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Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

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Medien
"Fake news – eine Herausforderung des freien Denkens" - Kolloquium der Weltunion der Freidenker
Gegen „Fake News“ – nicht immer ein Kampf für die Wahrheit (Teil 2 zum Thema Krieg)
Von Klaus Hartmann

Fake News werden gefährlich, lebensgefährlich, wenn sie in der Propagandaschlacht zur Kriegsvorbereitung benutzt werden – man spricht auch von psychologischer Kriegsvorbereitung. Der bekannte Klassiker stammt aus dem Jahr 1939, als Hitler den Überfall auf Polen damit propagandistisch rechtfertigen wollte, dass polnische Freischärler einen Überfall auf den Sender Gleiwitz gestartet hätten, tatsächlich handelte es sich um ein Kommando der SS. Seitdem werden regelmäßig Lügen oder Aktionen unter „falscher Flagge“ gestartet, um einen geplanten Krieg auszulösen.

Irak-Krieg 1991

Die Brutkastenlüge: Zur Einstimmung auf den Irak-Krieg 1991 sprach im Oktober 1990 eine 15-jährige Kuwaiterin vor dem Menschenrechtsausschuss des US-Kongresses. Unter Tränen berichtete sie über Gräueltaten irakischer Soldaten die in einem kuwaitischen Krankenhaus 15 Babys aus Brutkästen gerissen, auf den Boden geworfen und dort sterben gelassen hätten. Ein Jahr später wird die 15-jährige als Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA identifiziert. Die ganze Inszenierung war eine Auftragsarbeit der PR-Agentur Hill & Knowlton, die vorher in Umfragen ermittelt hatte, dass die US-Bürger Grausamkeit gegen hilflose Kleinkinder am entschiedensten verabscheuten. Fake News als Ergebnis von spin doctoring, auch „professionelle strategische Kommunikation“ genannt.

NATO-Aggression gegen Jugoslawien 1999


Besonders erfindungsreich erwies sich der deutsche Verteidigungsminister Rudolf Scharping bei der Propaganda zur Vorbereitung und Rechtfertigung der NATO-Aggression gegen Jugoslawien 1999, in den meisten Medien verniedlichend „Kosovo-Krieg“ genannt: so erfand er einen sogenannten „Hufeisenplan“, der ethnischer Säuberung dienen sollte, der aber nicht aus Jugoslawien stammte, sondern in seinem Ministerium fabriziert wurde.

Am 25.1.1999 brachten alle große Medien Überschriften wie „Nach dem Massaker in Racak ist die NATO zum Eingreifen bereit.“ Dass es ein Massaker gewesen sein soll, stellte der als OSZE-Beauftragter vorgestellte William Walker fest, bevor irgendeine Untersuchung der präsentierten Leichen stattgefunden hat. Der Ehrenmann Walker war von 1988 bis 1992 als Botschafter von El Salvador, von wo aus er den Kampf der nicaraguanischen Contras anleitete, die Ermordung von zwei Frauen und sechs Jesuitenpriestern beaufsichtigte, und eine zentrale Rolle in der Iran-Contra-Affäre spielte. Wie Forensiker-Teams, u.a. das finnische unter Leitung der renommierten Helen Ranta, feststellten, gab es keine Belege, dass ein Massaker stattgefunden hätte. Da hatte die Story aber bereits ihren Dienst als Rechtfertigung des Angriffskrieges getan. Die Taz präsentierte übrigens das gleiche Leichen-Bild ein paar Monate später nochmal, am 30.04.199 diesmal von einem anderen Ort, als die Toten von Djakoviza. Sie musste die Fälschung später zugeben.

