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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Die unerträgliche Verlogenheit der "christlich-zionistischen" Politiker und ihrer jüdischen Helfer
Von Evelyn Hecht-Galinski

Was war das für eine monumentale europäische Trauer-Inszenierung, die uns am Samstag per Bildschirm in die Wohnstuben geliefert wurde. Da wurde einem deutschen "Patrioten", einem Ex-Kanzler, der sich bis zu seinem Tode nicht von seinem "Blackout" trennte und deshalb seine geheimen (Nicht) oder Spender mit ins Grab nahm, gehuldigt. Besonders an der Rede von Merkel konnte man merken, wie verlogen die "christlich-zionistischen Politiker sind. Merkel zitierte aus einer Todesanzeige des Förderkreises "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" den Kohl-Satz: "Nicht die nächste Generation, sondern unsere muss es bauen". War es nicht Alt-Kanzler Kohl, der den 1. Preis des Wettbewerbs einfach für null und nichtig erklärt hatte?

Vorwurf: "jüdischer Selbsthass"

Ich erinnere mich noch zu gut daran, dass mein Vater, Heinz Galinski, schon in den Anfängen, als die philosemitische "Scheinjüdin" "Lea" Rosh, die ihre eigentliche Vornamen Edith Renate Ursula wahrscheinlich nicht jüdisch genug fand, ihm auf die Nerven ging wegen dieses Denkmals. Dagegen war mein Vater selbstverständlich nicht. Allerdings war er dagegen, das dieses Denkmal allein nur für Juden, also die jüdischen Opfer, sein sollte. Auch wollte er nicht ein ständig von dieser Philosemitin bedrängt werden. All diese Erinnerungen kamen hoch, als ich diese Todesanzeige in der FAZ las, aus der Merkel zitierte.

Als ich dann noch den verlogenen Nachruf von Salomon Korn, dem Vorsitzenden der Frankfurter Jüdischen Gemeinde, lesen musste, da war das Maß voll. Die Prophezeiung von Leo Baeck, dass die Epoche der deutschen Juden für immer vorbei sei, ist heute bedeutungslos angesichts der Tatsache, dass es mein Vater war, der es sich direkt nach Kriegsende und nach seinem KZ-Martyrium zur Aufgabe gemacht hatte, jüdisches Leben in Deutschland wieder aufzubauen, im Gegensatz zu vielen, besonders polnischen Juden wie auch Vater Korn, die sich mehr darauf spezialisierten, im Frankfurter "Rotlichtmilieu" Geschäfte aufzubauen (1)(2) Schon im Jahr 2006 griff ich Korn und den Zentralrat als Sprachrohr der israelischen Regierung an, worauf er mir "jüdischen Selbsthass" vorwarf. (3)(4)

Korn erinnert sich in der FAZ an seine Begegnungen mit Kohl und verwies darauf, dass sich unter seiner Kanzlerschaft die Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinden nahezu verdreifacht hatte. Allerdings vergaß Korn geflissentlich darauf hinzuweisen, dass dieser Zuwachs nur davon herrührte, dass mein Vater als damaliger Vorsitzender des Zentralrats der Juden, zusammen mit  dem damaligen Kanzler Kohl einen herausragenden Pakt über die Aufnahme jüdischer Emigranten aus der einstigen Sowjetunion ausgehandelt hatte. Es war mein Vater, der dieses Abkommen durchsetzte, besonders auch gegen israelische Widerstände. Israel verzieh es ihm nie, dass er als ehemaliger KZ-Häftling und Holocaustüberlebender sich dafür einsetzte, dass jüdische Bürger aus der Sowjetunion frei wählen sollten, wohin sie ausreisen wollen, ohne in den "Jüdischen Staat" einwandern zu müssen. Das entsprach seiner humanistischen Erziehung und seinem demokratischen Verständnis. So war es nur allzu verständlich dass mein Vater, der sich selbst als "ein Unbequemer" sah, unbequem war. Dies ist wichtig, denn "Bequeme" haben wir genügend in der Politik. Als seinerzeit Kohl, nach dem Tod meines Vaters 1992, einen Staatsakt für den "deutschen Patrioten", Ehrenbürger von Berlin und unbequemen Mahner ausrichtete, war es genau das, was sich mein Vater gewünscht hatte, als deutscher Jude, und ich betone, als Deutscher, und hoch geachtet zu Grabe getragen zu werden. Was bin ich froh, dass er nicht mehr den moralischen Verfall der Berliner Jüdischen Gemeinde erleben musste und wie sich die Nachfolger im Zentralrat der Juden als Sprachrohre des "Jüdischen Staates" in Deutschland betätigen. So ist mir auch ganz besonders fremd, wenn sich jüdische Bürger absondern, als Fremdkörper in der Gesellschaft, als fünfte Kolonne der Multi-Kulti Gesellschaft. Auch schmerzt mich der tiefe Hass und die Vorurteile gegenüber muslimischen Neubürgern durch jüdische Funktionäre, nichts hätte meinem Vater ferner, gelegen.

