NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 21. Oktober 2017  

zurück  
Druckversion

Globales
Rede zur US-Strategie für Afghanistan und Südasien
"Ich werde nicht sagen, wann wir angreifen, aber wir werden angreifen"
Von Donald Trump - kommentiert von Brigitte Queck

Am 21. August 2017 sprach US-Präsident Donald Trump in Fort Myer in Arlington (Virginia) über die "Strategie für Afghanistan und Südasien". Darin sagt er: "Ich werde nicht sagen, wann wir angreifen werden, aber wir werden angreifen." Aber er sagt auch nicht wo. Rainer Rupp: "Am 19. Juli berichtete die New York Times, dass die Top-Militärs in Trumps Nationalem Sicherheitsrat bei einem Treffen im Lagezentrum des Weißen Hauses total überrascht wurden. Ein sehr verärgerter Präsident Trump hatte nämlich ihren jüngsten Vorschlag zu einer Lösung in Afghanistan einfach zerrissen. Demnach sollten tausende von US-Soldaten in das Land geschickt werden. Trump sagte: Wir haben nicht mit hunderttausend Soldaten gewonnen, wie sollen wir nun mit 4000 mehr gewinnen. Zu diesem Zeitpunkt dachten alle, Stephen Bannon hätte sich im Weißen Haus durchgesetzt. Aber der Washingtoner Morast hat Bannon doch noch eingeholt und nach unten gezogen." Am 18. August 2017 verließ Trumps nationalkonservativer Strategiechef, Stephen Bannon, die US-Regierung. "Nur 48 Stunden hat es gedauert, nachdem Bannon aus dem Weißen Haus gefeuert worden war, dass Trump dem Plan seiner Generäle zustimmte und deren 'Weg vorwärts' als neue alte Afghanistan-Strategie erklärt hat." Die NRhZ dokumentiert die Rede Trumps vom 21. August 2017 in der Übersetzung der Berliner US-Botschaft - ergänzt durch einen Kommentar von Brigitte Queck.


Screenshot aus der Rede des US-Präsidenten (Quelle: youtube-Kanal des Weißen Hauses)

Vielen herzlichen Dank. Danke. Bitte nehmen Sie Platz. Vizepräsident Pence, Außenminister Tillerson, Mitglieder des Kabinetts, General Dunford, stellvertretender Verteidigungsminister Shanahan, Oberst Duggan. Ich möchte ganz besonders den Frauen und Männern von Fort Myer und allen Angehörigen der Streitkräfte der Vereinigten Staaten im In- und Ausland danken.

In unseren Gedanken und Gebeten sind wir bei den Familien der tapferen Matrosen, die bei einem tragischen Zusammenstoß auf See verletzt wurden oder seither vermisst werden, und bei denen, die an der Suche und Bergung beteiligt sind.

Ich werde heute Abend den Kurs darlegen, den wir in Zukunft in Afghanistan und Südasien einschlagen werden. Bevor ich aber im Einzelnen auf unsere neue Strategie eingehe, möchte ich einige Worte an die Soldatinnen und Soldaten richten, die heute Abend hier bei uns sind oder von dort aus zusehen, wo sie stationiert sind, und auch an die Amerikanerinnen und Amerikaner, die von Zuhause aus zuhören.

Seit der Gründung unserer Republik hat unser Land immer wieder eine besondere Art von Helden hervorgebracht, deren Selbstlosigkeit, Mut und Entschlossenheit in der Geschichte der Menschheit ihresgleichen suchen.

In jeder Generation hat es amerikanische Patrioten gegeben, die für unsere Nation und unsere Freiheit ihren letzten Atemzug auf dem Schlachtfeld getan haben. Mit ihrem Leben – auch wenn es zu früh ausgelöscht wurde – und mit ihren Taten, haben sie absolute Unsterblichkeit erlangt.