Aus dem Gruselkabinett des Minister Scharping stammte alsdann die Lüge über aus dem Bauch Schwangerer geschnittene Föten, die von einer entmenschten serbischen Soldateska gegrillt worden sein sollten. Die würde auch manchmal mit abgeschnittenen Köpfen Fußball spielen. Scharping war auch der erste, der von einem Konzentrationslager im Stadion von Pristina sprach. „BILD“ war sofort mit der Schlagzeile zur Stelle: "... sie treiben sie ins KZ" auf. Darunter war ein Foto mit Flüchtlingen auf dem Weg zur mazedonischen Grenze zu sehen. Es war zwar die Ausgabe vom 1. April 1999, aber ernst gemeint.

Irak-Kriegs 2003

Zur Vorbereitung des Irak-Kriegs 2003 verbreiteten die USA vermeintliche Beweise in Form von Satellitenfotos für die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Besitz von Saddam Hussein. US-Außenminister Colin Powell präsentierte die Bilder im UN-Sicherheitsrat, und fast ausnahmslos alle westlichen Medien druckten es treu und brav nach. 2005 gab Powell die Lüge zu und nannte sie einen "Schandfleck" in seiner politischen Karriere.

Im Großbritannien des Ministerpräsidenten Tony Blair, des glühendsten Protagonisten des Irak-Krieges, wurde das dubiose Wirken seines PR-Beraters Alastair Campbell zum öffentlichen Skandal. Er war Autor des Dossiers, in denen die Bedrohung durch Saddam Hussein in grellen Farben geschildert wurde. Nach Hinweisen eines Geheimdienstmitarbeiters berichtete BBC, die Regierung Blair habe Geheimdienstinformationen aufgebauscht, um einen Krieg gegen Saddam Hussein zu rechtfertigen. Spin-Doctor Campbell setzte den Geheimdienstmann darauf unter massiven Druck, der sich daraufhin das Leben nahm.

Krieg gegen Syrien

Auch im Krieg gegen Syrien kam wieder ein Kind zum Einsatz, Bana Alabed, syrisches Mädchen, das aus Aleppo twitterte. Die Tochter eines dschihadistischen Kämpfers sorgte für die Verbreitung der sogenannten Fassbombenlüge.

Der syrische Präsident sagte schon 2015 auf eine entsprechende Frage eines westlichen Journalisten hin, dass man keine Fassbomben einsetze: „Wir haben richtige Bomben!“ – also bessere, stärkere! Wann stellt die NATO eigentlich Bomberstaffeln mit dieser nicht verbotenen vermeintlichen Superwaffe vor? Tatsächlich gibt es keine wirklichen Beweise für den Einsatz solcher Bomben (im Gegensatz zu Beweisen für den Einsatz selbst gebastelter Hellfire-Bombengeschosse durch die Jihadisten).

Sprengkraft und Splitterwirkung solcher einfachen Bomben sind wesentlich geringer als die von Sprengkörpern konventioneller Bauart aus westlichen oder russischen Rüstungsschmieden, ganz zu schweigen von den Hightech-Bomben und Raketen, die NATO-Staaten aus ihren Kampfflugzeugen und Drohnen werfen oder abwerfen. Bei diesen wurden Sprengstoffart, Form, und Splittermantel aufwendig optimiert, damit ihre feinen rasierklingenscharfen Schrapnells noch auf Dutzende Meter Entfernung tödlich sind. Werden tatsächlich einfache Fässer oder ähnliches als Behälter verwendet, verpufft hingegen ein guter Teil des Sprengstoffs schon durch die geringe Dämmung. Technisch weniger ausgeklügelte Bomben kommen zudem aufgrund der simpleren, ungenauen Zündvorrichtungen häufig gar nicht zur Explosion.

Nachdem das Mädchen Bana mit ihren dschihadistischen Eltern aus Syrien in die Türkei geflohen war, trat Hollywood auf den Plan. An der Seite von Linsay Lohan, (bekannt nicht nur aus Film und Fernsehen, sondern auch von Alkohol, Koks und Knast), präsentiert von Gastgeber Erdogan in seinem Präsidentenpalast. Filmreif eben.

