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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Wunderschöne Babys, barbarisch ermordet in Gaza, klagen an
Von Evelyn Hecht-Galinksi

Ostern und der Karfreitag, als höchster christlicher Feiertag, steht vor der Tür. Jesus würde sich heute sicher fragen, würde er die heutige "christlich-jüdische Werteallianz" der permanenten Bomben erleben, wofür wurde ich eigentlich gekreuzigt? Jesus, als Jude geboren und auch gestorben, konnte und wollte sich nicht abfinden mit den Zuständen in Kanaan und sammelte Gleichgesinnte um sich, sehr zum Missfallen der jüdischen hohen Priester. Schon damals war Kritik an der "Israel-Lobby" unerwünscht. Was heute passiert, hat viele Parallelen. Zwar werden Kritiker nicht gekreuzigt, aber moralisch mundtot und zum Schweigen gebracht. Was der von mir hochgeschätzte Moshe Zuckerman als "deutsche Abgründe" bezeichnet, ist die heutige Treibjagd von "Antisemiten-Jägern", also der Israel-Lobby, auf Gegner der illegalen jüdischen Besatzung Palästinas. (1) Ich bezeichnete Jesus einmal als ersten Palästinenser, denn er, der in Palästina Geborene, wäre heute sicher ein Unterstützer der BDS-Kampagne und hätte Einreiseverbot in den "Jüdischen Staat".

Dreiköpfiger Dämon: Rassismus, Militarismus und Kapitalismus

Jeremiah Wright, der frühere Pastor von Obama, bezeichnete Israel ganz richtig als Apartheidstaat und griff die Apartheid-Mauer, doppelt so groß wie die Berliner Mauer, scharf an, die nur dazu dienen würde, die Palästinenser von ihrem illegal besetzten Boden fernzuhalten, weil die Besatzer/Europäer behaupten, das Land gehöre ihnen. Außerdem litten die Afro-Amerikaner, die Indianer und die Palästinenser unter dem „dreiköpfigen Dämon“ Rassismus, Militarismus und Kapitalismus. Folgerichtig hat sich Obama von ihm getrennt, denn natürlich wollte er gewählt werden und hätte dem Druck der Israel-Lobby und seiner Wähler nicht standhalten können. (2)(3)

Am 9. April gedachten wir des 68. Jahrestags des Massakers von Deir Jassin, eines der mörderischsten Verbrechen der zionistischen Paramilitärs Irgun und Lechi unter der Leitung des späteren „Friedens“nobelpreisträgers Menachem Begin. An diesem Tag wurde das Dorf Deir Jassin dem Erdboden gleichgemacht, mehr als 130 Zivilisten ermordet, Frauen wurden vergewaltigt und auch dort wurden "wunderschöne Babys“ abgeschlachtet, Häuser geplündert und mit ihren Bewohnern in die Luft gesprengt, da schwieg die Welt. (4)(5)(6)

Auch als sich die Verbrechen der Nakba ereigneten, da schwieg die Welt, waren es doch Holocaustopfer, die nur um ihr erobertes "Stückchen Land" zu verteidigen, die Ureinwohner vertrieben und ermordet haben. Dieser Verbrechen zu gedenken ist im "Jüdischen Staat" verboten und ein Tabu, und zum ersten Mal wurde dieses Jahr der Nakba-Erinnerungs-Marsch in Israel verboten. Wovor fürchtet sich das Netanjahu-Regime? Tatsächlich wissen wir: nichts fürchten die Zionisten so sehr als die Wahrheit. (7)

Als unter dem damaligen israelischen Ministerpräsidenten Scharon, dem "Schlächter" von Sabra und Shatila, im September vor 35 Jahren die "jüdische Verteidigungsarmee" ein Blutbad an Palästinensern mit initiierte, indem sie libanesischen Marodeuren den Zugang nach Sabra und Shatila erleichterte und es wohlwollend zuließ, was dann geschah, mit hunderten von ermordeten Palästinensern, auch da schwieg die Welt. Ich selbst konnte mir im Libanon vor fünf Jahren ein eigenes Bild der Folgen dieser Verbrechen machen. (8)

