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Aktueller Online-Flyer vom 26. Mai 2017  

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Aktionstag "One Billion rising"
Feminism is great
Von Arbeiterfotografie

Der 14. Februar ist nicht der 8. März. Ist einleuchtend. „Embedded Feminism“ (Frauenbefreiung als Kriegsgrund) ist das Gegenteil von dem, was die Gründerinnen des Internationalen Frauentages im Sinn hatten: „Der Internationale Frauentag stand für die Sozialistinnen von Anbeginn an unter dem Zeichen des Kampfes gegen Militarismus und für die Erhaltung des Weltfriedens“, schreibt die Historikerin und Sozialwissenschaftlerin Gisela Notz in einer ver.di-Broschüre zum 100. Internationalen Frauentag im Jahr 2011.


Feminismus, da war doch mal was... Hat das was mit Frauen zu tun?
(alle Fotos: arbeiterfotografie.com)


Keine roten Fahnen, die an Clara Zetkins Sekretariat der
Sozialistischen Fraueninternationale erinnern...


„Wir, das Volk, verteidigen die Würde.“ Steht da nicht auch was im deutschen Grundgesetz?


Frauen: bis heute Kriegsbeute. Elahe Sadr (Agisra e.V.): „Geflüchtete und geduldete Frauen erfahren tagtäglich strukturelle Gewalt, Rassismus und Diskriminierung bei Ämtern und Behörden. “


Frauen: bis heute Kriegsbeute. Seit 1999 unter Rot-Grüner Politik (namentlich Schröder und Fischer) auch wieder aus deutscher Produktion...


Henna-Kunstwerk aus interkulturellem Raum


Elahe Sadr (Agisra e.V.): „Sexualisierte Gewalt ist kein so genanntes ethnisches Problem, sondern ein Problem von Sexismus und patriarchalen Strukturen. Solange Deutschland strukturellen Rassismus und Sexismus kontinuierlich verharmlost, legitimiert, fortschreibt und reproduziert, gibt es einen Bruch in der deutschen Rechtsstaatlichkeit.“


Die erste Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Köln, Li Stelter (rechts), gründete gemeinsam mit Prof. Maria Mies das erste autonome Frauenhaus Deutschlands in Köln


„Gewalt kommt nicht in die Tüte!!!“ Gesicherte Finanzierung der Kölner Frauenhäuser allerdings auch nicht...


One Billion Rising auf dem Kölner Altermarkt und gleichzeitig weltweiter Aktionstag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Da könnte es sich lohnen, die Systemfrage zu stellen. Auf welcher Basis gedeihen Gewaltstrukturen? Werden sie ernsthaft, d.h. nicht populistisch (Stichwort: Kölner Silvesternacht) verhindert.


Tanja Peters moderiert (www.diemutberaterin.de)


Ein breites Bündnis beteiligter Organisationen gestaltet das One Billion Rising auf dem Kölner Altermarkt. http://www.onebillionrising-koeln.de/


Dritter Stellvertreter der Oberbürgermeisterin, Bürgermeister Andreas Wolter (Grüne), wollte den Frauen mal „guten Tag“ sagen. Er sei z. Zt. damit beschäftigt, einer AfD-Veranstaltung entgegen zu wirken. „Echte“ Demokraten legen sich die „ihre“ Demokratie zu Recht. Wer wird in diesem Zusammenhang von Populismus reden... Elahe Sadr, Agisra e.V.: „Die Demokratie ist nicht dann wehrhaft, wenn sie alleine öffentlichkeitswirksam gegen Täter vorgeht, die als Geflüchtete in unserem Land leben, sondern nur dann, wenn sich die Wehrhaftigkeit immer, überall und ausnahmslos gegen alle Verbrecher, unabhängig ihrer Herkünfte, richtet.“
 

Mut machen und sich stark fühlen: „Brich die Ketten“ heißt der Slogan des One-Billion-Rising-Day.


