Theo Gaudig, Wahlkampfveranstaltung der KPD, Essen, ca. 1928


John Heartfield, Fotomontage aus der AIZ, 1930, Nr. 6


John Heartfield, Fotomontage aus der AIZ, 17.7.1932


John Heartfield, Fotomontage aus der AIZ, 29.6.1938


Ernst Thormann, 'Kein Spielplatz', Großstadtkinder, 1929


Ernst Thormann, Zeitungsjunge, 1929


Ernst Thormann, Nazi-Demonstration mit Polizeischutz, 1930


Ernst Thormann, Wahlpropaganda des 'Stahlhelm' mit Polizeischutz


Fotograf unbekannt, Berlin, Gormannstraße, Volksspeisung – aus dem 1931 erschienenen Buch „Deutschland von unten – Reise durch die proletarische Provinz“ von Graf Stenbock-Fermor


Fotograf unbekannt, Berlin, Kösliner Straße 19, exmittierte lungenkranke Frau wohnte mit ihren Kindern mehrere Wochen im Hausflur – aus dem 1931 erschienenen Buch „Deutschland von unten – Reise durch die proletarische Provinz“ von Graf Stenbock-Fermor


Fotograf unbekannt, Arbeiterfrauen auf dem Markt – aus dem 1931 erschienenen Buch „Deutschland von unten – Reise durch die proletarische Provinz“ von Graf Stenbock-Fermor
 

Hans Schiff, Kohlesuche, Gute Hoffnungshütte, Oberhausen, 1931


Hans Schiff, Politische Kundgebung, Köln, 1931


Hans Schiff, Kohlesuche, Gute Hoffnungshütte, Oberhausen, 1931


Walter Ballhause, Hannover, 1930-33, "Eingedämmert"
 

Walter Ballhause, Hannover, 1930-33, "Räder statt Beine" – Opfer des I. Weltkrieges


Walter Ballhause, Hannover, 20.4.1933, "Pennäler marschieren mit" – 'Führers' Geburtstag


Walter Ballhause, Dresden, 1949, "Der Erbe (mein Sohn Rolf mit Kinderwagen vor Ruinen)"



Die Verleihung des von der Neuen Rheinischen Zeitung (NRhZ) vergebenen Kölner Karlspreises für Engagierte Literatur und Publizistik an Ken Jebsen am 14. Dezember 2017 in Berlin steht auch im Zeichen der Gründung der Arbeiterfotografen-Bewegung vor 90 Jahren. Alternative Medien wie KenFM oder NRhZ spielen heute eine vergleichbare Rolle wie in den 1920er und 1930er die Arbeiter-Illustrierte-Zeitung AIZ. Ihr Wirken ist ein Beitrag zur Umsetzung des Appells "Wacht auf, Verdammte dieser Erde".

Es geht darum, die Methoden der Konzentration von Reichtum und Macht in den Händen Weniger zu erkennen und dem die Vision einer "menschlichen" Gesellschaft entgegenzusetzen – zu erkennen, wenn beispielsweise aus Begriffen Waffen werden, mit denen die Köpfe verseucht werden – wenn aus Massakern Zusammenstöße werden – wenn staatliche Mörder Sicherheitskräfte genannt werden – wenn aus Verbrechen Konflikte werden – wenn rechte Handlanger der Wenigen sich links nennen – wenn es gelingt, Friedensorganisationen mit Feindbildern zu durchsetzen und damit zum Gegenteil dessen werden zu lassen, was von ihnen eigentlich zu erwarten wäre.


Der Arbeiterfotograf, Organ der Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands VdAFD, September 1931, Der Herr (Foto: Eugen Heilig)


Arbeiter-Illustrierte-Zeitung AIZ, 2.11.1927 (eine wöchentlich erscheinende Publikation, zu deren Ausstattung mit authentischem Bildmaterial die Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands VdAFD auf Initiative ihres Herausgebers Willi Münzenberg zum Leben erweckt worden ist)


Die feindliche Übernahme unserer Köpfe behindern

„Arbeiterfotografie seit ihren Anfängen ist Gegenposition, Information und Aufklärung mit überwiegend bildnerischen Mitteln, verstärkt in neuester Zeit zunehmend mit den Mitteln der Medienkritik. Der Kritik der interessengelenkten Verdummungsmaschinerie muß heute wie in den Anfängen der Arbeiterfotografie große Bedeutung beigemessen werden, wenn man bei intensiverer Beschäftigung mit der Materie erkennt, wie gewaltsam, allgegenwärtig penetrant und perfide die gegnerischen Methoden sind. Springer und Bertelsmann galt es schon immer etwas entgegenzusetzen - Methoden zu durchleuchten, und jetzt erst recht, wo sich die Medienlandschaft verdichtet, Pressefreiheit und Pressevielfalt immer fragwürdiger werden, wo die Beziehungen von Presse, Politik und Kapital immer offensichtlicher werden... Um die 'feindliche Übernahme unserer Köpfe' zu behindern, bedarf es der Aufklärung über die Hintergründe.“ So steht es auf der website der Arbeiterfotografie auf der Seite „Wir über uns“.

Online-Flyer Nr. 639  vom 29.11.2017

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Von Kostas Koufogiorgos
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