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Aktueller Online-Flyer vom 17. Oktober 2017  

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Krieg und Frieden
Dem medial verbreiteten kriegerischen Ungeist entgegenwirken
Friedensarbeit jenseits Trumpscher Entscheidungen
Von Irene Eckert

Wer mag wohl in diesem Verwirrspiel um den kriegerischen 180 Grad Schwenk des Präsidenten Trump recht behalten? Ich denke, wir alle, die wir nach Antworten suchen, hoffen darauf, dass es am Ende die Sache des Friedens und die einer gewissen Gerechtigkeit sein wird. Diese Anliegen mit Nachdruck und Konsequenz zu vertreten ist nicht einfacher geworden in den letzten Tagen. Ich bin die ganze Zeit dabei, mit Hilfe der Durchsicht aller möglichen Quellen und anhand von Gesprächen den roten Faden zu finden, beziehungsweise ihn nicht aus der Hand gleiten zu lassen.

Wenn nur die Vereinigten Staaten von Amerika und ihr weltweit operierender, sich auf den militärisch-industriellen Komplex, die Banken und die Geheimdienste stützender 'Tiefer Staat', nicht so wahnsinnig viel Zerstörungspotential angesammelt hätten. Ich hoffe allerdings noch immer darauf, dass das amerikanische Volk, das sich aus gutem Grund für den „Populisten“, den Nicht-Interventionisten, den Nicht-Globalisten, Nicht-Neoliberalen und nicht-Falken Trump entschieden hat, der ihre Interessen zuerst zu bedienen versprach, dass dieses Volk uns wird helfen können, eine Gegenmacht aufzubauen. Wichtiger aber noch als der Sumpf im 'Lande der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten' sind in dieser Zeit die feststehenden Säulen Russland, China, Iran. Die Zusammenarbeit dieser Länder hat eine solide Grundlage, sie ruht auf einer pragmatischen Politik, die die gemeinsame Interessenlage nüchtern einzuschätzen versteht. Dazu kommen Länder wie das tapfere, kämpferische Syrien, aber auch Bolivien, Ecuador und noch immer Venezuela. Auch die Volksbewegungen in ganz Lateinamerika schlafen nicht.

Was bei uns - trotz allem Aktivismus hie und da – fehlt, ist die richtige Einschätzung möglicher Verbündeter. Es fehlt vor allem an einer friedenspolitischen Strategie, die natürlich einer voraufgehenden geopolitischen Analyse bedarf. Freund und Feind, Verbündete und Gegner müssen der Realität angemessen erkannt und benannt werden. Angeprangert werden müssen diejenigen Kräfte, die zuvorderst einer dem Frieden dienlichen Politik im Wege stehen. Man muss sich auf die Kernfragen konzentrieren, die wichtigsten Frontverläufe und die eingesetzten Waffenarsenale erkennen.

Gegenwärtig heißt das etwa, dass man auf einer unabhängigen Kommission bestehen muss, die dem unerhörten erneuten, Vorwurf an die Regierung Assad nachgeht, demzufolge sie Chemiewaffen in Khan Sheikhoun in der Provinz Idlib eingesetzt habe. (1) Dieser ungeprüfte Vorwurf motivierte schließlich den US-Präsidenten Trump zum Angriffsbefehl auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt Schayrat mittels 59 Tomahawk Raketen, einer so oder so völkerrechtswidrigen Angriffshandlung. Billigend wurde dabei eine Konflikteskalation in Kauf genommen, die eine Konfrontation mit Russland hätte heraufbeschwören können, wäre das Land nicht in den Händen kluger Führungspersönlichkeiten und würde es nicht vernünftiger Weise in enger Absprache mit seinen Verbündeten China, Iran, Syrien nach einem Ausweg aus der provokativen Falle gesucht haben.

