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Aktueller Online-Flyer vom 14. Dezember 2017  

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Globales
Bumerang 2: Natur im Patriarchat
Angriff auf den Planeten als Ganzen
Aus dem Editorial der Zeitschrift "Bumerang – Zeitschrift für Patriarchatskritik"

Der Berg-Bumerang aus dem Tiroler Ötztal weist ins Weite, Offene – die Natur ist hier viel präsenter als anderswo und zeigt sich in ihrer Pracht – und dennoch ist sie empfindlich und verletzbar, wird sie meist nicht anerkannt in dem, was und wie sie ist – wie Ursula Scheibers Leitartikel am Beispiel des Umhauser Wasserfalls im Tiroler Ötztals erneut zeigt. Es tut weh, das so nah zu erleben. Aber das ganze Thema tut weh: Natur im Patriarchat! Was kann es Größeres, Wichtigeres und gleichzeitig Schmerzlicheres geben? Es ist das zentrale und grundlegende Thema der Kritischen Patriarchatstheorie. Von hier aus kommt man und frau überall hin. Und ist nicht in den letzten Jahrzehnten das Ausmaß und Tempo der globalen Naturzerstörung auf allen Ebenen und in allen Dimensionen immer umfangreicher und offensichtlicher geworden? Ist seitdem nicht immer klarer geworden, dass die moderne Gesellschaft inzwischen durch die sog. „Globalisierung“ sogar die globalen Lebensbedingungen, ja die Elemente – neuerdings auch Luft und Licht – selbst angreift, ja den Planeten als Ganzen im Kleinen wie im Großen?


Foto: Ursula Scheiber

Seit 40 Jahren versuchen Ökofeministinnen zu verstehen, was die Parallelen im Umgang dieser Gesellschaft mit der Natur und den Frauen sind. Das hat die Frauenfrage in eine gänzlich neue Dimension katapultiert und die Frage nach dem Naturverhältnis für immer mit der nach dem Geschlechterverhältnis verbunden. Dieses Makro-Verhältnis „Frau und Natur“ kehrt in allen Mikro-Verhältnissen wieder: Wie Oben so Unten.

Diese Sicht steht im denkbar größten Widerspruch zu dem gleichzeitig laufenden systematischen Versuch von Oben, die Frauenfrage zu „brechen“, indem sie als ein „Gegen die Natur“ inszeniert wird, in dem es umgekehrt darum gehen soll, die Frauen als künstlich herzustellende „Gender“ endgültig von der Natur zu trennen und als eine „Modernisierungs“-Bewegung gegen sie zu installieren! Als wäre die Natur der Feind der Frauen und nicht das Patriarchat, insbesondere in seinem modern-kapitalistischen Gewand! Welch ein übler Trick, der bewirken soll, dass der Zusammenhang zwischen dem Muttermord an der Natur, ja inzwischen sogar am Planeten als große Mutter selber, und dem an den Frauen möglichst nicht bemerkt wird.

Hillary Clinton: Welch ein entsetzlicher und höhnischer, grotesker Missbrauch der Frauenbewegung!

Welch eine Verwirrung ist damit entstanden, hat die Frauen gespalten und auf den Weg in dieses System gelockt anstelle davon weggebracht. Es ist auf diese Weise nicht nur die feministische Forschung weitestgehend zerstört worden, sondern es sind auch monströse Politikerinnen-Gestalten wie Hillary Clinton in den USA – Hellary! – und Theresa May in Großbritannien auf dem Weg an die Macht, die sich nicht scheuen, sich – gerade als Frauen – offen für die Durchführung der größten Verbrechen der Männer, für einen 3. Weltkrieg als nuklearen Angriff auf Russland jetzt (!) auszusprechen, den sie selber ohne zu zögern als Machthaberinnen anordnen würden, wie sie öffentlich betonen! Das haben bisher noch nicht einmal die Männer selbst so unverblümt getan. Und wir Frauen und „emanzipierte Männer“ sollen diese Kandidatinnen bei den Wahlen unterstützen, weil nun endlich Frauen ganz oben sein würden und die „Gleichberechtigung“ „endlich“ Früchte tragen könnte! Welch ein entsetzlicher und höhnischer, grotesker Missbrauch der Frauenbewegung! Und eben diese merkt es gar nicht – sofern von ihr überhaupt noch etwas übrig ist. Im Gegenteil, Frauen brüsten sich immer mehr damit, „es“ noch besser machen zu können als die Männer, was es auch immer sei! Und sie wollen die Männer davon überzeugen, dass sie kein verhängnisvolles „Geschlecht“ haben, das sie je davon abhalten könnte!