Bürgermeister Andreas Wolter (Grüne) kann den Frauen keine politische Unterstützung zusagen. Geld für ein drittes Kölner Frauenhaus, in das Frauen aufgrund häuslicher Gewalt flüchten, hat er nicht zu bieten. Elahe Sadr, Agisra e.V.: „Nach der EU-Aufnahmerichtlinie RL 2013/33/EU muss die Stadt Köln auf besondere Schutzbedürftigkeit Rücksicht nehmen.“


„Wir, das Volk, verteidigen die Würde.“ Welche Garantie bietet das deutsche Grundgesetz? Elahe Sadr, Agisra e.V.: „Geflüchtete und geduldete Frauen erfahren tagtäglich strukturelle Gewalt, Rassismus und Diskriminierung bei Ämtern und Behörden. “


Die erste Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Köln, Li Stelter (rechts), gründete gemeinsam mit Prof. Maria Mies das erste autonome Frauenhaus Deutschlands in Köln


Werde wütend und wild gegen jede Herrschaft (mit Gewaltanwendung?)


Fotoinstallation, Plakataktion von Bettina Flitner mit Unterstützung von Stadt und Land NRW: „Die Würde von Frauen ist unantastbar. In Köln und überall.“ Zur Gewalterfahrung von Frauen zählen auch „Kleiderordnungen und Vorschriften über das Auftreten in der Öffentlichkeit (z.B. Zwangsverschleierung und Zwangsentschleierung“ (Elahe Sadr, Agisra e.V.)


Gleichheit, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, gleiche Rechte, gleiche Chancen. Es bedeutet nicht über Leichen gehen, „Kriegsministerin“ oder Soldatin sein zu wollen. Es ist heute der Tag der Gewaltfreiheit...


„Feuer und Flamme dem Patriarchat. Kampf dem Sexismus in Alltag und Staat.“ Klingt irgendwie gewaltfrei, oder etwa nicht. Elahe Sadr, Agisra e.V.: „Solange Deutschland strukturellen Rassismus und Sexismus kontinuierlich verharmlost, legitimiert, fortschreibt und reproduziert, gibt es einen Bruch in der deutschen Rechtsstaatlichkeit.“


Mut machen und sich stark fühlen: „Brich die Ketten“ heißt der Slogan des weltweiten One-Billion-Rising-Day.


“Eine klare Absage erteilen wir jenen, die wieder zurück wollen zum traditionellen Familienbild mit der Aufgabenteilung: Frau am Herd, Mann in der Arbeitswelt. Wir werden unsere mühsam erkämpften Rechte und unser modernes Frauenbild verteidigen!“ So heißt es im Aufruf des DGB Köln-Bonn 2017 zum Internationalen Frauentag.


Tanja Peters (rechts) moderiert (www.diemutberaterin.de)


"Healing Drums"


Hier darf getanzt werden...


Im Jahr 2016 tourte der Frauenhaus-Bus durch alle deutschen Bundesländer, um an die Politik zu appellieren, dass die Gewalt in deutschen bzw. in Deutschland lebendenden Familien und Beziehungen traurigster Alltag ist. Die KölnerInnen traten hier auf dem Altermarkt für die sichere Finanzierung eines dritten autonomen Frauenhauses ein.


Brich die Ketten, fühl dich frei – so könnte es von Seiten der verantwortlichen PolitikerInnen auch lauten: sieh zu, wie du alleine klar kommst. Sexuelle Gewalt wird populistisch und rassistisch nur noch rund um den Kölner Hauptbahnhof (Silvester) verortet. Alltäglich sexualisierte Gewalt in „unserer“ Gesellschaft wird damit marginalisiert und verharmlost. Für die Folgen der von „unseren“ Politikern und Politikerinnen (!) zu verantwortenden Kriege fühlt sich auch an diesem Tag niemand zuständig...


Nachfolgend die bedenkenswerte Ansprache von Elahe Sadr der Beratungsstelle Agisra.

