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Aktueller Online-Flyer vom 22. Oktober 2017  

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Krieg und Frieden
Dokumentation eines Projekts für Frieden, Völkerverständigung und Menschenrecht
Die Kölner Klagemauer muss leben (75)
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Walter Herrmann ist tot, doch seine Idee ist lebendiger denn je. „Habt Vertrauen in die Zukunft, verändert das Heute! (John Lennon)“ „…Groß bist Du geworden, hast Dich losgerissen von meiner Hand, gehst eigene Wege. Ich verzeihe Dir, auch wenn Du mir Schmerzen zufügst. Ich gebe mich Dir hin, auch wenn Du mich missbrauchst. Ich schenke Dir alles, was ich habe. Ich liebe Dich, Mensch! Wie lange noch?“ „Der Mensch gehört zur Erde, nicht die Erde zum Menschen“ „Die Kirche predigt doch Frieden und gegen Gewalt. Die Klagemauer tut das gleiche. Warum soll sie dann weg vom Dom? Sehr geehrte Kirche (Stadt, Politiker), überlegen Sie, fangen Sie an zu denken!“ So steht es auf vier der zahllosen Klagemauer-Karten. Es begann vor 26 Jahren, im Januar 1991, mit dem so genannten Golfkrieg, als die USA den Irak überfielen. Das war Auslöser für das Projekt für Frieden, Völkerverständigung und Menschenrecht. Initiator Walter Herrmann – 1998 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet – hat im Kampf gegen Krieg und Ungerechtigkeit nie aufgegeben. Doch seit Januar 2016 war Walter Herrmann gesundheitlich angeschlagen. Sein Platz vor dem Kölner Dom blieb seitdem leer. Die ständigen heimtückischen Attacken gegen seine Friedensarbeit – besonders die aus seinem engeren Umfeld – hatten ihm zugesetzt. Es herrscht Krieg. Kräfte des Friedens sollen kaputt gemacht werden. Doch die Kölner Klagemauer muss weiter leben.


Die Passanten am Dom sind aufgefordert, Ihre eigene Friedensbotschaft auf einer Karte der Klagemauer zu hinterlassen. So ist ein interaktives Friedenskunstwerk von Weltrang entstanden.

Um dem Klagemauer-Projekt eine zusätzliche Wirkung zu geben, dokumentieren wir im wöchentlichen Rhythmus – beginnend einen Tag nach Walter Herrmanns 77. Geburtstag am 26. Januar 2016 – die von Passanten geschriebenen Karten-Botschaften. In den Folgen 1 bis 18 stand das Thema Palästina im Mittelpunkt. Ab Teil 19 und hier jetzt in Teil 75 sind Karten aus einem breiteren Themenspektrum zusammengestellt:


877. Alle Waffen und Armeen müssen abgeschafft werden!


878. Frieden – Alles Alte wird sterben, und wir werden die Welt übernehmen. (Jim Morrison) – Jeder Mensch sollte das Recht haben, einmal für 15 Minuten ein Star zu sein. (Andy Warhol) – Habt Vertrauen in die Zukunft, verändert das Heute! (John Lennon) – Ich möchte von Euch, dass Ihr Liebe und nicht Krieg macht. (John Lennon)


879. Jeder ist ein Teil der Welt. So zerstört keinen, damit sie im ganzen zusammenhält!


880. Ich schenke Dir alles. Du warst angelegt in meinem Schoß, in den Algen und Einzellern warst Du verborgen, im Urgestein, im Meer, im Himmel. Ich ging schwanger mit Dir Milliarden Jahre. Ich ernährte Dich, hielt Dich in meinem Atem, gab Dir einen Platz auf meiner Decke. Groß bist Du geworden, hast Dich losgerissen von meiner Hand, gehst eigene Wege. Ich verzeihe Dir, auch wenn Du mir Schmerzen zufügst. Ich gebe mich Dir hin, auch wenn Du mich missbrauchst. Ich schenke Dir alles, was ich habe. Ich liebe Dich, Mensch! Wie lange noch?


881. Atomwaffen zerstören nicht nur unsere Feinde – uns genauso! (jegliches Vertrauen sowieso)


882. Freiheit – Vor ein paar Tagen ging ich in den Zoo, die Sonne schien, mir war um’s Herz so froh. Vor einem Käfig sah ich Leute stehen, drum ging ich hin, um mir das näher anzusehen. – „Nicht füttern“ stand auf einem große Schild, „und bitte auch nicht reizen, da sehr wild“, Erwachsene und Kinder schauten dumm, nur ein Wächter schaute grimmig und sehr stumm. – Ich fragte ihn: „wie heißt denn dieses Tier?“ „Das ist die Freiheit“, sagte er zu mir, „die gibt es jetzt so selten auf der Welt, drum wird sie hier für wenig Geld zur Schau gestellt!“ – Ich schaute und ich sagte: „Lieber Herr, ich seh doch nichts, der Käfig ist doch leer. „Das ist ja grade“, sagte er, „der Gag, man sperrt sie ein und augenblicklich ist sie weg“. – Die Freiheit ist ein wundersames Tier, und manche Menschen haben Angst vor ihr, doch hinter Gitterstäben geht sie ein, denn nur in Freiheit kann die Freiheit Freiheit sein!


883. Sie sehen meine Kleidung. Sie sehen meine Wohnung. Sie sehen meine Haare. Und sie glauben, sich ein Urteil über mich bilden zu können. Sie zwingen mich zu lächeln, aber nicht in die Knie


884. Wann hast Du Dir zuletzt die Sterne angesehen? Mach es diese Nacht und erkenne, wie klein und unbedeutend wir tatsächlich sind.


885. Was Du bist, ist Gottes Geschenk an Dich. Und was Du aus Deinem Leben machst ist Dein Geschenk an Gott.


886. Zahme Vögel singen von Freiheit. Wilde Vögel fliegen!


887. Der Mensch gehört zur Erde, nicht die Erde zum Menschen


888. Die Kirche predigt doch Frieden und gegen Gewalt. Die Klagemauer tut das gleiche. Warum soll sie dann weg vom Dom? Sehr geehrte Kirche (Stadt, Politiker), überlegen Sie, fangen Sie an zu denken!


Copyright der Karten-Reproduktionen: Förderkreis Kölner Klagemauer für Frieden e.V.

Ihr könnt uns und das Klagemauer-Projekt unterstützen, indem Ihr fremdsprachige Kartentexte ins deutsche übersetzt und uns die Übersetzungen unter Angabe der Kartennummer zukommen lasst (an arbeiterfotografie@t-online.de)



Siehe auch:

Dokumentation der vorangegangenen Woche (74):
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23919

Online-Flyer Nr. 620  vom 05.07.2017

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