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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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Globales
Simulierte Atombombenexplosion in Manhattan sorgt für Aufsehen
Gotham Shield
Von Rainer Rupp

Um einen Angriff gegen Nordkoreas Nukleararsenal zu rechtfertigen, bräuchte Washington mehr als nur einen einen gefakten C-Waffen-Angriff. Bizarre Begleitumstände einer Übung mit simulierter Atombombenexplosion in Manhattan sorgten jüngst für Aufsehen. Die Tatsache, dass die US-Kriegstreiber Nordkorea im Visier haben, lässt sich kaum noch leugnen. Höchste Kreise in Washington haben am Mittwoch, dem 26. April 2017, diese Ambitionen mit schneidender Schärfe noch einmal unterstrichen. Der gesamte US-Senat war ins Weiße Haus geladen. Präsident Trump, sein Verteidigungsminister und die vier ranghöchsten Offiziere der US-Streitkräfte unterrichteten die Parlamentarier über die angeblich akute Bedrohung, welche von Nordkorea gegen die USA ausginge. Eine so geballte Zusammenkunft hatte es bisher noch nie gegeben und sogar die britische Nachrichtenagentur Reuters fand das Geschehen "ungewöhnlich".

Vor diesem Hintergrund dauerte es nicht lange und schon schossen die Gerüchte über einen unmittelbar bevorstehenden Angriffsbefehl auf Nordkorea ins Kraut. Befeuert wurden diese durch die Tatsache, dass zum gleichen Zeitpunkt, also ebenfalls am 26. April, die vom US-Flugzeugträger Carl Vinson angeführte Schlachtgruppe – wenn auch ziemlich verspätet – vor der Küste der koreanischen Halbinsel eintraf.

Ein Angriffsbefehl braucht jedoch eine mitreißende Begründung, bzw. einen guten Vorwand, der die inzwischen doch ziemlich misstrauisch gewordene Bevölkerung aufrüttelt und wieder zu braven Hurra-Patrioten macht. Das gilt vor allem bei einem Krieg gegen das atomar bewaffnete Nordkorea, das an China und Russland grenzt. Beide Nachbarn würden sich durch einen US-Angriff gegen Korea direkt bedroht fühlen, was sie Washington auch deutlich gemacht haben. Ein Angriff gegen Nordkorea ist daher auch für die USA gefährlich und mit unkalkulierbaren Folgen verbunden.

Ein militärisches Vorgehen gegen das nordkoreanische Nukleararsenal ist daher auch nicht mit einem US-Cruise-Missile-Angriff auf eine syrische Luftwaffenbasis zu vergleichen. Daher braucht zu dessen Rechtfertigung vor der Öffentlichkeit auch mehr als einen aus allen Poren nach "Fake" riechenden Chemiewaffenangriff. Dafür braucht man etwas wirklich Großes, etwas in der Größenordnung des 11. Septembers, mit dem die Regierung von George W. Bush die Kriege gegen Afghanistan und den Irak rechtfertigt hat.

Und ausgerechnet am Mittwoch, dem 26. April 2017, sollte in New York und Washington etwas Großes stattfinden, über das die Öffentlichkeit von den Behörden und einigen lokalen Medien erst im letzten Moment informiert wurde, um Panik zu verhindern.

Unangekündigte Großübung mit "realistischen Notfalldarstellungen"

Oder wie sonst soll man sich erklären, dass erst am Freitag letzter Woche die traditionellen Medien erste Informationen über eine obskure Katastrophenübung fallen ließen? Unter dem Codenamen Operation Gotham Shield sollte am 26. April 2017 eine gigantische Notstandsübung in New York und New Jersey durchgeführt werden. Bei dieser Übung, deren Name offensichtlich Batmam-Comics entliehen ist, sollte die Explosion einer Atombombe mit einer Sprengkraft von 10.000 Tonnen TNT über dem New Yorker Finanzviertel Manhattan simuliert werden.

Ähnliches war offensichtlich für Washington geplant. Ebenfalls am 26. April sollten dort im Großraum der US-Hauptstadt im Rahmen umfangreicher Einsätze angeblich die Reaktion der verschiedenen Sicherheits- und Erste-Hilfe-Organe auf komplexe, koordinierte Terroranschläge getestet werden.

Laut dem lokalen Chef von Homeland Security sollten am 26. April "sehr realistische Notfalldarstellungen an verschiedenen Orten veranstaltet werden, mit Schauspielern, die als Opfer auftauchen."

Darüber hat der Verband der Stadtregierungen von Washington erst am Montag den 24. April auf seiner Webseite informiert. Einen Tag später, also weniger als 24 Stunden vor Beginn der groß angelegten Washingtoner Terrorspiele mit Schauspielern als Opfern, warnte die Washington Post in ihrem Lokalteil ihre Leser in einer Kurzmeldung vor Panik bei den "simulierten Terrorangriffen".