Das gilt inzwischen sogar für Mütter, die sich mit der „Zerlegung“ ihres Leibes, oder jenem anderer Frauen, in einzelne Bestandteile und dessen maschinengleiche Neuzusammensetzung mit weiteren Bestandteilen einverstanden erklären, um sich selbst, oder eben anderen Frauen, zu einem Kind zu verhelfen. Sie glauben, damit am „technischen Fortschritt“ teilnehmen zu dürfen und verstehen gar nicht, dass es tatsächlich um die Unterwerfung ihres Leibes unter die globale Industrie des menschenmachenden und -transformierenden Medizinsystems, ja ihre sukzessive Abschaffung als Mütter überhaupt geht (s. Kampagne gegen Leimutterschaft sowie Rezension über Trallori). Wir haben das in der Ausgabe 1 des BUMERANG mit dem Schwerpunktthema Mutterschaft im Patriarchat bereits thematisiert, in dieser Ausgabe soll es um die Perspektive des Naturverhältnisses gehen, zu dem die Frauen, insbesondere als (potentielle) Mütter, in genuiner Weise gehören.

Geo-Engineerings: ein unkontrollierbares und lebensbedrohliches Chaos auf der Erde

Aber um tatsächlich verstehen zu können, welche Zwecke das System tatsächlich verfolgt, braucht es eine neue und fundierte Patriarchats-Analyse, die so viele, insbesondere so genannte FeministInnen (tatsächlich bezeichnen sich immer mehr Männer auch als angebliche Feministen), immer noch nicht begreifen wollen. Denn das Patriarchat ist prinzipiell naturzerstörerisch und läuft auf den Ökozid und Femizid, wenn nicht „Omnizid“ (Bertell), hinaus. Es gründet in einer Gesellschaftsutopie und -praxis, die in ein „Nach der Natur“ zu streben versucht, weil es die gegebene und gebende Natur als „mütterliche“ verabscheut und durch ein männergemachtes Kunstprodukt zu „ersetzen“ versucht. Wir merken jedoch, dass dies nicht funktionieren kann. Denn ein Drittel aller Fauna und Flora auf der Erde ist schon verloren, das Klima geht im Zuge der bereits jahrzehntelangen Anwendung militärischen „Geo-Engineerings“ in ein unkontrollierbares und lebensbedrohliches Chaos über, und die Lebensbedingungen auf der Erde verschlechtern sich rapide – zu Wasser, zu Lande und in der Luft.

Damit wird offensichtlich: Die Natur und das Lebendige lassen sich nicht ersetzen! Aber die meisten Menschen erkennen den laufenden Krieg gegen die Natur immer noch nicht, geschweige denn die Ursachen dafür, oder lassen sich mit falschen Erklärungen abspeisen von jenen, welche genau wissen, was sie tun (politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und militärische Eliten). Dabei hat es schon Goethe in seinem „Faust“ vor 200 Jahren beklagt: die Natur VERSCHWINDET, und zwar weil es das utopische Projekt der Moderne, vertreten durch die Geisteshaltung des „Mephisto“, ist, sie - wie alles Lebendige überhaupt - verschwinden zu lassen und ihr Verschwinden systematisch zu produzieren! Es ist die Negation der Natur, der „Hass auf alles Lebendige“ (Werlhof), der bereits erkannt wurde, und heute sind die meisten immer noch weit davon entfernt, uns von dieser Geisteshaltung abzuwenden, obwohl dieses Projekt die Welt bereits verwüstet hat und die Auswüchse dieser Verwüstung mehr als offensichtlich sind.