Indem sie dem heroischen Beispiel derjenigen folgen, die für das Fortbestehen unserer Republik gekämpft haben, dienen sie uns als die Inspiration, die unser Land braucht, um zusammengeführt zu werden, zu heilen und um eine Nation unter Gott zu bleiben. Unsere Soldatinnen und Soldaten arbeiten als Team, das eine gemeinsame Mission und ein gemeinsames Ziel hat.

Sie überwinden jede Trennlinie, die durch Abstammung, Ethnie, Glaubensrichtung und Hautfarbe entstehen kann, um in perfektem Zusammenwirken gemeinsam zu dienen und Opfer zu bringen. Das geschieht, weil alle Soldatinnen und Soldaten Brüder und Schwestern sind. Sie alle sind Teil der gleichen Familie – der amerikanischen Familie. Sie leisten den gleichen Eid, kämpfen für die gleiche Flagge und leben nach dem gleichen Gesetz. Sie sind vereint in einem gemeinsamen Ziel, in gegenseitigem Vertrauen und der selbstlosen Ergebenheit, die sie unserer Nation gegenüber und füreinander empfinden.

Soldaten wissen, was wir als Nation zu häufig vergessen: dass eine Wunde, die einem einzigen Mitglied unserer Gemeinschaft zugefügt wird, eine Wunde ist, die uns allen zugefügt wird. Wenn ein Teil von Amerika Schmerzen leidet, leiden wir alle. Wenn ein Bürger Unrecht erleidet, erleiden wir es alle gemeinsam.

Loyalität gegenüber unserem Land erfordert Loyalität untereinander. Liebe zu Amerika erfordert Liebe zu allen seinen Bürgerinnen und Bürgern. Wenn wir unsere Herzen für Patriotismus öffnen, bleibt kein Raum für Vorurteile oder Fanatismus und keine Toleranz für Hass.

Die jungen Frauen und Männer, die für uns in Kriege im Ausland ziehen, haben es verdient, in ein Land zurückzukehren, das sich Zuhause nicht mit sich selbst im Krieg befindet. Wir können keine Kraft für den Frieden auf der Welt sein, wenn wir nicht in Frieden miteinander leben.

Wenn wir unsere mutigsten Mitbürger entsenden, um unsere Feinde im Ausland zu besiegen – und wir werden immer gewinnen –, so sollten wir auch den Mut finden, unsere Differenzen im Inland zu überwinden. Lassen Sie uns den Frauen und Männern, die wir bitten, in unserem Namen zu kämpfen, ein einfaches Versprechen geben: Wenn sie vom Kampf zurückkehren, werden sie ein Land vorfinden, das seine heiligen Bande der Liebe und Loyalität erneuert hat, die uns als Eins zusammenführen.

Dank der Wachsamkeit und Qualifikation der amerikanischen Soldatinnen und Soldaten und unserer vielen Verbündeten auf aller Welt haben sich die Schrecken des 11. Septembers, die niemand jemals vergessen wird, in unserem Land nicht wiederholt.

Aber wir müssen die Realität anerkennen, über die ich heute Abend hier sprechen will: Fast 16 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September, nach den enormen Opfern – den vielen Menschenleben und Unsummen an Geld –, sind die Amerikanerinnen und Amerikaner eines Krieges ohne Sieg müde. Dies zeigt sich nirgendwo deutlicher als im Zusammenhang mit dem Krieg in Afghanistan, dem längsten Krieg – 17 Jahre – in der amerikanischen Geschichte.

Ich bin ebenso frustriert wie jeder andere Amerikaner auch. Ich bin ebenso frustriert angesichts einer Außenpolitik, die zu viel Zeit, Energie und Geld darauf verwendet und insbesondere zu viele Leben dafür geopfert hat, Länder nach unserem Ebenbild wiederaufzubauen, statt die eigenen Sicherheitsinteressen über alle anderen Erwägungen zu stellen.