Medien und Behörden schwiegen sich aus

Im Fall von der simulierten Atombombenexplosion in Manhattan sucht man in der New York Times sogar vergeblich nach überhaupt irgendeiner Meldung. Über die Suchfunktion der Zeitung findet man z.B. im Zeitraum 1. Januar 2016 bis 26. April 2017 keine einzige Meldung über Gotham Shield.

Auch auf der Webseite der FEMA, der für das Management von Notstandseinsätzen zuständigen Bundesbehörde, ist über "Gotham Shield" nichts zu finden, auch nicht mithilfe der FEMA-eigenen Suchfunktion. Und das, obwohl die FEMA aktuellen Medienberichten zufolge daran beteiligt ist. Allerdings ist inzwischen eine offizielle FEMA-PDF-Datei ins Netz gestellt worden, die die Einweisung der für Notfallreaktionen verantwortlichen Beamten in New Jersey am 10. Januar 2017 zum Inhalt hat.

Tatsächlich hat die Übung am 26. Januar stattgefunden, aber anscheinend nicht in dem ursprünglich für die Operation Gotham Shield geplanten Umfang. Von der Unterbrechung der Telefone, Internet- und Funk- und Verkehrsverbindungen war z.B. nichts zu merken. Auch sonst blieb in Manhattan alles ruhig. Dafür bekamen lokale Radiostationen außerhalb New Yorks, wie die New Jersey news12 Tausende Anrufe und Emails besorgter Bürger, die über das Massenaufgebot von Ambulanzwagen verängstigt waren, die den ganzen Tag mit heulenden Sirenen zum Sammelplatz für die simulierten Opfer der Atomexplosion im MetLife Stadium in East Rutherford rasten.

Die seltsamen Begleitumstände dieser Terror-Großübungen in New York und Washington, mit realistisch als Opfer gestylten Schauspielern und einem zeitgleich stattfindenden "Kriegsrat" mit dem Senat, dem US-Präsidenten und dessen ranghöchsten Offizieren fanden nicht nur ausländische Medien wie z.B. die britische Tageszeitung Daily Mail "bizarr".

Blogger berichtete als Erster

Vor allem die Tatsache, dass die Warnung der lokalen Bevölkerung erst im letzten Augenblick geschah, löst Befremden aus. Folglich brummt das US-Internet mit Vermutungen, dass im Zusammenhang mit den in Washington und New York koordinierten Terror-Übungen eine großangelegte "Falsche Flagge" gesetzt werden sollte, welche die Bevölkerung entsetzt und die US-Regierung zu sofortigem Handeln gezwungen hätte.

In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass erst letzte Woche der US-Internet-Blogger Mac Slavo bei seinen Recherchen auf die Operation Gotham Shield gestoßen ist und Informationen darüber anschließend im Netz verbreitet hat. Daraufhin griffen am Freitag letzter Woche etliche US- und internationale Medien die Nachricht auf. Die US-Mainstream-Medien ebenso wie die offiziellen Stellen schwiegen hingegen beharrlich, die Washington Post reagierte erst einen Tag vor dem 26. April.

Blogger, die mehr als nur ein Versehen in diesem Vorgehen sehen, verweisen darauf, dass in den USA in der Vergangenheit schon öfter vor dem Hintergrund von Anti-Terror-Übungen tatsächliche Terrorangriffe stattgefunden haben, die dann auf wundersame Weise die politisch-militärischen Zielsetzungen der jeweiligen Regierung bedient haben.

Daher vermuten viele, dass durch die rechtzeitige Offenlegung der Operation Gotham Shield ein weiterer katastrophaler Terrorangriff unter falscher Flagge am 26. April verhindert wurde und Washington die notwendigen Gründe zur Rechtfertigung eines Krieges gegen Nordkorea nicht bekommen hat. Entsprechend verlief denn auch die höchst ungewöhnliche Einweisung des US-Senats im Weißen Haus durch Trump und seine Kriegsherren über die Bedrohung durch Nordkorea am gleichen Tag wenig aufregend.

Die ersten Reaktionen der Mainstream-Medien auf die Spekulationen im Internet lauten dagegen unisono, dass natürlich nur Verschwörungstheoretiker etwas Böses hinter Operation Gotham Shield hätten vermuten können. Alles war in bester Ordnung. Es gebe keinen Grund, der US-Regierung nicht zu vertrauen. Die hat schließlich die eigene Bevölkerung und die Welt noch nie belogen. Und der Autor dieser Zeilen ist der Kaiser von China.


Mit freundlicher Genehmigung übernommen von RT Deutsch – Erstveröffentlichung am 27.04.2017


Online-Flyer Nr. 611  vom 03.05.2017

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