Eine besonders peinliche Fälschung stammt von der Propagandatruppe „Weißhelme“, die in unseren Medien als “humanitäre Organisation“ gelten: zunächst ein Bild, nicht aus Syrien, und vom April 2013, das als Bild vom August 2015 präsentiert wird:





Die Gesandtschaft Frankreichs bei der UNO fälschte 2016 ein Bild, das angeblich einen solchen Fassbombenangriff auf angeblich zwei Krankenhäuser zeigen soll. Sie präsentierten eine Aufnahme aus Gaza (Palästina) aus dem Jahre 2014 nach einem israelischen Luftangriff und gaben sie als aktuelle Zerstörung im syrischen Aleppo im Jahre 2016 aus:





Die Reihe der Beispiele könnte beliebig lange fortgesetzt werden.


An erster Stelle: Bannung jedweder Kriegsgefahr

Wir erinnern an die Feststellung im Dokument unseres Verbandstages 2009: „Der Deutsche Freidenker-Verband als Weltanschauungsgemeinschaft und Kulturorganisation betrachtet Aufklärung als die Hauptaufgabe seiner weltanschaulichen Tätigkeit.“

Dabei behandeln wir nicht nur schlechte Scherze der Religionen oder die Missetaten des göttlichen Personals auf Erden. In der Tradition der historischen Aufklärung: „Oberstes Ziel der Aufklärung war die Durchsetzung der Vernunft im geistigen und wissenschaftlichen Leben, und nicht zuletzt in allen Bereichen von Gesellschaft, Staat und Politik.“

An erster Stelle steht die Bannung jedweder Kriegsgefahr: „Wir unterstützen die Aktionen der Antikriegs- und Friedensbewegung, den Widerstand gegen Kriege und die Entlarvung der Kriegspropaganda. Freidenker fordern radikale Abrüstung und ein Nein zur NATO durch Austritt aus dem atlantischen Kriegsbündnis. Wir fordern insbesondere, den NATO-Aufmarsch an Russlands Grenzen zu stoppen, einen Krieg mit Russland zu verhindern.

Freies Denken setzt mündige Bürger voraus, die freien, unzensierten Zugang zu allen verfügbaren Informationen haben. Die Kampagnen gegen „Fake News“ sollen die Medienkonsumenten auf die Medien der Eliten einschwören, der Bewusstseinsindustrie der Herrschenden ausliefern. Die Kampagnen gegen „Fake News“ sollen zugleich die eigenen Desinformationen verbergen bzw. als glaubwürdig verkaufen. Wir sehen unsere Aufgabe darin, alle Nebelvorhänge zu zerreißen, Licht ins Dunkel zu bringen, den kirchlichen wie weltlichen Dunkelmännern und -frauen das Handwerk zu legen, den Menschen Lust darauf zu machen, „es wissen zu wollen“.

Wir setzen auf die verantwortliche Nutzung aller zugänglichen Informationsquellen einschließlich alternativer Medien. Dabei übersehen wir nicht die Gefahren, dass auch das Streben nach wahrhaftiger Information von verschiedenen Anbietern missbraucht werden kann, die dazu Inhalte esoterischen, rassistischen und faschistischen Inhalts in die Kanäle spülen. Damit soll die ehrliche Suche einer wachsenden Zahl von Menschen kontaminiert und ad Absurdum geführt werden. Sie wird aber nicht aufzuhalten sein.

Erziehung zu Medienkompetenz zielt auf intellektuelle Selbstverteidigung, und Freidenker bestehen darauf: Zum Denken mit dem eigenen Kopf gibt es keine Alternative.


Klaus Hartmann ist Vorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbands und der Weltunion der Freidenker.


Siehe auch:

Teil 1 des Vortrags von Klaus Hartmann
NRhZ 629 vom 20.09.2017
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24159

Herrschaftsmittel Fake
Vortrag von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
NRhZ 627 vom 06.09.2017
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24103

Online-Flyer Nr. 630  vom 27.09.2017

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