Deshalb habe ich Verteidigungsminister Mattis und mein nationales Sicherheitsteam kurz nach meiner Amtseinführung angewiesen, eine umfassende Prüfung aller strategischen Optionen in Afghanistan und Südasien vorzunehmen.

Mein erster Instinkt sagte mir, dass wir uns zurückziehen sollten, und historisch gesehen, folge ich gerne meinen Instinkten. Aber ich höre schon mein Leben lang, dass Entscheidungen ganz anders aussehen, wenn man hinter dem Schreibtisch im Oval Office sitzt, mit anderen Worten, wenn man Präsident der Vereinigten Staaten ist. Also habe ich Afghanistan ausführlich und aus jedem denkbaren Blickwinkel betrachtet. Nach vielen, über Monate geführten Besprechungen fand letzten Freitag in Camp David die letzte Besprechung mit meinem Kabinett und meinen Generälen statt, bei der wir unsere Strategie abschließend ausgearbeitet haben. Ich bin zu drei fundamentalen Schlüssen über die Kerninteressen der Vereinigten Staaten in Afghanistan gelangt:

Erstens muss unser Land ein ehrenhaftes und dauerhaftes Ergebnis erzielen, das den enormen Opfern gerecht wird, die gebracht wurden, insbesondere den Menschenleben, die der Krieg gefordert hat. Die Soldatinnen und Soldaten, die unserem Land im Kampf dienen, verdienen einen Plan, der auf Sieg setzt. Sie verdienen das Vertrauen, das sie erworben haben, und die Werkzeuge, die sie benötigen, um zu kämpfen und zu gewinnen.

Zweitens sind die Folgen eines schnellen Rückzugs vorhersehbar und inakzeptabel. Die Anschläge vom 11. September, die schlimmsten in der Geschichte unseres Landes, wurden von Afghanistan aus geplant und geleitet, weil das Land von einer Regierung geführt wurde, die Terroristen Zuspruch und Zuflucht gewährte. Ein übereilter Rückzug würde ein Vakuum schaffen, das Terroristen, darunter die der IS-Terrormiliz und von Al Kaida, genau wie vor dem 11. September umgehend füllen würden.

Und wie wir wissen, haben sich die Vereinigten Staaten 2011 übereilt und fälschlicherweise aus dem Irak zurückgezogen. Unsere hart errungenen Gewinne gerieten so wieder in die Hände unserer terroristischen Feinde. Unsere Soldaten sahen zu, wie Städte, für die sie gekämpft und für deren Befreiung sie Blut vergossen hatten, die sie erkämpft hatten, von einer Terrorgruppe namens IS besetzt wurden. Das Vakuum, das wir geschaffen hatten, indem wir uns zu früh zurückzogen, gab der IS-Terrormiliz den Freiraum, sich auszubreiten, zu wachsen, Mitglieder zu rekrutieren und Anschläge zu verüben. Wir dürfen in Afghanistan nicht die Fehler wiederholen, die unsere Führung im Irak gemacht hat.

Drittens und letztens bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Sicherheitsrisiken, denen wir uns in Afghanistan und der gesamten Region gegenübersehen, immens sind. In Afghanistan und Pakistan sind heute 20 benannte ausländische Terrororganisationen aktiv, das ist die höchste Konzentration an Terrororganisationen, die es in irgendeiner Region der Welt gibt.

Pakistan seinerseits gewährt denjenigen, die Chaos, Gewalt und Terror säen, häufig Zuflucht. Das ist eine schlimmere Bedrohung, weil Pakistan und Indien Atommächte sind, deren gespannte Beziehungen zu einem Konflikt zu eskalieren drohen. Das könnte passieren.

Niemand leugnet, dass wir in Afghanistan und Südasien eine schwierige und beunruhigende Situation vorgefunden haben, aber wir können die Zeit nicht zurückdrehen und andere oder bessere Entscheidungen treffen. Als ich Präsident wurde, wurden mir schlechte und sehr schwierige Karten übergeben, aber ich wusste sehr gut, worauf ich mich einlasse: auf große und komplexe Probleme. Wie dem auch sei, diese Probleme werden gelöst werden – ich bin ein Problemlöser – und letztendlich werden wir gewinnen.

