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Aktueller Online-Flyer vom 18. Oktober 2017  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Das Recht auf Freiheit
Von Evelyn Hecht-Galinski

Es gibt kaum ein anderes Volk auf der Welt, welchem das Recht auf Freiheit seit Jahrzehnten vorenthalten wird, wie den Palästinensern. Dieses Grundrecht, das für jeden Menschen gelten sollte, soll für die Besetzten in Palästina nicht gelten. Wie ist das möglich? Weil es eine uneingeschränkte Solidarität der westlichen Wertegemeinschaft mit dem ehemals verfolgten "jüdischen Volk" gibt, und die gerade in Deutschland täglich politisch und medial zementiert wird. Es ist dieser unzertrennliche Pakt, der sich zwischen deutscher und israelischer Politik verfestigt hat und durch nichts und niemanden gestört werden soll. Jegliche Kritik und Opposition dagegen scheint zwecklos. Die Machtlosigkeit gegen diese Art der undemokratischen Vorgehensweise durch die Mächtigen, angeleitet durch die zahlreichen Sayanim und die Israel-Lobby, wird immer offensichtlicher. So frage ich mich schon, wie lange kann Deutschland so weiter machen, auf diesem unheilvollen Weg der Unterstützung eines faschistischen kolonialistischen Besatzerstaats?

Richtige Lehre aus den Verbrechen der Nazizeit


Wie kann es sein, dass 71 Jahre nach Kriegsende Deutschland nicht die richtige Lehre aus den Verbrechen der Nazizeit gezogen hat und heute wieder zu großem Unrecht schweigt, und schlimmer noch, mit diesem Unrecht seine alte Schuld auf das palästinensische Volk abwälzt.

Ja, Deutschland ist wieder eine wichtige Macht, weil die USA es so wollen. Nur deshalb war es möglich, dass eine Kanzlerin Merkel zur mächtigsten Frau der Welt avancierte und meint, sich über alles hinwegsetzen zu können. Inzwischen scheint sie so alternativlos unentbehrlich geworden zu sein, dass SIE alle Fäden in der Hand hält. Alle Parteien, von SPD bis CSU, kuschen vor dieser Frau und viele Wähler auch, die schon diesem Irrglauben verfallen sind, dass es ohne Merkel nicht geht. Merkel ist es gewohnt, aus ihrer Ost-Vergangenheit heraus, mit dem vermeintlichen "wir schaffen das", uns alle zu schaffen. Einsame Entscheidungen, von der Energiewende bis zu vorläufiger Abschaffung der Wehrpflicht, um so Bundeswehrkriegseinsätze und Nato-Einsätze zu stärken und möglich zu machen.

Nie wieder Krieg von deutschem Boden aus

Hieß es nicht immer, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen sollte? Was für ein vergeblicher frommer Wunsch und Slogan. Durch Merkels US-angetriebene Aggressionspolitik haben wir es geschafft, unseren Nachbarn Russland zu verprellen, zu provozieren und zu dämonisieren, um so das europäische Klima zu vergiften. Hatten wir das unsägliche Treiben nicht schon einmal? Man hat den Eindruck, dass Nachfahren der Kriegsverlierer nun endlich späte Rache an Russland nehmen wollen.

Warum konnte eine rechtsradikale islamophobe Hetzpartei wie die AfD so stark werden? Weil diese in einem Sammelbecken unzufriedene und neidische Bürger integrieren konnte. Warum wurde gegen die sog. „Reichsbürger“ nichts unternommen, während DKP und Linke schon immer vom Verfassungsschutz untersucht wurden, oder sogar verboten wurden. So war es auch möglich, dass der Verfassungsschutz jahrelang wegschaute, als der NSU seine Mordspur hinterließ.

Auf dem rechten Auge schon immer blind

Während man in der BRD auf dem rechten Auge schon immer blind war - ganz klar bei der Menge der Alt-Nazis in den Parteispitzen und Regierung nach Kriegsende - wurden Linke, wie schon unter den Nazis weiter verfolgt. Ist es da nicht ganz natürlich, dass ehemalige DDR-Bürger wie Merkel und Gauck, Göring-Eckardt und viele andere versuchen, es den US-Befehlsgebern ganz besonders recht zu machen? Auch das ein Grund, warum die Zusammenarbeit mit einem Staat wie Israel so reibungslos klappt.

Während man auf dem faschistischen Auge blind ist, wird alles was links ist, verdammt. Überraschend dabei ist allerdings, dass einige sog. Linke sich inzwischen ebenfalls so hemmungslos für den "Jüdischen Staat" einsetzen, von Ramelow bis Lederer, von Gysi ganz zu schweigen, um bloß nicht im Abseits zu landen.

Wie kann es sein, dass es gerade in Deutschland nicht möglich sein soll, sich offen gegen den jüdischen Besatzer- und Apartheidstaat und für ein freies Palästina einzusetzen? Die Angst, als Antisemit verunglimpft zu werden, ist inzwischen so verbreitet, weil Medien, Politik und die Israel-Lobby bei diesem Thema an einem Strang ziehen. Während der Zentralrat der Juden in Deutschland nahezu Narrenfreiheit genießt und deren Funktionäre offen Ressentiments verbreiten können und Vorurteile gegen muslimische Einwanderer schüren, werden islamische Verbände wie Außenseiter behandelt. Es ist eben nicht der angebliche Antisemitismus, der vor allen Dingen ein ausgeklügeltes Ablenkungsmanöver von Verbrechen des "Jüdischen Staates" bedeutet und der uns Sorge bereiten sollte, sondern die immer stärker werdende Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit.

"Wer beherrscht die Welt?"

Es ist eben kein Antisemitismus und Judenhass, den "Jüdischen Besatzerstaat" zu kritisieren, sondern es ist unsere demokratische Pflicht. Sich für die weltweite BDS-Kampagne einzusetzen, um dem Recht auf Freiheit für das palästinensische Volk Nachdruck zu verleihen, ist unsere moralische Pflicht, und ich gebe zu bedenken: „Nächstes Jahr in einem freien Jerusalem, in einem freien Palästina, mit dem Recht auf Freiheit“!

Ich möchte schließen mit einem Noam Chomsky-Zitat aus seinem unbedingt empfehlenswerten neuen Buch "Wer beherrscht die Welt?":

„Wenn die breite Bevölkerung weiterhin passiv, apathisch, konsumsüchtig und voller Hass gegen die Schwachen bleibt, können die Mächtigen tun, was ihnen beliebt - und die Überlebenden werden die Trümmer betrachten.“


Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzenden der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.

Top-Foto:
Evelyn Hecht-Galinski (sicht-vom-hochblauen.de)


Online-Flyer Nr. 586  vom 02.11.2016

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