Wir sind heute hier, um unsere Solidarität mit allen Frauen und Mädchen, die jede Form von Gewalt erleben, zu zeigen. Herzlich willkommen. Mein Name ist Elahe Sadr. Ich bin Mitarbeiterin der autonomen Migrantinnenselbstorganisation agisra. Agisra e.V. ist seit 1993 eine Informations- und Beratungsstelle, die sich für Menschenrechte und die Interessen von Migrantinnen und geflüchtete Frauen und gegen jede Form von Diskriminierung und Rassismus einsetzt. Wir beraten und unterstützen Frauen in schwierigen Lebenslagen unabhängig von ihrer Herkunft, Religionszugehörigkeit, sexuellen Orientierungen, Alter, Sprachkenntnissen und Aufenthaltsstatus.

Viele der Frauen die Unterstützung bei agisra suchen, befinden sich in akuten Gewaltsituationen. Weltweit sind ca. 65 Millionen Menschen auf der Flucht, von denen 70% bis 75% Frauen und Kinder sind. Der größte Teil dieser Menschen bleibt im Inland oder in benachbarten Ländern und hauptsächlich in Flüchtlingslagern. Diese Frauen werden im Herkunftsland nicht nur vom Staat, sondern auch von religiösen Gruppen oder sogar der eigenen Familie verfolgt und diskriminiert.

Viele Frauen sind als politisch handelnde Menschen politischer Verfolgung, Krieg, Folter, Vertreibung, Unterdrückung ausgesetzt und haben oft dazu noch Frauen spezifische Gewalterfahrungen erlebt, wie:

1- Zwangsabtreibung
2- Zwangsprostitution
3- Zwangsverheiratung
4- Vergewaltigung im Zusammenhang mit religiösen und ethnischen Säuberungen
5- Kleiderordnungen und Vorschriften über das Auftreten in der Öffentlichkeit (z.B. Zwangsverschleierung und Zwangsentschleierung
6- Genitalverstümmelung
7- Bedrohung aufgrund ihrer politischer Aktivitäten
8- Bedrohung aufgrund der sexuellen Orientierung
9- sexuelle Gewalt gegen Frauen auf dem Fluchtweg

Angekommen in Deutschland, erweist es sich nach wie vor als sehr schwierig im Asylverfahren, die Anerkennung geschlechtsspezifischer Fluchtgründe zu erwirken. Geflüchtete Frauen sind auch in Deutschland verschiedenen Formen von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Sie werden in Flüchtlingslagern und Turnhallen untergebracht, wo für die traumatisierten Frauen keine Privatsphäre möglich ist. Das Machtpotenzial der HausmeisterInnen und des Sicherheitspersonals ist durch die Lagerstrukturen sehr hoch. Es besteht daher die Gefahr, dass einige ihre Funktion in dem ungeschützten Rahmen des Lagers ausnutzen.

2016 haben sich viele Frauen an uns gewandt, die, obwohl sie allein reisend waren oder schwanger, in der Turnhalle untergebracht waren. Dort haben sie keine Privatsphäre, keinen Schutz vor Übergriffen und auch die hygienischen Zustände sind für schwangere Frauen und Frauen mit kleinen Kindern oder Neugeborenen nicht zumutbar. Mit diesen Frauen haben wir mehrere Briefe an die Stadt Köln verfasst, in denen wir gefordert haben, dass keine schwangeren, allein reisenden oder Frauen nach Kaiserschnitt in den Turnhallen unterzubringen sind. Die Stadt Köln hatte zuvor zugesagt, dass sie besonderen Schutzbedarf berücksichtigen würde. Auch nach der EU-Aufnahmerichtlinie RL 2013/33/EU muss die Stadt Köln auf besondere Schutzbedürftigkeit Rücksicht nehmen. Nur einzelne Frauen und Familien wurden auf unsere Briefe hin aus den Turnhallen in andere Unterkünfte verlegt, Grund dafür seien fehlende Ressourcen. Die Stadt bringt also weiterhin Alleinreisende, Schwangere und Frauen im Wochenbett in Turnhallen unter. Die besondere Schutzbedürftigkeit dieser Frauen wird nicht berücksichtigt und die Situation hat sich – abgesehen von einzelnen Fällen – nicht verbessert.