Wir müssen uns der Realität auf der Welt wie sie jetzt ist, stellen – den Gefahren, denen wir uns gegenübersehen, allen Problemen der heutigen Zeit und den äußerst vorhersehbaren Folgen eines übereilten Abzugs.

Wir müssen gar nicht weiter zurückblicken als auf die widerwärtigen, grausamen Anschläge in Barcelona letzte Woche um zu begreifen, dass Terrorgruppen vor nichts Halt machen werden, um Massenmorde an unschuldigen Frauen, Männern und Kindern zu begehen. Sie haben es selbst gesehen. Schrecklich.

Wie ich in meiner Rede in Saudi-Arabien vor drei Monaten dargelegt habe, wollen die Vereinigten Staaten und ihre Partner Terroristen von ihrem Staatsgebiet vertreiben, ihre Finanzquellen austrocknen und den falschen Zauber ihrer schlimmen Ideologie entlarven.

Terroristen, die unschuldige Menschen abschlachten, werden weder in diesem noch im nächsten Leben Ruhm finden. Sie sind nichts als Verbrecher, Kriminelle, Räuber und ja, so ist es, Verlierer. Seite an Seite mit unseren Verbündeten werden wir ihren Willen brechen, die Rekrutierung neuer Mitglieder verhindern, sie davon abhalten, unsere Grenzen zu überschreiten und ja, wir werden sie besiegen, und wir werden sie mit Leichtigkeit besiegen.

In Afghanistan und Pakistan sind die amerikanischen Interessen eindeutig: Wir müssen verhindern, dass wieder Rückzugsorte entstehen, die es den Terroristen ermöglichen, die Vereinigten Staaten zu bedrohen, und wir müssen verhindern, dass Atomwaffen und atomares Material in die Hände von Terroristen gelangen und gegen uns oder auch andernorts auf der Welt eingesetzt werden.

Um diesen Krieg zu führen, werden wir aus der Geschichte lernen. Infolge unserer umfassenden Prüfung wird die amerikanische Strategie in Afghanistan und Südasien drastisch geändert und zwar folgendermaßen:

Ein Eckpfeiler unserer neuen Strategie ist die Verlagerung von einem zeitlichen Ansatz hin zu einer Vorgehensweise, die auf Bedingungen beruht. Ich habe schon oft gesagt wie kontraproduktiv es ist, wenn die Vereinigten Staaten bereits im Voraus ein Datum für den Beginn oder das Ende möglicher Militäreinsätze nennen. Wir werden nicht über das Truppenkontingent sprechen und auch nicht über unsere Pläne bezüglich weiterer militärischer Aktivitäten.

Von nun an werden die Bedingungen vor Ort – und nicht willkürliche Zeitpläne – unsere Strategie bestimmen. Die Feinde der Vereinigten Staaten dürfen unsere Absichten niemals kennen oder glauben, dass sie die Dinge aussitzen könnten. Ich werde nicht sagen, wann wir angreifen werden, aber wir werden angreifen.

Ein weiterer Eckpfeiler unserer neuen Strategie ist es, alle Instrumente der amerikanischen Macht einzusetzen – Diplomatie, Wirtschaft und Militär –, um ein erfolgreiches Ergebnis zu erzielen.

Nach einem erfolgreichen militärischen Vorgehen wird es irgendwann vielleicht möglich sein, eine politische Einigung unter Beteiligung der Taliban in Afghanistan zu erzielen, aber niemand kann sagen, ob und wann das geschehen wird. Die Vereinigten Staaten werden die afghanische Regierung und das afghanische Militär vor Ort weiter im Kampf gegen die Taliban unterstützen.