Auch die gegenwärtige konzertierte Aktion der Israel-Lobby gegen vermeintlichen Antisemitismus ist doch nichts anderes, als ein durchsichtiges Ablenkungsmanöver der Völker- und Menschenrechtsverbrechen des "Jüdischen Besatzer Regimes", eine völlig faktenfreie empörende Propagandaveranstaltung. Tatsächlich wird Antisemitismus mit Israel-Kritik „verwechselt“ und bewusst in einen Topf geworfen mir Judenhass, Anti-Zionismus, BDS-Kampagne, sowie muslimischer und insbesondere linker Antisemitismus.

Latenter Antisemitismus in Deutschland nach 1945

In der Tat gab es nach 1945 einen latenten Antisemitismus in Deutschland, in der deutschen Politik und in Teilen der deutschen Bevölkerung, denn es waren schließlich zum großen Teil ehemalige Nazitäter und Mitläufer, die sehr schnell für den Wiederaufbau gebraucht wurden. Gerade sie wurden von den Alliierten wieder benutzt und arbeiteten auch mit Vertretern des "Jüdischen Staates" besonders kooperativ zusammen. Ich vergesse nie den Spruch des damaligen Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, dem 1982 verstorbenen Nahum Goldmann, der ein häufiger Gast bei uns zu Hause war und den mit meinem Vater eine Freundschaft und kritische Einstellung gegenüber vielen Taten der israelischen Politik verband. Goldmann war ein "kritischer Zionist", der sich kritisch gegen den Libanon-Feldzug aussprach und sich immer für eine israelisch-arabische Annäherung aussprach, allerdings brachte ihm das, wie meinem Vater, auch viel Kritik aus Israel ein! Leider fehlt es heute an "kritischen Zionisten"! (5)

Zum wiederholten Mal ist klarzustellen, dass Antisemitismus ein pauschales Vorurteil gegen Juden ist, aber nichts zu tun hat mit Israel-Kritik oder Anti-Zionismus. Auch ist die so erfolgreiche und wichtige BDS-Kampagne überhaupt nicht zu verwechseln mit der Verleumdung von Seiten der Israel-Lobby mit ihrem Slogan "kauft nicht bei Juden". Nein, es geht um den Kampf für ein freies Palästina und gegen die illegale Besatzung Palästinas. Solange dieses Ziel nicht erreicht wurde, muss es heißen" kauft nicht beim jüdischen Besatzer"! (6)

Ich erinnere mich auch noch allzu gut daran, als der ewige "Kampfabstimmungsverlierer" gegen meinen Vater um den Vorsitz des Zentralrats der Juden, Ignatz Bubis, die Chuzpe hatte, sich als "Juden mit Beruf" gegen einen "Juden von Beruf" zu bezeichnen, wofür meine entrüstete Mutter eine Entschuldigung verlangte. Klar hatte er einen "Beruf", er war nicht nur Immobilienspekulant, wofür ihn Fassbinder ein Denkmal im grandiosen Theaterstück "Der Müll, die Stadt und der Tod" setzte, sondern er war auch ein vorbestrafter Schwarzmarkthändler.

Übrigens waren alle diese "deutschen Juden" wie Bubis, so mit Deutschland verbunden, dass er, im Gegensatz zu meinem Vater, in Israel begraben sein wollte, und tatsächlich verübte ein Jude auf das Bubis-Grab einen Anschlag. Die bis heute nicht aufgeklärten Anschläge auf das Grab meines Vaters halte ich für eine von Verfassungsschutz-Helfern begangene Tat, denn nicht umsonst wurden die ergebnislosen Ermittlungen so schnell eingestellt! (7)(8)(9)(10)

Wie komme ich auf die ganzen Geschichten, werden Sie sich fragen? In der Tat brachte mich die Trauerfeier für Kohl auf diese Gedanken, da steht eine christlich-zionistische Kanzlerin, unter deren Kanzlerschaft soeben eine neue Lieferung von drei U-Booten, die atombestückt werden können, an den "Jüdischen Staat" genehmigt wurde, zum großen Teil auf Kosten von uns deutschen Steuerzahlern. (11)

