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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Menschenrechte und Freiheit für Palästina als deutsche Staatsräson!
Von Evelyn Hecht-Galinski

Am 14. Mai 2017 erinnerten wir uns an die mehr als barbarischen Verbrechen der Nakba, der Katastrophe für das palästinensische Volk und an die Vertreibung von mehr als 700.000 Palästinensern aus ihrem Land. Schämen sollte sich neben der heuchlerischen Staatengemeinschaft gerade Deutschland, dass sie nur drei Jahre nach der Befreiung von Auschwitz, verbunden mit der Staatsgründung des "Jüdischen Staates" 1948, diese erzwungene Vertreibung von heute etwa 6 Millionen Palästinenser und ihrer Nachfahren zuließ und dieses Unrecht nicht endlich beendet. Diese Vertriebenen leben bis heute im Exil, vegetieren eingepfercht größtenteils in Lager unter unmenschlichen Zuständen, wovon ich mir selbst ein Bild im Libanon machen konnte.

Wann wird sich Deutschland endlich dazu bekennen, und die Mitverantwortung für dieses moralische Desaster mit zu übernehmen? Das bedeutet natürlich nicht, immer wieder eine niemals gewollte und dank der jüdischen Kolonialisierung Palästinas unmögliche Zweistaaten-Lösung zu fordern. 69 Jahre Vertreibung und Demütigung, 50 Jahre illegale jüdische Besatzung Palästinas, haben eine traurige Einmaligkeit, die immer wieder mit der Schuld am Holocaust und der "besonderen" Verantwortung, dem "besonderen" Verhältnis zum "jüdischen Volk" begründet wird. Was sich damit an neuer niemals wieder gut zu machender Schuld aufgebaut hat, sollte uns alle endlich wachrütteln und mit Scham erfüllen. Man kann es nicht oft genug betonen: speziell wir, aber auch Europa und die gesamte Staatengemeinschaft haben eine Verantwortung gegenüber den Palästinensern. Ohne den Holocaust wäre es nie zu der barbarischen Teilung Palästinas und zur "Katastrophe" und der folgenden illegalen Besatzung Palästinas gekommen.

Weder legitimiert der Holocaust ehemalige Verfolgte, zu Verfolgern und Besatzern zu werden, noch die Nachfahren der Täter zum Gewähren lassen dieser Täter als Folge eines schlechten Gewissens und Trauma einer Schuld. Man kann und darf nicht eine Schuld mit einer neuen Schuld wieder ungeschehen machen. Vergangener Nazi-Rassismus rechtfertigt nicht jüdischen Rassismus.

Gehirnwäsche der Israel-Lobby unterbinden!

Besonders erschreckend empfinde ich es, wenn ich jungen Menschen begegne, denen die ständige Gehirnwäsche der Israel-Lobby so eingetrichtert wurde, bis sie zu unkritischen "Israel-Verstehern" wurden. So wenig wie es eine Kollektivschuld gibt, so wenig darf es einen kollektiven Philosemitismus geben, der den "Jüdischen Staat" als demokratischen Heilsbringer mit Recht auf die Besatzung Palästinas legitimiert. Es gibt keinerlei Legitimation für die jüdische Besatzung und Kolonisation im "Jüdischen Staat"!

Wenn wir nicht die 100jährige oder ewige Besatzung Palästinas erleben wollen, hilft nur eines: dass wir endlich zu unserer historischen Verantwortung stehen und anfangen, für ein freies Palästina einzutreten und zwar nicht nur verbal, sondern mit Taten! Was heißt das? Endlich vom "Jüdischen Staat" den Rückzug auf die Grenzen von 1967 einfordern, die Auflösung aller Siedlungen ohne Ausnahme und endlich einen Staat Israel mit klar definierten Grenzen und ohne Mauern und Checkpoints erreichen. Das geht allerdings nur mit konsequenter Durchsetzung und durch Druck, z.B. dem Stopp aller finanziellen Hilfen und die Beendigung aller Kooperation mit den jüdischen Besatzern, bis diese Forderungen erfüllt sind. Es ist doch unerträglich, dass 50 Jahre nach dem Beginn der illegalen Besatzung und 69 Jahre nach der Nakba, sich dieser barbarische "Jüdische Besatzerstaat" und das Netanjahu-Regime sich frech dafür rühmen können, dass sie sich im Zenith des Besiedlungs-Baubooms befinden. (1)

Die Zeit ist überfällig, dass die heuchlerische "westliche Werteallianz" aufhört, die ganze Welt mit ihren "Werten" zu bombardieren und damit den Terror doch erst erzeugen. Der Hass auf Muslime und die Gleichsetzung von Islam und Terror hat sich zu einer tickenden Zeitbombe entwickelt, zu einem Tsunami des Hasses. Die Islamfeindlichkeit hat längst den Antisemitismus abgelöst. Allerdings wird immer mehr die Antisemitismuskeule geschwungen, als Ablenkungsmanöver der barbarischen jüdischen Verbrechen in Palästina.