Letztendlich ist es aber an den Menschen in Afghanistan, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen, ihre Gesellschaft zu lenken und dauerhaft Frieden zu erzielen. Wir sind ein Partner und ein Freund, aber wir werden der afghanischen Bevölkerung nicht vorschreiben, wie sie zu leben hat oder ihre komplexe Gesellschaft leiten soll. Wir werden uns nicht mehr mit dem Aufbau von Staaten befassen. Wir töten Terroristen.

Der nächste Pfeiler unserer neuen Strategie ist die Veränderung unseres Ansatzes gegenüber Pakistan und unseres Umgangs mit dem Land. Wir können nicht länger stillschweigend hinnehmen, dass Pakistan als sicheres Rückzugsgebiet für Terrororganisationen, die Taliban und andere Gruppen dient, die in der Region und darüber hinaus eine Bedrohung darstellen. Pakistan kann erheblich profitieren, wenn es sich unseren Bemühungen in Afghanistan anschließt. Andererseits hat Pakistan viel zu verlieren, wenn es Verbrechern und Terroristen weiterhin Unterschlupf bietet.

Pakistan war in der Vergangenheit ein geschätzter Partner. Unsere Streitkräfte gingen zusammen gegen gemeinsame Feinde vor.Die Bevölkerung Pakistans leidet enorm unter Terrorismus und Extremismus. Wir wissen um ihren Beitrag und um die Opfer, die sie gebracht hat.

Pakistan bietet aber auch den Organisationen Zuflucht, die tagtäglich versuchen, unsere Bürgerinnen und Bürger zu töten. Pakistan hat Milliarden und Abermilliarden US-Dollar von uns erhalten, gleichzeitig bietet es aber eben jenen Terroristen Unterschlupf, die wir bekämpfen. Das muss sich ändern, und das wird sich sofort ändern. Keine Partnerschaft kann überleben, wenn ein Land militanten Gruppen und Terroristen Rückzugsorte bietet, die Anschläge auf amerikanische Soldaten und Regierungsvertreter verüben. Es ist an der Zeit, dass Pakistan sein Bekenntnis zu Zivilisation, Ordnung und Frieden unter Beweis stellt.

Ein weiterer entscheidender Teil der Südasienstrategie der Vereinigten Staaten ist die Weiterentwicklung unserer Partnerschaft mit Indien, der weltweit größten Demokratie und einem wichtigen sicherheits- und wirtschaftspolitischen Partner der Vereinigten Staaten. Wir wissen um Indiens wichtigen Beitrag zu Stabilität in Afghanistan, aber Indien verdient Milliarden durch den Handel mit den Vereinigten Staaten, und wir wollen, dass das Land uns in Afghanistan stärker unterstützt, insbesondere im Bereich Wirtschaftshilfe und Entwicklung. Wir bekennen uns zur Verfolgung unserer gemeinsamen Ziele für Frieden und Sicherheit in Südasien und der gesamten indopazifischen Region.

Schließlich wird meine Regierung sicherstellen, dass Sie, die mutigen Frauen und Männer, die die amerikanische Bevölkerung verteidigen, über die Instrumente und Einsatzregeln verfügen, die erforderlich sind, um diese Strategie schnell und effektiv umzusetzen.

Ich habe bereits Auflagen für unsere im Krieg kämpfenden Soldatinnen und Soldaten zurückgenommen, mit denen die Vorgängerregierung verhindert hat, dass der Verteidigungsminister und unsere Kommandeure vor Ort umfassend und schnell gegen den Feind Krieg führen. Mit Mikromanagement in Washington gewinnt man keine Schlachten. Sie werden vor Ort gewonnen, indem man auf das Urteilsvermögen und Fachwissen von kriegserfahrenen Kommandeuren und kampferfahrenen Soldatinnen und Soldaten vertraut, die in Echtzeit, mit wirklicher Kompetenz und dem klaren Auftrag, den Feind zu besiegen, vorgehen.