Denn klar ist auch: Die Natur ist – wie die Mütter – zum TABU-Thema gemacht geworden. Über das, was vernichtet wird und werden soll, darf nicht gesprochen werden; es ist wie im Nationalsozialismus! Das Verbrechen darf nicht benannt werden, es wäre unanständig und „politisch nicht korrekt“. Es wird verborgen unter der Annahme, Natur (und Mütter) gäbe es schon nicht mehr. Ihre Existenz, die dem Fortschritt weichen soll, wird negiert, obwohl sie tatsächlich jedoch noch da sind, wenn auch reduziert und stark geschwächt. An ihre Stelle soll die allgemeine „Gleichheit“ und „Gleichberechtigung“ treten, die sich ihrem Inhalt nach vor allem dadurch auszeichnet, dass sie jeden von Natur aus bestehenden Unterschied leugnet, ja auf juristischem Wege sogar verbietet, ihn überhaupt noch anzusprechen. Beispiel im BUMERANG 1 war das aktuelle Verbot, Mütter als Frauen zu bezeichnen, weil das die Männer diskriminiere und einen „Hass“ gegen diese ausdrücke. Dabei ist es ja genau umgekehrt: Der „Hass“ ist der des (von Männern etablierten) Systems gegen alles von Natur aus Seiende… Das aber ist das „kollektiv Unbewusste“ und Verdrängte des Patriarchats (Werlhof)!

Patriarchale Vorstellung der menschlichen All-Mächtigkeit


Wir haben also mit dieser Nummer viel zu klären, müssen aber auch Lücken zulassen, da es sich bei den aufgeworfenen Fragen um weitumfassende geht und der vorgesehene Rahmen allzu begrenzt ist. Die Klärung soll jedoch darauf hinauslaufen, dass wir dazu aufrufen, uns entschieden auf die andere Seite, nämlich jene der Natur zu schlagen! Von ihr aus wollen wir betrachten, was diese Gesellschaftsform macht, mit den Sinnen der Natur wollen wir wahrnehmen, was das tatsächlich bedeutet. Denn nur so SEHEN wir, was der Fall ist – nicht aus der üblichen umgekehrten Perspektive von der Gesellschaft aus in die Natur. Aus dieser wird uns nämlich nichts klar, weil die eigenen sozialen und „humanen“ Interessen den Blick nicht freigeben auf die Realität dessen, was WIR als Menschen der Natur als dem Lebendigen, an dem wir auch selbst als Erscheinungen der Natur teilhaben, antun. Für die Natur und das Lebendige haben wir ja meist noch nicht einmal mehr einen Begriff. Ein Zugang dazu wäre, sie als KONTINUUM zu verstehen. Denn wir sind nicht von ihr getrennt, sondern gehören zu ihr, wir gehören ihr an! Das bedeutet auch anderes und viel mehr, als lediglich ein „Teil“ von ihr zu sein. Denn wir könnten ohne sie gar nicht existieren, wir sind zutiefst mit ihr verbunden! Stattdessen stellen wir uns vor, dass wir in der Trennung und ohne sie leben könnten und glauben auch noch daran, dass das möglich, ja sogar erstrebenswert sei. Denn wir erfahren die Versuche, uns von ihr zu trennen, jeden Tag. Und sie bewirken auch etwas: Sie schwächen uns!

Wenn wir uns aber wieder der Verbindung mit dem Lebendigen besinnen, die „Verbundenheit alles Seienden“ erkennen, dann kommt die Kraft zurück. Denn diese kommt nur aus der Natur und aus unserem Erleben als ihr zugehörige Wesen! Allerdings beweisen solche Erfahrungen etwas, das aus der Sicht der Moderne ausgeschlossen und auszuschließen ist: die Lebendigkeit, die „Subjektivität“ der Natur jenseits des Menschen, eine ihn weit überragende, nicht-menschliche Daseinsweise. Das ist nichts für Anthropozentriker, die sogar meinen, dass jetzt das „Anthropozän“ begonnen habe, das Erd-Zeitalter „des Menschen“, also gewissermassen eines, in dem die Natur keine besondere Rolle mehr spielt. Letztendlich begreifen sie jedoch nicht, dass die Menschen die Natur und die kosmischen Gegebenheiten brauchen, da sie ohne sie tatsächlich nicht lebensfähig wären, dass der Planet jedoch auch ohne sie bestehen könnte, ja sie überdauern könnte, auch wenn als verwüsteter Gesteinsklumpen, auf dem alles Lebendige ausgelöscht ist, entzieht sich ihrer patriarchalen Vorstellung der menschlichen All-Mächtigkeit.


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Online-Flyer Nr. 586  vom 02.11.2016

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Von Kostas Koufogiorgos
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