Geflüchtete und geduldete Frauen erfahren tagtäglich strukturelle Gewalt, Rassismus und Diskriminierung bei Ämtern und Behörden. Zu dieser bereits schwierigen Ausgangssituation kommt der unsichere Aufenthaltsstatus: Jahrelange Duldungen, die permanente Angst vor der drohenden Abschiebung sowie Lagerunterbringung machen viele auf Dauer krank.

Es ist problematisch, dass Geflüchtete, viktimisierte und hoch traumatisierte Frauen oftmals bereits in ihren Heimatländern und im Kontext der Flucht auch in Deutschland in so hohem Maße körperlicher (51%), sexueller (25%) und psychischer (79%) Gewalt ausgesetzt sind. Dabei handelt es sich sowohl um Gewalt durch Beziehungspartner, um Gewalt und rassistische Übergriffe durch fremde oder kaum bekannte Personen als auch um Übergriffe durch Mitbewohner und Mitbewohnerinnen und Personal in den Wohnheimen und im Kontext der psychosozialen Betreuung und Versorgung. Besonders problematisch ist, dass auch psychische, physische und sexualisierte Übergriffe und Grenzverletzungen durch professionelle Helferinnen und Helfer und Beratungs-/Betreuungspersonen in den Wohn- und Übergangsheimen, in Ämtern, Behörden und Hilfseinrichtungen, auf deren Hilfe und Unterstützung die Frauen in besonderer Weise angewiesen sind, keine Seltenheit sind. (Nach Studien im Auftrag des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend )

Es ist aber ein schwerwiegender Fehler, solche Fälle zu verschleiern und nicht darüber zu sprechen, in denen Frauen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte Opfer von sexistischen oder rassistischen Übergriffen werden.

 Für ein friedvolles Zusammenleben in einer Einwanderungsgesellschaft ist es äußerst wichtig, Frauen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte im gleichen Maße wie weiße Frauen zu schützen und Gewaltverbrechen aufzuklären. Die Demokratie ist nicht dann wehrhaft, wenn sie alleine öffentlichkeitswirksam gegen Täter vorgeht, die als Geflüchtete in unserem Land leben, sondern nur dann, wenn sich die Wehrhaftigkeit immer, überall und ausnahmslos gegen alle Verbrecher, unabhängig ihrer Herkünfte, richtet.

Es geht darum, Frauen vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Das wird nicht gelingen, indem wir Sexismus mit Rassismus reproduzieren und die Gesellschaft weiter spalten. Gewalt an Frauen betrifft uns alle, nämlich die gesamte Gesellschaft. Sie betrifft Frauen und Kinder ebenso wie Männer, unabhängig ihrer Herkünfte – wir alle sind betroffen und beschämt angesichts der Gewalt gegen Frauen. Das Problem bekämpfen wir in Deutschland seit Jahrzehnten. Sexualisierte Gewalt ist kein so genanntes ethnisches Problem, sondern ein Problem von Sexismus und patriarchalen Strukturen.

Solange Deutschland strukturellen Rassismus und Sexismus kontinuierlich verharmlost, legitimiert, fortschreibt und reproduziert, gibt es einen Bruch in der deutschen Rechtsstaatlichkeit. Eine Diskrepanz zwischen den Werten, die sie propagieren und die, die sie letztendlich vertreten. Unser Feminismus bleibt antirassistisch.

Danke

http://www.agisra.org/

"Arbeitsgemeinschaft gegen internationale sexuelle und rassistische Ausbeutung" mit weiterführenden links, u.a. zu
http://www.frauenhaus-koeln.de/
Frauen helfen Frauen e.V.
autonome Frauenprojekte gegen Gewalt in Köln

siehe auch:
Zur Situation der Autonomen Frauenhäuser nach 40 Jahren ihres Bestehens
Online-Flyer Nr. 551  vom 02.03.2016
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22597


Online-Flyer Nr. 603  vom 08.03.2017

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