Aus diesem Grund werden wir auch die Befugnisse der amerikanischen Streitkräfte im Kampf gegen Terroristen und kriminelle Netzwerke ausweiten, die überall in Afghanistan Gewalt und Chaos säen. Diese Mörder müssen wissen, dass sie sich nirgends verstecken können, dass es keinen Ort gibt, der außerhalb der Reichweite amerikanischer Macht und Waffen liegt. Die Vergeltung wird schnell und kraftvoll sein.

Seit der Aufhebung der Auflagen und der Erweiterung von Befugnissen vor Ort sehen wir bereits enorme Ergebnisse im Kampf gegen die IS-Terrormiliz, unter anderem auch die Befreiung Mosuls im Irak.

Seit meinem Amtsantritt haben wir diesbezüglich einmalige Erfolge erzielt. Wir werden auch das Mittel der Sanktionen maximal ausreizen und andere finanzpolitische Maßnahmen sowie Strafverfolgungsmaßnahmen gegen diese Netzwerke ergreifen, um sie ihrer Fähigkeit zu berauben, Terror zu exportieren. Wenn die Vereinigten Staaten ihre Soldatinnen und Soldaten in den Kampf schicken, müssen sie sicherstellen, dass ihnen jede Waffe zur Verfügung steht, um schnell, bestimmt und mit übermächtiger Kraft zu handeln.

Unsere Truppen werden kämpfen um zu siegen. Wir werden kämpfen um zu siegen. Von nun an ist der Sieg klar definiert: Wir greifen unsere Feinde an, löschen die IS-Terrormiliz aus, zerschlagen Al Kaida, verhindern, dass die Taliban Afghanistan übernehmen und unterbinden Terroranschläge gegen die Vereinigten Staaten, bevor sie stattfinden.

Wir werden unsere NATO-Verbündeten und unsere Partner weltweit auffordern, unsere neue Strategie durch die Aufstockung ihrer Truppenkontingente sowie durch die Erhöhung ihres finanziellen Beitrags auf das Niveau unserer Leistungen zu unterstützen. Wir sind zuversichtlich, dass sie das tun werden. Seit meinem Amtsantritt habe ich deutlich gemacht, dass unsere Verbündeten und Partner sehr viel mehr Geld für unsere gemeinsame Verteidigung bereitstellen müssen, und das haben sie getan.

In diesem Kampf wird die schwerste Last weiter von den guten Bürgerinnen und Bürgern Afghanistans und ihren bewaffneten Streitkräften getragen. Wie der [Präsident] Afghanistans versprochen hat, werden wir die wirtschaftliche Entwicklung unterstützen, um die für uns mit diesem Krieg verbundenen Kosten einzudämmen.

Die Afghanen kämpfen gegen die gleichen Feinde, um ihr Land zu verteidigen und zu schützen, die auch uns bedrohen. Je stärker die afghanischen Sicherheitskräfte werden, desto weniger werden wir tun müssen. Die Afghaninnen und Afghanen werden ihren eigenen Staat aufbauen und ihre eigene Zukunft bestimmen. Wir wollen, dass sie erfolgreich sind.

Aber wir werden unsere militärische Macht nicht mehr nutzen, um Demokratien in weit entfernten Ländern zu schaffen oder um zu versuchen, andere Länder nach unserem Vorbild aufzubauen. Diese Zeiten sind nun vorbei. Stattdessen werden wir mit Verbündeten und Partnern zusammenarbeiten, um unsere gemeinsamen Interessen zu schützen. Wir fordern niemanden auf, seinen Lebensstil zu ändern, aber wir sollten gemeinsame Ziele verfolgen, die es unseren Kindern ermöglichen, ein besseres und sichereres Leben zu führen. Dieser von Prinzipien geleitete Realismus wird unsere Entscheidungen in Zukunft bestimmen.