Seit sich der "Jüdische Staat" 2004 aus Gaza zurückgezogen hat, heute jedoch etwa zwei Millionen Einwohner wie in einem Konzentrationslager eingesperrt und abgeriegelt hält, wurden in mehren Attacken Tausende Zivilisten, Frauen, Kinder und "wunderschöne Babys“ ermordet. Politisch korrekt hat auch da die heuchlerische Weltgemeinschaft immer weggeschaut und sich sogar mit den zionistischen Angreifern solidarisiert, weil diese ja immer nur aus "Selbstverteidigung" morden. Auch als die "jüdische Verteidigungsarmee" Gaza als Waffenlaboratorium für neue Waffen benutzt haben, um diese perverser Weise auf Messen als an lebenden Objekten erprobt noch besser verkaufen zu können, da schwieg die Welt. Israel ist ein Meister der Phosphor- und Splitterbomben und wer weiß was noch für neue Waffen. Die Militärstrategie des "Jüdischen Staates" dient einem Groß-Israel, auch vor der ethnischer Säuberung Palästinas und der Judaisierung um jeden Preis zurückschreckt. Und dass nach dem gemeinsamen Tunnelkampf im Herbst wieder deutsche Bundeswehr-Jet-Piloten in Israel trainieren, ist ein weiterer Tiefpunkt für unsere demokratischen Werte, passend zu den Waffengeschenken und U-Booten auf Kosten des deutschen Steuerzahlers an die jüdischen Besatzer, was für ein "besonderes Verhältnis". (9)

"Jüdische Staat": seit Jahrzehnten eine "rote Linie" überschritten

In einem Artikel in der Times of Israel schrieb einmal ein zionistischer Blogger, unter gewissen Umständen sei Völkermord erlaubt, womit er eigentlich nur die Meinung des Netanjahu-Regime wiedergab, dass man mit der Politik des Völkermords gegen Terroristen vorgehen kann, auch wenn unschuldige Zivilisten getötet werden, alles natürlich immer unter der Voraussetzung "vernünftige Ziele" zu erreichen. Was die zionistischen Besatzer unter "vernünftigen" Zielen meinen, können wir täglich sehen. So wurden während des Gaza-Angriffs 2014, wie auch schon in den vorherigen, gezielt Wohngebiete bombardiert, der Großteil der Wohngebäude zerstört, auch Schulen, Krankenhäuser und UN-Gebäude und auch deren Mitarbeiter nicht geschont. Bewusst wurde die palästinensische zivile Infrastruktur, wie Wasserleitungen, Elektrizität und Fabriken zerstört. Mit dieser Art der Vertreibung und des Völkermords will man das palästinensische Leben auslöschen, um nur noch jüdische Bürger zu siedeln. Ja, in der Tat, der „Jüdische Staat" hat doch schon seit Jahrzehnten eine „rote Linie“ längst überschritten, allerdings ohne Konsequenzen! (10)

So ist es besonders dreist und verlogen, wenn Netanjahu die Entfernung aller Chemiewaffen aus Syrien fordert, während Israel Waffen aller Art, auch Atomwaffen, hortet und sich auch nicht scheut, diese einzusetzen. Ebenso unverfroren ist es, wenn der israelische Botschafter in Deutschland, Hadas-Handelsman für demokratische Werte in Deutschland appelliert. Was versteht dieser Staat und dessen Vertreter von demokratischen Werten und warum pocht er immer wieder darauf, sein Existenzrecht anzuerkennen? Weil er im Grunde doch ganz genau weiß, dass das Existenzrecht der sogenannten "einzigen Demokratie im Nahen Osten“ unter diesen Umständen, als Besatzer- und Apartheidstaat ohne klar definierte Grenzen eigentlich gar keine Berechtigung hat!