Gut aufgenommen in die Allianz des Welt-Staatsterrors

Nicht fehlen durfte da das zu Hause von Korruptionsvorwürfen gebeutelte Ehepaar Netanjahu und glücklicherweise verhinderte der heilige Schabbat, dass dieser rechtsradikale Zionist ebenfalls eine verlogene Rede hielt. Er, der Ministerpräsident eben jenes "Jüdischen Staates", Bibi Netanjahu mit Ehefrau Sara scherzt mit dem deutschen Bundespräsidenten Steinmeier und Frau, ohne natürlich befürchten zu müssen, wegen der neuen Siedlungsaktivitäten in Haftung genommen zu werden, schließlich wurde er ja noch belohnt dafür, dass er die "Judaisierung" Palästinas zu neuen Höhen treibt und ist ebenso wie Saudi Arabien, Ägypten und ähnliche Regime, gut aufgenommen in die Allianz der "Anti-Terror-Kämpfer", die doch selbst einen Hauptanteil am Welt-Staatsterror haben, der nichts erzeugt außer Hass, Gegen-Terror und Flüchtlinge. Da muss man schon schlucken, nicht vor Trauer, sondern vor Wut, vor so viel Verlogenheit der versammelten Gesellschaft, die sich selbst beweihräuchert und lobt für ihre Untaten. Was für ein musikalisch umrahmtes Schmierentheater. Gerade hat der "Jüdische Staat" den strategischen Wert des christlichen Zionismus erkannt, da war diese Trauerfeier ein Beweis für diese Partnerschaft! (12) So funktioniert die unerträgliche Verlogenheit der "christlich zionistischen" Politiker und ihrer jüdischen Helfer!


Ein Jude an die Zionisten
von Erich Fried

Freut euch erstens, daß eure Toten so tot sind,
denn sonst könnten sie euch laut sagen, was sie von euch halten
ihr zu Mörder gewordenen Söhne der Opfer unserer Mörder
die ihr euch verbündet mit Mördern gegen eurer Mordopfer Kinder
Und freut euch, daß die Mörder unserer Eltern
die Herzen der Welt so gewöhnt haben an das Morden
daß die Herren der halben Welt heute eueren Morden und Lügen
wohlwollend zusehen können und kaum zum Schein protestieren

Und freut euch, daß euer eigener Martin Buber schon tot ist
denn der hat noch knapp vor seinem Tode gesagt
daß ihr nicht die Jünger der alten jüdischen Weisheit
nein, nur die Schüler von Hitler geworden seid

Und freut euch auch, daß es keinen Bert Brecht mehr gibt
denn was der euch gesungen hätte zu eurem Unrecht
das würde der Welt und euch noch lang in den Ohren klingen
ja, länger als eure Unrechtherrschaft noch währt

Aber freut euch rasch, denn eure Freude wird kurzlebig sein
wie die Freuden anderer Tyrannen und Mörder
und dann werden Palästinenser und Juden in Frieden zusammenleben
und werden Gott danken, daß es keinen Zionismus mehr gibt


Ein Jude an die zionistischen Kämpfer
von Erich Fried

Was wollt ihr eigentlich?
Wollt ihr wirklich die übertreffen
die euch niedergetreten haben
vor einem Menschenalter
in euer eigenes Blut
und in euren eigenen Kot?
Wollt ihr die alten Foltern
jetzt an die anderen weitergeben
mit allen blutigen
dreckigen Einzelheiten
mit allem brutalen Genuss
der Folterknechte
wie unsere Väter sie damals
erlitten haben?
Wollt jetzt wirklich ihr
die neue Gestapo sein
die neue Wehrmacht
die neue SA und S.S.
und aus den Palästinensern
die neuen Juden machen?
Aber dann will auch ich
weil ich damals vor fünfzig Jahren
selbst als ein Judenkind
gepeinigt wurde
von euren Peinigern
ein neuer Jude sein
mit diesen neuen Juden
zu denen ihr die Palästinenser macht
Und ich will sie zurückführen helfen
als freie Menschen
in ihr eigenes Land Palästina
aus dem ihr sie vertrieben habt


Fussnoten:

1 http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/salomon-korn-meine-begegnungen-mit-helmut-kohl-15085280.html
2 http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/menschen-wirtschaft/erfolgreiche-juden-sie-gaben-frankfurt-sein-gesicht-12545500-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_3
3 http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article107152615/Kritik-an-Israel-ist-nicht-automatisch-antisemitisch.html
4 http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Israel/korn-galinski.html
5 http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14351474.html
6 http://bds-kampagne.de/
7 https://hpd.de/node/18389
8 http://www.zeit.de/1988/18/schmierige-geschaefte/komplettansicht
9 http://www.abendblatt.de/archiv/1999/article204649347/Bubis-Grab-in-Tel-Aviv-geschaendet.htmlHingegen
10 http://www.tagesspiegel.de/berlin/ein-jahr-nach-dem-anschlag-auf-das-grab-von-galinski-werden-die-ermittlungen-vorlaeufig-engestellt/112050.html
11 http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundesregierung-genehmigt-u-boot-deal-mit-israel-a-1155229.html
12 http://www.israelheute.com/Nachrichten/Artikel/tabid/179/nid/32018/Default.aspx


Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzenden der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.

Top-Foto:
Evelyn Hecht-Galinski (sicht-vom-hochblauen.de)


Online-Flyer Nr. 620  vom 05.07.2017

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