Militärische Macht alleine kann Afghanistan keinen Frieden bringen. Sie kann auch die Bedrohung durch Terroristen im Land nicht beseitigen. Aber strategisch angewandte Macht zielt darauf ab, Bedingungen für einen politischen Prozess zu schaffen, um so dauerhaften Frieden zu erzielen.

Die Vereinigten Staaten arbeiten mit der afghanischen Regierung zusammen, solange wir Entschlossenheit und Fortschritt sehen. Unser Engagement ist jedoch nicht unbegrenzt, und unsere Unterstützung ist kein Blankoscheck. Die afghanische Regierung muss ihren Teil der militärischen, politischen und wirtschaftlichen Lasten tragen. Die amerikanische Bevölkerung erwartet echte Reformen, echten Fortschritt und echte Ergebnisse. Unsere Geduld ist nicht unbegrenzt. Wir werden genau hinsehen.

Ich bleibe dem Eid, den ich am 20. Januar abgelegt habe, treu und werde das Leben und die Interessen der Amerikanerinnen und Amerikaner unbeirrt verteidigen. Bei diesen Bemühungen werden wir mit jedem Land zusammenarbeiten, das sich dazu entschließt, an unserer Seite diese globale Bedrohung zu bekämpfen. Terroristen seid gewarnt: Die Vereinigten Staaten werden nicht ruhen, bis die Terroristen endgültig besiegt sind.

Während meiner Regierungszeit werden viele Milliarden US-Dollar zusätzlich für unser Militär ausgegeben. Dazu gehören auch große Beträge für unser Atomwaffenarsenal und unser Raketenabwehrsystem.

Wir mussten uns in jeder Generation dem Bösen stellen, und wir haben immer obsiegt. Wir haben obsiegt, weil wir wissen, wer wir sind und wofür wir kämpfen.

Nicht weit von dem Ort, an dem wir heute hier zusammengekommen sind, haben Hunderttausende der größten amerikanischen Patrioten auf dem Arlington National Cemetery die ewige Ruhe gefunden. In diesem heiligen Boden befindet sich mehr Mut, Opferbereitschaft und Liebe als an jedem anderen Ort dieser Erde.

Viele, die in Afghanistan gekämpft haben und dort gestorben sind, haben sich in den Monaten nach dem 11. September 2001 verpflichtet. Sie haben sich aus einem einfachen Grund freiwillig gemeldet: Sie liebten die Vereinigten Staaten und waren entschlossen, unser Land zu beschützen.

Nun müssen wir das Anliegen, für das sie ihr Leben gelassen haben, zu Ende führen. Wir müssen zusammenstehen, um die Vereinigten Staaten vor ihren Feinden im Ausland zu schützen. Wir müssen die Bande der Loyalität zwischen unseren Bürgerinnen und Bürgern im Inland wiederherstellen, und wir müssen ein ehrenvolles und nachhaltiges Ergebnis erzielen, das dem enormen Preis gerecht wird, den so viele bezahlen mussten.

In den kommenden Monaten wird all unser Handeln das Opfer jedes einzelnen gefallenen Helden, jeder Familie, die einen Angehörigen verloren hat, und jedes verwundeten Soldaten und jeder verwundeten Soldatin, die ihr Blut zur Verteidigung unseres Landes vergossen haben, würdigen. Unsere Entschlossenheit wird sicherstellen, dass Ihr Dienst und Ihre Familien unseren Feinden eine Niederlage beibringen und den Frieden herbeiführen werden.

Wir werden weiter zum Sieg drängen, mit kraftvollen Herzen, mutigen Seelen und immerwährendem Stolz auf jeden Einzelnen und jede Einzelne von Ihnen.

Vielen Dank. Möge Gott unser Militär segnen. Und möge Gott die Vereinigten Staaten von Amerika segnen. Vielen herzlichen Dank. Danke.


Kommentar von Brigitte Queck:

Trump stellt in seiner Rede zur künftigen Politik der USA bezüglich Afghanistan die Wahrheit auf den Kopf.