Wer hat denn die al-Nusra Dschihadisten, den al-Qaida Ableger, bewaffnet? Wer pflegt und hätschelt denn syrische Dschihadisten und verletzte Syrer "mediengerecht" in israelischen Krankenhäusern, während kranken palästinensischen Menschen aus dem abgeriegelten Gaza und dem illegal besetzen Westjordanland medizinische Hilfe verweigert wird. (11)

Heuchlerische westliche Wertegemeinschaft

Die ganze heuchlerische westliche Wertegemeinschaft sah zu, ja ermunterte geradezu die israelischen Militärs noch in ihrem mörderischen Treiben. Alles war nur mit US-Hilfe möglich und die geopolitischen und militärischen Strategien der Nato und der USA passen genau zu denen Israels. Mit der kalten Kriegspolitik gegenüber Russland, und der provokanten Nato-Osterschleichung des Westens wurden die Verbindungen zum "Jüdischen Staat" immer enger, gerade in Zeiten des gemeinsamen "Anti-Terror" Kampfs. Dieser Kampf der Kulturen, der im vollen Gange ist, lässt uns an die schlimmsten Befürchtungen denken. Horror-Szenarien, von Terror und Anti-Terror, Staats-Terror und Religionskriegen.

Gerade westliche Politiker wie Kanzlerin Merkel und Verteidigungsministerin v.d. Leyen unterstützen den Bruch des Völkerrechts ihrer Verbündeten, während Russland für die Krim mit Sanktionen abgestraft wurde. Das Völkerrecht ist unteilbar und sollte für alle Staaten gleichermaßen gelten. Das aber scheinen inzwischen auch "unsere" Politiker/innen vergessen zu haben. Cui bono, wem nützt es? (12)

Eiskalt lief es mir über den Rücken, als ich Trump über die barbarische Attacke gegen "wunderschöne Babys" Krokodilstränen vergießen sah, um seinen Militärschlag gegen Syrien zu rechtfertigen. Trump braucht dringend ein Erfolgserlebnis, und was passt da besser als ein Militärschlag. Trump und sein Lieblingswort ist "wunderschön/beautiful", so sprach er von der "wunderschönen" Mauer an der Grenze zu Mexiko oder von eine "wunderschönen" Sicherheitszone in Syrien.

Während Walter Herrmann für Fotos von ermordeten "wunderschönen" palästinensischen Babys" auf der „Kölner Klagemauer“ verklagt und es ihm gerichtlich verboten wurde, diese öffentlich zu zeigen, werden Fotos von toten Babys aus Syrien oder aus Afrika immer wieder gerne medial und politisch benutzt. Was für eine verlogene deutsche Politik, die die Verbrechen der jüdischen Besatzer geheim hält und Zuwiderhandlungen bestraft! Das gehört zur deutschen Staatsräson für Israel

Tatsächlich war Trumps "Führer-Inszenierung" ein mehr als peinliches Schmierentheater. Trump ist zufrieden, hat er doch alle Wahlversprechen hinter sich gelassen. Er, der bis jetzt auf ganzer Linie versagte, seine rassistischen Dekrete gerichtlich verworfen wurden, seine Verwerfung der Obama-Care gründlich in die Hose ging, war plötzlich der Kriegsherr, ein Mann der Tat. Nach den ersten Raketenangriffen war er plötzlich der Liebling aller. Wenn nun auch Gegner wie US-Demokraten und Kriegstreiber wie John McCain oder Lindsay Graham ihm zujubelten, und auch der ranghöchste Demokrat im Auswärtigen Ausschuss, Ben Cardin, und andere Demokraten hinter Trump stehen, weil die USA angeblich "international" akzeptierte Normen verteidigen, dann muss uns Angst und bange werden. So macht er die USA wieder "great und beautiful", was offensichtlich nur mit Angriffskriegen geht. Besonders begeistert war natürlich als erster Gratulant der Kriegstreiber Netanjahu, und auch die neuen saudischen Freunde waren froh, alles im Kampf gegen Iran und Hisbollah. Nachdem Trump noch den chinesischen Ministerpräsidenten Xi desavouiert hatte, als dieser beim Staatsbankett zwischen Dessert und bevorstehenden Syrien-Angriff quasi rausbugsiert wurde, ohne ihm vorher nicht noch auf Drohungen gegen Nordkorea einzuschwören, da war Trumps kleine Familienwelt wieder in Ordnung. Sollten jetzt noch linke und rechte Claqueure Trump unterstützen und ihn als Friedensengel feiern, so scheint das völlig realitätsfern.