Gerade in Deutschland erleben wir diesen Druck der Israel-Lobby hautnah, während sich Muslime immer mehr Angriffen ausgesetzt sehen und sich ständig für Terror-Taten entschuldigen oder sich von diesen zu distanzieren, während sich ungestraft jüdische Organisationen mit den barbarischen Völker- und Menschenrechtsverbrechern solidarisieren können, ja diese sogar auf breite politische und mediale Unterstützung fällt, während die Palästinenser und Unterstützer Palästinas keine Solidarität, geschweige den mediale Aufmerksamkeit und politische Unterstützung erfahren. Stattdessen werden wir alle zu Antisemiten und Judenhassern gemacht, während echte Antisemiten heute die besten Freunde des "Jüdischen Staates" sind. Das sollte uns alle bestürzt machen und mit Scham erfüllen! Wenn der Antisemitismus zur Existenzberechtigung wird, dann hat der "Jüdische Staat" seine Existenzberechtigung verwirkt.

Die illegale Siedlerkolonisation muss beendet werden und das eingeforderte legitime Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge muss endlich umgesetzt werden. Es ist ein furchtbares Unrecht, dass wegen des Holocaust JEDER jüdische Bürger ein „Rückkehrrecht“ nach Palästina hat, während dieses legale Recht den Palästinensern verweigert wird. Solange einseitig den jüdischen Bürgern alles Unrecht nachgesehen und gestattet wird, solange kann es keinen Frieden in Palästina geben, und das ist auch genau die Absicht, denn wie schrieb ich schon vor Jahren in meinem Buch: „Israel will alles, nur keinen Frieden!“

Finanzielle Unterstützung des barbarischen Unrechts beenden!


Es darf kein "Groß-Israel" geben, umgeben von Bantu-Enklaven in einem unfreien so genannten Palästinenserstaat, mit einer "ewig ungeteilten" Hauptstadt Jerusalem unter jüdisch-militärischer Hoheit und Besatzung! Es darf keine Anerkennung dieses Unrechts und dieser zionistischen Zukunftspläne geben, und es darf keine Anerkennung durch Botschaftsumzüge geben. Mittlerweile hat sich Israel zu einem "Jüdischen Apartheidstaat entwickelt, unter den Augen der ohnmächtigen Staatengemeinschaft. Nur die USA haben es in der Hand, endlich anzufangen mit dem Stopp ihrer finanziellen Unterstützung dieses barbarischen Unrechts. Allerdings sind wir von diesem Zustand mehr als weit entfernt als je zuvor.

Weder die westliche "Werteallianz" will diesem Zustand wirklich ein Ende bereiten, da sie den "Jüdischen Staat" als vorbildlichen "Anti-Terrorkämpfer" sieht und sogar schleichend die "Israelisierung", Deutschlands in Kauf nimmt mit immer mehr Einschränkungen des Rechtssystems. Schon melden sich CSU und CDU, das "Traumpaar" Bayerns, der Innenminister Herrmann und die "Burka Beauftragte" Klöckner, und plädieren für eine "Schleierfahndung" im Kampf gegen den Terror, nachweislich eine mehr als unwirksame Maßnahme, aber so machen sie wieder Stimmung im Volk gegen Muslime und Flüchtlinge! (2)

Solange es nicht in alle Köpfe geht, dass eben nicht die "Juden-Zionisten" die indigenen Ureinwohner Palästinas sind, sondern die Palästinenser, wie es der Name Palästina schon klarstellt, solange wird die Propaganda der Israel-Lobby immer wieder auf fruchtbaren deutschen Boden fallen. Ganz bewusst hat diese Lobby es verstanden, das zionistische Märchen vom von Gott versprochenen und gegebenen Land zu verbreiten, das sich heute zu einem politischen judaistischen Siedlerprojekt gesteigert hat und von vielen Philosemiten und christlichen Zionisten unter die Leute gebracht wird – allerdings mit Fakten und unzähligen Büchern inzwischen widerlegt. Aber ich kann es immer nur wiederholen, warum wollen die Zionisten und Israel-Lobbyisten nicht darüber diskutieren und jüdische wie nicht-jüdische Israel-Kritiker "philosemitisch-antisemitisch" ausgrenzen und delegitimieren? Weil die Zionisten nichts mehr fürchten, als die Wahrheit!

Immer wieder wurde nicht mit den Palästinensern verhandelt und auch niemals als gleichberechtigte Partner auf gleicher Augenhöhe akzeptiert. Immer wurde nur über dieses "erfundene Volk", wie es von Politkern im "Jüdischen Staat" und ihren deutschen Nachahmern bezeichnet wurde, also gegen sie, entschieden. So wurde das "erfundene jüdische Volk" (Schlomo Sand!) von den barbarischen Herren des nicht "existierenden palästinensischen Volks" unterdrückt und besetzt.