1. Er verschweigt bewußt, dass die USA mit ihren blutigen Regimechanges in aller Welt (alleine der Vietnamkrieg kostete mehr als 12 Millionen Menschenleben) mehr Tote zu verantworten haben, als der 1.und 2. Weltkrieg zusammen genommen und bezeichnet umgekehrt die Aggressionskriege der US-Soldaten in aller Welt als Heldentum und Notwendigkeit für einen dauerhaften Frieden.

2. Angesichts der schrecklichen Ereignisse in Barcelona, die 15  Menschen das Leben gekostet haben, schwört er den Attentätern unerbittliche Rache, als ob es nicht die USA waren, die vor Jahren via jordanischer Grenze  ISIS-Kämpfer ausgebildet hatten, um das Leben eigener amerikanischer Soldaten bei Kriegseinsätzen zu schützen.

3. Trump will anscheinend, um den Prestigeverlust der USA in Syrien zu kompensieren –erinnert sei dabei nur an die Festnahme von US/NATO-Eliteeinheiten vor einigen Monaten, welche ja angeblich keineswegs in Form von Bodentruppen vor Ort waren – sowie die Ohnmacht der USA, den vom syrischen Volk gewählten Präsidenten Assad mittels eines von ihnen geplanten Regime-Changes nun doch nicht stürzen zu können, seine Truppen nunmehr verstärkt in Afghanistan einsetzen.

4. Sein Setzen auf die korrupte afghanische Regierung und bezahlte afghanische Söldner, sowie sein Versprechen, sich nach einem gemeinsamen Sieg im Sinne Amerikas und der westlichen Welt, sich nicht wie anderswo in die inneren Angelegenheiten Afghanistans einzumischen zu wollen, zeugt davon, wie weit der amerikanische Präsident, der mit einem endlichen Sieg in Afghanistan zum Zusammenhalt Amerikas und seiner Bürger beitragen möchte, von der Wirklichkeit entfernt ist.

5. Da hilft ihm auch nicht, das amerikanische Volk und die Welt an den 11. September 2001 zu erinnern, an dem angeblich Terroristen von Afghanistan aus, das Welthandelszentrum in New York in Schutt und Asche gelegt haben sollen.

Denn mittlerweile pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass diese Aktion von Teilen der US/Regierung und ihres Geheimdienstes geplant und durchgeführt worden ist, um dem Militär-Industrie-Komplex in den USA durch die auf dieser verlogenen Grundlage "notwendig gewordenen" Anti-Terrorkriege in aller Welt, neue Geldmittel und Arbeitsmöglichkeiten zum "Wohle Amerikas" zu verschaffen!


Siehe auch:

Englischsprachiger Originaltext der Rede von US-Präsident Trump
Remarks by President Trump on the Strategy in Afghanistan and South Asia
https://www.whitehouse.gov/the-press-office/2017/08/21/remarks-president-trump-strategy-afghanistan-and-south-asia

Videomitschnitt der Rede von US-Präsident Trump:


Videokommentar von Rainer Rupp zur Rede von US-Präsident Trump:


Nach Ansicht von Rainer Rupp wurde der vom US-Präsidenten Donald Trump vorgestellte Plan zu Afghanistan vom Militär erstellt und enthalte nichts Neues. Die darin gemachten Aussagen seien wenig konkret. So hätten es auch schon Trumps Vorgänger George W. Bush und Barack Obama gehalten. Dabei wisse Trump ganz genau, dass sein neu eingeschlagener Weg im Afghanistan-Krieg keinen Sinn macht, so Rupp.

Online-Flyer Nr. 626  vom 30.08.2017

Druckversion     



Startseite           nach oben

KOSTARIKATUREN


Von Kostas Koufogiorgos
FILMCLIP


Männerbünde
Aus dem KAOS-Kunst- und Video-Archiv
FOTOGALERIE


Schwarzer Freitag für H&M
Von Arbeiterfotografie