Mag – wie allenthalben spekuliert wird – Donald Trump aus innenpolitischen Gründen es für nötig erachtet haben, wie alle seine Amtsvorgänger, zu kriegerischen Mitteln zu greifen, um sich Geltung zu verschaffen und seine liberal-demokratischen Gegner wenigsten vorübergehend zum Schweigen zu bringen. Ihr kriegerischer Geist wurde damit gewiss ganz und gar offenbar. Mag er weiter auf diese Weise versucht haben, das tödliche Gift einer ihm zur Last gelegten Putin-Umgarnung zu neutralisieren. Mag der US-Chef mittels der nachgejagten MOAB-Bombe auf (vom CIA geschaffene) afghanische IS-Strukturen, seinem Versprechen zur vorrangigen Terrorbekämpfung Nachdruck verliehen haben. Nach einer kohärenten Strategie sieht das alles nicht aus, eher nach Hilflosigkeit. Noch mehr Verwirrtheit signalisiert seine falsche Verortung des Flugzeugträgers USS Carl Vinson angeblich auf dem Wege nach Nordkorea.

Aber selbst dann, wenn man den US-Präsidenten bei den klaren Worten nimmt, die ihm zum Präsidentenamt verholfen haben, Worte der beabsichtigten Kursänderung, der friedvollen Zusammenarbeit mit allen Staaten, die dies wollen, selbst dann kann man dem imperialistischen Superstaatsrepräsentanten kein Vertrauen schenken. Zu sehr steckt auch dieser Mann in den Fängen des militärisch-industriellen Komplexes, vor dem schon der scheidende Ex-Präsident General Eisenhower gewarnt hatte. Mehrere Kennedys sind ihm zum Opfer gefallen und viele Völker bluten für ihn.

Diejenigen Kräfte, die einzig ihm Paroli bieten können und es mit Rat und Tat seit Jahren tun, sind vorrangig anderswo zu suchen, außerhalb der USA und ihres unmittelbaren Einflussbereiches, nämlich in Russland, China, Iran, Syrien und Lateinamerika. Wer dem Terror Einhalt gebieten will, wer dem Frieden dienen will, muss dort nach Verbündeten Ausschau halten.

Der Hauptfeind des Imperiums und seiner Vasallen ist schließlich auch 100 Jahre nach der Oktoberrevolution und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion das große Russland mit seinen natürlichen Schätzen. Deswegen wurde Trump die beabsichtigte partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Putin verunmöglicht, deswegen wurde Gift und Galle gegen ihn gespuckt. Weil Russland ganz unabhängig von seiner inneren Gesellschaftsordnung wegen seines Rohstoffreichtums niedergerungen und erobert werden soll und weil es sich dagegen unter Putin erfolgreich wehrt, muss es zum Erzfeind hochstilisiert und sein populärer Präsident verunglimpft werden. Ähnliches gilt natürlich auch für den syrischen Präsidenten Assad, der nicht bereit ist, sein rohstoffreiches und strategisch wichtiges Land dem Westen zum Fraße hinzuwerfen und sich in Sicherheit zu bringen. Der junge, in Großbritannien ausgebildete Augenarzt und seine moderne Frau, die britische Staatsbürgerin ist (!), werden dafür an den Pranger gestellt, dass sie nicht korrupt sind.

Solche Dinge gilt es aufklärerisch entgegen dem medial verbreiteten kriegerischen Ungeist zu verbreiten. Nur auf Grundlage nachprüfbarer, sachlicher Information ist dem Frieden dienliche, objektive Meinungsbildung möglich.

Die Fokussierung auf Sinn oder Unsinn des Regierungshandelns von US-Präsidenten, ihrer Hintermänner und ihrer Vasallen engt dagegen den Blick ein und verunmöglicht bewusstes, sinnhaftes, eingreifendes, dem Frieden dienendes Handeln.


Fussnote:


1 „With the stakes impossibly high and an independent investigation compromised before it starts by Western declarations of President Assad’s guilt, the OPCW investigation into the Khan Sheikhoun attack is already the subject of recrimination and conflict between the Western Powers and Russia.“ ALEXANDER MERCOURIS
http://theduran.com/opcw-khan-sheikhoun-attack-collapses/
https://www.rt.com/usa/385357-vinson-armada-korea-spicer/


Erstveröffentlichung am 21.4.2017 in "Eirenae's blog"

Online-Flyer Nr. 610  vom 26.04.2017

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