Die palästinensische Lebensgrundlage, ihre Freiheit, Häuser, Infrastruktur, Landwirtschaft, Kultur, wurde systematisch zerstört und es wurde ihnen von den "jüdischen Besatzerherren" verboten, ihr EIGENES Land zu erwerben. Dieser jüdische Kolonialismus ist bis heute EINZIG in Welt und ein unhaltbarer Zustand! Der brutalsten aller Besatzungen muss endlich der internationale Widerstand entgegengesetzt werden, der ihr gebührt, nämlich Sanktionen und Ächtung! Gerade hier ist Deutschland in der Pflicht und sollte als Vorreiter damit beginnen, wo sich doch die "alternativlose" Kanzlerin Merkel als "mächtigste Frau der Welt" immer mehr von Gipfel zu Gipfel schwingt! Aber danach sieht es leider im christlich-zionistischen Merkel-Deutschland nicht aus!

Recht auf Selbstverteidigung des palästinensischen Volkes anerkennen!

So muss endlich das legitime Recht auf Selbstverteidigung des besetzten palästinensischen Volkes anerkannt und durchgesetzt werden. Nicht die Besatzer haben ein Recht auf Selbstverteidigung, auch wenn diese immer wieder mit Unterstützung der USA und Deutschlands dieses Recht für sich in Anspruch nehmen und brutal anwenden. Es ist völlig absurd, dass der palästinensische legitime Widerstand immer als Terror, der jüdische Besatzer-Staatsterrorismus dagegen immer als "Selbstverteidigung" bezeichnet wird, ebenso wie Präventivkriege und Morde. Uns als Zivilgesellschaft bleibt nur die Unterstützung der so wichtigen BDS-Kampagne, die immer stärker und erfolgreicher wird und aus diesem Grund auch immer mehr zum Feindbild des "Jüdischen Staates" und der Israel-Lobby wird, ebenso wie NGO`s und Menschenrechtsgruppen, denen es immer schwerer gemacht wird zu existieren.

Auch hat es der "Jüdische Staat" geschafft, eine Palästinenserbehörde im besetzen Westjordanland so zu korrumpieren, dass diese ihr eigenes Volk und deren Rechte mit Füßen tritt, die eigene Gesellschaft ganz nach "jüdischen Besatzervorbild" drangsaliert und stranguliert, ein Kollaborationssystem, das Wachs in den Händen des Netanjahu-Regimes ist und immer wieder bereit ist, zu verhandeln, bis alle Rechte und das Land "ausverhandelt" sind. Gerade hat die "Vichy-Abbas"-Behörde wieder einmal in Zusammenarbeit mit dem "Jüdischen Staat" und sogar auf eigenen Druck das Konzentrationslager Gaza ins Dunkel gesetzt, indem die Stromzufuhr gedrosselt wurde und das einzige Elektrizitätswerk nicht mehr arbeitet.(3)

Alles, um die alleinige Macht zu erreichen und die Hamas-Regierung zu zerstören und ihre Organisation zu schwächen. Schließlich weiß die Abbas Behörde, dass im Falle einer freien Wahl die Tage ihrer Herrschaft gezählt wären, deswegen befinden sie sich im Einklang mit dem "Jüdischen Staat", Wahlen zuzulassen, für ein freies Palästina. Tatsächlich ist die Hamas keine Terrororganisation, sondern die einzige palästinensische Widerstandsorganisation im Kampf für ein freies Palästina! Aber diese "Regime Change Politik“ erlebten wir u.a. in der Ukraine, in Ägypten, Venezuela und in Gaza durch eine bewusste Verknappung, der Artikel des täglichen Bedarfs und der dadurch erzeugten Unruhen. Diese Politik führt uns alle in die Katastrophe des Terrors und der Flüchtlinge!

Barbarei des "Jüdischen Apartheid-Besatzerstaats" vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag anklagen!

Der "Jüdische Staat", dieser barbarische "Jüdische-Apartheid-Besatzerstaat" und die schuldigen Protagonisten dieser kriegerischen und rassistischen Völker- und Menschenrechtsverletzenden Völkermord-Politik muss endlich vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag angeklagt werden. Dieser Tag wird kommen, auch wenn er noch in weiter Ferne zu liegen scheint. Aber bis jetzt konnte kein so unmenschliches Besatzer-Regime auf Dauer überleben. Das sollte und alle anspornen, für eine Staatsräson der Verantwortung für ein freies Palästina zu kämpfen und endlich eindeutig Stellung zu beziehen für die Einhaltung der Menschenrechte und für ein Ende der illegalen "jüdischen Besatzung"!


Fussnoten:

1 http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-06/israel-westjordanland-siedlungsbau-avigdor-lieberman-proteste
2 http://www.zeit.de/news/2017-06/12/innere-sicherheit-terrorbekaempfung-im-fokus-der-innenministerkonferenz-12054005
3 http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-liefert-weniger-strom-nach-gaza-offenbar-auf-bitte-von-mahmoud-abbas-a-1151669.html


Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzenden der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.

Top-Foto:
Evelyn Hecht-Galinski (sicht-vom-hochblauen.de)


Online-Flyer Nr. 617  vom 14.06.2017

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