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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Kommentar
Nachtrag zum Ostermarsch 2017 in Frankfurt
Friedensbewegung verkehrt
Von Hajo Kahlke

Friedensbewegung verkehrt: Da spricht auf dem Frankfurter Ostermarsch 2017 als offizielle Rednerin die Vertreterin einer Partei, welche seit mittlerweile Jahrzehnten verlässlich deutsche Unterstützung für bzw. sogar Direkt-Beteiligung an Kriegsinterventionen befürwortet, und zwar bis hin zu offenen Aggressionskriegen. Es ist die hessische SPD-Politikerin Ypsilanti, die da auf der Schlusskundgebung versucht, "trotz mancher zwischen uns bestehenden Differenzen" ein lügnerisches Wir-wollen-doch-alle-etwas-bewegen-Gefühl auf dem Römer herbeizureden. Dabei sieht Ypsilanti sich allerdings nicht einmal bemüßigt, wenigstens die jüngste Aggressions-Befürwortung ihrer Partei in Form von Sigmar Gabriels Verständnis für Trumps Syrien-Bombardierung zu verurteilen. Mehr kann ein Ostermarsch sich nicht entwürdigen.

Natürlich muss man als Ostermarschierer, zumindest soweit Christ, auch seine Feinde lieben. Aber das heißt doch nicht, denen auch noch seine Rednertribüne für ihre Gaukelein zur Verfügung zu stellen!

Solch falsch verstandener Feindesliebe in Bezug auf die real existierende SPD entspricht dann ein ebenso gedankenlos gepflegtes, überdimensioniertes AfD-Feindbild, obwohl die AfD - anders als die SPD - bislang keine völkerrechtswidrige Aggressions-Beteilung Deutschlands zu verantworten hat: Alle müssten jetzt am kommenden Wochenende nach Köln fahren, den AfD-Parteitag zu verhindern, ruft Christine Buchholz von der Rednertribüne auf dem Römer, mit einer Vehemenz, als handele es sich hierbei um das friedenspolitische Sein oder Nichtsein.

Doch wo etwa findet sich bei CDU, SPD, GRÜNE oder FDP "zum militärischen Vorgehen der USA in Syrien" jetzt ein vergleichsweise ablehnendes Statement wie dieses: „Der amerikanische Luftangriff in Syrien ist ein schlechtes Zeichen. Offenbar verfallen die USA erneut in die kopflosen außen- und sicherheitspolitischen Handlungsmuster vergangener Tage. Wie zu Zeiten der Bush-Administration wurde der UN-Sicherheitsrat übergangen. Durch das unabgestimmte Handeln spitzt sich die Lage in der Region weiter zu. Die Begründung für den Luftschlag basiert auf Mutmaßungen und nicht tragfähigen ‚Beweisen‘. Auch das erinnert an frühere Vorgehensweisen der USA. Der amerikanische Präsident Trump sollte zu seinen im Wahlkampf gemachten Aussagen stehen und nicht die Fehler seiner Vorgänger wiederholen. Eine weitere Eskalation des Syrienkonflikts muss unter allen Umständen verhindert werden.“ (AfD-Sprecher Meuthen am 7.4.2017)

Nun mag man die friedensmäßigen Beteuerungen der AfD nicht für dauerhaft ansehen - durchaus möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich, dass die bei der ersten sich bietenden Gelegenheit genauso schnell über Bord gehen wie seinerzeit bei den GRÜNEN. Aber das sollte doch nicht von der nüchternen Erkenntnis abhalten, dass momentan die AfD von allen rechten Parteien am wenigsten die Kriegstrommeln mitschlägt. Es ist daher geradezu sinnwidrig, sie nun zum parteipolitischen Hauptfeind der Friedensbewegung erklären zu wollen.



Screenshot der Tagesschau, 17.4.2017, 18:35 Uhr

NRhZ-Anmerkung: auch die Tagesschau ist in Frankfurt dabei. Sie berichtet am 17.4.2017 um 18:35 Uhr und konzentriert sich auf Cassadi Findlay (Organisatorin "Women's March" Washington): "'Die Waffen nieder' ist auch das Motto des größten Ostermarsches heute in Frankfurt am Main. Gastrednerin ist Cassadi Findlay, die in Washington zehntausende Menschen zum Women's March bewegt, Demonstrationen gegen die ihrer Meinung nach unberechenbare Politik des US-Präsidenten Trump. Auf dem Frankfurter Römerberg sagt sie: 'Wir müssen die Haltung angreifen, die Gewalt hervorruft: Rassismus, Sexismus, Homophobie, Antisemitismus, Islamophobie.' Mehr Menschen als in den vergangenen Jahren hören ihr zu - Aufwind für die Ostermarschierer!" Noch Fragen?

Online-Flyer Nr. 609  vom 19.04.2017

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