Trumps gefährliche Sprunghaftigkeit und seine Unberechenbarkeit, ebenso wie seine Berater und sein Kabinett, lassen einen düsteren Blick auf die Weltlage werfen. Trump hat mit einer Aggression gegen einen souveränen Staat gegen das Völkerrecht verstoßen und dazu noch unter einem erdachten Vorwand. Warum sollte gerade Assad ein Interesse daran haben, einen Giftgasanschlag gegen die eigene Bevölkerung durchzuführen? Haben nicht im Gegenteil die Dschihadisten einen Vorteil, wenn die ganze Welt gegen Assad ist? Warum scheut der Westen eine unabhängige Untersuchung, weil dann so viel heraus käme, was unter der Decke bleiben muss?

"Völkermord beginnt mit dem Schweigen der Welt"

Wie sagte Trump in seiner kurzen Erklärung nach den Luftschlägen zum Schluss: "Der Luftschlag werde den Einsatz und die Verbreitung von Chemiewaffen verhindern und für Abschreckung sorgen. Gute Nacht. Gott segne Amerika - und die gesamte Welt". Indem Kanzlerin Merkel den Trump’schen Militärschlag für "nachvollziehbar und vom Völkerrecht gedeckt“ hält, hat sie sich wieder einmal zum Handlanger einer völkerrechtswidrigen Politik gemacht. (13) Genau wie schon beim Gaza-Massaker, als sie Netanjahu ihre Solidarität versicherte. Aber, Frau Merkel, vergessen Sie nicht: Wunderschöne Babys, barbarisch ermordet in Gaza, klagen auch Sie an! (14) "Völkermord beginnt mit dem Schweigen der Welt" (15)

In diesem Sinne, frohe Ostern!


Fussnoten:

1 http://sicht-vom-hochblauen.de/deutsche-abgruende-von-moshe-zuckermann/
2 http://www.jpost.com/International/Obamas-ex-pastor-Israel-is-apartheid-state-Jesus-was-a-Palestinian-422665
3 https://en.wikipedia.org/wiki/Jeremiah_Wright
4 http://www.kalenderblatt.de/index.php?what=thmanu&lang=de&manu_id=855&sdt=20120409
5 http://www.deiryassin.org/video.html
6 https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a9/Albert_Einstein_and_others_letter.jpg
7 http://www.aljazeera.com/indepth/features/2017/04/israeli-police-block-palestinian-march-return-170409055747446.html
8 http://www.deutschlandfunk.de/blutbad-unter-palaestinensern.724.de.html?dram:article_id=98894
9 http://www.bild.de/bildlive/2017/18-israel-bundeswehr-51226072.bild.html
10 https://www.hintergrund.de/globales/kriege/kriegsverbrechen-und-genozid-israels-krieg-in-gaza/
11 http://www.deutschlandfunk.de/israel-hilfe-fuer-die-schwerstverwundeten-des-syrienkriegs.1773.de.html?dram:article_id=376477
12 http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-krim-und-das-voelkerrecht-kuehle-ironie-der-geschichte-12884464.html
13 http://www.fr.de/politik/syrien-merkel-findet-us-intervention-nachvollziehbar-a-1256812
14 http://www.truth-out.org/news/item/31766-one-year-after-gaza-massacre-un-exposes-likely-war-crimes
15 http://www.n-tv.de/politik/Holocaust-Uberlebende-geisseln-Gaza-Krieg-article13476996.html


Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzenden der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.

Top-Foto:
Evelyn Hecht-Galinski (sicht-vom-hochblauen.de)


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